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Full text: Epi-Info Issue 2017,35

1

Epi -Info
Wochenbericht - Meldewoche 35/2017
über die im Land Berlin gemäß IfSG erfassten Infektionskrankheiten
herausgegeben am 07. September 2017 (Datenstand: 05.08.2017 - 17:00 Uhr)

Inhalt

1. Allgemeine Lage
2. Aktuelle Infektionsgeschehen
Masern: Gehäuftes Auftreten in Berlin

3. Meldepflichtige Infektionskrankheiten
3.1. Meldezahlen im Berichtszeitraum, nach Bezirken
3.2. Seltene Erkrankungen
3.3. Salmonella-Serovare
3.4. Meldepflichtige Erkrankungen bei Asylsuchenden

4. Krankheitsausbrüche
4.1. Ausbrüche durch meldepflichtige Erreger / Krankheiten übermittelt gemäß §11(1) IfSG
4.2. Nosokomiale Ausbrüche übermittelt gemäß §11(2) IfSG

5. Abbildungen ausgewählter Infektionskrankheiten
EHEC, Hepatitis A, Legionellose, Listeriose

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Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (LAGeSo)
Fachgruppe Infektionsepidemiologie und Meldewesen nach IfSG (I C 3)
Hr. Schubert / Fr. Dr. Bitzegeio / Fr. Wendt / Hr. PD Dr. Werber
Darwinstraße 15, 10589 Berlin (Charlottenburg), Tel. 90229-2427/-2428/-2432/-2421, Fax: (030) 90229-2096
Groupmail: infektionsschutz@lageso.berlin.de, Groupfax-IfSG: (030) 90283385, www.berlin.de/lageso/gesundheit/index.html
Neben dem statistischen Teil enthalten die Berichte im Textteil auch allgemeine und weiterführende Informationen, deren
Interpretation infektiologischen und epidemiologischen Sachverstand und Kenntnisse über die Datengrundlagen erfordern.
Eine Weitergabe sowie Be- und/oder Verarbeitung der Daten zu kommerziellen Zwecken ist ohne Genehmigung des
Herausgebers nicht zulässig.
© 2017

Link zum Download
der Wochenberichte
des LAGeSo

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 35/2017

2

1. Allgemeine Lage
In der 35. Meldewoche (MW) wurden drei Masernerkrankungen bei erwachsenen Personen
im Alter von 35 bis 52 Jahren übermittelt. Sie waren nicht gegen die Masern geimpft bzw. bei
einer Person war der Impfstatus nicht ermittelbar. Damit stieg die Fallzahl der seit der 30. MW
erkrankten und im Meldesystem erfassten Personen auf 20 an. Es sind ausschließlich Erwachsene betroffen (siehe unter 2.).
Es wurden zwei Hepatitis A-Erkrankungen bei Männern übermittelt. Das Alter der Betroffenen
liegt im Bereich der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) und vom Ausbruch betroffen
sind, der bereits über ein Dreivierteljahr in Berlin und anderen Städten Europas anhält. Allerdings liegen die wöchentlichen Erkrankungszahlen nur noch geringfügig über dem Medianwert der fünf Vorjahre (siehe unter 5.).
Mit der Übermittlung einer HUS-Erkrankung bei einem Kind (<1 Jahr) in der Berichtswoche
wurden seit Jahresbeginn acht Fälle erfasst. Dies ist die höchste Zahl seit Einführung des
Infektionsschutzgesetzes (2001), mit Ausnahme des Jahres 2011, als sich in Deutschland der
weltweit größte HUS-Ausbruch ereignete. Zudem wurden zwei nicht-schwangerschaftsassoziierte Listeriosen übermittelt. Auch in dieser Meldekategorie liegt die Fallzahl in diesem
Jahr deutlich über dem Fünfjahres-Medianwert des Vergleichszeitraumes (1. bis 35. MW,
siehe unter 3.).
Für die Berichtswoche wurden zwei Ausbrüche, bedingt durch Campylobacter und EHEC mit
insgesamt fünf Erkrankten nach §11(1) IfSG übermittelt. Nosokomiale Ausbrüche wurden
nicht übermittelt (siehe unter 4.).
Bitte beachten Sie die neue, verkürzte Webadresse zum Aufruf der Wochenübersichten/Wochenberichte:
www.berlin.de/lageso/gesundheit/infektionsepidemiologie-infektionsschutz/berichterstattung/

