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Full text: Tonkünstler-Lexicon Berlin's / Ledebur, Karl, Freiherr von

216 Gumbert. :Monatsfrüchten. Oranienburg, Werkmeister, 1. Hft. p. 6: Pas de seul, a. u, Ballet: "Die Alpenschäferin; p. 12: Pol.; 2. Hft.: Pant. a. u. Ballet: "Das Opfer vor der Bildsäule des Amor". GtnnJJert (Ferclhtatul) *)• Geh. zu Berlin d. 21. April1818, zeigte friih grosses Talent zur l\Iusik, das sich, als er Unterricht im Violinspiel erhielt, überruschend schnell entfaltete. Sein erster Lehrer war der Violini~t Nieher vom Orchester des Königsst. Th. zu Berlin, und als dessen Unterricht nicht mehr ausreichte, der ausgezeichnete Violinist Ed. Hietz, ein Schüler Hode's. Unter Leitung dieses Kiinstlers entwickelte sich bei Gumbcrt vorzugsweise seine llegabung im Vortrage der CantiJene; weniger war dies mit dem Bra\·ourspiele der Fall. Nachdem er eine Elementarschule schnell durchlaufen, be- suchte er das Gymnasium zum grauen Kloster, wo Professor Ern. Fischer als dortiger Gesanglehrer auf seine schöne l:iopranstimme und auf seine Fähigkeit im Treffen der schwierigsten Intervallen aufmerksam ward und ihm bald Solopartien übertrug. Piseher ward nun auch sein Lehrer in den Anfangsgrüuden des Generalbasses und der Harmonie, und gab ihm Gelegenheit, die Meisterwerke des strengen Styls, besonders die Palestrina's, Bach's, Händel's, Fasch's u. a. kennen zu lernen. Unterdessen trat die llerufsfrage immer näher, und da das Studium der Musik gegen den 'Villen seiner Eltern war, so entschloss Gumbert sich, in die Buchhandlung von V eit zu Uerlin einzutreten, setzte aber seine Studien der Theorie der Musik und der Com})Osition unter Claepius' Leitung in den Mussestunden fort und vervollkommnete sich in einem tüchtigen Orchester-Dilet- tantcu-Yereiu im Orchesterspiclc. Bald genügte ihm das Geschäftsleben nicht mehr, und immer lauter ward der 'Vunsch in ihm, sieh der Bühne zu \'ddmen. Erst nach dem Tode seines Vaters (1838) konnte er diesen "'unsch in Ausführung bringen, und er ward tmn in Sondershausen für Gesaugpartien jugendlicher Liebhaber und Naturburselten cngagirt. BeJcutcndcr für seine Künstlerlaufbahn war sein Eugagcmcut in Cöln von 1840 bis zum Mai 1842. Hier erwarb er sich auf gleiche ·weise die Gunst des Publikums und seiner Collegen, da er für Letztere iu Krankheitsfiillen stets bereitwillig eintrat und ihnen oft die Hollen einstndirtc. Der später rühmliehst bekannte S1ingcr Carl Pormcs ward damals von Gumbert unterrichtet und \'Oll ihm bewogen, sich der Bühne zu widmen; auch studirte er demselben die ersten Rollen ein. Am wichtigsten für Gumbcrt's Künstlerlaufbahn war aber um diese Zeit seine BekauntRchaft mit Cour. Krcutzcr, der damals Kapellmeister in Cöln war, und Gumhcrt's Compositions-Talcnt erkennend, ihm den Rath gab, der Riihne zu entsagen und sich der Composition ausschlicsslich zu widmen. Er kehrte nach Berlin zurück, wo er jedoch für sein Erstlingswerk keinen V er leger finden konnte, bis di: Schlcsinger'sche Musikhandlung sich zur Ilcrausgabe seines op. 2. entschloss. Diese Ltedcr fanden solchen Beifall dass viele andere nachfolgen konnten unu bis 1858 über 300 Lieder von ihm, von d~ncn viele in's Pranzösischc, Englische, Schwedische und Spanische übersetzt ~ind, und die er, sei11Cm ersten Verleger trcu bleibend, meist bei Schlesinger hcr:msgab, obgleich nach dem ersten Erfolge viele andere Verleger Anträge machten. Im J. 1845 machte Gumbcrt eine Heisc nach Wien, wo er eine schmeichel- hafte Aufnahme fand; seine Lieder wurden selbst bei Hofe gesungen und erfreuten sich Jcs Allerhöchsten Beifalls; vorthcilhaftc Anerbietuugcn zu Anstellungen wurden ihm ge- macht um ihn in 'Wien zu fesseln, doch er zog die Unabhängi"kcit vor und kehrte nach Ucrlin' zurüek, wo er seitdem nur der Composition und dem Gesangunterricht sich wid- mend lebt. Seine Operette: "Die Kunst, geliebt zu wer.den" ward auf 88 Bühnen mit Ueifall gegeben. Im Allgemeinen haben seine Lieder ein ungewöhnliches Glück gemacht, darunter vorzugsweise die Lieder: "In den Augen liegt das Herz"; "Das thcurc Vater- land"; "Die Thräne" etc., die bis in die untersten Sehichtcn des Volkes drangen und zu Leierkasten gesungen wurden. Das Licu: "0 bitt' eueh, liebe Vögclciu", war eins von den wenigen deutschen Li cdern, die Rogcr in Bcrliu in Conccrtcn sang, und durch deren vollendeten Vortra"' er ausserordentlichcu Erfolg erzielte. - Im Ganzen haben seine Licder-Compositiou~n einen weichen schwcrmiithigen, sentimentalen Charukcr was ihnen von mancher Seite zum y orwurf ge~acht wird, da man das kräftige Element ~in es echten "') Die Personalien meist nach gütigen 1\littheilungen des Hrn. Herrm. Memlel, eines Freundes des Hrn. Gumbert.
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