Path:
§ 5. Schulfeierlichkeiten

Full text: Geschichte der Dorotheenstädtischen Realschule während der ersten fünfundzwanzig Jahre ihres Bestehens / Kleiber, Ludwig (Public Domain)

53 aber ich könnte dies nicht, ohne der Männer zu gedenken, die sich mir nie als befehlende Vor- gesetzte, sondern stets als theilnehmeDde Führer uDd FreuDde gezeigt habeD. Ich müsste der SchuldeputatioD danken, welche in der ersten Hälfte des verflosseDen Viertel-Jahrhunderts unter ihrer Leitung die Anstalt sich hat entwickeln sehen, aber ich könnte dies nicht, ohne der verehr- ten Männer zu gedenken, welche mit deD Direktoren und vielen Lehrern der Schule durch die BaDde der Freundschaft und gegenseitiger Achtung verbunden gewesen sind. Ich müsste den Lehrern danken, die in dem verflossenen Viertel-Jahrhundert an der Anstalt thätig gewesen sind, und namentlich den heiden !länDern, welche unserer Schule als Direktoren vorgestanden haben, aber ich könnte dies nicht, ohne die Freude, die wir über die Anwesenheit des EiDeD von ihnen empfinden, durch die schmerzliche Erinnerung an den zu frühen Verlust des Anderen trüben. Ich müsste endlich allen den Aeltern danken, welche ihre Söhne der Schule anvertraut haben, aber ich könnte dies nicht, ohne zugleich der vielen Freunde und Familien zu gedenken, die uns nicht blos als Lehrer ihrer Kinder, sondern zugleich als Freunde ihres Hauses betrachten, unn der Schule dadurch erst die richtige Stellung nach Aussen hin erringen helfen. Ein geistreicher Schriftsteller hat einmal gesagt: "Die Dankbarkeit ist das Gedächtniss des Herzens." Nun wohl, meine theuren Collegen, lassen sie uns diesen Spruch zur Wahrheit machen I Wir besitzen nicht die Mittel, um allen denen, die der Schule Gutes getban haben, unsere Dankbarkeit thatsächlich zu beweisen, aber in unseren Herzen wollen wir das Andenken alles des Guten bewahren, das uns erwiesen worden ist, und nicht in steinerne Tafeln, sondern in die fleischernen Tafeln unseres Herzens die Namen der Wohlthäter einschreiben, die sich um diese Anstalt verdient gemacht haben. IhDen aber, edle Gönner, Freunde und Pfleger der An- stalt, die Sie hier anweseDd siDd, rufe ich das Wort des Dichters zu: Die Dankbarkeit ergeht nicht in des Handeins Schranken, Die Dankbarkeit besteht, das Wort sagt's, in Gedanken, Mein Denken dankt, es ist mein Dank euch zugedacht, Wenn auch ihn weder Wort noch Werk bemerklich macht. 1) Aber das heutige Fest fordertvoD uns nicht blos einen Dank für die Vergan geD hei t, son- derD zugleich eiD Zeug ni s s für die Gegen war 1. DenD es legt uns die Pflicht auf, Ihnen öffeDtlich Rede zu stehen über deD Geist des Werkes, das wir treiben. Wir fühlen uns zu dieser Rechen- schaft um BO mehr verpflichtet, weil den Realschulen unseres Vaterlandes iD dem letztverflosseDen Schuljahre durch die Weisheit der Staatsbehörden eiDe neue Bahn vorgezeichnet, ein höheres Ziel gesteckt und eine grössere Summe von Rechten eingeräumt worden ist. Nach diesen neuen Verordnungen ist der Zweck der Realschule die Bildung der nicht ge- lehrten StäDde zur Humanität. Damit ist das leidige Nützlichkeits -Princip verworfen uDd die Forderung ausgesprochan, dass die Realschule ihreD Schülern eine humaDe, d. h. eine den gan- zen Menschen erfassende und durchdringende Geistes - B11 du Dg zu geben hat. Erst vor einem halbeD Jahre habe ich mich aD dieser Stätte in eiDer Rede, mit welcher ich die Abiturienten ent- liess, ausführlich über den Begriff und das Ziel humaner Bildung, so weit sie für Realschulen erreichbar ist, ausgesprochen UDd ich beschränke mich, um nicht das damals Gesagte in seiDer ganzen Ausdehnung zu wiederholen, auf folgende Bemerkungen. Das Wort Bildung bezeichDet zweierlei, nämlich 1) den Prozess des Bildens, 2) das Resultat, dieses Prozesses. Nun ist klar, dass für die Jugend, mit der doch allein die Schule es zu thun hat, das Wort BilduDg vorzugsweise in seiner ersteD Bedeutung genommen werden muss; 1) Rückert! Weisheit des Brahmanen. VI. Buch, 51.
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.