Hätten Sie's gewusst?
Die Nationale Kommission zur Verifizierung der Masern- und Röteln-Elimination (NAVKO) hat
Deutschland für 2016 den Status "unterbrochene endemische Transmission" zuerkannt.
Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass trotz hoher Inzidenz keine Übertragungskette beobachtet wurde, die 12 Monate oder länger andauerte.
Die höchste Inzidenz und die längste Transmission eines Virusstammes (vier Monate) wurden im
Jahr 2016 in Berlin beobachtet.

Quelle:
- www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/NAVKO/Berichte/Bericht_2016_en.pdf?__blob=publicationFile
- Robert Koch-Institut. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2016, Berlin 2017
- WHO: Eliminating measles and rubella. Framework for the verification process in the WHO European Region (2014)

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 35/2017

Abb.: Thommy Weiss /pixelio.de

Hintergrund:
Die Aufgabe der NAVKO ist es, den Eliminationsprozess von Masern und Röteln in Deutschland zu begleiten und zu
dokumentieren. Die Elimination ist definiert als die Abwesenheit endemischer Übertragungen für mindestens 12 Monate
(dokumentiert durch ein gut funktionierendes Surveillance-System). Nach der Einteilung der WHO werden Übertragungen als endemisch angesehen, wenn sie kontinuierlich für einen Zeitraum von mehr als 12 Monaten in einem definierten geografischen Gebiet beobachtet werden.

3

2. Aktuelle Infektionsgeschehen
Masern: Gehäuftes Auftreten in Berlin
In der 35. Meldewoche wurden drei Masernerkrankungen aus drei Bezirken übermittelt. Die
betroffenen Personen waren im Alter von 35 bis 52 Jahren und nicht gegen Masern geimpft
(n=2) bzw. der Impfstatus war nicht ermittelbar (n=1). Jüngster Erkrankungsbeginn ist der
27.08.2017. Damit stieg die Fallzahl der seit der 30. MW. erkrankten Personen auf 20 an
(siehe Abb.).
9

18 Jahre und älter
8

<18 Jahre

7

Fallzahl

6
5
4
3
2
1
0
51 52 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34
2016

2017
Erkrankungsbeginn (Jahr / Woche)

Abb.: An das LAGeSo im Jahr 2017 übermittelten Masernfälle nach Erkrankungswoche (n=61)–stratifiziert nach Alter.
Hinweis: Durch künftig eingehende Meldungen und Übermittlungen können sich die Zahlen insbesondere für die jüngsten
Erkrankungswochen noch verändern
(Quelle: LAGeSo/SurvNet/Berliner Gesundheitsämter).

Das Alter der 20 seit der 30. MW erkrankten
Personen beträgt im Median 35 Jahre (Spanne:
21 bis 67 Jahre). Zehn (48%) Fälle wurden aufgrund der Krankheit hospitalisiert. Dieser hohe
Anteil deutet möglicherweise auf eine ausgeprägte Untererfassung von weniger schwer
verlaufenden Masernerkrankungen hin. Der
Wohnort der Fälle ist in nebenstehender Tabelle
abgebildet.
Die überwiegende Mehrzahl der Erkrankten
hat sich in Berlin infiziert. Zwei Fälle könnten sich
außerhalb Berlins in Deutschland infiziert haben.
Zudem hielt sich ein Fall im gesamten Infektionszeitraum in Italien auf, ein weiterer zumindest
teilweise in Spanien.

