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Full text: Epi-Info Issue 2016,8

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Epi -Info

Wochenbericht
Epidemiologischer Wochenbericht für die Meldewochen 08/2016
über die im Land Berlin gemäß IfSG erfassten Infektionskrankheiten
herausgegeben am 03. März 2016

Inhalt
1. Allgemeine Lage
2. Besondere Fälle
3. Ausbrüche

3.1. Ausbrüche durch meldepflichtige Erreger / Krankheiten übermittelt gemäß §11(1) IfSG
3.2. Nosokomiale Ausbrüche übermittelt gemäß §11(2) IfSG
3.3. Besondere Ausbrüche

4. Influenza-Saison 2015/2016
4.1. Zur aktuellen Influenza - Saison 2015/2016 im Land Berlin
4.2. Information der AGI für Berlin, Brandenburg und Deutschland

5. Besondere Hinweise
5.1. Meldepflichtige Erkrankungen / Erregernachweise unter Asylsuchenden in Berlin
5.2. Epidemiologisches Bulletin 08/2016
5.3. Zikavirus: Epidemiologische Updates der WHO/PAHO
5.4. Zikavirus: Erstmals Nachweis einer Verbindung zum Guillain-Barré Syndrom
5.5. Zikavirus: Sexuelle Übertragung wahrscheinlich möglich
5.6. Influenza: Empfehlung der Impfstoffkomposition für die Saison 2016/17 auf der Nordhalbkugel

6. Spezial
entfällt

7. Tabellen
7.1. Übersicht der Berichtswoche im Vergleich zum Vorjahr (Fallzahlen und Inzidenzen)
7.2. Bezirksübersicht kumulativ bis einschließlich der Berichtswoche
7.3. Übersicht Salmonellenserovare bzw. -gruppen bis zur Berichtswoche (Fallzahlen und Anteile)

8. Abbildungen der wöchentlichen Fallzahlen im Berichtsjahr mit Vorjahresvergleich
Hepatitis C, Norovirus-Gastroenteritis, Rotavirus
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Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (LAGeSo)
Fachgruppe Infektionsepidemiologie und umweltbezogener Gesundheitsschutz (I C 2)
Hr. Schubert / Fr. Hentschel / Fr. Hoffmann / Fr. Wendt / Fr. Dr. Simon / Hr. PD Dr. Werber
Darwinstraße 15, 10589 Berlin (Charlottenburg), Tel. 90229-2427/-2428/-2420/-2432/-2430/-2421, Fax: (030) 90229-2096
Groupmail: infektionsschutz@lageso.berlin.de, Groupfax-IfSG: (030) 90283385, www.berlin.de/lageso/gesundheit/index.html
Neben dem statistischen Teil enthalten die Berichte im Textteil auch allgemeine und weiterführende Informationen, deren
Interpretation infektiologischen und epidemiologischen Sachverstand und Kenntnisse über die Datengrundlagen erfordern.
Eine Weitergabe sowie Be- und/oder Verarbeitung der Daten zu kommerziellen Zwecken ist ohne Genehmigung des
Herausgebers nicht zulässig.
© 2016

Link zum Download
der Wochenberichte
des LAGeSo

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 08/2016

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1. Allgemeine Lage
Für die Berichtswoche wurden 286 Influenza-Erkrankungen übermittelt; die höchste Zahl
zum jeweiligen Berichtsstand. Es bleibt abzuwarten, wann der Höhepunkt der diesjährigen
Grippewelle erreicht sein wird. Die Zunahme an Influenzaerkrankungen ist vor allem auf
Infektionen mit Influenza B zurückzuführen, die in der Berichtswoche erstmalig häufiger
waren als Infektionen mit dem in der Saison dominierenden Influenza-Virussubtyp A(H1N1)
pdm09. Insgesamt wurden in der aktuellen Saison (ab 40. Meldewoche 2015) 1.507 Fälle
erfasst (siehe detaillierten Bericht zur Lage in Berlin unter 4.1.).
Bei den reiseassoziierten Erkrankungen ist die Fallzahl an Denguefieber in diesem Jahr im
Vergleich zum Vorjahr deutlich erhöht, wenngleich insgesamt auf niedrigem Niveau (n=14).
Die Infektionen wurden überwiegend in Ländern Südostasiens erworben. Eine höhere Fallzahl
(n=5) ist auch bei Listeriose zu verzeichnen, ohne dass Hinweise auf epidemiologische Zusammenhänge zwischen den Fällen bekannt sind. Unter den gastroenteritischen Infektionen ist die
Zahl der Norovirus-Fälle um ca. ein Drittel niedriger als im Vorjahr (siehe unter 2. und 7.).
Im Berichtszeitraum wurden insgesamt 27 Ausbrüche übermittelt, darunter 16 kleinere Ausbrüche durch das Influenzavirus. Es wurden drei nosokomial bedingte Ausbrüche neu erfasst
(siehe unter 3. und 4.).

