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Full text: Tonkünstler-Lexicon Berlin's / Ledebur, Karl, Freiherr von

Ben da. 43 verhindert ward. Ungeachtet sich B. so gewissennassen entschuldigt, so wenig compo- nirt zu haben, so gicbt er doch ~pliter an: 80 Violin-Solis, 15 Conccrte, einige Sinfonien und eine ziemliche Anzahl Capriccios verfertigt zu haben. \Yenn man nun noch be- denkt, dass seine Zeit sehr durch den Dienst beim Könige, bei dem er stets in Gnaden stand, in Anspruch genommen wurde, denn er giebt an. bis zum 17ten April 1763 dem Könige wenigstens 10,000 Flöten-Concerte begleitet zu haben, so ist die Anzahl seiner Compositionen nicht gering zu nennen. - B. war bis zu seinem 20sten Lebensjahre ein st>hr eifriger Katholik, ja man kann sagen bigott, so dass er sieb während seines Aufent- haltes in Sie benbiirgen freute, als damals mehrere Kirchen den Prot~stant.en genommen und den Katholiken gegeben wurden; doch durch den Umgang mit scmem Freunde \V eidner, einem Protestanten mit dem er viel über Religion 8prach, ward er veranlasst, zur protestantischen Kirche iiberzutreten. Der U ebertritt erfolgte zu Dresden beim Su- perintendenten Dr. Loescher doch nur im Geheimen. Dennoch hatten die Jesuiten den Uebertritt erfahren und sucl;teu ihn durch Ueberredung und Drohung zum Rücktritt zu bewegen, so dass er hauptsliehlieh deshalb die Stelle in der Kapelle des K1:onprinzen von l'reussen annahm, um gegen die fortwährenden Kabalen gesichert zu sem. Auch seine Eltern und Geschwister traten, nachdem sie sich in Preussen niedergelassen, zur protestantischen Religion über, und starben d:uin. - Soweit die Autobiographie Bs., die die gllinzendste Zeit seines Virtuosentbums um- fasst; aus seinem späteren Leben mag nun noch Folgendes hier angegebr.n werden. Nach dem Tode des Concertmeisters Job. Gott!. Graun ( 1771) ward B. an dessen Stelle zum K, Concertmeister ernannt. Unter seinen Schülern auf rlcr Violine sind vorzugsweise zu nennen: Sein Bruder Joseph, seine Söhne Friedr. Wilh. und Carl Heinr. Herrm., ferner: Ludw. Pitscher (im Dienst des Prinzen Heinrich), V cichtner (beim Herzog von Cnrland), Christ. Ileinr. Körbitz (beim :Markgr. von Bay- reuth), ~- \V. Ramnitz (beim Prinzen \Yilh. von Braunschw.), Rust (beim Fürsten von Dcssau), Job. W1lh. ~lathis (beim Prinzen Heinr.), .Joh. Aug. Bodinus (beim Fürsten von Hudolstadt). Auch als Gesanglehrer zeichnete sich B. aus, unter seinen Schülern sind zu nennen: Paolo Redeschi und seine Töchter, von denen Juliaue an den Kapellmeister Reichardt ver- beirathet war. J. A. Hili er sagt von dem Violinspiele Bs.: "Sein Ton auf rler Violine war einer der schönsten, vollsten, reinsten und angenehmsten. Er besass alle erforderliche Stärke ·in der Geschwindigkeit, Höhe und allen nur möglichen Schwierigkeiten des Instruments, und wusste zur rechten Zeit Gebrauch davon zu machen. Aber das edle Singbare war das, wozu ihn seine Neigung mit dem be~ten Erfolge zog."- Nach Burney, der ihn um 1772 besuchte, spielte er schon damals wegen Gicht in den Fingern seit [,Jahren selbst vor dem Könige kein Solo mehr; liess sich aber, Burney zu Gefallen, mit einem Solo eigener Composition vor demselben hören, jedoch mit Sordinen, weil seine Hand nicht mehr stark genug war, ohne diese zu spielen. ßurney sagt bei dieser Gelegenheit: "indessen zeigte er noch vortreffliche U eberbleibsei von einer mächtigen Hand, ob ich glcie? geneigt bi? zu glauben, dass er allemal mehr Empfindungen, als Schwierigkeiten gespielt hat. Sem Spiel ist wahrhaft cantabile, dass man in seinen Compositionen selten eine Passage antrifft, die nicht in dem Vermögen einer ~Ieuschenstimme stände zu sin- gen, und er ist ein so gefühlvoller Spieler, so mächtig rührend in einem Adagio, dass mich verschiedene grosse Musiker versichert haben, wie er ihnen durch sein Adagio oft Thränen entlockt habe." Gegen das Ende seines Lehens ward ß. durch einen Schlagfluss gelähmt und starb 7. März 1786 zu Potsdam an Entkräftung. Sein Bild, gem, von Falbe, gest. von Schuster in Rchw. Kunst, in (einem gestickten Rocke, mit der Violine in der Hand) erschien Berl. 1756, ferner: Ickert pinx, Laurens sc. (in hohem Alter). . Von seinen Compositionen erschienen: Etude de Violon ou Caprices. Oe. postb. liv I. ll. Exercices progr. p. Viol. liv III. Leipz, Kühne!. Benda, (Frledr. Wilh. Heinr.), K: Kammermusikus und Violinist der Opern- Kapelle zu Berlin. Geboren Potsdam 15. Juli 1745, (~- A. 14. Juli), iiltester Sohn Franz Ba. und auf der Violine ein Schüler desselben, sowie m der Theorie der .l\Iusik Schüler 6*
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