Bezirk

Fallzahl

Friedrichshain-Kreuzberg

6

Charlottenburg-Wilmersdorf

4

Marzahn-Hellersdorf

3

Mitte

1

Neukölln

2

Pankow

2

Reinickendorf

1

Tempelhof-Schöneberg

1

Summe

20

Tab.: Wohnbezirke der dem gehäuften Auftreten
zugeordneten Fälle (von 30. bis 35. MW 2017
(Quelle: LAGeSo/SurvNet)

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 35/2017

4

Untersuchungsergebnisse des Nationalen Referenzzentrums für Masern-Mumps-Röteln am
RKI ergaben bislang einheitlich die Masernvirusvariante mit der Sequenz-ID 4299 (Genotyp
B3). Infektionszusammenhänge zwischen den Fällen wurden nicht bekannt.
Quelle: LAGeSo

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 35/2017

5

3. Meldepflichtige Infektionskrankheiten
3.1. Meldezahlen im Berichtszeitraum, nach Bezirken
Land Berlin

Friedrichshain-Kreuzberg3

Lichtenberg

Marzahn-Hellersdorf

Mitte

Neukölln

Pankow

Reinickendorf

Spandau

Steglitz-Zehlendorf

Tempelhof-Schöneberg

1

13

2

11

8

8

4

4

13

1

8

Krankheit bzw. Infektionserreger
Acinetobacter5
Arbovirus-Erkrankung

0

1

0

0

1

0

0

0

0

Borreliose

31

428

445

21

27

24

60 22 40 102 23 22 40

47

Botulismus

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

1

1

0

0

0

0

Brucellose

0

2

2

Campylobacter-Enteritis

48

1544

2041

Chikungunya-Fieber

0

6

6

2

0

0

0

0

0

0

0

140 114 149 93 120 152 212 135 84 157 188
0

0

1

1

0

0

0

2

Cholera

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

CJK

0

2

3

1

0

0

0

0

0

0

0

1

0

0

Clostridium difficile, schwerer Verlauf

1

91

54

4

7

9

12

6

8

15

6

7

7

9

Denguefieber

0

31

39

3

7

1

2

6

1

3

0

0

5

3

Diphtherie

0

2

0

0

0

0

0

0

1

0

1

0

0

0

Ebolafieber

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

5

88

54

19

8

5

4

4

6

9

6

4

11

12

Enterobacteriaceae

9

194

12

13

4

30 35 36 10 11

5

17

20

Fleckfieber

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

0

3

1

0

0

1

0

0

1

0

0

0

1

0

0

0

EHEC-Erkrankung
5

Gelbfieber

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Giardiasis

4

257

264

22

50

7

4

35 34 41 10

3

17

34

Haemophilus influenzae, invasive Erkrankung

0

26

19

3

1

4

2

1

4

0

6

3

0

2

Hantavirus-Erkrankung

0

3

0

0

0

0

0

1

0

1

0

0

1

0

Hepatitis A

2

124

32

5

27

3

0

27 15 13

6

3

2

23

Hepatitis B

1

106

44

3

13

5

8

19

5

13 13

7

Hepatitis C

3

172

353

11

29

5

4

33 18 10 16 16 15

15

Hepatitis D

0

0

1

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Hepatitis E

1

75

19

8

5

6

6

5

6

4

9

9

6

11

HUS, enteropathisch

1

8

2

0

2

2

0

0

1

2

1

0

0

0

3114

8

12

Influenza, saisonal

0

3446

Influenza, zoonotisch5

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Keratokunjunktivitis

0

8

10

0

0

0

0

0

1

2

1

0

3

1

Keuchhusten

6

454

483

40

35

23

38 50 20 71 39 37 61

40

Kryptosporidiose

0

86

74

9

11

2

4

11

7

21

3

6

2

10

Lassafieber

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Läuserückfallfieber

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Legionellose

1

94

42

2

8

1

6

12 12

2

13

6

13

19

Lepra

0

1

0

0

0

0

1

0

0

0

0

0

0

0

Leptospirose

0

2

4

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

2

6

366 29 147 411 265 208 667 267 245 390 451

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 35/2017

Treptow-Köpenick4

Charlottenburg-Wilmersdorf

Fallzahl kumulativ 2017
73

Fallzahl kumulativ (1. - 35. MW)
Median2 2012-2016

Fallzahl 35. MW1
1

Fallzahlen kumulativ nach Bezirken (1.-35. Woche 2017)