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 08/2016

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2. Besondere Fälle (Datenstand: 02.03.2016 - 10:00 Uhr)
Brucellose (Nachtrag 7. MW)
GA Spandau
Erkrankung eines 44-jährigen Mannes mit Zeichen übermäßiger Erschöpfung, der
bereits in seinem Heimatland Saudi-Arabien behandelt wurde. Die Hospitalisierung
in Berlin erfolgte während eines mehrwöchigen Aufenthaltes in Berlin auf Grund einer
anderen Diagnose. Die labordiagnostischen Untersuchungen erbrachten einen kulturellen Nachweis von Brucella. Die Infektion wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit im Heimatland erworben.
Denguefieber
GA Neukölln
Während ihres dreiwöchigen Aufenthalts in Thailand erkrankte eine 36-jährige Frau
mit Fieber. Nach Rückkehr erfolgte ein labordiagnostischer Nachweis von Anti-DengueSerotypen-IgG-Antikörpern mit deutlicher Änderung zwischen zwei Proben.
GA Spandau
Während seines vierwöchigen Aufenthalts in Indonesien erkrankte ein 53-jähriger
Mann mit Fieber. Nach Rückkehr erfolgte ein labordiagnostischer Nachweis AntiDengue-Serotypen-IgG-Antikörper mit deutlicher Änderung zwischen zwei Proben.
Hinweis:
Das Centrum für Reisemedizin (CRM) informierte am 01.03.2016, dass seit Anfang des Jahres
in Thailand für diese Jahreszeit bereits ungewöhnlich viele Infektionen gemeldet wurden. In
76 Provinzen wurden mehr als 8.600 Erkrankungen und ein Todesfall verzeichnet. Am stärksten
betroffen sind Bangkok und die Provinzen Samutsakorn, Nakornpathom, Rayong und Phuket.

Legionellose
GA Tempelhof-Schöneberg
Lungenentzündung bei einer 83-jährigen Frau, die wegen ihrer Grunderkrankung
(Lungenfibrose) hospitalisiert wurde. Das labordiagnostische Ergebnis Legionella
pneumophila wurde aus Urin während ihres mehrwöchigen Aufenthalts im Krankenhaus erhoben. Da die Frau nach Entlassung bis zur Wiederaufnahme einen Tag zu
Hause war, kommen sowohl der Aufenthalt im Haushalt (dezentrale Wasseraufbereitung) als auch der Krankenhausaufenthalt als mögliche Infektionsquellen in Betracht.
Listeriose
GA Neukölln
Erkrankung einer 55-jährigen Frau mit Fieber in Verbindung mit einem Aufenthalt in
Spanien. Aus Blut erfolgte eine nicht näher differenzierte Erregerisolierung Listeria.
Hinweise zur möglichen Infektionsquelle wurden nicht bekannt.
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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 08/2016

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GA Tempelhof-Schöneberg
Bei der labordiagnostischen Abklärung des schlechten Allgemeinzustands eines
28-jährigen Mannes wurde aus Blut der kulturelle Nachweis von Listeria geführt.
Weiterführende Untersuchungen im Nationalen Referenzzentrum führten zur Bestimmung der Serogruppe 2a. Hinweise zur möglichen Infektionsquelle konnten vom
Erkrankten nicht gegeben werden.
Paratyphus
GA Friedrichshain-Kreuzberg
Fünf Tage nach Rückkehr von einem dreiwöchigen Aufenthalt in Myanmar (Südostasien) erkrankte ein 25-jähriger Mann mit Fieber, Durchfall und Kopfschmerzen.
Labordiagnostisch erfolgte der kulturelle Nachweis Paratyphi A.

