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Full text: Tonkünstler-Lexicon Berlin's / Ledebur, Karl, Freiherr von

Sontag. mals in ßerlin und geisselte diesen in's Lächerliche gehenden Taumel, der Jung und Alt ergriffen zu haben schien, auf das Schärfste. Die Rollen, die sie in Berlin sang, sind folgende: 1825: Isabelle (d. ltalieneri~i_ll__~lgier, bis 1827 ungefähr 40 Mal); Berta. (Schnee, gegen SO Mal); AscheiillrOilel (in d. Op. v. Ros~ini, 23 ~Ial); La.ura (Mädche\tatreue). 1826: Fiorilla (d._ Türke ir Itali-m); Lilla., Op. gl. N.: Sophie (8argincs): Anua. (d weisse Dame, 22 Mal); Azelie (Aladin). 1827: Rannehen (Jocondej; Rosine (d. lustige Schuster); ~fathilde v. Shabra.n (Corra.dino); Adele (d. Lottonummern); Lysinka (8tanisl:ms); Griifin- {Q.--liebens- -wiirdfge Alte); Maschinka. (der Liebe Macht). Sie trat hierauf eine Kunstreise nach ~ au. Die Wirkung, welche die Sängerin hier auf und ausser der Bühne hervorbrachte, grenzte an das Wunderbare. Die. deutsche Sängerin, die es wagte, sich mit den Italienern zu messen, hatte dieser scheinbaren Ver- messenheit wegen ein entschiedenes Vorurtheil gegen sich hervorgerufen. Sie trat schon am 3ten Abend nach ihrer Ankunft als Rosine (Barbier) zum erstenmale auf. Als die Erwartete, unter der man sich eine dreiste, corpulente Provinz.Sängerin gedacht, in ihrer schüchternen Lieblichkeit erschien und die ersten Silbertöne von augenblicklicher Be- fangenheit vibrirten, da brach in Anerkennung dieser zarten Bescheidenheit und der Lieb- lichkeit ihrer Erscheinung ein allgemeiner Beifallsdonner los. Diese bisherige Nachsicht verwandelte sich aber in Enthusiasmus als die Sängerio die erste Cavatine gesungen. Im Ganzen gab Henl"iette Soutag 23 Gastvorstellungen zu Paris und erhielt die letzte (Donna del Lago) als Benefiz. Die glänzenden Triumphe, die sie hier feierte, und die sieh bei jeder neuen Vorstellung zu steigern schienen, bewogen die Direction der Oper ihr unter den vortheilhaftesteu Bcdiugungen ein Engagement anzubieten, das sie annahm und nach Ablauf ihres Berliner Contractes antreten sollte. Nachdem sie die Seebäder gebraucht, trat sie über Mainz, Frankfurt a. 1\L und Weimar ihre Rückreise nach Berlin an. Der Enthusiasmus in Frankfurt, den llörnc. in einem witzigen Artikel schildert, ging sogar so weit, dass der Gastwirth bei ihrer Abreise jede Bezahlung ausschlug. In Weimar ward sie von Göthe, der sie stets die "flatternde Nachtigall" nannte, wahrhaft väterlich aufgenommen. Die Berliner Directoren hatten unterdessen erfahren, dass sie in Paris einen Contract abgeschlossen hatte und machten ihr bei ihrer Ankunft die unerhörtesten Anerbietungen, um sie zum Bleiben zu bewegen; doch umsonst, denn sie hatte sich fest verpflichtet. Ganz ßerlin gerieth ausser sich über den bevorstehenden Verlust und wollte ihn kaum glauben. Als sie zuerst wieder auftreten sollte, zogen Ströme von Menschen der Königstadt zu, doch zeigte sieb eine sehr gereizte Stimmung. Als die Sängcrin zum Theater fuhr, ward sie schon beim Eingange mit Zischen und Pfeifen empfangen. Man gab "die Italienerin in Algier". Das junge Mädchen ahnte nach dem was sie eben erfahren, was ihrer harrte, und trat in der fiirchterlichsten Be· fangenheit auf; auch rechtfertigte sich ihre Furcht vollkommen, denn das ganze Publikum brach bei ihrem Erscheinen in ein Pfeifen, Zischen und Geschrei aus. So oft sich die Masse einigermaassen beruhigt, ging das Gebrüll von Neuern los. Gewiss hatte nie eine Sängerio schmeichelhaftere Zeichen von Misfallcn erhalten, aber überwältigt von der Beschimpfung, brach sie auf der Bühne in Thränen aus· und wollte sie verlassen. Da bog sich der König Friedrich Wilhelm Ill., der sich in der Loge nahe beim Theater befand, vor und rief ihr halblaut zu: "Warten! sie werden schon aufhören!" - Und so war es auch: die Schreier wurden müde, man liess ihren Gesang beginnen, nach dessen Beendigung der Jubel des Beifalls die früheren Missfallsäusserungen noch bei Weitem übertraf, und die Sängeriu erfreute sich nun wieder wie bisher der ganz~n Gunst des Publikums bis ihr Contraet becndet war. Am 5. September 1827 betrat s1e als Sophie (Sargines) zum letzten Male die Königsstädter Bühne und ward bierauf noch für Ga!lt- darstellungcn bei der K. O~r zu Berlin gewonnen. Sie trat dort als D. Anna, Agathe, Susanne, Myrrha, Rosine -und Euryanthe mit dem grössten Beif~~l au.f und reiste dann nach Paris ab, nachdem sie ,·orher zur ~~nigliche11 _J~aiiiiii().r~crm ernannt worden war. In Paris ward sie noch bei Weitem glänzenocr als bmm ersten Male empfangen und feierte selbst über die Pasta einen Sieg. Rosine, Cenerentola, ~emiramis, Donna Anna, waren ihre Hauptrollen. Von Paris ging sie nach L?ndon um h1er neue Triumphe zu feiern; der Andrang war dort so gross, dass dem Pubhk~m erlaubt ward, hinter den Coulissen auf Stühlen zu stehen, weil nicht Stühle genug ID den bisherigen Raum zu
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