6
Land Berlin

Fallzahlen kumulativ nach Bezirken (1.-35. Woche 2017)

Fallzahl kumulativ (1. - 35. MW)
Median2 2012-2016

Charlottenburg-Wilmersdorf

Friedrichshain-Kreuzberg3

Lichtenberg

Marzahn-Hellersdorf

Neukölln

Pankow

Reinickendorf

Spandau

Steglitz-Zehlendorf

Tempelhof-Schöneberg

32

10

4

6

1

1

3

4

4

1

2

3

3

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Masern

3

61

66

6

10

0

8

4

3

2

16

7

1

4

Meningokokken

1

12

16

2

2

4

0

1

1

1

0

0

1

0

Milzbrand

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

MRSA, invasive Infektion

5

110

197

6

3

3

10

12

23

10

5

4

20

14

Mumps6

0

24

39

1

8

3

0

3

0

3

1

0

2

3

Norovirus-Gastroenteritis

17

2096

1927

195

260

Ornithose

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Parainfluenza

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

152 82 212 115 112

253 174 262 279

Paratyphus

0

5

3

1

0

1

0

0

2

0

0

1

0

0

Pest

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Pocken

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Poliomyelitis

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Q-Fieber

0

3

3

0

0

0

0

0

1

0

Rotavirus-Gastroenteritis

4

1645

1275

204 63

96 304 167

0

2

0

0

123

147

89

95 223 134

Röteln, konnatal

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Röteln, postnatal6

0

0

3

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Salmonellose

11

294

384

29

37

27

30

26

32

29

15

16

27

26

SARS

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Shigellose

2

30

47

4

7

0

0

3

1

7

2

0

2

4

Tetanus

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Tollwut

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Trichinellose

0

1

0

0

1

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Tuberkulose4

251

Tularämie

0

0

0

Typhus abdominalis

0

6

6

0

4

0

0

1

0

1

0

0

0

0

vCJK

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Virale hämorrhagische Fieber

0

0

0

Windpocken6

15

986

1152

Yersiniose

1

48

50

Zikavirus-Erkrankung5

0

2

Summe

175

0

0

0

0

0

0

0

68 130 63

46

102

121

163

62

45 107

79

0

5

3

2

10

7

5

3

0

4

3

6

1

0

0

0

0

1

0

0

0

0

0

12682 12112 1155 756 812 1220 1101 1100 1835 1006 825 1414 1456

1

Veröffentlichung der Fälle entsprechend aktueller Referenzdefinition des RKI
Zentralwert (= Median) der Fallzahlen der letzten fünf Jahre
3
IfSG-konforme Datenübermittlung seit 27.02.2017
4
Auf Grund nicht IfSG-konformer Datenübermittlung werden aus diesem Bezirk und dem Zentrum für tuberkulosekranke und -gefährdete
Menschen keine Daten veröffentlicht
5
Keine Angabe des Medianwertes, da die Meldepflicht 2016 eingeführt wurde
6
Median der letzten drei Jahre, da die Meldepflicht im Jahr 2013 eingeführt wurde
2

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 35/2017

Treptow-Köpenick4

Fallzahl kumulativ 2017

2

Marburgfieber

Mitte

Fallzahl 35. MW1

Listeriose

Krankheit bzw. Infektionserreger

7

3.2. Seltene Erkrankungen (31. bis 35. MW)
In dieser Rubrik werden meldepflichtige Infektionskrankheiten dargestellt, die in Berlin in den
letzten Jahren im Durchschnitt seltener als zweimonatlich im Meldesystem erfasst wurden, sowie
die Masern, deren Auftreten in dieser Größenordnung liegen sollte (Target-Inzidenz auf dem Weg
zur Elimination 1 Erkr./1.000.000 Einw.).