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3. Ausbrüche (Datenstand: 02.03.2016 - 10:00 Uhr)
3.1. Ausbrüche durch meldepflichtige Erreger / Krankheiten übermittelt gemäß §11(1) IfSG
Gesamtzahl der Häufungen nach Erregern / Krankheiten und Fallzahlen bzw.
Fallzahlspannen in der Berichtswoche
Zahl der
Ausbrüche

Erreger / Krankheit

Fallzahl pro
Ausbruch

1

Campylobacter jejuni

2

16

Influenza

2-4

1/2

Norovirus

7

Rotavirus

1

3

Windpocken

2

2

27

2-5

Summe / Spanne
1
2

2-5

darunter vier nosokomiale Ausbrüche
darunter ein Ausbruch einem anderen Bundesland zugeordnet

3.2. Nosokomiale Ausbrüche übermittelt gemäß §11(2) IfSG
Kumulative Übersicht 2016 bis einschließlich der Berichtswoche (ohne Norovirus)
Zahl der
Ausbrüche

Erreger
Clostridium difficile

Fallzahl pro
Ausbruch

Gesamtfallzahl

1

2

2

Enterobacter cloacae (3MRGN)

1

2

2

Influenza

1

1

2

Klebsiella pneumoniae (3MRGN)

1

2

2

MRSA

3

2-6

11

7

2-6

19

Summe / Spanne

3.3. Besondere Ausbrüche
Keine

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 08/2016

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4. Influenza-Saison 2015/2016

4.1. Zur aktuellen Influenza - Saison 2015/2016 im Land Berlin (Stand: 02.03.2016, 10:00 Uhr)
In der aktuellen Berichtswoche wurden aus den Gesundheitsämtern 286 Influenzaerkrankungen entsprechend der Referenzdefinition an das LAGeSo übermittelt (siehe
Abb. 1); die höchste bisher berichtete Zahl zum jeweiligen Berichtsstand (zum Vergleich:
letzte Woche berichteten wir von 222 Erkrankungen). Insgesamt traten in der InfluenzaSaison 2015/2016 von der 40. bis zur 8. Meldewoche (MW) 1.507 Fälle auf. Gegenüber
dem Vergleichszeitraum der vorherigen Influenzasaison wurden 16% mehr Fälle gemeldet. Dies beruht vor allem auf einem steileren Anstieg der Meldungen in der 4. und 5. MW
und erlaubt noch keine Aussage zum Gesamtverlauf der Grippesaison. Durch Nachmeldungen verändern sich im Wochenverlauf die Fallzahlen und das Gesamtbild. Daher wird
erst zum Ende der diesjährigen Grippesaison festgestellt werden können, wie sie sich im
500
450
400

2014/2015

350

2015/2016

Fallzahl (n)

300
250
200
150
100
50
0
40

41

42

43

44

45

46

47

48

49

50

51

52

53

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

Meldewoche

Abb. 1: Verlauf der Influenza-Erkrankungen im Land Berlin, kumulativ für die aktuelle Saison bis 08. KW 2016
(n=1.507) im Vergleich zur Vorjahressaison (keine 53.KW 2014). Datenstand 02.03.2016, 10.00 Uhr
Hinweis: Durch nachträglich eingehende Meldungen und Übermittlungen, insbesondere für die Berichtswoche,
werden sich die Zahlen in den Folgewochen noch verändern.
(Datenquelle: LAGeSo Berlin)

Inzidenz (Fälle pro 100.000 Einwohner)

Vergleich zu den vorherigen Saisons darstellt. Die meisten Fälle wurden als Einzelerkrankungen übermittelt. Darüber hinaus ereigneten sich seit Saisonbeginn 119 Ausbrüche,
zumeist Im Haushalt mit zwei bis vier Erkrankungen. In der Meldewoche waren dies 16.
200,00
180,00
160,00
140,00
120,00
100,00
80,00
60,00
40,00
20,00
0,00
00-04
(n=298)

05-09
(n=219)

10-14
(n=75)

15-19
(n=57)

20-24
(n=46)

25-29
(n=85)

30-39
(n=254)

40-49
(n=223)

50-59
(n=173)

60-69
(n=52)

70+
(n=25)

Altersklassen in Jahren

Abb 2: Inzidenz der Influenza-Erkrankungen im Land Berlin nach Altersklassen, kumulativ für die aktuelle Saison
Datenstand 02.03.2016, 10.00 Uhr
(Datenquelle: LAGeSo Berlin)

