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Full text: Die Haupt-Cadetten-Anstalt zu Lichterfelde / Herrig, Friedrich Christian Ludwig

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Kraft liegt heute die Macht eines Heeres: das Wissen ist auf 
dem Schlachtfelde eine Macht geworden. 
Kennen wir auch in Deutschland keinen Wehrstand in jenem 
Sinne mehr, der nur die Besch�ftigung mit den Waffen die Sache 
des freien Mannes sein liess, so ist doch gerade dem gesummten 
Volke die Aufgabe gestellt, sich mit der Macht milit�rischen 
Wissens und K�nnens zu beseelen und sich f�r die Tage der 
Gefahr aus friedlichen Bttrgern, betriebsamen Bauern in furcht-
bare Krieger zu verwandeln. Als K�nig Friedrich Wilhelm III. 
rief und alle, alle kamen, als ohne gerufen zu sein die preussischen 
Reservisten und Landwehrm�nner sich um K�nig Wilhelms 
Fahnen sammelten, da zeigte es sieb, dass unser Volk diese Auf-
gabe begriffen hat. 
Und doch ist sie unendlich schwierig, und die Stellung 
dessen, der dies Wissen zu vermitteln hat, voller Verantwort-
lichkeit. Der Beruf des Officiers unterscheidet sich von dem 
des Ritters wesentlich dadurch, dass der Offleier nicht allein 
dem rauben Kriegsgotte Mars, sondern auch der ernsten aber 
milden G�ttin der Wissenschaften, Minerva, dienen muss. 
Preussens K�nige haben dies stets erkannt, haben gewusst, 
dass auch diesem Berufe gegen�ber die Mahnung Recht beh�lt, 
sich fr�h zu �ben, um der Mlihe gewachsen, dereinst den Preis 
erringen zu k�nnen. In diesem Sinne setzte Preussens grosser 
Friedrich auf das neue Cadettenhans in Berlin die Worte: 
Marti s et :Minervae alumnis, und die Geschichte des 
Preussiscben Cadettenkorps beweist, dass diese Bezeichnung 
nicht trefflicher gew�hlt werden konnte. 
Und wenn jetzt das Berliner Cadettenhaus leer steht, ja 
bald verschwunden sein wird von dem denkw�rdigen Platze, den 
es l�nger als hundertundf�nfzig Jahre geziert, so mag jener 
Geist vor allem hin�berziehen in die neue Anstalt, der Preussens 
Officiere in Sturm und Gefahr beseelte und der Preussens 
Waffen mit dem Lorbeer kr�nzte, der Geist des pers�nlichen 
Muthes, der wissenschaftlichen T�chtigkeit. Solange die Anstalt 
nach alter Tradition in diesem Sinne wirkt, wird sie das Wort 
Kaiser Wilhelms erftlllen und dienen 
der Jugend zur Bildung, 
der Armee zum Heil.
        
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