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Full text: Tonkünstler-Lexicon Berlin's / Ledebur, Karl, Freiherr von

482 Rungenhagen. waren es besonders zwei, mit denen er sich befreunuetc, der eine war l<'ranz Ca tel, später als Landschaftsmaler, und Joscph Fischer, sp1iter als Basssänger berühmt gewor- den, der Eine regte ihn zum Zeichnen, der Andere zur :llusik an. Eines Tages fielen die Knaben auf den Gedanken, ein kleines Theater im elterlichen Hause zu bauen. und R. machte die Decorationcn dazu; es wurden kleine Aufführungen veranstaltet, und der 9jährige Künstler improvisirte auf dem Claviere Märsche und andere grossartige Compo· sitionen, worüber die Kinderwelt staunte. Als R. 10 Jahrc alt war, kam sein künftiger Beruf zur Sprache, der Vater sprach vom Kaufmannsstandc, wovon aber dC'r Sohn nichts wissen wollte, da sein ganzes Trachten dahin ging, sich der Kunst zu widmen. Die Kunst behielt die Oberhand; nun entstand aber die Frage: 1\Iusik oder Malerei? De1· Knabe ent8chied sich endlich fiir Malerei und ward nun von seinem Vater zu dem be- rühmten Kupferstecher Dan. Chodowiecki gebracht, der damals Vice-Director der Aka- demie der J{ünste war. H. ward als Sehülcr der Akademie eingeschrieben, durehlief bis zu seinem 16ten Jahre alle Klassen mal lieferte n. a. auf der Kunstausstellung von 1793 eine grössere Zeichnung. Doch sein Talent neigte mehr zur Landschafts-Malerei hin, in der Geschichts-l\Ialcrei blich l'r zuriick, weshalb sein Zutritt in die "Lebens-Klasse" vom Senat noch auf ein Jahr hinansgeschoben ward. Dies kränkte den Jüngling, ein Misstrauen gegen sein Talent entstand in ihm, und er beschloss, die Künstlerlaufbahn aufzugeben. Da jubelte der Vater und meinte, er habe doch die riebtigere Ansicht ge- habt. Doch obgleich nun R den Kaufmannsstand ergriff, so nahm doch bald seine Neigung zur Musik alle seine Gcdanhn in Anspruch, und auf dem Comptoirpulte la,::en mehr Notenblätter als llandlungsbücher. Unter seinen früheren Musiklehrern war Wit- tbauer der beste, aber auch bei ihm waren die Fortschritte R.'s nicht von Bedeutung gewesen; jetzt machte er die Bekanntschaft des würdigen Concertmeisters Carl H. H. Ben da, dessen gründlicher Unterricht ,·on entscheidendem Einfluss und Erfolg war. H. sagt von ihm, kein Privatlehrer hätte ihm einen so methodischen Clavier- und so fruchtbringenden allgemeinen musikalischen Unterricht ertheilt, wie dieser. - Im J. 1i9G stm-b dt.:r Vater und hinterliess die \Vittwe mit 2 Söhnen und 3 Töchtern in grosscn Sorgen, rlenn der Zustand des Geschäftes war zerrüttet. Der junge R. ward nun die Stütze dei· Familie und ernährte die Seineu durch sein Talent, indem er Unterricht in der Musik crtheiltc. In dieser PflichterfülJung fühlte er ~ich glücklich und Alles gerieth wohl. Um diese Zeit machte er die Bekanntschaft Fr. \Vollank's, mit dem er innige Freundschaft schloss. Ein fröhliches 1\ünstlerlebcn begann nun fiir ihn; selbst die Malerei konnte wieder zur Erholung hervorgesucht werden, er belheiligte sich bei dem Privat-Theater "Urania", agirte, sang, dirigirte, schrieb mehrere Opern und malte an 30 vollsHindige Decorationen. Um das J. 1800 fällt seine Bekanntschaft mit J. P. Schmidt, ein Jahr später, am 7. Oct. 1801, trat er in die Sing-Akademie, wo besonders Zelter und L. Hellwig auf ihn ein- wirkten. Von dieser Zeit an wurden alle seine Bestrebungen in der Musik ernsterer und tieferer Art; auch begann er fleissig zu componircn, es erschienen Lieder, Märsche, die er dem Könige zueignete; und er erhielt den Auftrag, eine Festmusik für das Kadetten- Corps zu schreiben, besonders aber ward er durch die Composition eines Tedeums. das er zur Rückkehr des Königs 1809 eomponirtc>, vortheilhaft bekannt auch übernahm er häufig die Leitung der in Bcrlin gegebenen Concerte. Die Bekanntschaft mit B. A. Weber und G. A. Schneider gewährte ihm mauchen Vortheil und die Belehrung des Letztern. Den Antrag B. A. \Veber's, eine auswärtige 1\Iusik-Director-Stelle anzunehmen, lehnte er wegen seiner Familie ab. - Das Lehen R's war jetzt reirh an Wirksamkeit und Freude, ungeachtet der Prüfungen, die ihn vornehmlich in seiner Familie trafen. Im J. 1809 stiftete Zelter die LieuCI tafel und R. gehörte zu den ersten Milglicdern, die sich zur Constituirung derselben am 21. Dec. 1808 versammelten, ward von 1825---27 und 1830-32 zum Beimeister und nach dem Tode Zclter's zum Meister de~selben gewählt, für die er viel Lieder componirt bat. R. ward mit Vielen bekannt, dw für die Kunst lebten, darunter Fürst A. Radziwill, Graf Briihl, General v. Witzleben u. a. Im J. 1812 entspann sich eine innige Freundschaft zwischen ihm und C .. M. v. Weber, dessen Geist ihn ungemein ansprach. Schon friiher (1811) schrieb er seme Oper: "Der Fiseber an der Ostsee", die im J. 1814 unter dem Titel: "Der Fis~her zu Colberg" im K. Theater Z'_l Berlin aufgeführt ward. Im J. 1815 ward R. Vi.c~-D1recto~ der Sing-Akademie. Seit dieser Zeit widmete er sieh fast aussehliesslich der he1hgen Musik, uud über diese Zeit des
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