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Full text: Tonkünstler-Lexicon Berlin's / Ledebur, Karl, Freiherr von

Berger. 49 trat mit noch einem andcrn Sehüler Clementi's: A. Klengel, durch Curland und Liefland die Kunstreise nach Petcrsburg an. Hier angelangt, machte er die Bekanntschaft der berühmten KlaYierspieler Stcibelt und Field, und die des Letzteren übte besonders grossen Einfltu;s auf seine VirtuosiHit ans. Petcrsburg war zu jener Zeit überhaupt der Sammel- platz ausgezeiclmcter ?tlusikcr, die, durch die Kriegsereignisse des übrigen Europa's ver- trieben, sich hierher gezogen hatten; unter ilmen sind: U. Möser, B. Hombcrg, L. Maurer zu nennen, die sich ebenfalls von Berlin dorthin begeben hatten. ß. liess sich nach der Abreise seines Lehrcrs in Petcrsburg nieder und wirkte dort 6 Jahre hindurch als Lehrer, während welcher Zeit er sich verheirathetc. Der Tod seiner Gattin und seines Kindes bewogen ihn zu dem Entschlusse , Petcrsburg zu verlassen, und er wandte sich zuniichst nach Schweden, wo er sich in Stockholm mit Beifall öffentlich höreuliess. Von hier rcisste er nach. London, fand dort seinen alten Lehrer Clementi wieder, und machte die Bekanntschaft Cramer's und Dr. Crotch's. Nachdem er in London einige Jahre als Mu- siklehrer gelebt, dort auch als Concertspieler mit Beifall aufgetreten war, und auf den Rath Clementi's einige seiner Compositioncn hatte drucken lassen, k~hrte er 1815 nach Berlin zurück, und wirkte bis zu ~einem Tode dasclbst mit dem gliicklichsten Erfolge als Ula- vierlchrcr. Unter seinen vielen Schülern haben Felix :Mcndelssolm und ,V. Taubcrt sich den Huf als Virtuosen ersten Ranges erworben; ferner sind zu nennen: A. "\V. Bach, R. v. Ilerzberg, Fanny Hcnsel, l\1. Erncmann, '"· Töche, Helene 1\iussini, Jul. Schneider, Herrm. Küster u. a. Auch mehrere Ausländer kamen nach Berlin, um seinen Unterricht zu w~niessen, unter ihnen die EngHinderinnen Miss David und Miss Anna Laidlaw; wie anch A. lienseit seinem Hathc vieles zu verdanken haben soll. Besonders rühmt man seine Methode des Fingersatzes, die auch viel zu seinem Erfolge als Clavierspieler beitrug, da seine Finger, als sehr kurz, 8ich nur wenig znm Clavicrspielc eigneten. Die Ankunft B. Klein's in Berlin, mit dem er nähere Bekanntschaft schloss, wirkte fördernd auf B's. Uompositionstalcnt, und gab V cranlassung zur Stiftung der "jüugcrcn Liedertafel" iu Bcrliu, die er im Vereine mit B. Klein, G. Hcichardt und L. Hellstab im Jahre 1819 gründete, nllll für die er im Ganzen 19 mehrstimmige 1\länncrgesängc componirt hat. Spiitcr schied er wegen entstandener Missvcrstiindnisse aus, blieb aber bis zu seinem Tode Ehrenmitglied derselben. Sein Schiilcr und Prcund L. Hellstab sagt in einem Auf- satze {Schillings Lcxicon) von ihm als Uomponist: "Eine hypochondrische Anlage, durch V crh.ältnisse des Lebens gesteigert, übte ihren feindseligen Einfluss auf den Componistcn und versagte ihm diejenige iiusscrc Beharrlichkeit und dr.n leichten freien Sinn, wodurch man sich über m ö g 1i c h c Hindernisse der Zukunft hinweg zu setzen wissen muss, wenn ein Kunstwerk mit seinen zarten Keimen gesund durch die rauben Schaalen brechen soll, mit welchen der irdische V er kehr es cingriinzt" etc. - Diese Charakterrichtung ß's. giebt Hellstab als Grund an, dass die Compositionen desselben nicht die Anerkennung fanden, die sie bei seinem Talente verdienten. Ausscr den gedruckten Compositionen B's. hat derselbe noch eine ?tlengc im 1\Ianuscript hinterlassen, darunter: Symphonien, Cantaten, Scencn, begonnene Dpcrn (u. a. Orest. Text von L. Hellstab ). - Er starb 16. Februar 1839 zu Berlin ganz plötzlich am Schlagflusse, während er einer Schülerin Unterricht erthciltc. Zu seinem Andenken ward in der Singakademie, deren l\Iitglicd er 1803 geworden, eine Trauerfeier yeranstaltct, wobei, ausser dem Requiem von Mozart, B's. Gloria und Sappho gegeben ward; sein Schüler Taubcrt wirkte dabei als Clavicr- spiclcr mit. Von seinen Freunden ward ihm ein Denkmal gesetzt mit. der Inschrift: Ludwig Berger, als Künstler gross, als 1\Iensch edel, wahrhaft, freisinnig." - Eine niihere Schilderung seiner Persönlichkeit findet man ,-orzugsweisc in der Schrift L. Hellstab's: L. ßcrger, ein Denkmal. Bcrl. 'frantw. 1fl4(i, in welcher auch sein Bild enthalten ist. Un tcr seinen Liedern sind auch manche Volkslieder geworden. C antaten Li c der und Ge s iin g c. 8 deutsche Lieder v. Ludwig, m. ßeo-1. d. Pf. Berlin 1801 auf Kosten des Verf. gcdr. bei G. Fr. l:ltarkc, dem Kammermus. 0 Gürrlich ded., ist wohl sein erstes gcdruektcs \V crk, noch ohne Opus-Nummer, cuthält: (1. Liebe: Ich singe Dir 0 Echo. 2. \vicgenlied: Sch!af mein lie?es M>iuschen. ~· Trinklied im Griinen: Der Frühling ist erschienen. 4. Der Mmabcnd: \VJIIko~mcn o sehgcr Abend. 5. Immer sind der Freuden. 6. Hoffnung und Erinnerung: Treu vm·emt. 7. Die 4 Stufen des Menschen- lebens: Da ich noch als Knabe. 8. Lob der Liebe und des Weins). - 12 deutsche Lieder, der DI!e. Wilhelmine Karges (seiner nachherigen Gattin, einer guten Sängerin) gewidmet. 7
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