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Full text: Tonkünstler-Lexicon Berlin's / Ledebur, Karl, Freiherr von

660 Zelter. dessen von sich. Die Bühne ward nochmals gefegt. Die Generalität erschien im Parquet und der Hof nebst dem Adel im ersten Range der Logen. Um 6 Uhr kam der König. Seine Ankunft ward dadurch kund, dass ein Kammerherr mit 2 Armleuchtern neben dem Orchester in's Parterre trat und Trompeten ertönten. Diese Trompeten, 16 an der Zahl, waren in 2 Chören einander gegenüber in den obersten Ranglogen, dicht am Proscenium *) aufgestellt, auf jeder Seite 8 Trompeter und ein paar Pauken. Erst Iiessen sie sich wechselweise durch Fanfaren und Aufzüge, und zuletzt zusammen hören. Unterdessen trat der König in's Parterre, verneigte sich zuerst gegen den ersten Rang, wo die Königin und der hohe Adel war, nahm ein Fernglas und sah überall umher; dann verneigte er sich gegen die Generalität um ihn her und setzte sich endlich auf einen gepolsterten Stuhl hinter dem Kapellmeister, etwa 6 Schritt vom Orchester. Nun hörten die Trompeten auf, es war eine allgemeine, erwartende Stille, das Ohr war von dem ehrneu Schalle der kriegerischen Töne gereinigt: so fing die Sinfonie an, wozu selten oder niemals Pauken und Trompeten sein durften. Der Eindruck der Sinfonie unmittelbar auf das Geschrei so vieler Trompeten, musste allerdings schwach sein, da jedoch die Sinfonie kein absoluter Theil des Stücks war, als nur insofern, als das Drama einen Anfang haben musste, so ward von derselben auch nichts weiteres verlangt, als dass sie dem Drama vorangehen sollte, das nun mit dem Aufziehen des Vorhangs seinen · Anfang nahm. Die schönen Decorationen eines Bibiena und Galliari **), die reizenden, Tänze zwischen den Akten, ja selbst die grossen prächtigen Reifröcke der Sängerinnen und Tänzerinnen, die römischen Kleider und die griechischen Gewänder, machten mir alles gross und würdig. Die italienische, und überhaupt eine fremde Sprache schien mir nothwendig ja natürlich zur Darstellung so wunderbarer Dinge; daher kam es mir denn niemals unschicklich vor, Helden singend sterben zu sehen, wogegen ich oft genug die Einwendungen der damaligen Kritik anhörte Indem ich dem 'Vnnderbaren seine eigene Natur zugestand, konnte es mich vielmehr erschrecken, wenn ich an den Schau- spielern einen Ausdruck oder Bewegungen wahrnahm, die das Untergeordnete, Alltägliche verriethen. In späteren Jahren habe ich mich dessen immer erinnert, wenn ich hörte, dass Friedrich der Grosse auf seiner Bühne durchaus keine andern als ausländische Subjecte angestellt wissen wollte und fand seine Meinungen hierin ganz gründlich. - Das Theater war mir nun dadurch gleichsam nothwendig geworden, und da um die&e Zeit auch das deutsche Theater angefangen hatte Singspiele aufzuführen, so verschaffte ich mir Gelegenheit, die erste deutsche Oper zu hören; es war "Der lustige Schuster" v. Standfuss ***). Der Eindruck dieser Oper war mir jedoch durchaus widerwärtig und ward es immer mehr, obgleich der allgemeine Beifall diese Oper zu rechtfertigen schien. Dagegen hatte die italienische Opera buffa, welche der König unterhielt, einen grossen Heiz für mich; ich konnte mich noch lange an den Possen ergötzen, solehe naclmhmen, auf meine Art auslegen und erzählen etc." - Bis in sein 14tes Jahr hatte Z. seinen Schulunterricht bei einem Hofmeister ge- nossen; als dieser starb. kam er auf das J oachimsthalsche Gymnasium und zwar nach *) Diese Logen wurden, ihrer runden Oeffnung wegen, gewöhnHeb "Ochsenaugen" ge- nannt; die Trompeter und Pauker der Regimenter Garde du Corps und Gensd'armes wurden zum Blasen des Tusches benutzt, **) llibiena, eigentlich Joseph Galli mit Namen, geboren 1ti96 zu Parma, kam 1751, und sein Sohn Carlo Galli 1763 nach Berlin. Bernardino Galliari od Gagliari, geh. 1709 zu Turin, ward 1773 nach Berlin berufen, wo er jedoch nur kurze Zeit blieb. (Schneider's Geschichte der Oper, p. 134, 174). . ***) Der erste Versuch zur Aufführung einer Oper in deutscher Sprache zu Berlm ward um 1743 durch Schönemann mit der vom Geh. Rat.h v. Borcl< aus dem Engl. übersetzten ko- mischen Oper: "Der Teufel ist los", mit Beibehaltung der euglis~hcn M~?ik, ge~acht. Die .Arien wnrden ohne Accompagnemcnt gesungen, und das Stück missfiel. EI~. zwe.Itcr Versuch ward um 176G mit dem Singspiel: "Der lustige Schulmeister'', gedichtet v. NIColai, comp. von dem Berliner Advokaten Christian Gott.fried Krause, gemacht. Fort?'esctzt~ d,rutsch~ Oper~­ Auffiihrungen fanden erst seit 1771 in Berlin statt, !loch war damals niCht. WIC Z. aug~ebt, die genannte Oper die erste, sondern: "Die verwandelten \Veiber" oder: "Der Teufel ist los", Sgsp. in 3 A. Musik v. Standfuss, am !l. Juli 1771 zuerst gegehen; crs~ am 20, Juli folgte: "Der lustige Schuster", 2. 'l'hl., von: "Die verwandelten Weiber", Sgsp. m :3 A. Musik v. Standfuss. Zu beiden Opern hatte auch Hiller einige Arien componirt.
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