Path:
Cover back

Full text : Gräfin Elisa von Ahlefeldt / Assing, Ludmilla (Public Domain)

zu denkwürdigem Tun zusammenfanden: Peter Tschaikowsky und Edvard
 Grieg führen, der eine 1888, der andere 1889, die Philharmoniker.
Die beiden oben gestellten Fragen sind also unbedenklich mit „Ja“
zu beantworten. Das philharmonische Orchester hat nicht nur an den
grossen Abenden erfüllt, was man von ihm erwartete. Auch die populären
Konzerte haben die gute Berliner Tradition mit grosstädtischen Mitteln
fortgeführt. Sie sind uns ein köstlicher Besitz. Inmitten der Genussucht
and Oberflächlichkeit haben sie der ernsten Muse einen Tempel errichtet.
Auf den beliebten Kogel war Rudolf Herfurth, auf diesen der sichere
Josef Rebicek gefolgt. Nach einem kurzen Regime August Scharrers hat
der Chronist als Dirigent den trefflichen Musiker und temperamentvollen
Dirigenten Dr. Ernst Kunwald als Erzieher des Orchesters zu verzeichnen.
Der Virtuose und der Chor können auf seine Hilfe rechnen; und wenn
nicht tägliche Lohnarbeit es flügellahm macht, dann kann man seinem
Wirken jedesmal beruhigt entgegensehen.
Glücklicherweise aber schlägt der Stadt Berlin, wenn auch spät, das
Gewissen. Sie entschliesst sich zu selbstverständlichem Mäcenatentum
und spendet zunächst 60000 Mark. Sollen die Philharmoniker im Sommer
 freier aufatmen, oder sollen sie um diesen Preis an die Sklavenketten
der Spiessbürger gefesselt werden? Die Zukunft wird es lehren.

Und wieder pochen wir an die Pforten des Opernhauses und fragen,
ob der Berliner Geist, der in den Sinfoniesoireen der königlichen Kapelle
so behaglich wohnt, denn noch immer nicht durch den der neuen Zeit erschüttert
 worden ist. Wir hatten uns darauf gefasst gemacht, dass dies
sobald nicht geschehen könne. Bis zum zweiten Januar 1883 taktiert
mumienhaft der alte Wilhelm Taubert. Aber auch Robert Radecke, der
ihn ablöst, war einmal ein Reformator. Auch er an den Idealen der Romantik
 hängend und unbeirrt von der Strömung, die den Dirigenten zum
beherrschenden Kopf macht. Aber er ist kein Starrkopf. Man bedenke,
dass 1886 der Komponist Richard Strauss in diese heiligen Hallen einzieht.
 Aber zur Beruhigung der Abonnenten nur der gänzlich harmlose,
der in seiner F-moll-Sinfonie Treu’ und Redlichkeit übt. Und dann wurde
eines Tages, im Jahre 1887, der Leiter der Schlesischen Musikfeste, der

363
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.