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Der Mühlendamm

Full text: Berlin und seine Umgebungen im neunzehnten Jahrhundert (Public Domain)

BERLIN IM NEUNZEHNTEN JAHRHUNDERT. 
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14. Jahrhunderts wird ihrer erwähnt, und es geht aus diesen hervor, dass das Eigen 
thumsrecht an dieselben theils dem Laudesherrn, theils der Stadt zustand, so dass 
beide besondere Mühlen besassen. Im J. 1336 gab Markgraf Ludwig d. Aeltere seine 
Mühle, die er schon früher dem Herrn v. Wedel verpfändet, aber wieder eingelöst 
hatte, diesem abermals zum Pfände, und im J. 1354 verlieh Markgraf Ludwig der Römer 
mehreren Berliner Bürgern, wegen geleisteten Vorschusses von 1011 Mark, das Recht, 
aus «seinen beiden Mühlen« in Berlin jährlich 101 Mark Silber zu heben. Im J. 1363 
lösten die Markgrafen Ludwig und Otto (die Brüder Ludwig des Aeltereu von Bayern) 
ihre sämmtlichen Mühlen, die sie dem Rallie von Berlin versetzt, wieder ein, und bestä 
tigten dabei dem Rathe und den Bürgern das Eigenthumsrecht auf die Mühlen, welche 
diese entweder für immer, oder auf ihre Lebenszeit besassen. Dieses getlieilte Eigen 
thum hörte iudess nach der grossen Empörung der Berliner Bürger im J. 1448 (unter 
der Regierung Friedrichs II. oder «mit den eisernen Zähnen«) auf, wo die Stadt 
und die Bürger alle ihre Lehne und auch ihre Mühlen einbüssten, die, von da au, 
ein Eigenthum des Landesherm wurden und es auch geblieben sind. 
Was den Müh len da mm selbst (den wir auf unserem Bilde zur Rechten durch die 
zwei Laternen bezeichnet sehen, und den zur Linken die Häuser von ungleicher Höhe bil 
den) betrifft, so bestand er in den ältesten Zeiten aus einem schmalen, stegartigen Gange, 
auf dem da, wo das Gerönne lag, zwei Brücken angebracht waren *). Zwischen diesen 
waren, sowohl au den Mühlen selbst, als diesen gegenüber, mehrere hölzerne Krambuden 
aufgeschlagen, welche dem Amtshauptmann auf dem Mühleuhofe (s. weiter unten) 
einen Zins zahlen, und, sobald an den Mühlen etwas auszubcssem war, weggebrochen 
w'erden mussten. Die Absicht des Kurfürsten <Joachim Friedrich, der im J. 1605 
alle diese Buden neu auf bauen, dafür aber den Zins sich selbst Vorbehalten wollte, 
ging nicht in Erfüllung, und cs war dem, um seine Residenz so hochverdienten, gross 
sinnigen Kurfürsten Friedrich Wilhelm Vorbehalten, dem Mühlendamm eine neue und 
angemessenere Gestalt zu geben. Er liess im J. 1683 die Mühlen selbst unter der Auf 
sicht des damaligen Amtshauptmanns des Mühlenhofes, des, auch als Dichter wohl 
bekannten, Frhru. v. Canitz, entweder nach Smid's oder JYehring's Plan, neu bauen, 
und gab den Eigentümern der Buden diese als Erb-Eigenthum, wogegen er es ihnen 
zur Bedingung machte, die Buden aus dem Wasser heraus von Stein zu bauen, was 
auch im J. 1687 geschah, und wozu die Eigentümer die Bau-Materialien unentgeldlich 
geliefert erhielten. Um dem Ganzen ein besseres Ansehn zu geben, wurde das Unter 
geschoss des Baues als Arcaden eingerichtet, während auf der südlichen Seite des 
Mühlendamms (zur Linken auf unserm Bilde) der Durchgang auf die sogenannte 
Fischerbrücke mit einem hohen Portal verziert wurde, über dessen Schlussstein die 
Büste des Kurfürsten aufgestellt ward **). Die fünf Gänge, wodurch das Wasser 
gegenwärtig auf die Mühlen einströmt, liess Friedrich I. in den Jahren 1706 —1710 
durch den Baumeister Soothe aus Quadern aufführen. 
*) vergl. J. M. F. Schmidt’» historischen Atlas von Berlin Ko. i. 2. 
**) Der Saal über dem Portale, ■welcher im J. 1693 erbaut wurde, diente, eine Beihe von Jahren 
hindurch, den Berliner Kaufleuten aur Börse, bis diese, im J. 1739, nach dem Lustgarten ver 
legt ward.
	        
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