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Lala und die Snobs. Von Hanns G. Lustig

Full text: Erich Carow / Georg, Manfred (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Es war ein akrobatisches Kunststück, drei Plätze auf 
einer Estrade zu erobern. Ich mußte auf einem nied- 
rigen Hockerchen sitzen. Aber mein Knie berührte 
das Kleid von Lala, 
Ich hatte mich vor der Weinkarte gefürchtet. Als ich 
sie aber genau betrachtete, gewann ich eine tolle 
Sicherheit. So also war das! Und ich übernahm die 
unerbittliche Führung im Arrangement der Bestellungen. 
Auch Dr. Junghans hatte sich zu fügen. Das brachte 
mich in Laune, 
Ich lachte Tränen über ein dickes Turnerpaar auf 
der Bühne. Und köstliche Freude bereitete mir eine 
Soubrette, die über nächtliche Erotik im Tiergarten 
referierte. Dr. Junghans blickte seltsam und unergründ- 
lich. Er war ein Grübler. 
„Das ist noch alles nichts gegen Carow!‘“ sagte er. 
Er kannte Carow schon. Und Lala kannte ihn auch. 
Mit einem Mal war ich der Außenseiter. 
„Ist Carow nicht wunderbar?“ fragte Lala den Doktor. 
„Ein herrlicher Bursche‘“ entgegnete er düster. 
Er war ein Sachverständiger für Carows Komik, das 
merkte man seiner strengen Miene an. Er war mir über- 
legen. Lala war ihm dankbar für das scharfe Urteil 
über Carow. Das ärgerte mich. Ich war unwichtig 
geworden. Ich war eine Nebenperson. Lala und Jung- 
hans verstanden einander sehr gut. Sie waren keine 
Snobs. Sie erfaßten Carows Bedeutung. 
Die Pause kam. Lala sah, daß ich traurig war. Deshalb 
sagte sie zu mir: „Tommy, du könntest auch mal was für 
mich tun und mir eine Tafel Schokolade holen.“ — Ich 
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