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 08/2016

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Bislang wurden 151 (10%) der in der Meldestatistik erfassten Erkrankten hospitalisiert. In
den Meldedaten für das gesamte Bundesgebiet beträgt der Anteil hospitalisierter Fälle
19%. In der 8. MW trat kein weiterer Todesfall durch eine Influenza-Erkrankung auf. Die
Anzahl gemeldeter Todesfälle in der diesjährigen Saison liegt damit weiterhin bei fünf.
Die Neuerkrankungsraten nach Altersklassen (siehe Abb. 2) zeigen, wie schon in der Vorsaison, die höchsten Werte bei (Klein-) Kindern bis neun Jahre. Neben den Kindern sind in
dieser Saison insbesondere Erwachsene in zwischen 30-59 Jahren erkrankt. In der aktuellen Berichtswoche trat erneut die höchste Inzidenz unter Erwachsenen in der Altersgruppe
30-39 Jahre auf. Unter den übermittelten Influenzaerkrankungen ist die Inzidenz bei Menschen >70 Jahre, wie in den Vorjahren, verhältnismäßig niedrig.
Es zirkulieren jedes Jahr mehrere verschieAnzahl Anzahl
dene Influenzaviren, die in Typen und Sub- Influenza-Typ bzw. Subtyp
Typ
Subtyp
typen eingeteilt werden. Bei diesen DiffeInfluenza A Virus
982
renzierungen der Influenzaviren konnte bei
A(H1N1)pdm09 Virus
531
982 (65%) der Erkrankten eine Influenza
A(H3N2) Virus
9
Typ A nachgewiesen werden, bei 505 (33%)
A ohne Subtypangabe
442
eine Influenza Typ B, und jeweils 1% wurInfluenza B Virus
505
den als Influenza A/B undifferenziert bzw. Influenza A/B undifferenziert
10
ohne Angaben zum Typ übermittelt (siehe
ohne Angaben
10
Tabelle). In 540 (55%) von 982 Fällen liegen Gesamt
1.507
Informationen zum Subtyp des Influenza A Tabelle: Influenzavirusnachweise im Land Berlin mit
-Virus vor. Demnach gehörten 531 (98%)
Subtypisierung, kumulativ für die aktuelle Saison
Datenstand 02.03.2016, 10.00 Uhr
zum Subtyp A(H1N1)pdm09 und nur 9
(Datenquelle: LAGeSo Berlin)
(2%) zum Subtyp A(H3N2). Die bisherige
Influenzasaison betrachtend dominiert derzeit der seit 2009 zirkulierende Virussubtyp A
(H1N1)pdm09, der Erreger der sog. „Schweinegrippe“. Dieser wird, wie alle anderen saisonalen Influenzaviren, durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Allerdings steigt seit der 5. Meldewoche der Anteil der Erkrankungen durch Influenza Typ B an
der Gesamtzahl der Influenzaerkrankungen von 19% auf mittlerweile 34% an. In der Berichtswoche war die Mehrzahl (54%) der übermittelten Influenzaerkrankungen auf Infektionen mit Influenza Typ B zurückzuführen. Dieser Trend ist auch bundesweit zu beobachten und er kann für den weiteren Verlauf der Grippesaison entscheidend sein.
95% der Erkrankten waren nicht gegen die Influenza geimpft. Impfstoffe gegen Influenza
enthalten entweder drei oder vier verschiedene Impfstämme. Der Unterschied liegt in der
Einbeziehung eines weiteren Typ B-Impfstamms. Die trivalenten Impfstoffe sind am weitesten verbreitet. Den Berichten der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) ist zu entnehmen,
dass sowohl die A(H1N1)pdm09-Viren als auch die A(H3N2)-Viren gut mit dem Immunserum gegen die aktuellen Impfstämme reagieren. Die aktuell zirkulierende B-Linie ist im
tetravalenten Impfstoff, jedoch nicht in den trivalenten Impfstoffen enthalten.
Quelle: LAGeSo/SurvNet/AGI
Abb.: LAGeSo

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 08/2016

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4.2. Informationen der AGI für Berlin, Brandenburg und Deutschland (Stand: 01.03.2016)
Praxisindex Region Berlin Brandenburg (bis einschließlich der Berichtswoche)

Der Praxisindex basiert auf Daten zu akuten respiratorischen Erkrankungen
der aktuellen Saison (rot), im Vergleich zu 2014/2015 und 2013/2014.
Indexwerte bis 115 entsprechen der Hintergrundaktivität.

