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Full text: Epi-Info Issue 2016,16

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Epi -Info

Wochenbericht
Epidemiologischer Wochenbericht für die Meldewoche 16/2016
über die im Land Berlin gemäß IfSG erfassten Infektionskrankheiten
herausgegeben am 28. April 2016
Inhalt
1. Allgemeine Lage
2. Besondere Fälle
3. Ausbrüche
3.1. Ausbrüche durch meldepflichtige Erreger / Krankheiten übermittelt gemäß §11(1) IfSG
3.2. Nosokomiale Ausbrüche übermittelt gemäß §11(2) IfSG
3.3. Besondere Ausbrüche

4. Influenza-Saison 2015/2016
Information der AGI für Berlin, Brandenburg und Deutschland

5. Besondere Hinweise
5.1. Meldepflichtige Erkrankungen / Erregernachweise unter Asylsuchenden in Berlin
5.2. ZANZU: Informationsportal für Flüchtlinge zu sexueller und reproduktiver Gesundheit
5.3. Epidemiologisches Bulletin 16/2016
5.4. Europäische Impfwoche: Gemeinsam gegen Impflücken
5.5. WHO: Erklärung der Malariafreiheit in Europa
5.6. Umweltbundesamt: UMID 01/2016 erschienen
5.7. Friedrich-Löffler-Institut: Konzeptpapier zu Aedes albopictus in Deutschland
5.8. Veranstaltungshinweis: Die Seele ist ein Oktopus

6. Spezial
Zusammenfassung der aktuellen Influenza-Saison 2015/2016 im Land Berlin

7. Tabellen
7.1. Übersicht der Berichtswoche im Vergleich zum Vorjahr (Fallzahlen und Inzidenzen)
7.2. Bezirksübersicht kumulativ bis einschließlich der Berichtswoche
7.3. Übersicht Salmonellenserovare bzw. -gruppen bis zur Berichtswoche (Fallzahlen und Anteile)

8. Abbildungen der wöchentlichen Fallzahlen im Berichtsjahr mit Vorjahresvergleich
Campylobacter-Erkrankungen, Legionellose, Salmonellose
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Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (LAGeSo)
Fachgruppe Infektionsepidemiologie und umweltbezogener Gesundheitsschutz (I C 2)
Hr. Schubert / Fr. Hentschel / Fr. Hoffmann / Fr. Wendt / Fr. Dr. Simon / Hr. PD Dr. Werber
Darwinstraße 15, 10589 Berlin (Charlottenburg), Tel. 90229-2427/-2428/-2420/-2432/-2430/-2421, Fax: (030) 90229-2096
Groupmail: infektionsschutz@lageso.berlin.de, Groupfax-IfSG: (030) 90283385, www.berlin.de/lageso/gesundheit/index.html
Neben dem statistischen Teil enthalten die Berichte im Textteil auch allgemeine und weiterführende Informationen, deren
Interpretation infektiologischen und epidemiologischen Sachverstand und Kenntnisse über die Datengrundlagen erfordern.
Eine Weitergabe sowie Be- und/oder Verarbeitung der Daten zu kommerziellen Zwecken ist ohne Genehmigung des
Herausgebers nicht zulässig.
© 2016

Link zum Download
der Wochenberichte
des LAGeSo

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 16/2016

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1. Allgemeine Lage
In der Berichtswoche wurden drei labordiagnostisch-bestätigte Masern-Erkrankungen bei
Personen ohne Impfschutz übermittelt, für die als Infektionsort Berlin angegeben wurde:
ein Kind im schulpflichtigen Alter, das zu einer familiären Häufung (n=2) gehört sowie zwei
Erwachsene, darunter ein Asylsuchender. Für die erwachsenen Masernfälle wurden keine
Infektionszusammenhänge zu anderen Erkrankten festgestellt. Zudem berichtet das Hessische
Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen über ein an Masern erkranktes schulpflichtiges Kind, das sich wahrscheinlich während eines Berlin-Aufenthaltes angesteckt hat (siehe unter 2.). Wenngleich die Ermittlungen der Gesundheitsämter zu Ansteckungsquellen (Transmissionsketten) zumeist erfolglos blieben, liegt die Vermutung nahe,
dass es im Land Berlin zu endemischen Übertragungen des Masernvirus kommt.
Die Infektionszahlen für Influenza in Berlin als auch die Daten der Arbeitsgemeinschaft
Influenza deuten auf das Ende der Grippewelle hin. In der Berichtswoche wurden 22 InfluenzaErkrankungen an das LAGeSo übermittelt, die niedrigste Zahl seit Beginn der Grippewelle in
der 2. Meldewoche. Insgesamt wurden in der Influenza-Saison von der 40. Meldewoche (MW)
2015 bis zur 16. MW 4.169 Fälle erfasst, die zweithöchste Zahl für eine Saison seit Einführung
des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001 (siehe unter 4. und den Abschlussbericht unter 6.).
Nach dem Rückgang der Influenza-Fallzahlen dominierten in der Berichtswoche erwartungsgemäß gastroenteritische Erkrankungen. Allerdings bleiben die kumulativen Fallzahlen bei
Gastroenteritiden, mit Ausnahme der Rotaviren, bislang unter denen des Vorjahreszeitraumes.
Dies trifft auch für die Meldekategorie Legionellose zu, obwohl in der Berichtswoche vier Einzelerkrankungen erfasst wurden (siehe unter 2., 7. und 8.).
In der Berichtswoche wurden 12 Ausbrüche übermittelt, darunter sechs Ausbrüche durch
Rotavirus und drei nosokomial bedingte Norovirus-Ausbrüche mit bis zu sieben Einzelfällen.
Bei den weiteren nosokomial bedingten Ausbrüchen (ohne Norovirus) wurde in der Berichtswoche ein neuer Ausbruch durch Rotavirus erfasst. Die Hälfte aller bisher in diesem Jahr
übermittelten 30 nosokomialen Ausbrüche entfielen auf diesen Erreger (siehe unter 3.).

