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Ich entdecke meinen Mann

Full text: Erich Carow / Georg, Manfred (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Licht über Kontrollmarken und Rechnungen und fielen 
erst gegen sechs Uhr morgens todmüde in die Klappe. 
Mein Mann kümmerte und kümmert sich eben um 
die geringste und unwichtigste Angelegenheit und nichts 
gibt es im Geschäft, das ihm entgeht. Andere Frauen 
mögen das vielleicht nicht leiden. Mich macht das froh. 
Besonders deshalb, weil er keinen Plan macht und keinen 
Gedanken in Handlung umsetzt ohne die Frage zu 
tun: „Was sagst Du dazu?‘ Also da kann er sich 
schon kümmern. Ich kümmere mich ja auch um ihn. 
Um seine Grübeleien, um sein Suchen nach Darstellung 
und Ausdruck, um seine ewige Rastlosigkeit, 
Es kann sein, daß er plötzlich den triefenden Kopf 
aus dem Badezimmer steckt und fragt: „Lucie, wollen 
wir den Tisch auf der Bühne nicht grün anstreichen? 
Das Blau ist schon mächtig blaß.‘“‘ Er denkt eben immer 
nur an den Abend, an die Szene, und nicht nur an die 
Szene, sondern ebenso an die Scheinwerfer und die 
Weinkarten, und ob der Kellner, der am Abend vorher 
eine Differenz mit der Dame am Buffet gehabt hat, 
nicht etwa doch Recht hatte. So wie er sein eigener 
Architekt ist, ist er sein eigener Beleuchter, Er baut 
seine Stücke genau so, wie er sich um die Qualität der 
Bockwürste im Restaurant sorgt. Einmal standen 
wir auf dem Rigi, die Sonne ging herrlich auf, der 
ganze Vierwaldstätter See leuchtete tiefblau. Wir waren 
ganz ergriffen und schwiegen. Mit einem Mal wendet 
sich Erich zu mir, sein Gesicht hat einen ganz verlorenen 
Ausdruck angenommen. Dann sagt er: 
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