Konsultationsinzidenz Region Berlin Brandenburg

Konsultationsinzidenz aufgrund akuter respiratorischer Erkrankungen in der aktuellen Saison
im Vergleich zur Saison 2014/2015

Übersicht Deutschland
Auf dem Praxisindex basierende Aktivität der akuten
respiratorischen Erkrankungen in der Berichtswoche
Quelle: AG Influenza: https://influenza.rki.de

stark erhöht

deutlich erhöht

moderat erhöht

geringfügig erhöht

Normal

Zusammenfassende Bewertung der epidemiologischen Lage:
Die Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen (ARE) ist
bundesweit in der 8. Kalenderwoche (KW) 2016 im Vergleich zur
Vorwoche gesunken. Die Werte des Praxisindex lagen insgesamt
im Bereich deutlich erhöhter ARE-Aktivität.
Im Nationalen Referenzzentrum für Influenza (NRZ) wurden
in der 8. KW 2016 in 166 (69 %) von 240 Sentinelproben respiratorische Viren identifiziert. In 122 (51 %) Proben wurden Influenza-, in 14 (6 %) Respiratorische Synzytial (RS)-, in 20 (8 %)
humane Metapneumoviren (hMPV), in fünf (2 %) Adeno- und in
zwölf (5 %) Rhinoviren nachgewiesen. Influenza A(H1N1)pdm09Viren sind bisher mit 61 % gegenüber 4 % A(H3N2)- und 35 %
Influenza B-Viren die am häufigsten nachgewiesenen Influenzaviren in der Saison 2015/16.
Für die 8. Meldewoche (MW) 2016 wurden bislang 4.738 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das RKI übermittelt
(Datenstand 01.03.2016).
Die diesjährige Grippewelle in Deutschland hält seit der 2. KW
an. Seit der 5. KW ist der Anteil an Influenza B an allen Influenzanachweisen kontinuierlich gestiegen.

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 08/2016

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5. Besondere Hinweise
5.1. Meldepflichtige Erkrankungen / Erregernachweise unter Asylsuchenden in Berlin
Auf Grund des gleichbleibenden Niveaus der Erkrankungshäufigkeit und der Meldekategorien erscheint der nächste Bericht über meldepflichtige Erkrankungen / Erregernachweise
unter Asylsuchenden in Berlin in der nächsten Woche.
5.2. Epidemiologisches Bulletin 08/2016
In der aktuellen Ausgabe vom 29.02.2016 veröffentlichte das Robert Koch-Institut (RKI)
den Ratgeber für Ärzte zu Influenza, der vollständig überarbeitet und in zwei Dokumente
zu saisonaler und zoonotischer Influenza aufgeteilt wurde. In dieser Ausgabe ist der Ratgeber zu zoonotischer Influenza erschienen.
Beide Ratgeber sind außerdem im html-Format unter www.rki.de/ratgeber abrufbar.
Download-Link des Epidemiologischen Bulletins:

www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2016/08/Tabelle.html
Quelle: RKI

5.3. Zikavirus: Epidemiologische Updates der WHO/PAHO
Die WHO und die PAHO (Pan American Health Organization) haben am 24.02.2016 einen
Report mit epidemiologischen Updates zu Zikavirus-Infektionen veröffentlicht.
Download-Link des Reports (PDF):
http://www.paho.org/hq/index.php?option=com_docman&task=doc_view&Itemid=270&gid=33372&lang=en

Quelle: WHO/PAHO
Abb.: PAHO

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 08/2016

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5.4. Zikavirus: Erstmals Nachweis einer Verbindung zum Guillain-Barré Syndrom
In der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichte am 29.02.2016 ein WissenschaftlerTeam vom Institut Pasteur in Paris den Artikel "Guillain-Barré Syndrome outbreak associated with Zika virus infection in French Polynesia: a case-control study", in dem eine
statistisch signifikante Assoziation zwischen einer Zikavirus-Inferktion und dem GuillainBarré-Syndrom, einer entzündlichen Nervenkrankheit, gefunden wurde. Die Studie schloss
42 Fälle von Guillain-Barré-Syndrom ein, von denen 98% Hinweise auf eine kürzlich zurückliegende Zikavirus-Infektion hatten.
Als Grundlage dienten Daten von Erkrankten aus Französisch-Polynesien, wo 2013/2014
eine Zikavirus-Epidemie zu ca. 200.000 Infektionen führte. Die Erkrankungszahlen des
Syndroms stiegen während der Epidemie um das 20-fache, die Mehrheit der Erkrankten
hatten sich zuvor mit dem Zikavirus infiziert.
Link zum Download der Veröffentlichung (PDF):

http://www.thelancet.com/pdfs/journals/lancet/PIIS0140-6736%2816%2900562-6.pdf
Quelle: The Lancet

