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§ 3. Lehrverfassung und Lehrpläne

Full text: Geschichte der Dorotheenstädtischen Realschule während der ersten fünfundzwanzig Jahre ihres Bestehens / Kleiber, Ludwig (Public Domain)

42 Die Abweichung des neuen Lehrplans von dem altcn zeigt sich besonders in folgenden Punkten: 1. Der neue Lehrplan giebt der Realschule schon von der untersten Klasse an eine von dem Gymnasium verschiedene Organisation, während der alte Lehrplan wenigstens für die heiden untersten Klassen eine mit dcm Gymnasium übereinstimmende Organisation beizube- halten suchte. 2. Der neue Lehrplan weis't den einzelnen Unterrichtsgegenständen nicht durch alle Klas- sen eine gleiche Anzahl von Stunden zu, sondern misst die Zahl der Stunden je nach der Wichtigkeit des Lehrgegenstandes für die einzelne Klasse ab. So hat das Lateinische in VI 10, in V 8, J) in IV G, in III 5, in II 4, in I endlich nur drei wöchentliche Stunden. Das Franzö- sische hat in V 5, in IV 5, in Ill, 1I und I je 4" das Englische in III 4, in II und I je 3, das Deutsche in VI und V je 4 in den oberen Klassen je 3 Stunden. In dem sprachlichen Unter- richt haben also die unteren Klassen mehr Stunden als die oberen. Das Umgekehrte gilt von den Naturwissenschaften, die in den unteren Klassen je 2, in den oberen Klassen je 6 Stunden in Anspruch nehmen. Anders ist es in lIer Mathematik, die in VI 5, in V 4, in IV und III je 6, in II und I je :> Stundcn hat. 3. Dem sprachlichen Unterricht im Ganzen sind in dem neuen Lebrplan in VI 14, in V 17, in IV 14, in TII 1G, in 11 14 lind in I 13 Stunden eingeräumt worden, während in dem bisheri- gen Lehrplan für den sprachli ehen Unterricl1t in allen Klassen gleicbmässig 1:) Stunden an- gesetzt waren. 2) 4. Der neue Lehrplan will durch die Absolvirung der Tertia einen "Abschluss der Bil- dung erreichen, der zum Eintritt in einen praktischen Beruf der mittleren bürgerlichen Lebenskreise befähigt".:I) Er verlaugt ausserdem, dass, um die Abitu- 1) Die UDterricbts·Onlnong vom 6. Oct. 1859 schreibt für VI Dnr 8, fiir V 6 lateioischo StnndeD vor. Da aber manche Schüler der DorotheenstädlischeD' Realschnle nacb Absolvirung der V auf eiu Gymuasiull1 übergehen, so siud die für die Naturkunde bestimmten Stunden dem Lateinischen zugelegt wordeD. Dadurch wird es möglich, der VI und V eine mit dem GymDasium in den eDtsprechendeu Klasseu möglichst übereinstimmeude Organisation zu geben und die Idee des gemeinsamen UDterbaus weuigstens für die beiden uDtersten Classen Leizub~halten. 1m Lehrplan ven 1M51 waren dem Lateiuischen in VI, V und IV 6 wöcbentliche Stundeu eingeräumt, wie dies auch iu dem VOIl1 UnterrichtsministeriulU der LaDdes·Schulcon. fereDz vorgelegten Lehrplan geschehen ist. Nachdem die obereD Klassen der Dorotb~enstädtis:henRealschule in die Frie· drich-Wilhelmstädtische höbere LehraDstalt verlegt waren, wnrdeD dem Lateinischen in den drei unteren Klassen beider AD' stalten 7 Stnnden, und im .labre 1855 in IV- sogar 8 Stunden, Michaelis 1855 aber in allen drei untereu Klassen 8 Stunden eingeräumt. Michaelis 1857 wurden dem lateinischeD Unterricht wieder drei Stunden abgeDommen, nm das Englische schou in Quarta beginnen zu kÖDDen. lu deD oberen Klasseu hatte das Lateinische seit dem Jahre 1851 immer 5 StundeD. 2) Die Deue Unterrichts - Ordnung schreibt eigentlich für VI nur 12 und frIr V Dnr 15 spracWiche LehrstuDden vor. cf. Anmerkung 1. Bei der Feststellung des alten Lebrplanes ist der Unterzeichnete von der Ueberzeugong ausgegaDgen, dass dem sprachlicheD Unterrichte die Hälfte sämmtlicher LehrstuDden eiugeräumt werden müsse, wenD etwas Tüchtiges geleistet werdeD solle. Die Erfahruug lehrt nämlich, dass die s prllC h I i c he D Form 0 n eigentlich n n r in der JugeDd gelernt werden könDen. In der meiner Leitnng anvertrauten ADstalt habe ich jedes Jahr Gelegenheit Zu bemerkeD, dass diejenigeD im AuslaDde gebornen Schüler, die der ADstalt übergeben werdeD, um eiDe deutsche Erziehuu~ zu erhalten, sich unllere Sprache sehr leicht aDeignen, wenn sie möglichst jung in die Anstalt eintreton, währeDd diejenigen Ansländer , welche bei ihrem Eintritt iD dio Schnle das Alter der Pubertät bereits überschritten habeD, das Deutsche nur uothdürftig ud unvollkommen erlernen. Aebnliche Erfahrungen wird jeder Lehrer macheu , der SprachuDterricht ertheilt. Was in diesem Fache in der Jngend versäumt wird, ist fast Die lIlehr nachzuholen; wogegen die Erlernung eiuer Wissenschaft auch noch im späteren Alter begonnen werdeu kanu. 3) cf. UnterricbtsorduuDg etc. § 4 S. 3. Die hi~r aufgestellten Forderungen silld etwas hochgestellt und nur bei grosser Austrengung von Lehrern und Lerneuden zn erreicben, namentlich das fiir di~ Naturkunde vorgesclJriebene ~Jaass von Kenut.
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