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Full text: Tonkünstler-Lexicon Berlin's / Ledebur, Karl, Freiherr von

Fasch. 145 waren. Im J. 1750 hatte Carl im Violinspiel so zugenommen, dass der Vater auf den Rath Höckh's beschloss, ihn nach Strelitz zum Concertmeister Hertel, damals einem der besten Violinisten Deutschlands, zu bringen. Hier beschäftigte sich der junge Fasch ausser seinen Unterrichtsstunden am liebsten mit dem Studium der Harmonie und mit dem Orgelspiele; er arbeitete fleissig Fugen und ging jeden Sonntag in die Kirche, den Organisten von seinem Dienste abzulösen; auch beim Accompagement auf dem Flügel wusste er sich so genau jedem Solospieler anzufügen , dass man ihn stets gern zum Accompagniren nahm. Im J. 1751 kam der berühmte Franz Benda aus Berlin zum Be- such nach Strelitz und ward aufgefordert bei Hofe zu spielen. Linicke, der damals dort Hof-Clavierist war, wagte es nicht demselben zu accompagniren, da Benda meist eigene Concerte spielte, die oft eine sehr schwierige Bassbegleitung hatten und eine fertige linke Hand, so wie ein gewandtes Accompagnement erforderten. Der junge Fasch musste Linicke's Stelle vertreten und zwar zur grossen Zufriedenheit Benda's; auch fand der Jüngling so viel Vergnügen an den Schwierigkeiten der Benda'schen Bässe, dass er sich eine längere Zeit ausschliesslich mit dem. Accompagnement ähnlicher Stücke beschäftigte und dabei eine sehr fertige linke Hand gewann, die man noch in seinen letzten Lebens- jahren bei ibm bemerken konnte. Nachdem Fasch sich ein Jahr lang in Strelitz aufge- halten, kehrte er nach Zerbst zurück, von wo er, um sich in den 'Vissenschaften weiter auszubilden, nach Klosterbergen bei 1\Iagdeburg geschickt ward. Nach seiner Rückkehr im J. 1753 übte er fleissig den Contrapunkt und eomponirte Kirchenmusiken, Clavier- und Violinstücke, Symphonien und Motetten mit so gutem Erfolge, dass er in seinem 19. Jahre für einen fertigen Musiker galt. Der Vater, der mit Freuden die Fortschritte des Sohnes bemerkte, machte mit demselben einen Ausflug nach Dresden, das damals in musikalischer Hinsicht eines bedeutenden Hufes genoss und führte ihn in die katholische Kirche, wo eine Messe von Zelcnka aufgeführt ward. Nach ßeendit,'llng der Messe be- merkte der Vater, dass der Jüngling in Thränen schwamm und befragte ihn um die Ursache, worauf dieser mit der Bitte antwortete, doch zu erlauben, dass er alle Tage die Messe besuchen dürfe; doch der Vater, uer ein eifriger Lutheraner war und eine Hinneigung des Sohnes zur katholischen Hcligion befürchtete, gab dies nicht zu und willigte aus dem nämlichen Grunde nicht in die Bitte eines Freundes, den Sohn ein Jahr lang bei demselben in Dresden zu lassen. - Im J. 1756 ward an Nichelmann's Stelle ein Clavierist beim Könige Friedrich II. gebraucht; da erinnerte sich Franz ßenda des jungen Fascb, der ihm vor 5 Jahren in Strelitz so gut accompagnirt hatte, und schlug ihn de~ Könige vor. So ward Carl Faseh, der jetzt 20 Jahre alt war, als 2. Clavicem- balist bei der K. Kapelle zu Berlin angestellt, obgleich Anfangs der V:.lter, der den Ber- liner Hof für nicht religiös genug hielt, Schwierigkeiten machte, die erst durch das Zu- reden C. P. E. Bach's beseitigt wurden. Fasch trat nun mit einem Gehalte von 300 Thlrn. unu dem Versprechen der baldigen Erhöhung desselben im Frühjahr 1756 seinen Dienst an. Dieser bestand darin, dass er abwechselnd mit C. P. E. Bach täg- lich die Flöten-Conccrte des Königs am Flügel begleiten musste. Die ersten Wochen musste er bei den Kammer-Concerten nur gegenwärtig sein und Bach's Accompagnement mit anhören, um sich mit der Art desselben vertraut zu machen; dann verliess Bach Potsdam und der Dienst ward nun an .Fasch übertragen. Die Aufmerksamkeit, mit der er sich dabei benah~, entging dem Könige nicht, der ihn bald deshalb schätzte .. Der König, der die Adag10's sehr schön blicss, überlicss sich dabei oft seinem augenblicklichen Gefühl, änderte das Tempo willkürlich ctc., so dass es nicht leicht war ihm in seinem Sinne zu folgen; eben so suchte er beim Allegro bei schwierigen Passagen die Miingel seines Spieles durch willkürlichen Ausdruck zu verdecken und hier musste das Accom- pagnement gehörig nachgeben, um dies nicht bemerken zu lassen. Fasch war hierin nachgiebiger wie Bach, der sich nicht immer fügen wollte. Doch bald sollten die Conccrte des Königs durch den ausbrechenden 7 jiihr. Krieg auf lange Zeit gestört werden. Fasch ward durch diesen Krieg in eine sehr bedürftige Lage versetzt, da sein Gehalt während desselben nur in Bes?ldungsscheinen , bei denen er ~ Verlust hatte, ausgezahlt ward. Dennoch konnte er sJCh ans Anhänglichkeit an seinen König nicht entschliesscn, den Dienst desselben ~u verlassen und suchte so gut es gehen wollte durch Unterrichten sein ßrod zu verdtcnen. Seine heiterstcn Stunden waren nun für ihn die, in denen er sich auf seine Lektionen vorbereitete, und eine 19
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