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Weinbergsweg 19. Von Peter Sachse

Full text: Erich Carow / Georg, Manfred (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

WEINBERGSWEG 19 
von Peter Sachse. 
Neulich war Erich Carow gerade 15 Jahre bei’s Theater 
und da mußte ich eine Gratulantenrede halten. Namens 
eines der größten Vereine Berlins: des Verbandes ehe- 
maliger Walhalla-Theater-Direktoren, 
Unser Vereinsabzeichen sind die grauen Haare, die 
wir uns alle in dieser Scheune geholt haben. Sie 
war einmal eine Ausstellungshalle in Düsseldorf, die 
der selige Schippanowski nach Berlin verfrachten und 
dann zum Theater avancieren ließ. Jedem Pächter 
schrieb er in den Vertrag, daß für die Familie Schippa- 
nowski täglich zwei Freikarten zu reservieren seien. Jn 
jeder Saison begrüßte ein anderer Pächter in den beiden 
Schippanowski-Billets seinen einzig sicheren Karten- 
absatz. Der Direktor mochte noch so tüchtig, mochte 
noch so früh der erste im Theater sein — der zweite war 
immer der Gerichtsvollzieher. 
Später hat einmal einer heraus bekommen, warum in 
diesem Theater jeder Direktor schwach auf der Brust 
wird. Links und rechts vom Parkett sind zwei Logen 
von einem Baldachin überschattet. Über jedem Baldachin 
hat ein erfinderischer Innenarchitekt als abschließende 
Dekoration einen .... Sarg angebracht. 
Es gibt nur einen einzigen, der in diesem Hause glück- 
lich geworden ist. Das ist Erich Carow. Weil er so 
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