Path:
G

Full text: Tonkünstler-Lexicon Berlin's / Ledebur, Karl, Freiherr von

198 Graun. ändern werde, weil vor Jcr Generalprobe nichts Ncues cinstudirt werden köuue; seinen wichtigsten Grund wolle er ~paren, bis der König gniilligcr sein werde. - Fricdrich wollte den Grund gleich hiiren, weil er auf ihn uie ungnädig sei. - "Nun", sprach Grann, iudcm er seine Partitur in die Hand nahm, "über dieses Stück bin ich König-!" Der König lächelte und sprach: "Er hat Hecht, Graun, es bleibt beim Alten." - Graun's Meisterwerk bleibt seine l'assions- Cantate: "Der Tod Jesu" von Ramler. - Das "'erk ist 3 l\Ial und zw:u· 1iGO, 1iGG und 1810 in Partitur erschienen; Clavicr- Ausziige sind in grosser Auswahl heransgegeben; der erste soll von Job. Adam Hillcr 1i83 in Leipzig herausgegeben worden sein, derselbe war grösstcntheils mit beziffertem Basse, bei den Arien und Chören fehlte die ordentliche Begleitung, die nur hin und wieder durch kleine Noten angedeutet war. Ein späterer, von J. C. Hellstab heraus- gegeben, soll noch weniger brauchbar gewesen sein; erst 1822 erschien bei Christiuni ein genügender, von C. Klage angefertigter. Dies \Yerk hat sich in llerlin so heimisch gemacht, dass es fast mit zur Feier der Passionszeit gehört, und noch jetzt jährlich oft 2 .l\lal aufgeführt wird, Im J. 1855 d. 2G. l\lärz ward die Säcularfeicr desselben in dJr Domkirche zu llcrlin durch die Sing-Akademie mit Hiilfe der K. Sänger und der K. Kapelle in Gegenwart des Königs gHiuzeud begaugcn. - Grann starb d. 8. Aug. 1759, Abcuds nach 7 Uhr zu Berlin an einer hitzigen Brustkrankheit im 58. Lebcngjahre*). Seine Leiche ward in tlcr Pehikirche beigesetzt. \Yahrscheinlich sind jedoch seine Ge- beine uicht mehr vorhanden, da bei dem letzten grosscn Brande der Kirche sämmtliche Särge Yerbraunten; seihst die meisten Gebciue waren verkohlt und die Ucbcrblcibsel dergelben wurden in eine Grube gelegt. Aus seiner ersten Ehe hiutcrliess Graun eine Tochter, die er selbst im Singen unterrichtete, und die auch ~eine Art zu singen sehr gut aufgefasst haben soll. Sie verheiratbete sich an den Commerzienrath Zimmermann zu Toruow bei Crosscn. Seine 4 Söhne zweiter Ehe sollen keine grosse Anlage zur Musik gezeigt haben. Anf der K. Bibi. zu Bcrlin befinden sich ausscr vielen eigen- händig von ihm geschriebenen Partituren auch 9 Briefe von Graun aus d. J. 1739-56 in Abschrift, sie sind an seinen Freund Tcllemaun gerichtet und enthalten viel Interessantes . .Merkwürdig ist es, dass Graun keinen namhaften Schiilcr aufzuweisen hat, er scheint sich daher wenig mit Unterrichtgeben befasst zu haben. Das unten angegebene Verzcichniss seiner Werke bin ich bemüht gewesen so vollständig wie möglich zu geben. Graun's Büste ist in dem Concertsaale des K. Schauspielhauses aufgestellt; ebenso ist an der Rückseite der Statue Fricdr. d. Gr. in Berlin seine Gestalt, mit dem Taktstocke in der Hand, dargestellt. Sein Bild in 8. ist in den Berliner Literaturbriefen zu finden; es er- schien ferner: A. Möller pinx.; J. D. Preisler sc. 1752 in 4. und nach demselben Ge- mälde \Yachsmann sc. ' Kirchenmusiken, 1. Trostvolle Gedanken über das Leiden und Sterben unscrs Herm und Heilandes Jcsu Christi: "Ein Lämmlein geht." 1i30 eomp. (wahrschcinl. ein Auszug von No. 2.). - "\Ver ist, der von Eden kommt", Pass.-Cant. **).- 3. Pasgions- Cant.: "Lasse~ uns aufsehen"***). - 4. 3 Kirchen· Cant. f. 4 Sgst. m. Orch. (a. am 2. Ostcrt.: "SIChe, um Trost war mir sehr bange"; b. Am 1. Pfingstt.: "Jauchzet fröh- lich"; c. Am Sonnt. Caut.: "Dein Geist mag Leib nnd See!'"). - 5. "Herr, sei mir gnädig ', Orat., in Braunschweig comp. - 6. Osit'r-Caut. in Fdur: "Ich suche den, den meine Seele liebt". - 7. Festo annunciationis Mariae m. Orch.: "Du König der Ehren". _ 8. "Kommt her und schaut", gr. Passions-Cant, (Part. Bibl. d. Joachimsth. Gym,). - 9. Trauermusik beim Ableben des Herz. Wilh. Aug. v. Bruuuschweig 17~1. - 10. Ora- torium in Obiturn Friderici Guilelmi Hegis llorussorum producturn ad eJns Sepulehrum. Potsdam 1740: "Quis desidcrio. sit pudor" (f. 4 Sgst. m. Orch., ~.ext von Cochius). - 11. Motette· "Herr, ich habe d1ch heb", f. S. A. T. B. - 12. "Furwahr, er trug unsre Krankheit". - 13. Cant. auf d. 1. W cilmuchtst.: "Kommt Christen", m. V, VIa. in Cd ur. *) Zelter giebt in einer Rede, gehalten zu Königsberg d. 17 · Aug. 1809' an, dass Graun in Folge eines Schreckens bei der Nachricht iiber die verlorene Schlacht bei Züllichau er- krankt sei. ."'"') Auf d~e Partitur,. die in der K. Bibi. befindlich, .hat. C,; P. E. Bach eigenhändig ge- schneben: "m1t vortreffbeben Chören und Fugen 4- n. ostimm1g · ***) Eine seiner ersten Arbeiten soll noch auf der Kreuzschule in Dresden gearbeitet sein.
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.