Der nächste Wochenbericht erscheint voraussichtlich am 19. Mai 2016.

Foto: Bernd Kasper / pixelio.de

Die Fachgruppe Infektionsepidemiologie des LAGeSo
wünscht allen Leserinnen und Lesern
einen freudigen Himmelfahrtstag und
angenehme Pfingstfeiertage

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 16/2016

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2. Besondere Fälle (Datenstand: 27.04.2016 - 10:00 Uhr)
EHEC /STEC
GA Steglitz-Zehlendorf
Durchfall-Erkrankung bei einer 51-jährigen Frau, die in einer Gemeinschaftseinrichtung
tätig ist. Im Stuhl wurde Shigatoxin-Gen 1 (stx1) nachgewiesen.
GA Tempelhof-Schöneberg
Durchfall-Erkrankung bei einer 73-jährigen Frau, die in einer Gemeinschaftseinrichtung
betreut wird. Im Stuhl wurde Shigatoxin-Gen 1 (stx1) nachgewiesen.
Erkrankung einer 51-jährigen Frau, die seit Juni 2015 an Bauchschmerzen litt. Aus einer
Stuhlprobe wurde ein nicht näher bezeichnetes Shigatoxin-Gen nachgewiesen.
Erkrankung einer 50-jährigen Frau, die seit Januar 2016 an Bauchschmerzen litt. Im
Stuhl wurden die Shigatoxin-Gene 1 und 2 (stx1 und stx2) nachgewiesen.
Legionellose
GA Lichtenberg
Pneumonie bei einem 77-jährigen immunsupprimierten Mann, bei dem Legionella spp.
nachgewiesen wurde. Das Untersuchungsmaterial und die Nachweismethode sind bisher
nicht bekannt.
GA Neukölln
Pneumonie bei einem 32-jährigen Mann, in dessen Urin Legionella pneumophila der
Serogruppe 1 mittels Antigen-Test nachgewiesen wurde.
Pneumonie bei einer 86-jährigen Frau, bei dem Legionella spp. mittels Antigen-Test aus
einer Urinprobe nachgewiesen wurde.
GA Pankow
Pneumonie bei einem 55-jährigen Mann, in dessen Urin Legionella pneumophila der
Serogruppe 1 mittels Antigen-Test nachgewiesen wurde.
Masern
GA Charlottenburg-Wilmersdorf
Erkrankung eines 21-jährigen syrischen Asylbewerbers, bei dem die Infektion mittels
IgM-Antikörper-Test nachgewiesen wurde. Der Mann befindet sich seit Juni 2015 in
Deutschland und hatte keinen Impfschutz.
Siehe auch unter Punkt 5.1.

GA Neukölln
Erkrankung eines 34-jährigen Mannes. Labordiagnostisch erfolgte ein PCR-Nachweis
aus Zellen des Nasen-Rachen-Raums. Der Erkrankte hatte keinen Impfschutz.
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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 16/2016