FSME
GA Steglitz-Zehlendorf
Bei einer 75-jährigen Frau , die mit allgemeinen Krankheitszeichen hospitalisiert wurde,
erbrachten labordiagnostische Untersuchungen IgG- und IgM-Antikörpernachweise
gegen das FSME-Virus. Die Erkrankte hatte sich wahrscheinlich während ihres zweiwöchigen Aufenthaltes in Österreich infiziert.
Der Erreger der FSME, ein Flavivirus, wird durch Zeckenstich übertragen. Reservoir sind Kleinsäugerpopulationen, v.a. Mäuse. Ein wichtiger Grundsatz der Prävention ist, Zeckenstiche nach
Möglichkeit zu vermeiden. Die aktive Immunisierung stellt einen wirksamen Schutz für potenziell
gefährdete Einwohner und Besucher von Risikogebieten dar. Wesentliche Endemiegebiete in
Deutschland liegen in Baden-Württemberg, Bayern, sowie im südlichen Hessen und Thüringen.1

HUS
GA Friedrichshain-Kreuzberg
EHEC-assoziierte Erkrankung eines elf Monate alten männlichen Säuglings mit den
typischen Symptomen hämolytische Anämie, Nierenfunktionsstörung und blutiger
Durchfall. Labordiagnostisch wurde mittels PCR das Gen für Shiga-Toxin 2 nachgewiesen. Hinweise zur Infektionsquelle konnten nicht ermittelt werden.
GA Lichtenberg
Taggleiche Erkrankungsbeginne bei Zwillingen (unter zwei Jahren) während ihres zweimonatigen Aufenthalts im familiären Umfeld in Ungarn. Nach dreiwöchigen stationären
Behandlungen im Aufenthaltsland kehrten beide Kinder nach Deutschland zurück.
Laboruntersuchungsergebnisse wurden nicht bekannt, jedoch wurde im NRZ in Deutschland bei einem Kind nachträglich ein EPEC nachgewiesen. Die Infektionsquelle in Ungarn
konnte nicht näher ermittelt werden. Die Kinder hielten sich in Budapest und Umgebung
auf und badeten einmal im Binnensee Balaton. Auf Grund des epidemiologischen
Zusammenhangs wurden beide Fälle zu einem (EHEC-assoziierten) Ausbruch
(Meldekategorie EHEC) zusammengeführt.
Das enteropathische hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) ist eine Komplikation, die bei
bakteriellen Darminfektionen durch HUS-assoziierte E. coli (zumeist EHEC) hervorgerufen wird.
EHEC-Infektionen werden durch Kontakt mit Wiederkäuern oder EHEC-Erkrankten, das Baden in
kontaminierten Wässern, sowie durch den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln (inkl. Trinkwasser) erworben. Die Übertragungswege hängen vom Alter des Patienten ab. Die Prävention
besteht in der Vermeidung einer EHEC-Infektion.
In Berlin werden pro Jahr ca. 3 Fälle von HUS im Meldewesen erfasst. 1,2
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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 35/2017

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Q-Fieber
GA Pankow
Erkrankung einer 36-jährigen Frau mit Fieber, Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit
und weiteren allgemeinen Krankheitszeichen. Labordiagnostisch wurde eine deutliche
Erhöhung der IgM-Antikörper nachgewiesen. Die Frau hielt sich zum Erkrankungsbeginn
bereits eine Woche in Thailand auf, so dass die wahrscheinliche Infektionsquelle dort zu
vermuten ist.
GA Steglitz-Zehlendorf
Erkrankung einer 67-jährigen Frau mit einer Endokarditis und allgemeinen Krankheitszeichen. Labordiagnostisch wurde eine deutliche Erhöhung der IgM-Antikörper nachgewiesen. Die Erkrankte hielt sich im Infektionszeitraum nur in ihrem Wohnbezirk auf.
Sie hatte keine Tierkontakte, bestimmte, in Betracht kommende Lebensmittel verzehrte
sie nicht.
Q-Fieber wird durch das gramnegative Bakterium Coxiella burnetii hervorgerufen. Das wichtigste
Reservoir stellen infizierte Paarhufer dar. Q-Fieber wird vor allem durch den direkten Kontakt
zu infizierten Tieren oder durch die Inhalation infektiösen Staubes übertragen. Die erfolgreichste
Prävention für Q-Fieber ist das rechtzeitige Erkennen von Infektionen bei Nutztieren. Q-Fieber ist
eine weltweit verbreitete Zoonose. Epidemien treten vor allem in ländlichen Gebieten oder Randlagen der Städte auf.1

