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Die Granitschaale

Full text: Berlin und seine Umgebungen im neunzehnten Jahrhundert (Public Domain)

BERLIN IM NEUNZEHNTEN JAHRHUNDERT. 
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Die Gramtsciiaaxe 
vor dem Königlichen Museum. 
Der Gedanke, grosse Monumente der Sculptur im Freien aufzustellen, wie die Alten 
es bei so vielen Gelegenheiten und an so vielen Orten gethan, hat sich bei den Neueren 
wohl hauptsächlich deswegen weniger ausgebildet und Eingang gefunden, weil die 
Besorguiss, die Erhaltung jener Kunstwerke durch den Einfluss der Witterung gefährdet 
zu sehen, zu vielen Raum gewonnen hat. Es lässt sich allerdings nicht leugnen, dass 
indem strengen nordischen Klima die Einwirkung der rauhen Jahreszeit, und namentlich 
des Frostes, # auf die Werke der Bildhauerkunst eine nachtheilige Wirkung haben 
dürfte: da man indess, auf der andern Seite, der Mittel so viele besitzt, sie durch 
Schirmdächer u. s. w. dagegen zu sichern, so sollte man sich vielleicht weniger abhalten 
lassen, auch Plätze u. dgl. mit dergleichen Monumenten zu verzieren, und so diesen 
Localitäten, die mitunter bei uns sehr spärlich bedacht werden, einen grösseren Reiz 
für das Auge zu verleihen. 
Die colossalc Schaale, welche gegenwärtig den Vorplatz des Museums schmückt, 
ist aus dem grössten der beiden sogenannten Markgrafen steine, welche auf dem 
Gipfel eines Sandberges (den sogenannten Rauenschen Bergen) bei Fürstenwalde, 
7 Meilen von der Hauptstadt, lagen, gehauen worden. Die Arbeiten zur Gestaltung 
dieses colossalen Steines begannen bereits im Mai des J. 1827, und beschäftigten, bis 
zum J. 1828, an Ort und Stelle täglich mehr als 20 und, bei dem ersten Uimvcndcn, 
etwa 100 Menschen. — Der Stein, woraus die Vase gearbeitet worden, war der grösste 
Granitblock, welcher bisher unter den, in der Mark Brandenburg zerstreuten, gefunden 
worden, und ragte bis zu einer Höhe von etwa zwei Stockwerken aus dem Boden 
hervor, (Der andere Stein ist nicht so gross.) Im Ganzen konnte der Stein 14 —15000 Ctr. 
gewogen haben, und die Schaale selbst halte in der ersten Arbeit noch ein Gewicht 
von etwa 1600 Ctrn. Die Ausmeiselung der Vase dauerte his gegen das Ende des 
J. 1828. Sie hat im Umfange etwa 69^ Fuss *), im Durchmesser 22 Fuss, und 
44 Menschen fanden, bei einem, in derselben gehaltenen, Frühstück, auf dem Rande, 
neben einander sitzend, bequem Platz**). 
Durch die vereinigte Anwendung von Menschen- und Maschinenkräften wurden 
die Schwierigkeiten des Transports dieses gewaltigen Steincolosses glücklich besiegt. 
Auf ungeheueren Walzen (aus ganzen Fichtenstämmen, welche, trotz ihrer Stärke, von 
der übergrosseu Last zerquetscht wurden) und auf einer starken Bohlenbahn, wurde die 
Schaale von dem Berge durch einen Wald, durch welchen man, zu diesem Zweck, eine 
eigene Strasse gehauen und eingeebuet hatte, nach dem Wasser geschafft, und auf 
diesem nach Berlin gebracht, wo sie, wie im Triumph, am 6. November 1828 mit dein 
sämmtlichen Personal der Steiuhauer, denVerfertiger der Schaale, Herrn Bau-Inspector 
Cantian, an der Spitze, auf derselben stehend, anlangte. Die Arbeiten an diesem 
*) Die grosse Porphyr-Tazza im Valicanischcn Museum in Rom liat nur 44£ röm. Fuss im Umfange. 
**) Bei dem Transport nach Berlin waren die Joche der Grünstrassen - Brüche für die Breite der 
Schaale zu eng, so dass man sich genöthigt sah, von den Pfosten ein Bedeutendes abzustemmen.
	        
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