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Full text: Tonkünstler-Lexicon Berlin's / Ledebur, Karl, Freiherr von

376 Milder-Hauptmann. ansgezeichnet schöne Stimme nicht anders denken: als wie ein schönes, volles Orgel- register, aber auch ebenso flach, ebenso ungünstig und ebenso monoton wie jenes. Das ist aber in den letzten drd Eigenschaften keineswegs der Fall. Es kann keine Sängerin und Tonkünstlerin geben, auf welche sowohl meine Neugier mehr gespannt gewesen wäre, als meine Aufmerksamkeit in grösserer Erwartung. Bei meiner ersten Anwesenheit in Wien war sie verreist, bei meiner Rückkehr aus Italien fand ich sie aber und hörtc und studirte ich ihre Stimme alle 'fagc. Sie hat einen Umfang von a bis 3 gestrichen c. In diesem Umfange sind sämmtliche Töne gleich schön, gleich stark, gleich voll; sollte man aber doch einige vorziehen können, so wären es die bei ::mdern Stimmen so selten schönen 1\litteltöne, d bis 2gestrichen d. Es ist der Ton einer wirklich echten Steiner Geige, die ich noch der Cremoneser vorziehe. Triller, Prall!riller und Mordenten macht sie nicht, aber den Doppelschlag, Schleifer und Anschlag sehr gut punktirt und gleich. Eigentlich grossc Bravour-Passagen macht sie eben so wenig, aber sanfte gute Volaten, volubel und deutlich, auch hat sie alle Nuancen der Stärke und Schwäche etc." - Im Jahre 1812 trat sie eine Kunstreise über Breslau nach Bcrlin an und trat am letztge- nannten Orte am 4. October d. J. als Iphigenia (in Tauris) mit grossem Beifalle auf. Ihre übrigen Gastrollen waren damals: Therese ( Waidenhaus); Emeline (Schweizerfamilie); Medea, in der Oper v. Cherubini; Tamino (Zauberflöte). Im Jahre 1813 reiste sie nach Carlsruhe, Stuttgart, Frankfurt a. l\1. Der damalige König von Würtemberg liess ihr ein glänzendes Engagement antragen, und auch ihr Gatte sollte eine angemessene An- stellung erhalten; aber letzterer wusste auch diese Gunst des Glücks zu vernichten, und der König von \Yürtembcrg war über die Nichterfüllung ihres eingegangenen Gontrakts so erzürnt, dass er der Sängerin untersagen licss, jemals wieder seine Staaten zu betre- ten. Auch ein anderes Engagement bei der italienischen Oper in London scheiterte an den Einwendungen der Wiener Theater-Verwaltung. Während des Congrcsses im Jahre 1814 hörte sie der Staatskanzler Fürst Hardenberg und liess ihr Anträge für Bcrlin machen; zunächst sollte sie uasclbst Gastrollen geben. Mit Einwilligung ihres Gatten, wie klar aus dessen Briefen hervorgeht, reiste sie in Begleitung ihrer Schwester im Mai des Jahres 1815 von Wien ab. Sie glaubte dabei dem heiligen Versprechen ihres Gatten trauen zu dürfen, der bethcuertc, er werde ihr, wenn die W iener Dircction ihre Ange- legenheiten nicht, wie sie dies srdt 180!:1 versprochen, zu ihrem V ortheil ändern würde, binnen 3 Monaten die Tochter nach Bcrlin bringen. Weiche Erfahrungen und Ent- deckungen endlich den Entschluss in ihr reifen licss, nicht nach Wien zurückzukehren, kann hier nicht erörtert werden; sie waren aber von der Art, dass der Schillerz darüber ihr Leben fortan verbitterte, und sie fand nur in der Achtung und Freundschaft, die ihr in Berlin ward, Trost. In Bcrlin gab sie, vom Anfange des Juni 1815 an, zuerst 8 Gast- darstellungen, nämlich: Armidc, in d. Op. v. Gluck; Emeline (Schweizerfamilie, 2 Mal); Antigone (Oedyp, 21\Ial); Susanne (Figaro, 2 Mal). - Da diese Gastrollen mit grossem Beifalle aufgenommen wurden, trat sie noch 24 Mal als Gast auf und zwar als: Therese (Waisenhaus, 2 Mal); Iphigenia (in Tauris, 2 Mal); Fidelio (bei der e:sten Aufführung dieser Oper in Berlin am 8. Oct., im Ganzen 11 Mal); Emeline (3 Mal); Susanne (2 Mal); Armide (2 Mal); Tamino (1 Mal).- Hierauf waren die Untcrhanu!ungen so weit gediehen, dass sie mit einem jfihrlichen Gehalte von 4000 'fhlrn. und jährlichem Urlaube von 3 Monaten fiir die K. Biihnc zu Bcrlin dauernd erworben ward, und sie betrat diese am 6. Juni 1816 zum ersten Male als cngagirtes Mitglied in der Holle der Emeline. Wäh- rend ihres Engagements hat sie im Ganzen 380 Darstellungen in Berlin geg~ben: 1816: Emcline (15 lila!); O~m:_- ~~~~!in (Vestalin, 39 Mal); Iphigeni!lo (in 'l'o.uns, 28 ,Mal); Tamino (Zauberflöte, 2 l\IaiJ; ,Sus~~n~ (Figaro, 23 Mal); Camilla (Aipcnbütte, 3 Mal); }_ ~~llo (21 Mal); Zaire, in d. Op. v, Wmter (G Mal); Antigone (Ocdyp, 5 Mal); Alccst~ (43 Mal). 1817: Athalia, in d. Op. gl. N. 1818: Lodoiska, in d. Op. gl. N. (1~ ~al); Malvma (Uthal, 3 Mal); Eurydice (Orphcus, 4 Mal). 1820: Astasia (Axur, 12 Mal) i P~~)vJra (D. Juan, 47 Mal). 1821: Klytemnestra (lphigenia in Aulis, G Mal); Statir:\ (Oiymp•a, ~·J !Ial). 1822: Alberga (d. Bergknappen, 2 l\lal); Namnna (Nurmahal, 29 Mal). 1823: DJdo, Op. g~. N. (4 Mal). Libussa, Op. gl. N. (3 Mal). 1824: Semiramis, Op. gl. N. (3 Mal). 1825: Onane (Aicidor, 12 Mal). 1827: Inncngard (Agncs Hohcnstaufen, G Mal) •. - . . Bald nach ihrer Ankunft in Bcrlin war sie zum Ehrcnmitgheue der Smg-Akademic ""e- wählt worden, und hier war sie als Kirchcnsängcrin fa~t no~_h grösse~, als im Opernst;l; besonders wareu es die Oratorien Iländel's, in denen s1e unubertrcffhch war. Unter den
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