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Full text: Tonkünstler-Lexicon Berlin's / Ledebur, Karl, Freiherr von

642 Wieprecht. des K. Hannöv, Verdienst-Kreuzes 1. Kl., Mitglied der Akademie zu Stockholm. Folgende Biographie hat mir Hr. \V. auf meinen \Vunsch zugeschickt, und ich gebe sie wörtlich wieder: "1802 1len 10. August in Aschcrsleben geboren, erhielt ich meine Erziehung daselbst von meinem Vater, den dortigen Stadtmusikus \V. Schon in zartester Jugend wurde ich, so zu sagen, handwerksmässig für die Musik herangebildet. Trotzdem ich fast alle Blase-Instrumente erlernen musste, liess mein Vatr,r doch nicht auaser Acht, mich h:'tuptsächlich fiir die Violine zu bestimmen. Der in meiner Vaterstadt lebende Kricgsrath Körte erkannte früh schon ein überwiegendes Talent bei mir und suchte mich stets zu ermuntern für ein ~icheres Kunststreben. Endlieh, obgleich in jener Zeit die Musik dort uicht niedrig stand, fühlte ich doch, dass der Boden in meiner Heimath nicht der rechte sei für höhere Kunstbcstrebungen. Ich verliess völlig mittellos im J. 18Hl meine Vaterstadt als reiseuuer Musikus und wandte mich zuerst nach Dresden. - Ein weiteres Feld eröffnete sich für mich, und nicht unbenutzt liess ich den Aufenthalt 1lasclbst für meine höhere Ausbildung, besonders im Violinspiel. Auch in der Compo- sition fing ich damals schon an nach dem Gehöre V ersuche zu machen. Der jetzige Concertmcister L. Haase in Drcsucn war mein Lehrer auf der Violine, und ich benutzte dessen Unterricht mit einem solchen Fleisse, dass ein damals mir gegenüber wohnender Nachtwächter durch die Polizei das Ueben vor früh 6 Uhr untersagen Iiess. Der Aermstc wollte schlafen und ich musste ja spielen. Nach Verlauf eines Jahres zog mich der :::ltadtmusikus Barth zu ·sich nach Leipzig in Condition. Gleichzeitig wurde ich dort im Stadt-Theater und bei dem Orchester der Gewandhaus- Concertc angestellt. Auch der Compositions-Studicn beflcissigtc ich mich in Leipzig besonders, und schrieb dort grösserc Harmoniemusiksachen, auch ein Violin-Concert und mehrere Salonstücke für Violine. Neben der Violine war ich Concertbläser auf der Posaune nnd trat damals mit dem be- rühmten Qucisser in die Schranken. Auch als Clarincttist leistete ich nichts Unbedeu- tendes. Nach einem dreijährigen Aufenthalte in Leipzig trat ich im J. 1824 am 2. 1\Iai in die hiesige K. Kapelle, wurde jedoch erst am 2. November laut Kabinets-Ordrc de- finitiv als K. Kammermusikus angestellt. Meine Liebe zn den Blase-Instrumenten wurde [durch die schöne 1\Iilitairmusik in Berlin erhöhet, und ich entsinne mich, dass, als ich das Musikchor des Kaiser Franz- Grenadier- Regiments mit klingendem Spiele in den ersten Tagen meines Hierseins ganz zufällig anf die Wachparade rücken sah, mir die hellen Thränen aus den Augen stürzten und ich nicht wusste, was mit mir geschah. Die Militairmusik machte einen solch' gewaltigen Eindruck auf mein jugendliches Gemüth, L:!!:ss ich von jener Zeit untrennbar von ihr blieb. Ich erkundigte mich nach der Instru- mentalbesetzung und schrieb mehrere Defilirmärsche, die auf V crwendung meines jüngern Bruders, welcher als Oboebläser in diesem Chore diente - jetzt erster Oboeist der hiesigen Kapelle - bei seinem damaligen Dirigenten, den jetzigen Director des K. Dom- Chors, IIrn. A. Ncithardt, sogleich gespielt und als nen und cigenthümlich von demsel- ben bezeichnet wurden. Kurz hierauf schrieb ich ein grösseres \Vcrk in der Form des Spohr'schcn Nocturuo's für Blase-Instrumente, welches nicht gestochen, sich weit in der Musikwelt verbreitet hat. Spontini hörte diese Composition und er lenkte seine Auf- merksamkeit auf mich, so dass ich, als ein besonderer Vorzug vor vielen andern Künst- lern Bcrlins, hald als sein täglicher GeseJlschaftcr in sein Haus gezogen wurde. Von da ab machte ich immer mehr Fortschritte und Erfahrungen in diesem Kunstzweige; studirtc Akustik und gelangte so zu der Wissenschaft, welche erforderlich ist, die tief- sten Geheimnisse im Heichc der ßlasc-Instrumente zu erforschen. Zufördcrst verbesserte ich die V cntilc an den Blech-Instrumenten und bestrebte mich, den Klang wie die Rein- heit derselben durch akustisch richtig berechnete Constructionen zu erhöhen. Der da- mals hier lebende Instrumentenmacher J. G. Moritz war mir hierbei sehr behülflich. Im J. 1835 erfand ich in Gemeinschaft mit l\loritz U.ie Bass-Tuba*), welche 10 Jahre in unscrm Staate patcntirt ward. 1839 erfand ich in Gemeinschaft mit Skorra das Batyphon (auf 10 Jahre patentirt)**); 1842 das Piangcndo an den chromatischen Blech-Instrumenten *) Die chromatische Bass-Tuba ist ein Blechinstrument von starkem, vollem, jedoch auch biegsamen Ton, von 4 Octavcn (c bis contra c) im Umfange. ,V .. ward in Folge dieser Er- findung von der K. Aka
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