5.5. Zikavirus: Sexuelle Übertragung wahrscheinlich möglich
Sexuelle Übertragungen des Zikavirus könnten eine größere Bedeutung haben als bisher
angenommen. Derzeit untersuchen die US-Gesundheitsbehörden mehrere Verdachtsfälle,
bei denen als einzig bekannte Risikofaktoren sexuelle Kontakte mit erkrankten und vermutlich Zikavirus-positive Männern vorliegen. Es wird deshalb Männern, die in einem
Zikavirus-Ausbruchsgebiet wohnen oder dorthin gereist sind und eine schwangere Partnerin haben, entweder sexuelle Enthaltsamkeit oder den konsequenten und richtigen Gebrauch von Kondomen bei sexuellen Kontakten empfohlen. Schwangere Frauen sollten
mit ihrem Arzt über eine mögliche Exposition ihrer Partner gegenüber Mücken sprechen,
und ob eventuell Symptome wie bei Zikavirus-Infektionen aufgetreten sind.
Das Auswärtige Amt empfiehlt bis zur wissenschaftlichen Klärung, nach einer möglichen
Exposition in den Ausbruchsgebieten bei Sexualverkehr mit Schwangeren und Frauen, die
schwanger werden möchten, den Kondomgebrauch für 6 Monate. Es bietet ein Merkblatt
für Beschäftigte und Reisende zu Zikavirus-Infektionen.
Download-Link (PDF):
www.auswaertiges-amt.de/cae/servlet/contentblob/722280/publicationFile/212107/Zika-Virus.pdf
Quelle: CDC/AA

5.6. Influenza: Empfehlung der Impfstoffkomposition für die kommende Saison 2016/17
auf der Nordhalbkugel
Die WHO hat am 25.02.2016 ihre Empfehlung der Komponenten für Influenzaimpfstoffe
der kommenden Saison 2016/17 auf der Nordhalbkugel veröffentlicht. Die Empfehlung
entspricht der Zusammensetzung für die Impfstoffkomponenten für die Südhalbkugel
2016:

a) Trivalente Impfstoffe
•
A/California/7/2009 (H1N1)pdm09-ähnliches Virus
•
A/Hong Kong/4801/2014 (H3N2)-ähnliches Virus
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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 08/2016

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•
B/Brisbane/60/2008-ähnliches Virus (B/Victoria-Linie)
b) Quadrivalente Impfstoffe
•
enthalten neben den trivalenten Komponenten noch ein B/Phuket/3073/2013-like Virus, das
die B/Yamagata-Linie repräsentiert.

Ausführliche Informationen sind abrufbar (in englischer Sprache) unter:

http://www.who.int/influenza/vaccines/virus/recommendations/2016_17_north/en/.
Quelle: AGI/WHO

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 08/2016

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7. Tabellen (Datenstand: 02.03.2016 - 10:00 Uhr)
7.1. Übersicht der Berichtswoche im Vergleich zum Vorjahr (Fallzahlen1 und Inzidenzen2)
1 2 3 4 5

/ / / / Erläuterungen am Ende der folgenden Seite

Krankheit bzw. Infektionserreger
Adenovirus-K(eratok)onjunktivitis
Borreliose3

Berichtswoche
Fallzahl

Inzidenz

kumul.
2015

kumulativ 2016

Todesfälle

Fallzahl

Inzidenz

Todesfälle

Fallzahl

0

0,00

0

2

0,06

0

1

2

0,06

0

40

1,14

0

29
0

Botulismus

0

0,00

0

0

0,00

0

Brucellose

0

0,00

0

2

0,06

0

0

19

0,54

0

394

11,20

0

460

CJK (Creutzfeldt-Jakob-Krankheit)

