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Full text: Berlin und seine Umgebungen im neunzehnten Jahrhundert (Public Domain)

BERLIN IM NEUNZEHNTEN JAHRHUNDERT. 
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Bau der Kapelle und der Porzellankammer, der Etat so sehr überschritten, dass man 
genöthigt war, von dem Staatsmiuister v. Kraut (der auch bei dem Baue des Berliner 
Schlosses oft hatte aushelfeu müssen) gegen 6 Procent Zinsen Geld anzuleihen. Das 
Orangeriehaus (durch welches das alte Schloss mit dem Theater verbunden wird) kam 
erst ein Jahr vor dem Tode Friedrichs I., im J. 1712, zu Stande *). 
Gleich nach dem Tode der Königin Sophie Charlotte **), im J. 1706, wo 
Eosander v. Göthe der Bau des Schlosses übertragen ward, wurde an das Haupt 
gebäude, zu jeder Seite, noch ein zweistöckiger, einfacherer Anbau von 5 Fenstern 
angefügt, so wie der mittlere Vorsprung mit einem Fronton versehen, und auf 
diess eine prachtvolle Kuppel gesetzt. Auch die beiden zweistöckigen Seitenflügel 
rühren von jenem Baumeister her. Die schöne Facade, nach dem Garten zu, ist 
ebenfalls von Eosander, der sich aber, auf dieser Seite, nach Schlüter 1 s Vorgänge 
richtete, und das Halbgeschoss über den beiden Stockwerken durchführte, wodurch 
das Ganze ein besseres Ebenmaass erhielt. Der Theil des Schlosses, welcher nach 
Osten, nach der über die Spree gebauten Brücke zu, hinaustritt, vor welchem sich 
die Garten-Anlagen ausbreiten und worin die "Wohnzimmer S. M. des itzt regie 
renden Königs befindlich sind, ist, unter der Regierung Friedrichs II., von Knobels 
dorf gebaut worden, und unterscheidet sich im Stile und in der Anordnung wesentlich 
von dem sogenannten alten Schlosse. 
Was die innere Ausschmückung des Schlosses betrifft, so ist der Vorrath antiker 
plastischer Kunstwerke, der sich hier befand, und worunter sich mehrere ausge 
zeichnete Stücke aus der, von Friedrich I. erkauften, Cardinal Polignacscheu Samm 
lung befanden, in das Museum nach Berlin gekommen. Eben diess ist der Fall mit 
mehreren Bildern aus der niederländischen Schule. — In der Kapelle, die von oben 
beleuchtet ist, und durch ihre grossartigen Verhältnisse sehr imponirt, ist das Decken 
stück von Coxie gemalt. — Unter den modernen Kunstwerken, welche noch im 
Schlosse befindlich sind, verdient die schöne Marmorstatue I. M. der Kaiserin von 
Russland, Tochter S. M. des Königs, von dem älteren Wichmann, Erwähnung, da 
diese Arbeit vielleicht zu den bedeutendsten gehört, welche die neuere vaterländische 
Sculptur aufzuweisen hat. — Im Garten selbst sind an mehreren Stellen moderne 
Bronze-Copieen berühmter Statuen des Alterthums aufgestellt, unter denen sich 
namentlich eine schöne Copie der, im Museo Borbonico in Neapel befindlichen, soge 
nannten Venus von Capua bemerklich macht, die, unweit des neuen Hauses, in 
einem Bosket, in der Nähe des Flusses, aufgestellt ist. 
Der geräumige, zum Auffahren der Wagen bestimmte, Vorhof des Schlosses 
wird von dem Platze durch ein geschmackvolles, zum Theil vergoldetes, Eisengitter 
getrennt. Auf den Thorpfeilem stehen, als Verzierung, Copieen der berühmten Statue 
des Borghesischen Fechters, die sich gegenwärtig, mit der ganzen Borghesisehen 
Sammlung, im Pariser Museum befindet. 
*) Die Stadt oder der Flecken Charlottenburg wurde im J. 1706 angelegt. Eosmder V. Göthe, 
Schlüter’s Nachfolger, erhielt den Auftrag, die Baustellen um das Schloss zu vertheilen, während 
der Baumeister JYuglisch (im J. 1708) die Strassen absteckte. 
**) Sie starb am 1. Februar 1705.
	        
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