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Full text: Tonkünstler-Lexicon Berlin's / Ledebur, Karl, Freiherr von

Meyerbeer. 367 angesehenen Familie Beer daselbst, in deren Kreise Künste und Wissenschaften fleissig geübt wurden*). Schon im 4ten Lebensjahre zeigte sich bei dem Knaben ein unzwei- deutiges Talent zur Musik; dies äusserte sich zuerst durch die unglaubliche Schnellig- keit, mit der er im Stande war, Melodien , die er von den sogenannten Leierkastenspie- lern vor dem elterlichen Hause hörte, nicht allein zu behalten, sondern sie sogleich anf dem Clavierc wiederzuspielen und dazu mit der linken Hand die Bassbegleitung selbst zu bilden. Das Talent des Knaben, sowie dessen frühreife Geistesbildung, erregte bald die Aufmerksamkeit der Freunde des Hauses, und besonders fasste ein Freund der Fa- milie, Namens Meyer, eine wahrhaft väterliche Zuneigung zu demselben, und er l1interliess ihm sein ganzes Vermögen unter der Bedingung, dass der junge Beer zu dem väterlichen Namen den seinigen hinzufügte; und seitdem fiihrt er den Namen Mcye_rbeer. Unter- dessen trat das musikalische Talent l\l's. immer auffallender hervor, und der Vater be- schloss die Ausbildung desselben einem auggezeichneten Lehrer anzuvertrauen; hierzu ward Lauska ausgewählt, der damals unter den Virtuosen und Clavierlehrern llerlin's den ersten Hang einnahm. Unter der Leitung dieses vortreft1ichen Lehrers entwickelte sich das Talent des Knaben mit überraschender Schnelligkeit, und schon am 14. October 1800 konnte derselbe in den "Patzig'schen Concerten" in einem Alter von 6 Jahren öffentlich als Cl:nicrspieler auftreten. Dieser erste Versuch fiel so günstig aus und er- regte unter Musikfreunden solches Aufsehen, dass ihn nun die ersten Virtuosen Bcrlin's zur Mitwirkung bei ihren Concerten aufforderten; so spielte er am 15. Februar 1801 in dem Concerte des Kammermusikus Franz Tausch in der Loge Royal-York und am 17. Dccember d. J. in dem Conccrtc des Kammermusikus Seilllcr**). Abt Vogler, der ihn in einem dieser Concerte gehört, soll, von der Originalität seines Spiels betroffen, ge- 1iussert haben, l\f. werde dereinst ein grosser Musiker werdeu; und Clementi, der in der Regel nur sehr talentvolle Schüler annahm, gewann ein solches Interesse für den Kna- ben, dass er ihm während seines Aufenthaltes in Berlin Unterricht ertheilte. In der Composition erhielt der junge M. bereits im !Hen Jahre den Unterricht Zelter's und trat mit seinem Bruder Hans zusammen am 16. Juli 1805 in dessen Sing·Akademie, wo er im Alt mitsang. Der Unterricht bei Zelt er scheint nicht lange gewährt zu haben; nach Schilling's Supplementbande schreckte die etwas rauhe Behandlung~>art des Lehrers uen Knaben ab; später ward der K. Kapellmeister B. A. \Vebcr sein Lehrer. Dieser war zwnr ein ausgezeichneter Dirigent und gründlicher l\lusiker, zum Lehrfache jedoch we- niger geeignet; doch begann der Schüler unter seiner Leitung fleissig zu componiren und brachte eines Tages seinem Lehrer eine Fuge, die dieser beim <'rsten Anblicke für ein wahres .Meisterstür.k erklärte und die Composition an seinen ehemaligen Lehrer, den Abt Vogler, schickte. Die Antwort liess lange auf sich warten, endlich langte ein ziem- lich umfangreiches Packet an, das ·weher mit Begierde öffnete, sich aber durch den In- halt in seinen Erwartungen sehr getiiuscht sah, denn anst.att Lobeserhebungen die er für seinen Schüler erwartete, erhielt er von Vogler's Hand eine förmliche Abl:andlung von d('r Fuge in 3 Abtheilungeu. In der ersten waren in geurängter Kiirze die zur Bil- dung solcher l\lusikstü~ke erforderlichen Hegeln griindlich auseinandergesetzt; in d<'r zweiten Abtheilung: "DJC. Puge des Schülers" betitelt, war die Arbeit Meyerbeer's von An- fang bis zu Ende analys1rt, und das Urtheil fiel nicht giinstig aus· die dlitte Abtheilung: "Die Fuge des Meisters" betitelt, war von Vogler seilist nach d~m Thema :Meyerbeer's angefertigt, und am Schlusse analyRirte der Meister seine eigene Arbeit Takt für Takt und gab von den Gründen seines Verfahrens, und weshalb daEselbe so und nicht anders *) Von ucn Brüuern M's. hat sich Wilhelrn Beer als Astronom , Michael B. als Dichter der Drama's: "Der Paria" unu "Struensee" bekannt gernacht **) In uiesem Concerte fand uer Knabe solchen Beifall, dass folgendes Gedicht in der V ossiseben Zeitung erschien: . . . . "Noch nicht zum Jüngling gere~ft, tnttst du m1t vo~endet.en Me1stern Kühn in die Schranken zum l\.ampf. - So dacht JCh mit bangender Brust. ::na, mit magischer Hand, gebot'st Du den ~oldenen Saiten, "Gleich dem säuselnden W cst, sanft zu erqUicken. das Herz; "Gleich dem brausenden Sturm, die Staunenden ttef zu erschüttern! "Und die Muse umflocht entzückt uciner SchHLfe den Kranz."
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