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Full text: Tonkünstler-Lexicon Berlin's / Ledebur, Karl, Freiherr von

332 Lortzing. tragsweise wegen in komischen Opern sehr brauchba1·. Im Jahre 1822 ging er zum Cölner Stadt-Theater, und hier bcginut auch seine Tlüitigkcit als Componist. Schon früher hatte er sich in der Composition von Liedern, Märschen, Entreactcn versucht, im Jahre 1824 schrieb er seine erste kleine Oper: "Ali Pascha v. Janina", die in Cöln zur Auf- führung kam. Im Jahre 1826 ward er bei der Hofbühne zu Detmold und später beim Stad~-Theater zu Leipzig engagirt. Hier folgten für ihn die gliickliehstcn Tage seines Lebens: er wirkte dasclbst als Schauspieler, Sänger, Hegisscur der Oper und Componist. Im Jahre 1836 brachte er dort eein erstes bedeutendes 'Verk: "Die beiden Schützen·' znr Aufführung, das grosscn Beifall fand, obgleich die strengen Kritiker es mehr für ein Liederspiel erklärten. Sein zweites bedeutendes 'V erk: "Czaar und Zimmermann" fand zwar merkwürdiger ·weise in Leipzig Anfangs keine bcsomlere Aufnahme, der gHinzende Erfolg jedoch, den es auf der K Bühne zu ßerlin errang, brach diesem 'V crkc die Bahn und sicherte Lortzing's Huf als Componist. Als Ringclhardt 1844 die l>ircction des Lcipzigcr ~tadt-Thcaters nic(lcrlcgte, ward Lortzing durch den ncucn Dircctor als KapdJmeister angestellt. Verhältni~se eigener Art lösten jedoch dies Engagement bereits im l\Iai 18·15 wieder, und Lortzing blieb nun fast ein Jahr ohne Anstellung, nur auf den nicht reichlichen Ertrag seiner Compositioncn angewiesen. Im Juli 1846 ward er Kapell- meister unter Director Pokorny beim Theater an der Wien zu 'Vicn, doch es löste sich das Theater am 1. September 1848 auf, und Lortzing befand sich mit seiner Familie in der drückendsten Lage, da ihm die Dircction noch einen Gagerückstand von 500 Gulden und ausserdem eine Benefiz-Einnahme schuldig blieb. Aus dieser Verlegenheit ward er durch den Antrag befreit, die Kapellmeisterstelle des Fricdrich-Wilhclmsstädter Theaters zu Berlin zu übernehmen. Lortzing nahm diesen Antrag an und trat sein neues Amt am 17. l\lai 1850 al}, indem er eine von ihm selbst componirtc Fcst-Ouverture dirigirte. Nur kurze Zeit war es ihm vergönnt, diese Stelle, die er in seiner Vaterstadt gefunden, zu behalten; denn er starb den 21. Januar 1851 plötzlich an einem Schlagflusse zu Bcrlin, nachdem er noch am Abende vorher das Orchester dirigirt hatte. Sein Grab ward 1854 mit einem schlichten Steine bezeichnet, auf welchem ausser Namen, Geburts- und Sterbe- tag noch folgende Inschrift von seinem Freunde Düringer steht: ·"Sein Lied war deutsch und deutsch sein Leid, - Sein Leben 1\:ampf mit Noth um] Neid, - Das Leid flieht diesen Friedcnsort, - Der Kampf ist aus, sein Lied tönt fort!" - In der Lebensbeschreibung von Düringer findet man als Vorrede eine Bem·theilung Lortzing's als Componist, vom Kapellmeister V. Lachner, worin darauf hingewiesen wird, dass seit Dittersdorf kein deutscher Componist so viel in der komischen Oper geleistet wie Lortzing. Er war hieruach zwar keine scharf ausgeprägte, selbstst1indigc Kunst- Individualität, doch war der Grundcharakter seiner l\lusik vorherrschend deutsch und zeichnrte sich durch sprudelnden Humor, Frische und Lebendigkeit aus. 'V cnu auch seine musikalisch -wissenschaftliche Ausbildung gerade nicht von grosscr Bedeutung war, so zeichneten sich seine Compositioucn doch durch richtige Stimmführung, natürliche Modulation, correcte Instrumentation vortheilhaft aus. Seine Ensemble-Stücke waren meist geschickt und zweckmässig angelegt und oft von vortrefflicher 'Virkung, wie das meisterhaft gearbeitete Sextett in "Czaar und Zimmermann" beweist. Die Ensemble- Stücke und das Lied, das er so häufig in seinen Opern anwendet bildcu überhaupt den hauptsächlichstell Anziehungspunkt und das unterscheidende l\lerkmal im V crgleicb zu den Erzeugnissen seiner Zeitgenossen. Sein durch die Undine'' bekannt gcwordener ' 1 I " . ' Versuch sieb auf dem E e de deP {omantik zu bewegen beweist dass Lortzmg s Talent nicht a~sschliesslich auf ~ie ~omische Oper angewies7en war. ' Das 3t~ .Finale dieser Oper umfasst einen Melodienreichthum über dem ein süsscr melanchohscber Dämmer- schein schwebt, in welchem der muthwilligc Schöpfer des "Czaar und Zimmermann" sich völlig zu verleugnen scheint. Ferner sagt Lachner: "Kann nicht geleugnet werden, dass er das Lied zuweilen verflacht hat, so muss man dagegen zugeben • dass er dasselbe öfter veredelte, wofür ich z. B. das Lied des Chateauneuf im 2. ~ctc von "Czaar und Zimmermann" anführe. -- Seine Lieder sind Gemeingut des Volkes geworden und ver- dienen es zu bleiben". - Sein Bild erschien mehrere Male, u. _a. gcz. v. Schramm, lith. v. Fischer, mit Facsim. Berlin, Bock 1854; gez. v. Busse. Berlm, Lassar; lith_ v. Prinz- h~fer. Wien bei Müller; gez. v. Schlick, Iith. v. Zöllner. 2. Auf!. Dresden, Friedel; in semcr Biographie mit l'acsim.
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