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Full text: Tonkünstler-Lexicon Berlin's / Ledebur, Karl, Freiherr von

370 Mcyerbccr, mich nicht täusche. Die Oper hat viel mehr schöne Eigenschaften, als Unvollkommen· hciten. Die Handlung ist ergreifend, der Ausdruck mächtig; das 'V crk wird einen leb- hafteu und tiefen Eindruck machen und seinen Weg in alle 'Veltgcgcudcn nehmen". - Selten war eine Prophezeiung richtiger, das hat die Folgezeit Lcwiesen. Das 'Vcrk fand einen ungeheuren Beifall, und mit ihm begann für die grossc Oper die gliinzende Zeit; später ward es in's Deutsche, Italienische, Englische, Russische, Polnische, Dänische u. s. w. übersetzt und bis zum Jahre 1855 auf 152 verschiedenen Theatern und in allen Erd- tbeilen aufgeführt*). Die Partitur ward bereits im Jahre 1831 von dem Musikalien- händler Schlcsingcr in llcrlin angekauft. In demselben Jahre erhielt M. vom Kaiser von Brasilien die Dekorationen des Südstcrn-Ordcns, 1832 durch König Louis Philipp die des Ordens der Ehrenlegion. In demselben Jahre ging er nach Bcrlin, um dort seine Oper "Robcrt" zur Aufführung zu bringen, und erhielt bei dieser Gelegenheit den Titel eines K. prcuss. Hof-Kapellmeisters. Im Jahre 1834 ward er in Paris zum Mitgliede des Institut de Francc gewählt und als solches von Louis Philipp bestätigt. Nach der überaus glänzenden Aufnahme, den seine Oper "Robcrt" gefund"cn, erkannte die Verwal- tung der grossen Oper, wie vortheilhaft es für diese sein würde, wenn der Componist auch fernerhin für sie gewonnen würde und übergab ihm den von Scribe verfassten Text zur Oper: "Die Hugenotten" zur Composition. Um diese möglichst bald zu erhalten, machte die Verwaltung mit dem Künstler den V crtrag, dass, im Falle das 'Verk zu einer bestimmten Zeit nicht beendigt sei, derselbe 30.000 Frcs. an die Theaterkasse zahlen müsse. Während 1\r. mit der Arbeit eifrig beschäftigt war, ward seine Gattin von einem bedeutenden Brustleiden befallen, das nach dem Ausspruch der Aerztc einen längeren Aufenthalt in Italien nöthig machte. Er wandte sich daher an die V crwaltung der Oper und bat darum. den Termin, der ihm zur Composition der Oper gestellt war, um 6 Monate hinausschieben zu dürfen, was aber ungeachtet der Billigkeit des Ge- suches verweigert ward. M. zahlte daher die bestimmte Summe ein, zog sein 'Verk zurück nnd reiste ab. J ctzt entschloss sich die V crwaltung in ihrem eigenen Interesse auf die Forderung M's. einzugehen, zahlte die Summe an diesen zurück und die Oper kam am 21. Februar 1836 zuerst zur Aufführung. Obgleich bei der Menge der Erfolg Anfangs nicht so glänzend war, wie der von "Hobert der Teufel", so fand doch bei den Kunstkennern dieselbe bald eine allgemeine Anerkennung, llerlioz, der bedeutendste Kritiker Frankreichs, nennt die Hugenotten "eine musikalische Encyclopiidic", die 20 Opern mit vollkommenster Lebenskraft hätte erfüllen können. In demselben Jahre überreichte ihm der K. Österreichische Gesandte in Paris das Ehrendiplom eines Mitglie- des. der Gesellschaft der Musikfreunde des Kaiserstaates, und vom Könige der Belgier erhielt er den Leopolds-Orden. Im Jahre 1842 ward er von dem Könige Friedrich Wil- helm IV. von Preussen zum Ritter des in demselben Jahre gestifteten Civil-Ordens pour le meritc für Kunst und Wissenschaft und zum K. General-Musikdirektor ernannt, auch erhielt er vom Könige der Niederlande den Grassherzoglich Luxemburg'schen Orden der Eichenkrone, und 1843 erfolgte seine Ernennung zum Mitgliede der K. Akademie zu London. Nach Spontini's Abgange von llerlin war l\1. an dessen Stelle berufen worden, er verzichtete jedoch auf das damit verbundene Gehalt zu Gunsten der K. Kapelle und versieht auch nnr in den K. Hof-Concertcn die Functioncn seines Amtes. In den nächsten Jahren war seine künstlerische Thiitigkeit vorzugsweise seiner Vaterstadt gewidmet, so schrieb er im Jahre 1844 die Oper: "Das Feldlager in Schlesien"**) zur Eröffnung des K. Opernhauses zu llcrlin, und im Jahre 1846 die Musik zu der von seinem Bruder Michael hinterlassenen Tragödie "Struensee". Dies letztgenannte Werk konnte zwar nicht wie seine Opern ,,Robert" und "die Hugenotten" sich glänzende Erfolge erringen, desto ungetheilter erwarb es sich jedoch den Beifall aller Kunstkenner, und Fetis ver- sichert, dass, nachdem er die über 200 Seiten starke Partitur aufmerksam durchgesehen, keins der früheren W crke l\I's. sich so der Vollkommenheit nähere. - Nach längerer Pause trat nun M. 1849 in Paris wieder mit einem grossen 'Verk: "Der Prophet" her- vor und feierte damit einen neucn Triumph, der sich schnell an andern Orten wiederholte *) In dieser Oper soll M. das Cornet a Piston zuerst als Soloinstrument im Orchester an- gewendet haben (siehe Berl. mus. Ztg. v. 1859. No. 17. Meyerbeer und seine Zeitgenossen). *~) Diese Oper ward später mit anderem Text unter dem Titel "Vielka" in Wien gegeben.
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