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Full text: Tonkünstler-Lexicon Berlin's / Ledebur, Karl, Freiherr von

96 Crüger. Berlin bewogen, ihm anno 1622 das Cantorat zu St. Nicolai aufzutragen, welches Amt er auch in selbigem Jahre Dom. 1. p. Triu. angetreten hat." -- Sein frühestes \Verk war: Meditation11m musicarum etr., er gab es schon als Student 1622 heraus, und nach C. v. \Vinterfeld soll sich in dic~em \Vcrke der Einfluss Job. Herrn. Schcin's nicht ver- kennen lassen. SeiiH!ll eigensten Beruf, den des geistlichen Liedergesanges, ergriff er erst 1640 durch Herausgabe seines \Verkes: "N ewes vollkömmliches Ge;;angbuch Augs- purgischer Confessioll''; ein zweites \Ycrk der Art erschien 1649, und auf Veranlassung der Churfürstin Louise · Henriette von Brandenburg gab er (n. Winterfcld) 1653 ein drit- tes heraus, das in der Griifl. Stollberg'Hcheu Bibliothek zu \V crnigerodc ist, und 9 hier zum ersten Male erscheinende Melodien Crüger's enthält; nämlich 3 Lieder von Job. Franke: "Herr, geuss deines Zornes \Vetter"; "Herr, wie lange willst du doch"; Brunn- quell aller" (n. Kühnau 1650 eompouirt), von denen nur das 3. noch gesungen wird; ferner: 5 Lieder von Paul Gerhardt: "\Vic ein Hirsch in grosser Dürste"; "Herr, der du vormals"; "Wie soll ich dich empfangen"; "Ist Ephraim nicht meine Krone"; Schwing dich auf"; endlich ein Lied vo11 Hcrrmann: "0 Gott, du frommer Gott". - Sein umfangreichstes \Verk dieser Art crschieil 1658. - Im Jahre 1647 musste er auf V cranlassung des Churfürsten Vorschläge zur Bestallung der Vocalmusik im Dome zu Berlin machen; derselbe schci11t auch die Absicht gehabt zu haben, ihn bei seiner Hof- Kirche als Kapellmeister anzustellen, was aber nach einer Handschrift von 1641, von der sich eine Abschrift unter König's 1\lanuscripten auf d. K. Bibliothek befindet, durch Kabalen verhindert ward. Die darauf bezügliche Stelle lautet: ,,Es wollteu ihn zwar S. Chf. Dchl. zu Brandenburg, Friedr. Wilh. der grosse, zurn Capellmeister an der Hof- Kirche znr heil. Dreifaltigkeit*) habe11, allein einig hoffartige Musikanten hinderten sol- ches auf mancherlei Weise, und wollten ihn pro directorc Musicae Elcctoralis nicht an· nehmen, weil er ein stiller, und ihnen ein allzu dernüthiger Mann war, welcher sich vor den Augen der Stolzen nicht stattlich geuug halten wollte. Einige bei Hofe hielten da- für, dass er gar zu Luthers und der reforrnirtcn Kirche unanstiindlich wäre etc. - Ausser der Gautorstelle versah er auch da~ Amt eines Lehrcrs beim Gymnasium zum grauen Kloster zu ßerlin. Sein Bild ist YOn seinem Sch1Viegersohne, dem Churf. Hofmaler Mich. Cour. Hirt gemalt, es ist 3' 10~" hoch, 2' 11~" breit, tmd befindet sich in der Nicolaikirche zu Berlin, rechts von der Orgel. Im Jahre 1713 Iiessen seine Erben sein Bild durch J. P. Busch i11 Kupfer stechen und setzten ihm folgendes Distichon (unter d. 30. Oct. 1713): Musa mori v!ltuit cumulatum lande Crugerum Et prolis pietas hunc superesse cupit. Er starb den 23. Febr. 1662 zu Bcrlin. In Langbecker's Schrift: "Johann Crüger's Choral-Melodien" ist sein Bild nach dem Gemälde von Hirt, gez. von Stein, lith. von Wild, zu finden. In C. v. Winterfeld's Werk: "Der evangelische Kirchengesang"; in Dietrich's "Klostergeschichte" und Küster's "altem und neuem ßerlin" findet man viel über ihn und seine Werke. Seine schönen Choral- Melodien der Lieder: ,,Nun danket alle Gott" (n. Kühnau eomp. 1653); .,Jesus meine Zuversicht" (do. um 1653); .,,.Jcsu meine Freude" (do. 16.50); "Schmücke dich, o liebe Seele" ( do. 1650); "Brunnquell aller Güter" ( do. 1650); "Du o schönes Weltgebäudc" ( do. 1650); "Gieb dich zufrieden und sei still" ( do. 1650); ,.Herr, ich habe m~ssgchan­ delt" (do. 1ii30); .,Nicht traurig, nicht so sehr·' (do. 1650); "0 Jesu Chnst, dein Krippeleiu" ( do. 1653) u. a. leben meist noch jetzt fort und sind Eig~nthum des Volks geworden. Aber auch schoB zu seiner Zeit wurden Crügcr's V erdtenste anerkannt. Sein Freund Joha1111 Franke, der auch viele Lieder für ihn gedichtet hat, nennt ihn in seinem "irdischen Helikon" den "Asaph" seiner Zeit, Yielleiht nuf ein~ Stelle in der Vorrede zu dem Gesangbuche von 1640 sich beziehend. Franke .~nd, .;\l~chae! Schirmer besingen ihn auch in V erscn, und Joh. Heinzelmann gcden~t Cruger.s m semer "Ora- tio de colenda musica", die derselbe 1657 bei der Jntroductwn des Cantors Mart. Klin- "') So hiess damals die Domkirche.
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