0

0,00

0

0

0,00

0

2

Clostridium difficile

1

0,03

1

23

0,65

9

21

Campylobacter-Enteritis

Denguefieber

2

0,06

0

13

0,37

0

5

Diphtherie

0

0,00

0

0

0,00

0

0

EHEC-Erkrankung

0

0,00

0

12

0,34

0

10

Giardiasis

3

0,09

0

54

1,54

0

51

Haemophilus influenzae, inv. Erkrankung

0

0,00

0

7

0,20

0

7

Hantavirus-Erkrankung

0

0,00

0

0

0,00

0

0

Hepatitis A

4

0,11

0

22

0,63

0

3

Hepatitis B

1

0,03

0

14

0,40

0

12

Hepatitis C

10

0,28

0

61

1,73

0

64

Hepatitis D

0

0,00

0

0

0,00

0

2

Hepatitis E

3

0,09

0

13

0,37

0

4

HUS (Hämolytisch-urämisches Syndrom)
Influenza

Keuchhusten4

0

0,00

0

2

0,06

2

0

286

8,13

0

1.467

41,71

5

1.244

12

0,34

0

163

4,63

0

156

Kryptosporidiose

1

0,03

0

10

0,28

0

19

Legionellose

1

0,03

0

8

0,23

0

9

Leptospirose

0

0,00

0

0

0,00

0

1

Listeriose

2

0,06

0

5

0,14

0

1

Masern

0

0,00

0

4

0,11

0

476

Meningokokken, invasive Erkrankung

0

0,00

0

6

0,17

0

5

MRSA, invasive Infektion

Mumps4

5

Norovirus-Gastroenteritis
Paratyphus
Q-Fieber
Rotavirus-Gastroenteritis
Röteln, postnatal4

2

0,06

0

45

1,28

3

51

0

0,00

0

6

0,17

0

5

61

1,73

0

673

19,13

0

921

1

0,03

0

1

0,03

0

0

0

0,00

0

0

0,00

0

0

45

1,28

0

253

7,19

0

209

0

0,00

0

2

0,06

0

0

Salmonellose

0

0,00

0

56

1,59

0

42

Shigellose

0

0,00

0

17

0,48

0

5

Tuberkulose

2

0,06

0

66

1,88

0

58

Tularämie

0

0,00

0

0

0,00

0

0

Typhus abdominalis

0

0,00

0

1

0,03

0

1

VHF (Chikungunya)

0

0,00

0

2

0,06

0

5

1

0,03

0

19

0,54

1

3.463

Yersiniose
Summe

459

0

13

19

3.892

———————————————————————————————————————————
Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 08/2016

13

7.2. Bezirksübersicht kumulativ bis einschließlich der Berichtswoche (Fallzahlen1)
Summe

Reinickendorf

Lichtenberg

MarzahnHellersdorf

TreptowKöpenick

Neukölln

TempelhofSchöneberg

SteglitzZehlendorf

Spandau

CharlottenburgWilmersdorf

Pankow

FriedrichshainKreuzberg

Mitte

Krankheit bzw. Infektionserreger
Adenovirus- (Kerato-) Konjunktivitis

0

0

0

0

0

1

0

0

0

1

0

0

2

Borreliose1

2

2

14

1

0

2

3

4

1

7

2

2

40

0

0

0

0

1

0

0

0

0

0

1

0

2

24

29

46

33

14

35

40

28

31

37

34

43

394

Clostridium difficile

1

2

4

0

2

2

1

2

4

1

2

2

23

Denguefieber

1

2

4

0

1

0

0

2

0

0

3

0

13

EHEC-Erkrankung

3

1

0

1

0

3

1

1

0

0

0

2

12

Giardiasis

5

12

5

3

1

5

9

7

4

1

0

2

54

Haemophilus influenzae, inv. Erkr.