Masern
Siehe Bericht unter 2.
Masern ist eine Viruserkrankung die ausschließlich beim Menschen vorkommt. Die Übertragung
erfolgt durch das Einatmen infektiöser Tröpfchen (Sprechen, Husten, Niesen) sowie durch Kontakt mit infektiösen Sekreten aus Nase oder Rachen. Eine zweifache Masernimpfung bietet einen
effektiven Schutz. Es ist ein gesundheitspolitisches Ziel, die Masern bis 2020 zu eliminieren.
Berlin ist von der Target-Inzidenz derzeit weit entfernt.1

Typhus
GA Lichtenberg
Erkrankung einer 49-jährigen Frau mit Fieber und Durchfall eine Woche nach Rückkehr
von einem dreiwöchigen Aufenthalt im Irak. Labordiagnostisch erfolgte ein kultureller
Erregernachweis. Die Frau hatte sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in dem vorderasiatischen Land infiziert.
Dieser Fall wurde im Rahmen der Einzelfallkontrolle durch das RKI noch nicht freigegeben und
ist deshalb nicht in der Tabellenübersicht (siehe unter 3.) enthalten.
Typhus ist eine reise-assoziierte Erkrankung, hervorgerufen durch Salmonella Typhi. Das Reservoir ist der Mensch, der den Erreger mit dem Stuhl oder Urin ausscheidet. Die Übertragung
erfolgt v.a. durch Aufnahme von verunreinigtem Wasser (insbesondere Trinkwasser) oder
kontaminierten Lebensmitteln. Es stehen Impfstoffe gegen Typhus zur Verfügung, die besonders
vor Reisen in die Endemiegebiete Asiens, Südamerikas und Nordafrikas, speziell bei einfachen
Lebensbedingungen, sowie bei Ausbrüchen oder Katastrophen indiziert sind. 1
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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 35/2017

9
Quellen:
RKI - Merkblätter für Ärzte
2
Werber D, et al.
Shiga Toxin-producing Escherichia coli Infection in Germany –
Different Risk Factors for Different Age Groups.
Am J Epidemiol 2007
1

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 35/2017

10

3.3. Salmonella-Serovare
Häufigkeit der in 2017 gemäß IfSG übermittelten Salmonellenserovare bzw. Serogruppen,
kumuliert bis einschließlich der 35. Berichtswoche im Vergleich zu den Vorjahren
Gruppe

Fallzahl
(31.-35.
MW)

Fallzahl
2017 kum.
bis 35. MW

S.Enteritidis

D1

17

81

27,6

80

S.Typhimurium

B

6

48

16,3

99

Serovar bzw. Gruppe ohne
weitere Differenzierung

Anteil
%

Median 2012 2016 kum. bis
35. MW

Salmonella der Gruppe B

2

27

9,2

54

Salmonella der Gruppe C*

5

14

4,8

16

2

10

3,4

1

S.Virchow

C1

S.Infantis

C1

8

2,7

10

Salmonella der Gruppe D1

1

8

2,7

21

Salmonella der Gruppe D

1

7

2,4

0

6

2,0

6

3

1,0

0

3

1,0

0

3

1,0

0

1

3

1,0

0

9

46

15,6

4

1,4

6

23

7,8

50

294

100,0

S.Agona

B

S.Choleraesuis

C1

S.Kottbus

C2

S.Paratyphi

B

S.Poona

G

andere Serovare**

1

ohne Angabe
nicht ermittelbar
Summe
*

C1 und C2

**

In der Kategorie „andere Serovare / Gruppen“ werden Serovare und Gruppen zusammengefasst, die in diesem Jahr weniger als dreimal übermittelt wurden.

