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Die Bauschule

Full text: Berlin und seine Umgebungen im neunzehnten Jahrhundert (Public Domain)

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BERLIN IM NEUNZEHNTEN JAHRHUNDERT. 
pforten (auf der helleren Seite unseres Bildes), die Laden-Eingänge und Einfahrten 
hervorbringen, modiiieirt sind. Der Bau, wie er sich auf dem Bilde selbst darlegt, 
steigt zu vier Stockwerken, ein jedes von 8 Fenstern Front. Das erste Stockwerk 
bewohnt der Portier, der Kastellan; auch finden sich in demselben die Räume für die 
der Bauschule gehörigen Modelle und Abgüsse, dann 12 Kaufläden, von denen die 
meisten mehrere Fenster oder Eingangsthfiren und ausserdem noch Ladenstuben, mit 
besonderen Ausgängen versehen, besitzen. Diese Ausgänge führen in das Kellergeschoss, 
welches die Magazine der KauUcute birgt, und ausserdem noch die Heiz-Apparate des 
Gebäudes enthält. Der zweite Stock ist ganz für die Bauschule bestimmt. Neben 
4 Hörsälen findet sich ein Zeichensaal, die Bibliothek, ein Lese- und ein Konferenz- 
Zimmer für die Bau-Commission, die 1686 errichtet, 1603 mit neuen Instructionen 
versehen, erst 1742 den Umfang und die Ausdehnung ihrer jetzigen Wirksamkeit erhielt. 
Das Uebrige des Stockwerkes ist Treppenraum oder Corridor. Der dritte Stock 
enthält die Amts-Localitäten für Pläne und Akten. Diese Räume sind von der Treppe 
rechts, links führt der Corridor in die Amtswohnung des O. B. D. Herrn Schinkel, 
zu dessen Attclier, und dem Local für die Hülfsarbeiter. — Der vierte Stock ist 
das Dachgeschoss, welches in den Dächern nach einem inneren Lichthofe abfällt. — 
Die Decken der Stockwerke werden, mit Ausnahme eines Theiles des dritten 
Stockwerks und des ganzen Dachgeschosses, von flachen Gewölben gebildet, die, so 
wie alle äusseren und inneren Mauern mit Gesimsen, Ornamenten und Sculpturen, 
von Backsteinen ausgeführt sind, welche ihre rothe natürliche Farbe ohne Tünche und 
Abputz behalten haben. 
Die ganze Last des Baues ist auf ein System von Pfeilern vertheilt, die, auf einer 
verhältnissmässig geringen Grundfläche basirt, wenigsten^ in den gewölbten Stock 
werken durch ein durchgehendes System von Ankern vereint sind. Dieses nach einem 
bestimmten Princip ausgebreitete Netz von Ankern trägt den isolirten Fussboden der 
nächst höheren Etage, zwischen welchem und den Ankerbalken jede Schuttfüllung 
weggelassen ist. 
Was nun das Dach betrifft, so besteht die Abdachung des Rinuleistens aus 
gegossenen Zinkplatten, welche an den darunter befindlichen Gesimsstcincn verfestigt 
sind. Das Geländer, welches das Dach trägt, ist auch von Zink, hohl und dünn 
gegossen. — 
W as aber selbst bei dem beschauenden Laien dem Gebäude einen so bedeutenden 
Werth verleiht, sind die Ornamente, welche reich, ohne Ueberladung vertheilt, die 
Sauberkeit der Ausführung im höchsten Grade bethätigeu. Nicht nur ist der Bau nach 
bestimmtem Muster mit bläulichen gebrannten Thonkacheln, aus der Ofenfabrik des 
Herrn Gormann ausgelegt, sondern cs tragen auch die Fensterbrüstungen Basreliefs *) 
aus den verschiedenen Momenten der Entwickelungs-Geschichte der Baukunst; ebenso 
finden sich Ornamente in der Bogen-Ausfüllung über den Sturzsteinen bei den Fenstern 
des zweiten Stocks, und in den Seitengewänden an der Unterseite des Sturzes der 
Fenster, die zum grossen Thcil aus der Fabrik des Herrn Wenzel hervorgegangen sind. 
*) Die Abbildungen sämmtlicher Ornamente finden sich in der obenerwähnten und mehrfach benutzten 
Abhandlung des Herrn £ Flaminiua, so wie in Schinkel’s architektonischen Entwürfen 
(Berlin bei George Gropius).
	        
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