0

0

0

1

0

2

0

1

1

0

0

2

7

Hepatitis A

1

0

1

4

1

2

10

1

0

1

0

1

22

Hepatitis B

2

3

1

2

2

1

0

0

0

1

1

1

14

Hepatitis C

4

6

9

7

8

6

2

5

5

2

0

7

61

Hepatitis E

0

1

2

1

1

0

4

1

0

2

1

0

13

Brucellose
Campylobacter-Enteritis

1

0

1

0

0

0

0

0

0

0

0

0

2

129

132

225

153

91

164

172

100

58

119

40

84

1.467

9

7

39

6

11

24

19

13

7

19

4

5

163

HUS (Hämol.-urämisches Syndrom)
Influenza
Keuchhusten4
Kryptosporidiose

3

1

1

1

0

0

3

1

0

0

0

0

10

Legionellose

0

0

0

0

1

1

2

0

1

0

0

3

8

Listeriose

1

0

0

0

0

0

1

2

0

0

1

0

5

Masern

3

0

0

0

0

0

0

1

0

0

0

0

4

Meningokokken, inv. Erkrankung

1

0

1

0

2

0

1

0

0

0

1

0

6

MRSA, invasive Infektion

3

4

4

2

4

5

2

6

1

6

2

6

45

Mumps4
Norovirus-Gastroenteritis5

3

0

0

0

0

0

3

0

0

0

0

0

6

40

21

84

36

43

99

62

31

88

54

48

67

673

Paratyphus

0

1

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

1

Rotavirus-Gastroenteritis

4

10

7

8

13

21

9

117

22

6

6

30

253

Röteln

0

0

1

0

0

0

0

0

1

0

0

0

2

Salmonellose

2

9

7

5

1

2

8

5

0

6

9

2

56

Shigellose

3

1

3

3

0

0

1

0

2

0

3

1

17

Tuberkulose

5

1

2

1

4

2

8

6

1

2

33

1

66

Typhus abdominalis

0

0

0

0

0

0

1

0

0

0

0

0

1

Virale hämorrhagische Fieber

1

0

0

0

0

0

1

0

0

0

0

0

2

1

1

2

1

2

0

1

1

2

19

269 202

379

364

336

227

266

192

263

3.463

2

3

3

253

248

464

Yersiniose
Summe
1

Veröffentlichung der Fälle entspr. Referenzdefinition des RKI (U. a. weichen wegen noch nicht erfolgter Freigabe durch das RKI die Fallzahlen von den beschriebenen Einzelfällen ab) / 2 Die angegebenen Inzidenzen sind berechnet als Fallzahl pro 100.000 Einw. Dabei wird die Einwohnerzahl Berlins von 3.517.424 mit Stand vom 31.12.2013
zugrunde gelegt. (Datenquelle: Amt für Statistik Berlin Brandenburg) / 3 Arzt- und Labormeldepflicht in Berlin seit 07.04.2013 (vorher nur Arztmeldepflicht) / 4 Meldepflicht
seit 29.03.2013 / 5 Angabe nur lab. best. Fälle (o. aggregierte Daten)

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 08/2016

14

7.3. Übersicht Salmonellenserovare bzw. -gruppen bis zur Berichtswoche
(Fallzahlen und Anteile)
Rangfolge der in 2016 gemäß IfSG übermittelten Salmonellenserovare bzw. Serogruppen,
kumuliert bis einschließlich der Berichtswoche im Vergleich zum Vorjahreszeitraum
Rang

Serovar bzw. Gruppe ohne weitere
Differenzierung

n
2016

Anteil
%

n
2015

Anteil
%

1

S.Typhimurium

B

13

23,2

10

23,8

2

S.Enteritidis

D1

8

14,3

6

14,3

3

Salmonella der Gruppe B

8

14,3

10

23,8

4

andere Serovare

20

35,7

12

28,6

5

ohne Angabe

1

1,8

1

2,4

nicht ermittelbar

6

10,7

3

7,1

56

100,00

42

100,0

gesamt
*

Gruppe

In der Kategorie „andere Serovare / Gruppen“ werden Serovare, die bisher nur weniger als dreimal
nachgewiesen wurden, und andere nicht häufige Gruppen zusammengefasst.

Rangfolge der gemäß IfSG übermittelten Salmonellenserovare bzw. -gruppen
kumuliert bis zur Berichtswoche
In der Berichtswoche wurden keine Salmonellose-Neuerkrankungen übermittelt, die der
Referenzdefinition entsprachen.

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 08/2016

15

8. Abbildungen der wöchentlichen Fallzahlen 2016 mit Vorjahresvergleich
(Datenstand: 02.03.2016 - 10:00 Uhr)
Hepatitis C
18
2016
2015

16
14

Anzahl Fälle

12
10
8
6
4
2
0
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53

Wochen

Norovirus-Gastroenteritis
(nur klinisch-labordiagnostisch bestätigte Fälle)
2016

150

2015
125

Anzahl Fälle

100

75

50

25

0
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53

Wochen

Rotavirus-Erkrankung
90
2016
2015

80
70

Anzahl Fälle

60
50
40
30
20
10
0
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53

Wochen

Piek in der 4. Woche: siehe unter 3.3. im Wochenbericht 03-05/2016

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 08/2016
        
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