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Full text: Tonkünstler-Lexicon Berlin's / Ledebur, Karl, Freiherr von

Friedrich. - Fricdrich Wilhelm li. 171 FJ•ieth•it!la, Prinz von Preusscu, K. General der Cavallerie und Chef des 1sten Cuirassier-Regiments. Geh. d. 30. Oct. 1794. Von seiner Garnposition erschienen 2 Ge- schwindmärschc f. d. Infanterie, als Armeemärsche No. 78 und 79. Berlin, Schlesinger. FriNirlela 'Vilhehn JJ,, König von Preussen. Geh. den 25. Sept. 1744, folgte seinem Oheime Friedr. II. 1786 in der Regierung und nimmt durch die seltene Liebe, womit er die Künste und "Wissenschaften und insbesondere die l\Iusik förderte, sowie durch die ausserordcntliche Geschicklichkeit, die er sich auf dem Violoneeil ange- eignet, einen nicht minder bedeutenden Platz als sein erhabener Vorgänger in der Ge- schichte der .i\Iusik ein. Er crliiclt zuerst den Unterricht Graziani's auf dem Violoncell, ~pätcr seit 1773 den J. P. Duport's, und brachte eR auf diesem Instrumente bald zu einer grosscn Vollkommenheit. Schon als Prinz von Preussen hielt er sich eine Kapelle, in der meist au3gczeichnete Künstler wie Duport, Vachon, Flcischhammcr, Eichner u. A. sich bcfandcn. Bei seiner Thronbesteigung ward das bisherige Döbbelin'sche Theater zu Berlin zum K. National-Thcatnr erhoben, demselben das ehemalige französische Schauspielhans auf dem Gcnsd'armcnmarkt eingeräumt, ihm eine jlihrlichc Unterstützung von 6000 Thlrn. gegeben und andere Vorthcile zuge~ichcrt. Vcberhaupt förderte der König nicht allein die deutsche 0 p er n m u s i k, und die Meisterwerke .1\Iozart's und Gluck's kamen unter seiner Hcgicrung zuerst zur Aufführung, sondPrn er liebte auch die Kir eh c n m u s i k. · Die Oratorien Iländcl's kamen in den Jlof-Concerten zur Aufführung; der "Messias" ward auf seine V cranlassung schon 1786 in Berlin öffentlich aufgeführt und dem Componistcn Dittersdorf ward zur Aufrührung des Oratoriums "Hiob" das K. Opernhaus bewilligt, was bisher nie geschehen war. Ebenso mussten in der Fastenzeit jährlich Oratorien anderer Meister auf des Königs Befehl aufgeführt werden. Wie sehr der König die Kirchenmusik liebte, wie genau er hierbei seine Anordnungen in Bezug auf Musik gab und wie hoch er die deutsche l\Insik stellte, wird folgende Kabiuets-Ordre beweisen, die an den K. Kammcr.l\Iusikus Schramm gerichtet ist, sie lautet*): "Lieber Getreuer! Da ich Euch vor einigen Tagen aufgegeben, dass 3 Oratoriis aufgeführt werden sollen, Ihr aber noch nicht auf der deshalb erhaltenen Ordre ge- antwortet, so will Ich wissen, woran es liegt, und was die Ursach sey, dass Ihr noch nicht darauf geantwortet habt'? Das Oratorium, welches Ich Euch befohlen einstudiren zu lässen, und in die Euch c..lcshalb gegebene Ordre, der Tod der Maccabaecr genannt habe, heisst Thirza. Der Toc..l A.bcls wird zuerst, wie ich bereits befohlen aufgeführt. Ihr k-önnt die Probe mit dem gantzcn Orchestrc gleich nach dem 1. Deccmber a. c. anfangen, zu der Zeit aber alles gehörig einstudiren laszen, auch müszct Ihr sorgen, damit die l\Iusic gehörig besetzt werc..len kann, die Stimmen, so zum gantzen Orchestre erforderlich sind, schreiben zu laszcn, um! Mir bald anzuzeigen, wie Ihr die Sing- Stimmen vcrtheilt habt? hiernächst das weitere Nöthigc mit dem Kammermusikus Bachmann dem 1iltcsten verabreden. Ihr sollt diese 3 Oratoriis dirigiren, da überdem deutsehe Musik von Deutschen dirigirt werden musB, und solche die Italiener und Franzosen ihre Sache nicht ist. Ich bin übrigens Euer gnädiger König Potsdam den 21sten 9bcr 1791. (gez.) Friedrich Wilhelm. An den Kammermusikus Schramm zu Bcrlin." Auch die italienische Oper, die in den letzten Regierungsjahren Friedrich's 11. sehr in Verfall gerathen war, suchte der König durch Eno-agemcnt des Kapellmeisters Highini und ausgezeichneter Siingcrinncn, wie: Marchctti-Fantozzi und Schick, sowie des Sängers Ludw. Fischer zu heben; dennoch ging sie immer mehr und mehr ihrem Ende ent- gegen, da sie eine zu bedeutende Gegncriu in der deutschen Oper hatte, besonders, nachdem l\Iad. Schick auch für diese gewonnen und B. A. ·weher als Kapellmeister bei derselben cngagirt worden war. In ~en Proben der italienisch~n Oper war der König oft gegenwärtig nnd spielte zuweilen 1m Orchester selbst das Vwloncell mit, besonders 0 ) Ich erhielt dieselbe in Abschrift vom Prof. Dehn. Das Original war im Besitze des K. Bau-Inspectors Schramm unrl ging arn 25. Dec. 1845 in die Antographen-Samml. des Hrn. Aloys Fuchs in Wien über. 22*
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