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Das Cöllnische Rathaus

Full text: Berlin und seine Umgebungen im neunzehnten Jahrhundert (Public Domain)

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BERLIN IM NEUNZEHNTEN JAHRHUNDERT. 
Aufführung eines neuen Flügels, in der Scharnistrasse, an der nördlichen Seite des 
Gebäudes, veranlasst, der in dem milllcm Stockwerk die Wohnung des Directors, 
oben die neuen Classenzinimer und einen grossen Hörsaal enthält, in dem untern 
Geschoss aber von der Servis-Deputation benutzt wird. Die Lebhaftigkeit des Ver 
kehrs in jener Gegend wird durch den Cöllnischen Fischmarkt sehr vermehrt, 
welcher auf dem Platze vor dem Rathhause gehalten wird, und der sich bis zum Mühlen 
damm hinunter erstreckt. Das Haus, welches, zur Linken, die Ecke der Rossstrasse 
bildet, hat eine geschichtliche Bedeutsamkeit, indem der berühmte Feldherr, General- 
Feldmarschall Derßinger, es, von Nehring, für sich zum Wohnhause erbauen liess, 
und mehrere Jahre lang bewohnte. 
Die Mohrenbrücke, 
VON DEM SCUINKENPLATZE AUS GESEHEN. 
Bei dem verhältnissmässig geringen Vorrathe von "Wasser, welchen die Spree der 
Residenz liefert, haben wir dennoch eine grössere Anzahl von Brücken, als man sie 
selbst in den Städten findet, die au bedeutenden Strömen gelegen sind, z. B. Frank 
furt a. M. u. a. Diess rührt indess daher, weil man, namentlich in früheren Zeiten, 
die kleineren Kanäle, welche durch die Stadt sich hinziehen, dazu benutzt hat, um, 
bei ihrem üeberbau, diesen zugleich zur Anlegung von Arkaden, mit Kaufmannsgewölben 
darunter, zu verwenden, und solchergestalt eine neue Verschönerung für die Strasse 
zu gewinnen, durch welche der Kanal führt. Diess ist der Fall bei den vier Brücken 
der Art, welche wir in Berlin haben, der Königsbrücke, der Spittelbrückc, der Jäger 
brücke und der Mohreubrücke, von denen die beiden letzteren ihren Namen nach den 
Strassen führen, welche die Kanäle durchschneiden. 
Die Mohren- (oder richtiger Mohrenstrasseu-) Brücke wurde im J. 1789 nach 
Langhaus' Zeichnung erbaut, und bildet, über den sogenannten Festungsgraben 
führend, eine der Verbindungen zwischen dem Friedrichswerder und der Friedrichsstadt. 
Gekoppelte Säulen tragen die einzelnen Bogen des Ueberbaues, welche an den beiden 
äussersten Seiten, nach dem Schinkcnplatze und dem Gendarmenmarkte hin, Kreis- 
Abschnitte bilden, durch die man in den Porticus tritt, welchen die Brücke zu beiden 
Seiten darstellt. Das Ganze krönt ein reich decorirtes Gesims, das in der Mitte, zu 
beiden Seiten, mit einem Fronton verziert ist, an welchem, so wie au den äussersten 
Enden, Gruppen von Figuren angebracht sind. Im Innern des Porticus findet man 
Reihen von Kaufläden. 
Man sieht auf unserem Bilde einen Theil der Mohrenstrasse, welcher an die 
Brücke gräuzt, so wie, in der Entfernung, den Gendarmenmarkt und einen Theil der 
Fronte eines der grössten Gasthöfe in Berlin, des Hotel de Brandebourg. Die über 
den Gipfel des hohen, in der Mohrenstrasse befindlichen, Hauses hervorragende Kuppel 
ist die des einen der Thürine, welche auf dem Geudarmenmarkte stehen (s. S. 29.), 
und au welchen die sogenannte deutsche Kirche angebaut ist.
	        
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