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Full text: Tonkünstler-Lexicon Berlin's / Ledebur, Karl, Freiherr von

368 Meyerbeer. müsse, Rechenschaft*). Für M. war diese Antwort ein Lichtstrahl; Alles, was ihm Weber bis jetzt gelehrt, war ihm immer ziemlich dunkel. geblieben; jetzt schien ihm Alles klar. Voll Enthusiasmus entwarf er eine andere Fuge nach Vogler's Grundsätzen, schickte sie sogleich an diesen und erhielt folgenden Bescheid: "Die Kunst eröffnet Ihnen eine schöne Zukunft; kommen Sie zu mir nach Darmstadt, Sie ijOllen wie ein Sohn des Hauses behandelt werden und an der Quelle selbst den Durst nach musikalischen Kenntnissen löschen". - Nach dieser Einladung hatte der junge Musiker keine Ruhe mehr in der Heimath, er sah sich am Ziel seiner Wünsche und rdste, nachdem er die Einwilligung seiner Eltern erhalten, im Jahre 1810 nach Darmstadt ab, wo er als Genossen seiner Studien Glinsbachcr und C. M. v. \Veber vorfand, mit denen er auch in späteren Zeiten stets befreundet blieb. Er machte nun unter Leitung seines Lehrcrs gründliche Studien in der Composition und im Generalbass und musste denselben auch zuweilen in die Ca- thcdrale begleiten, wo sich 2 Orgeln befanden, um Anleitung im Improvisiren zu erhal- ten. Hierbei gab der Meister ein Fugenthema und entwickelte es nach allen Uichtungen hin, was hierauf vom Schüler ebenfalls geschah. Gegen das Ende seiner Studienzeit schrieb 1\1. sein erstes grösseres Werk, die Cantate: "Gott und die Natur". Der Grass- herzog von Hessen, der die Partitur kennen zu lernen wünschte, wurd davon so befrie- digt, dass er den jungen 17jähr~en Künstler zum Hof-Componisten ernannte. Um die- selbe Zeit c·omponirte er "KlopJ>stock's geistliche Gesänge" für 4 Singstimmen, die später Leipzig bei Petcrs erschienen. - Nachdem sich M. von seinem Lehrer Vogler getrennt hatte, begab er sich nach München, wo er sPine Oper: "Die Tochter Jcphta's" zur Auf- führung brachte. Das Textbuch eignete sich mehr zum Oratorium*~) als zur Oper; hierzu kam, dass der junge Componist, der noch ganz von den Formen der strengen Schule erfüllt war, mehr an regelrechten Satz als an Erfindung von l\Jclodicn dachte, und so war der Erfolg nur mittelmiissig, obgleich nach C. M. v. Webcr's Ausspruch "ausserordentlich schöne Sachen" in dem \V crke waren. GHinzender waren seine Er- folge als Clavierspieler und Improvisator, um! er entschloss sich nun nach Wien zu gehen, um dort als solcher öffentlich aufzutreten. Noch an dem Tage seiner Ankunft hatte er Gelegenheit Hummel zu hören, der damals als Clavierspieler dort der gefeiertste Meister war. Der junge Künstler verglich die Wiener Schule mit der, in welcher er auf- gewachsen war, erkannte bald, was ihm noch fehle, und beschloss, nicht eher vor die Oeffentlichkeit zu treten, bis er im Stande sei, mit einem solchen Nebf)nbuhler in die Sehranken zu treten. Um dies zu erreichen, zog er sich 10 Monate lang von aller Ge- sellschaft zurück und eignete sieh während dieser Zeit durch die angestrengtesten Hebungen alles das, was ihm noch fehlte, und insbesondere einen anderen Fingersatz an. Nach diesen ausserordentlichcn Anstrengungen, denen sieh nur C'in Künstler unterzieht, der es ernst mit der Kunst meint, trat M. nun als Virtuose vor die Oeffentlichkeit und mit so glänzendem Erfolge, dass der Eindruck, den sein Spiel hervorbrachte, sieh noch lange in der Erinnerung des Publikums erhielt. Moscheles, der ihn gehört, hat oft gegen Fetis die Aeusserung gemacht, dass, wenn Mcyerbcet· in der Virtuosenlaufbahn geblie- ben, wenige Künstler im Stande gewesen wiiren, sich mit ihm zu messen. Um diese Zeit schrieb er mehrere Clavier- und Instrumcntal-Compositionen, darunter cim• Sym- phonie concertanto für Piano, Violine und Orchester, sie sind jedoch nicht veröffentlicht worden. Nachdem sich M. als Virtuose die Gunst des \Viencr Publikums erworben, wandte er sieh wieder der dramatischen Composition zu; mehrere Versuche dieser Art wurden jedoch bei dem in Wien vorherrschenden Geschmack fiir italienische Musik kalt aufgenommen. Salicri, der für den jungen Componisten ein lebhaftes Interesse gewonnen l1atte, suchte ihn über diese ungünstigen Erfolge zu trösten, verhehlte ih~ aber nicht das Mangelhafte bei seinen Compositionen und gab ihm den Rath, nach Italien zu gehen, um dort namentlich die menschliche Stimme und die schwierige Kunst, gesangreich für *) Nach Vogler's Tode erschien diese Abhandlung unter dem Titel: "System für den Fu- genbau, als Einleitung zur harmonischen Gcsangsverbindungslehre" .. Offenbach, Andre. 8. 7[, S. stark, wobei 35 S. Musik. Fctis sagt darüber: "Unglücklicher .'Vmse mangelt es der Analyse d;s Meistcrs oft an Richtigkeit, und seine eigene Fuge gehört mcht zu den besten". Dies wäre em Beweis fiir die Selbstüberschätzung
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