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Carows grosse Rollen I. Der Pantoffelheld. Von Manfred Georg

Full text: Erich Carow / Georg, Manfred (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Die übrige Stadt schläft, atmet, liegt geduckt, sammelt 
Kraft aus Träumen und Hoffen für den nächsten Tag, 
Dort sind Carow’s Lande, Dort wohnt das Volk von 
Berlin, dessen Repräsentant er so oft ist, wenn er die 
Bühne betritt. 
„Liebling de: Volks zu sein‘ —. Berlin ist in dieser 
Hinsicht mit seinen Huldigungen nicht als verschwen- 
derisch bekannt. Carow erwarb sich diese Gunst da- 
durch, daß er ganz unbekümmert, mit beinahe inferna- 
lischer Frechheit, mit der selbstbewußten Kraft dessen, 
der aus dem Proletariat kommt, wo es echt und unge- 
brochen ist, Berlin im Menschlichsten packte, bei seinen 
Schwächen und Wünschen. Er hat keine Scheu vor dem 
derbsten Witz, er putzt seine Grotesken nicht mit 
Schönheitsmittelchen auf, er gibt die Armseligkeit arm- 
selig, die Brutalität brutal und die Verlassenheit ver- 
lassen, Kein Versuch soll hier gemacht werden, Carow 
auf eine literarisch-philosophische Ebene hinauf zu 
jonglieren. Er ist ein sehr irdischer, handfester, aus dem 
Augenblick der Intuition arbeitender Künstler, 
Seht, da schlurft er hinein in die Wohnküche, die die 
Szene eines seiner klassischen Sketches, des „Familien- 
idyll in Berlin N.‘“, bildet. Carow gibt hier, eingehüllt 
in einen grünen Sack, der zu Adams Zeiten einmal ein 
exzentrischer Cut gewesen sein muß, mit O-Beinen, 
Glatze und Trinkeräuglein einen von seiner Frau 
völlig entmutigten Familienvater, der mit Wehmut 
der schönen Zeit seines Lebens gedenkt, da er nach zwei 
Pullen Kognak die Wohnungseinrichtung zerschmeißen 
konnte. 
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