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 35/2017

11

3.4. Meldepflichtige Erkrankungen / Erregernachweise unter Asylsuchenden
in Berlin 31. - 35. MW 2017 (Datenstand 05.09.2017)
Im Zeitraum von der 31. bis 35.
Meldewoche (MW) wurden, mit einer
Nachmeldung aus der 29.MW
(Borreliose), fünf Infektionskrankheiten unter Asylsuchenden gezählt,
die die Referenzdefinition erfüllen
(Tabelle). Somit erhöhte sich die Zahl
der Infektionskrankheiten unter
Asylsuchenden im Jahr 2017 auf 70.
Es handelte sich im Berichtszeitraum
um je eine Erkrankung von Campylobacter-Enteritis, Legionellose und
Windpocken (alle in Berlin erworben)
sowie eine Hepatitis C-Infektion
ohne Angaben zum klinischen Bild.
Im Berichtszeitraum wurde keine
Häufung übermittelt. Insgesamt
wurden für 2017 erst zwei
Häufungen unter Asylsuchenden
übermittelt.

Meldekategorie
Windpocken

Meldewochen
31-35/2017

kumulativ, (%)

1

15 (21,4)

Hepatitis B

12 (17,1)

Rotavirus

10 (14,3)

Hepatitis C

1

8 (11,4)

Influenza

6 (8,6)

Norovirus

4 (5,7)

Campylobacter

1

4 (5,7)

Acinetobacter

2 (2,9)

Masern

2 (2,9)

Borrelliose

1*

1 (1,4)

Giardiasis

1 (1,4)

Hepatitis E

1 (1,4)

Kryptosporidiose

1 (1,4)

Legionellose

1

1 (1,4)

Lepra

1 (1,4)

Scabies

1 (1,4)
Summe

5

70

Tab.: Erkrankungen / Erregernachweise unter Asylsuchenden übermittelt in der 31.bis 35 MW 2017 und kumulative Fallzahlen/
Prozente. * 29. MW.
Datenstand 05.09.2017 (Quelle: LAGeSo Berlin)

50
45

Fallzahl pro Meldewoche

40
35
30
25
20
15
10
5
0
40 42 44 46 48 50 52 1 3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 25 27 29 31 33 35 37 39 41 43 45 47 49 51 1 3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 25 27 29 31 33 35
2015

2016

2017

Abb.: Übermittelte Erkrankungsfälle unter Asylsuchenden im Jahr 2015 (ab 40. MW), 2016 und 2017 (bis 35. Woche),
Datenstand 05.09.2017
(Quelle: LAGeSo Berlin)

Aufgrund der sehr geringen Fallzahlen bei Asylsuchenden wird bis auf weiteres auf eine
regelmäßige Berichterstattung verzichtet.

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 35/2017

12

Hinweise zur Datenqualität:
Seit 2017 werden nur noch Daten berichtet, die IfSG-konform übermittelt werden. Deshalb wird
derzeit nur aus 11 von 12 Berliner Bezirken berichtet und auch die Berichterstattung der
Tuberkulose entfällt. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass Behandlungen häufig ohne
begleitende labordiagnostische Untersuchungen erfolgen (z.B. Therapie von Durchfall- und Atemwegserkrankungen).
Insgesamt ist, wie bei allen Meldedaten, von einer Untererfassung der Erkrankungen auszugehen.
Dies betrifft insbesondere solche, bei denen der labordiagnostische Nachweis die Grundlage der
Meldung nach IfSG ist. Darüber hinaus kann die Zahl der übermittelten Erkrankungen nicht
verlässlich in Relation zur Gesamtzahl der Asylsuchenden in Berlin gesetzt werden.
Zusammenfassend ist eine Bewertung der Zahlen nur sehr eingeschränkt möglich
Quelle: LAGeSo Berlin

