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Von unten auf

Full text: Erich Carow / Georg, Manfred (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Ich betrat es als Hausdiener, das heißt, ich erreichte 
es, daß ich für die Schauspieler Wurst und Bier holen 
durfte. Das brachte ein paar Pfennige, ab und zu auch 
einen Bissen Wurst. 
Rascher als ich hoffte, erfolgte mein erstes Auftreten. 
Man gab eine Tannhäuser-Parodie. Als Page der Elisa- 
beth zog ich auf der Szene ein. Einen ganzen Akt lang 
saß ich zu den Füßen der dicken Darstellerin. Ein Akt 
ist lang. Man wird es mir nicht verübeln, wenn ich er- 
zähle, daß ich in Träume über meine Zukunft ver- 
sunken anfing, in meiner Nase zu bohren. Elisabeth, 
erschrocken über das unhöfische Benehmen ihres Pagen, 
beugte sich rasch nieder und wischte mir mit einem roten 
Baumwolltaschentuch die Nase. Das Publikum wußte 
sich vor Lachen nicht zu halten. 
Der Direktor, der die Szene beobachtet hatte, war 
begeistert über diese Pointe. Sie mußte von nun an 
jeden Abend gebracht werden. Was mir Lust gewesen 
war, wurde zur Pflicht. Das Publikum aber nannte die 
Tannhäuser-Parodie fortan „Popelkomödie‘“‘. 
Aber war ich bisher Statist gewesen, jetzt wollte ich 
Direktor sein. Und ich wurde Direktor. Zuerst Kino- 
Direktor, Freilich nicht mit Polstersesseln und Tonfilm- 
apparatur, sondern mit einer Laterna Magica. In den 
Kellern der Häuser fanden die Vorstellungen statt. Die 
hohen Kellerstufen bildeten die Sitzreihen. Die oberen, 
mit Zeitungspapier belegten, kosteten zwei Pfennig, die 
unteren, ohne Zeitungspapier, einen Pfennig oder Na- 
turalien wie ein Stück Zippelwurst, Streuselkuchen etc. 
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