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Full text: Tonkünstler-Lexicon Berlin's / Ledebur, Karl, Freiherr von

452 Rellstab. sebcinlioh der Erste, der in Berlin um das Jahr 1783 ein "Musikalien-Leihinstitut" errichtete, auch hat man ihm eine Verbesserung des Notendrucks zu verdanken. Im J. 1787 veranstaltete er ein "Concert für Kenner und Liebhaber", das am 16. April d. J. im "Englischen Hause" zuerst stattfnnd, und in welchem meist klassische Musikstücke, sowie die der bedeutendsten Musiker seiner Zeit zur Aufführung kamen, z. B.: Armide, v. Salieri; Athalia, v. J. A. P. Schulz; Cora, v. Naumann; La Conversione di San Agostino, v. Hasse; D. 1\Iagnificat, v. Bach; Alccstc, v. Gluck u, a. Letztere wurde zuerst von ihm dem Berliner Publikum bekannt gemacht. Diese Concertc, in denen sich auch bedeutende Virtuosen hören Iiessen, gingen jedoch bereits im nächsten Jahre wie· der ein. It galt zu seiner Zeit fiir einen recht gediegenen Clavicrspicler der Bach'schen Schule und trug diese 1\lusikstikkc besonders gern und sehr gut vor; ferner war er eigentlich der erste, der musikalische Kritiken in den Berliner Zeitungen gab. Seine Reeensionen über musikalische Anfi'ührungen, die in rler V ossischeu Zeitung meist mit der Chiffre J. C. F. R abgedruckt wurden, lassen in ihm den scharfsinnigen, gebildeten Musiker erkennen, der stets die edelste Richtung in der l\Iusik verfocht. Als sein Lehrer Fasch die Sing-Akademie stiftete, schloss sich R bereits 1792 diesem Institute an, auch fanden die Versammlungen zuweilen (z. B. 17fl5) in seiner \Vohnung statt, und R. über- nahm mitunter, wenn Pasch und Zeltcr alJgchaltcn waren, die Direction der Gesellschaft am Flügel. In seinem Hause veranstaltete R. währeud des 'Vintcrs Conccrte, die in der Regel des Sonntags alle 14 Tage stattfanden. An diesen Conccrten belheiligten sich die vorzüglichsten Dilettanten Bcrlin's, namentlich .Mitglieder der Sing-Akndcmic, und kamrm zuweilen dort grössere 'V crkc. wie die ".Jahreszeiten" mit Orchester zur Auf- führung, wo dann R. die l\Iusikcr haar für ihre 1\Iühe entschädigte. Leider wurden später diese für alle 1\Iusikfreuudc interessanten Auffiihrungcn durch unglückliche Ereig- nisse unterbrochen. Der Krieg von 1806 brach aus, ßerlin wanl von den Horden der Feinde überschwemmt; alle Hausbesitzer wurden mit Einqnartinmgen übcrlJürdct, und R. erhielt mitunter an einem Abend 201\laml Eiuqnartirung und 12-14l'ferde zu beköstigen. Unter solchem Drucke und der allgemeinen Entmuthigung musste die Kunst natürlich daniederliegen; wozu noch kam, dass R. durch die Zcitumstiindc fast sein ganzes V er- mögen verlor und seine Druckerei schliessen musste. Alle diese Triibsalc konnten jedoch seinen Eifer für die Kunst nicht crsticken, und als die erste Schreckenszeit vergangen, organisirte R. von Ncnem seine Concerte, und da dies nicht mehr mit eigenen 1\Iitteln möglich war, im Vereine mit wohlhabenden l\fusikfrcunden, unter denen besonders Frau Sarah Levy und Graf Lehndorf zu erwähnen sind. Erstere spielte besonders Bach'sehe Concerte auf dem Feder-Flügel, letzterl;'r war ein guter Fagottbläscr. Im J. 1809 hielt R. Vorlesungen über den Generalbass nach einem von ihm entworfenen, aber nicht her- ausgegebenen Lehrbuche fiir Dilettanten. Im J. 1811 machte er eine Reise nach Italien und hielt sieh auch längere Zeit in Wien auf. Seine Reisebriefe über die Sängerin Milder, die in der V ossischeu Zeitung crschieneu, machten zuerst auf diese berühmte Künstlerin aufmerksam. Sie sind mit grosser 'Vahrheit geschrieben und haben gewiss viel dazu beigetragen, dass man in Bcrlin den Wunsch hatte, die Milder persönlich kennen zu lernen. R starb den 19. August 1813 auf einem Spaziergange nach Charlotteuburg am Schlagflusse; der Leichnam ward von dem Instrumentenmacher Griesling aufgefun- den. Seine Tochter Caroline, geh. den 18. April 1793 od, 94*) besass einen seltenen !:!timmumfang (vom tiefen As bis zum hohen F) und konnte tlaher tlie Partie der Königin der Nacht, ohne dass sie transponirt zn werden brmtchtc, singen !Jil...J. 1811 ward sie Sängerio bei der Oper zu Brcslau und starb daselbst am 17. Fcbr. l~m 20stcn Lehens- jahre am Nervenfieber. Ihre jiingerc Schwester Amalie, später l\lajorin Bennecke, eine Schülerin L. Berger's im Clavicrspiel, war in musikalischer Hinsicht noch bedeutender. Die jüngste Schwester Henriettc war ebenfalls recht musikalisch, verheiratbete sich später nach Holland und Rtarb bereits im 33sten Lebensjahre. Sein Sohn L. R. wird unten einen eigenen Artikel erhalten. Ausser den hier angegebenen Compositionen hat Job. C. Fr. Rellstab den Clavier-Auszug zum "Tod .Jesn" von Graun herausgegeben. Oratorien, 1. Die Hirten an der Krippe zu Bethlehem, Cantate, 1781 comp. nnd *) Nicht 1786, wie Scbilling's Lexikon angiebt, der sie betreffende Artikel dort ist über· baupt voller Irrthümer.
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