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Die neue Friedrichs-Werdersche Kirche

Full text: Berlin und seine Umgebungen im neunzehnten Jahrhundert (Public Domain)

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BERUN IM NEUNZEHNTEM JAHRHUNDERT. 
St. Margarethen-Kirche, nahe bei der Westminstcr-Abtey, in London, auffallende 
Aehnlichkeit. In den beiden, durch eine durchbrochene Gallerie mit einander ver 
bundenen, Thürmen, von denen man eine schöne Aussicht über Berlin geniesst, 
befinden sich das Uhrwerk und die Glocken der Kirche. Bas entgegengesetzte 
(nördliche) Ende, welches in ein Fünfeck ausläuft, ist, auf dem Bilde, von den 
Bäumen halb verdeckt, so wie man von den Fenstern ebenfalls nur den oberen Theil, 
mit den reichen, aus gebranntem Thon gefertigten, Verzierungen der Spitzbogen, 
sieht. Die Kirche selbst ist, von der Froutlinie der Thürme in der Vorderseite bis 
zu dem äussersten Punkte des Fünfecks, 199 Fuss lang, und die Thürme haben 
134 Fuss Höhe. 
Die breite Strasse 
VON DER CÖLNISCHEN WACHE AUS GESEHEN. 
Die breite, in früheren Zeiten die grosse Strasse genannt, ist in der Altstadt von 
Berlin oder, genauer zu reden, in Cöln belegen und verdient den Namen in der 
That, indem sie um ein Bedeutendes breiter als alle, freilich nicht sehr geräumigen, 
Strassen jenes Stadttheils ist. 
Ausserdem wird sie aber für den Freund der alten Baukunst dadurch merkwürdig 
und anziehend, dass auf der rechten Seite, da, wo die Strasse mit der Spree parallel 
läuft, mehrere Gebäude stehen, welche schon im löten und 17ten Jahrhundert in 
der Geschichte der Hauptstadt erwähnt werden. Schon vor dem Kurfürsten Joachim 
Friedrich, im löten Jahrhundert, stand nämlich da, wo man noch itzt die Königl. 
Stallgebäude sieht, der Kurfürstliche Marstall, der indess, zu Anfänge jenes Jahr 
hunderts, baufällig wurde, was den Kurfürsten veranlasste, das Ganze seinem 
geheimen Rathe, dem Grafen Schlick v. Passau, zum Geschenk zu machen. Dieser 
kaufte später noch die Häuser dazu, wo itzt die mit den Nummern 32—34. bezeich- 
neten stehen (die Reitbahn der ehemaligen Ritter-Akademie) und das Nebenhaus, 
welche aber im Jahre 1604 der Kurfürst ihm wieder abkaufte und sie seiner Gemahlin 
Eleonore auf Lebenszeit verlieh. Diese Schenkung wurde in der Folge Veranlassung, 
dass die Kurfürstinnen dieses Grundstück behielten, so dass noch im Jahre 1641 die 
Herzogin Anna Sophie von Braunschweig, die älteste Tochter Johann Sigismunds 
und Schwester des Kurfürsten Georg Wilhelm, es unter dem Namen «der Kur 
fürstin Haus» besass. Nach dieser Zeit blieben die Gebäude unbenutzt, bis, 
unter dem Könige Friedrich Wilhelm /., dem Stallmeister Franz das Haus No. 34. 
(das letzte auf der rechten Seite unserer Ansicht) zur Errichtung einer Reit-Akademie 
eiugeräumt wurde. Späterhin wurde das Gebäude der Ritter-Akademie (dem Stamm- 
Institut für die itzige allgemeine Kriegsschule) überwiesen, im Jahre 1804 aber nieder- 
gerissen und, an dieser Stelle, nachdem noch ein Privat-Grundstück hinzugekauft 
worden, das neue Marstall-Gebäude aufgeführt, dessen Facade (mit dem Thorwege) 
man zur äussersten Rechten unseres Bildes sieht. Es ist ganz im modernen Stile 
erbaut, mit Basreliefs, welche sich auf die Bestimmung des Gebäudes beziehen, 
verziert und nimmt sich neben den vielen stattlichen Häusern, mit welchen die östliche 
oder Spree-Seite der breiten Strasse besetzt ist, sehr gut aus. (No. 32. u. 34.) Die
	        
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