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 35/2017

13

4. Krankheitsausbrüche
4.1. Ausbrüche durch meldepflichtige Erreger / Krankheiten übermittelt gemäß §11(1) IfSG
Häufungen nach Erreger / Krankheit und Gesamtfallzahl und kumulative Übersicht 2017
einschließlich der aktuellen Berichtswoche
Zahl der
Ausbrüche

Erreger / Krankheit

Gesamtfallzahl

35. MW
Campylobacter-Enteritis
Denguefieber
EHEC-Erkrankung
Giardiasis
Hepatitis B
Hepatitis E
Influenza
Keuchhusten
Kryptosporidiose
Listeriose
Masern
Norovirus-Gastroenteritis
Rotavirus-Gastroenteritis
Salmonellose
Typhus abdominalis
Windpocken
Summe

Zahl der
Ausbrüche

Gesamtfallzahl

kumulativ 2017

1

3

1*

2*

2

5

13
1
2
9
1
1
212
33
2
1
6
49
99
7
1
68

28
2
4
18
2
2
583
78
5
4
30
148
611
14
2
206

505

1737

*EHEC-assoziierter HUS-Ausbruch (siehe auch unter 3.)
Hinweis: Die Ausbruchszahlen wurden bereinigt; nunmehr werden nur noch Ausbrüche dargestellt, die IfSG-konform
übermittelt wurden.

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 35/2017

14

4.2. Nosokomiale Ausbrüche übermittelt gemäß §11(2) IfSG
Nosokomiale Häufungen nach Erreger / Krankheit und Gesamtfallzahl und kumulative Übersicht
2017 einschl. der aktuellen Berichtswoche
Zahl der
Ausbrüche

Erreger / Krankheit

Gesamtfallzahl

35. MW

Zahl der
Ausbrüche

Gesamtfallzahl

kumulativ 2017

Acinetobacter

2

6

Citrobacter koseri
Clostridium difficile
E.-coli Enteritis

1
7
1

3
24
3

Enterobacter cloacae

1

2

Enterococcus faecium

3

35

Influenza

9

76

Klebsiella pneumoniae 4MRGN

1

4

Krätzmilbenbefall

1

8

MRSA, invasive Infektion

1

2

Norovirus-Gastroenteritis

112

1113

Pseudomonas aeruginosa

3

9

Rotavirus-Gastroenteritis

30

180

Serratia marcescens

1

5

Staphylococcus capitis

1

2

Staphylococcus aureus
Gastroenteritis (ohne Labornachweis)

1
2

7
16

177

1515

Summe

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 35/2017

15

5. Abbildungen ausgewählter Infektionskrankheiten
12

EHEC

Minimum - Maximum der Saisons 2012 - 2016
Median 2012 - 2016

Fallzahl pro Meldewoche

10

2017

8

6

4

2

0
1

2

3

4

5

6

7

8

9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52

Meldewoche

16

Hepatitis A

Minimum - Maximum der Saisons 2012 - 2016
Median 2012 - 2016

14

Fallzahl pro Meldewoche

2017
12
10
8
6
4

2
0
1

2

3

4

5

6

7

8

9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52

Meldewoche

12

Legionellose

Minimum - Maximum der Saisons 2012 - 2016
Median 2012 - 2016

Fallzahl pro Meldewoche

10

2017

8

6

4

2

0
1

2

3

4

5

6

7

8

9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52

Meldewoche

6

Listeriose

Minimum - Maximum der Saisons 2012 - 2016
Median 2012 - 2016

Fallzahl pro Meldewoche

5

2017

4

3

2

1

0
1

2

3

4

5

6

7

8

9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52

Meldewoche

Abb.: Erkrankungen nach Meldewochen im aktuellen Jahr (rot) im Vergleich mit dem Median der vergangenen fünf Jahre (blau)
mit Minimum und Maximum
(Quelle: LAGeSo/SurvNet).

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