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Full text: Tonkünstler-Lexicon Berlin's / Ledebur, Karl, Freiherr von

684 Taubert. nichts werden. Violine und Flöte wurden gleichfalls geübt, erstere unter Anleitung des Kammermusikus Alb. Hcnning jun., letztere bis zu ziemlich bedeutender Fertigkeit ohne eigentlichen Unterricht. Um diese Zeit führte ihn die l\luttcr zu dem damaligen Director der Sing-Akademie, Zelt er, dem er einen l\Iarsch eigener Composition vorspielen sollte, der den Eltern besonders gelungen schien. Zcltcr, der wohl ,·iclfach in ähnlicher '"eise überlaufen wurde, gab ihm in seiner derben '"eise den wenig ermunternden Ausspruch: "Jeder Schuster bleibe bei seinem Leisten", worauf .l\luttcr und Sohn still betrübt wieder nach Hause gingen. Einige Zeit später brachte ihn der Musiklehrer Penther, der sich des Knaben angenommen hatte, zu Zeltcrs Nachfolger Huugcuhageu, Jesseu Urthcil über eine etwas formlose Phantasie schon gerechter uud gütiger lautete: "Sie habe Kopf uud Fuss, aber keinen Leib.'' - Durch die VermitteJung des Kriegsraths Langheinrich, war die Aufmerksamkeit des knustsinnigen General v. \Vitzlcben auf den kleinen '1'. gelenkt. worden, der in einer Soirer!, in der auch Spontiui gegenwärtig war, eine freie Phantasie und melm~re Compositionen vortrug. General v. Witzleben uahm nun die Sorge der wl'iteren Ansbiltlung des Knaben dem uubemittelten Vater ab, und übergab ihn, etwa 12 .Jahre alt, Ludwig Herger, dessen Schüler T. mehrere Jahre blieb, untl der seinem Zöglinge die anuancrndste Pflege und Theilnahme schenkte, aus Jer sich später das frcuwlschaft- liche Verhältniss beider Kiinstler eutwickelte. Zu gleicher Zeit vertauschte T. auf Wunsch v. \Vitzleben's das Fricdrich · 'Vilhelms Gymnasium mit dem französischen, nnd erhielt auch beim Professor Valentini Unterricht in der italienischen Sprache. In einem Alter vo11 1:1- 14 Jahren trat er zum ersten Male öffentlich mit einem Concert von Dusseck und den Variationen seines Lehrers über: "Schöne l\Iinka" auf. An einer viel geiibten Passage hatte sich der Daumen wund gespielt, so dass Berger ihm kurz vor Be- ginn de~ Concerts die Stelle ändcm musste; der junge Virtuos spielte jedoch zur freu- digen U cberraschung seines Lehrers die neue Passage mit derselben Sicherheit, als ob er längst mit ihr vertraut gewesen wiire, wofür Herger ihn spiiter noch oft belobte. Im Alter von 16. Jahren verliess T. das Gymnasium, in desseu erster Klasse er 11, Jahr gewesen mit dem Zeugniss der Reife zur Universität, d;e er 5 Jahre besuchte, entschied sich jedoch zum künstlerischen Lebensberufe. Die theorrtischen Studien machte er thcils unter Berger's, thcils unter B. Klein's Leitung. Im Laufe der Jahre erwarb er sich durch wiederhohes öfl'ent- liches Auftreten, namentlich durch die in den Soireen l\Iöser's gern von ihm gehörte Ausführung der Clavier-Concertc Beethoveu's und l\lozart's die Stellung des nächst seinem Lehrer Herger gcachtctsten Virtuos!:'ll und gesuchtesten Clavierlehrers Berlin's. Als er in den gedachten Soireen zum ersten Male Beethoven's Concert in C-moll vortrug, ur· theilte B. Klein, der sieh unter den Zuhörern befand: "er habe es wie eine Field'sehe Romanze gespielt". In diesem Vorwurfe zu grosser 'Veichlichkeit der Auffassuug lag eine iudirecte Anerkennung derjenigen Eigenschaft, die T's. Spiel noch heute vor allen :mtlern Virtuosen, mijgen sie ihn an Fertigkeit uud Kraft noch so weit iibrrragen, aus· zeichnet: die weiche, gesangvolle Behandlung des Instruments nämlich, so wie rler aus- drucksvollste melodische Vortrag; sein Anschlag ist unter Hunderten hcrausznerkcnnen. Schon in friihester Jugend begaun er Unterricht zn geben, und hat unter seinen zahl- reichen Schülcm manches schätzbare Talent aus der Dilettanten· und Künstlerwelt zur Heife gebracht, unter denen besonders Th. Kullnck, Alex. Fcska, G. Sehnmann und L. Schlottmann hervorzuheben sind. Es wird vielfach bedauert, dass sein späterer Wir- kungskreis ihm nicht mehr erlaubt. deu immer noch an ihn ergehenden Gesuchen um Unterricht umfassender zu gcuügen. - Nach mehrfachen kleinen Ausflügen nach Pom. mern, Rügen u. s. w. und einer noch als Gymnasiast mit dem berühmten Tenoristen Wil
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