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Text I. Geschichtlicher Ueberblick

Full text: Die Haupt-Cadetten-Anstalt zu Lichterfelde / Herrig, Friedrich Christian Ludwig

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gehalten um die ersten Elemente der Bildung, wie Lesen, 
Schreiben und Rechnen zu doeiren. Was den jungen Leuten 
an Wissenschaft abging, ersetzten sie nicht selten durch K�rper-
kraft, die sich durch die Gesetze der Anstalt nicht gern in 
ihren Gerechtsamen verk�rzen liess. Daher kam es oft genug 
zu Ausbr�chen der Rohheit, und hier waren unerbittliche Strenge 
und Preussische Zucht an ihrer Stelle. Der Profos trat in 
Th�tigkeit, Stockpr�gel, Krummschliessen wurden in Anwen-
dung gebracht, ja bei Excessen gr�bster Art Ausstossung oder 
Festung verf�gt. Manche traurige Thatsache, die berichtet 
wird, l�sst erkennen, dass, wenn irgend wo das Stockregiment, 
wie es in den Tagen Friedrich Wilhelms und Leopolds von 
Anhalt herrschte, im corps des cadets seine vollste Berechti-
gung hatte. Es war das kein Zeitalter der Humanit�t und To-
leranz: ein solches zu inauguriren war Friedrich dem Grossen 
vorbehalten. Eine schwierige Aufgabe war es f�r ihn, das an 
den Stock gew�hnte und des Stockes bed�rftige Heer in allen 
seinen Schichten dem Bewusstsein milit�rischer Ehre zug�nglich 
zu machen. Der grosse K�nig begann die L�sung dieser Auf-
gabe beim Cadettencorps. 
Fast unmittelbar nach seiner Thronbesteigung, bereits am 
4. Juni 1740, sehen wir ihn eine Neugestaltung der Anstalt an-
bahnen, die sein Vater vor fast dreiundzwanzig Jahren ins 
Leben gerufen hatte. Der Etat derselben gen�gte in seiner 
allgemeinen Fassung nicht mehr; der Profos wurde abgeschafft, 
die den Cadetten gereichte Nahrung zum Gegenstande beson-
derer Aufmerksamkeit gemacht, der Lectionsplan verbessert. 
Nicht Furcht vor k�rperlicher Z�chtigung, sondern das Ehrge-
f�hl w�nscht der K�nig zur Aufrechterhaltung moralischer F�h-
rung provocirt zu sehen, die raube Aussenseite, die eiserne 
Zucht will Er mit energischer Regierung, doch humaner Be-
handlung versetzt wissen. Ob es damit schon an der Zeit war, 
bleibe dahingestellt; Thatsache ist, dass Friedrich in den Kreisen 
des Preussischen Adels fur das Institut ein Wolwollen erweckte, 
das sein hoher Vater oft genug vermissen und mit durchgrei-
fenden Massregeln der Gewalt erzwingen musste. 
Bestimmte, auch nach aussen sichtbare Thatsaehen beglei-
teten das Reformationsedict des jungen K�nigs. Am Ende des
        
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