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Erkrankung eines zehnjährigen Schülers. Labordiagnostisch erfolgte ein PCR-Nachweis
aus Zahntaschenflüssigkeit. Der Erkrankte hatte keinen Impfschutz.
Der Fall bildet, gemeinsam mit der in der Vorwoche berichteten Erkrankung einer neunjährigen
Schülerin, einen familiären Ausbruch (15. MW).
Zur Masernerkrankung im Bundesland Hessen mit der mutmaßlichen Infektionsquelle im Land
Berlin (siehe unter 1.) berichtete das Zentrum für Gesundheitsschutz des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts in seinem am 21.04.2016 veröffentlichten Wochenbericht
"Epi-Kurier" Nr. 15/2016:
Ein gegen Masern ungeimpfter 13 Jahre alter Junge aus Wiesbaden hielt sich in Berlin auf und
bekam Fieber. Vier Tage später stieg das Fieber über 38,5°C an, es kamen Husten, Bindehautentzündung und Schnupfen sowie ein für Masern typischer makulopapulöser Hautausschlag am
ganzen Körper hinzu. Serologisch wurden Masern-Antikörper der IgG und der IgM-Klasse nachgewiesen. Weder in Wiesbaden noch in Berlin hatte der Junge nach seiner Auskunft Kontakt zu
einer an Masern erkrankten Person; weitere (Verdachts)fälle von Masern sind im Gesundheitsamt Wiesbaden nicht bekannt geworden.

Meningokokken
GA Neukölln
Meningitis bei einer 47-jährigen Frau ohne Impfschutz, die im Lebensmittelbereich tätig
ist. Aus Blut erfolgte der kulturelle Erreger-Nachweis. Eine Einsendung der Probe an
das Nationale Referenzzentrum (NRZ) zur Feindifferenzierung wurde veranlasst. Die
Infektion erfolgte gemäß den Ermittlungen des Gesundheitsamtes möglicherweise
während eines dreitätigen Aufenthalts in Magdeburg (Sachsen-Anhalt).
GA Treptow-Köpenick
Meningitis bei einem 49-jährigen Mann ohne Impfschutz. Aus Liquor erfolgte der
kulturelle Erreger-Nachweis. Das NRZ differenzierte die Serogruppe W.

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3. Ausbrüche (Datenstand: 27.04.2016 - 10:00 Uhr)
3.1. Ausbrüche durch meldepflichtige Erreger / Krankheiten übermittelt gemäß §11(1) IfSG
Gesamtzahl der Häufungen nach Erreger / Krankheit und Fallzahlen bzw.
Fallzahlspannen in der Berichtswoche
Zahl der
Ausbrüche

Erreger / Krankheit
Adenovirus

1

Keuchhusten

1

Fallzahl pro
Ausbruch
2
3

1/2

Norovirus

3

Rotavirus

6

2-7

Windpocken

1

2

12

2-7

Summe / Spanne
1
2

2

darunter zwei Ausbruch zwei anderen Bundesländern zugeordnet
alle Ausbrüche nosokomial bedingt

3.2. Nosokomiale Ausbrüche übermittelt gemäß §11(2) IfSG
Kumulative Übersicht 2016 bis einschließlich der Berichtswoche (ohne Norovirus)
Zahl der
Ausbrüche

Erreger

Fallzahl pro
Ausbruch

Gesamtfallzahl

Clostridium difficile

1

2

2

Enterobacter cloacae (3MRGN)

1

2

2

Enterobacter cloacae (4MRGN)

1

2

2

Enterococcus faecium van A
Enterococcus faecium van B
Influenza

1
1
3

17
9
2 - 22

17
9
26

Klebsiella pneumoniae (3MRGN)

1

4

4

Klebsiella pneumoniae (4MRGN)

2

2-3

5

MRSA

4

2-6

13

15

2 - 14

84

30

2-22

164

Rotavirus
Summe / Spanne

3.3. Besondere Ausbrüche
Keine

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4. Influenza-Saison 2015/2016
Informationen der AGI für Berlin, Brandenburg und Deutschland (Stand: 26.04.2016)

Praxisindex Region Berlin Brandenburg
Der Praxisindex basiert auf Daten zu akuten respiratorischen Erkrankungen
der aktuellen Saison (rot), im Vergleich zu 2014/2015 und 2013/2014.
Indexwerte bis 115 entsprechen der Hintergrundaktivität.

Konsultationsinzidenz Region Berlin Brandenburg
Konsultationsinzidenz aufgrund akuter respiratorischer Erkrankungen in der aktuellen Saison
im Vergleich zur Saison 2014/2015

Übersicht Deutschland
Auf dem Praxisindex basierende Aktivität der akuten
respiratorischen Erkrankungen in der Berichtswoche
Quelle: AG Influenza: https://influenza.rki.de

stark erhöht

deutlich erhöht

moderat erhöht

geringfügig erhöht

Normal

Zusammenfassende Bewertung der epidemiologischen Lage:
Die Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen (ARE) ist
bundesweit in der 16. Kalenderwoche (KW) 2016 im Vergleich
zur Vorwoche gesunken. Die Werte des Praxisindex lagen
insgesamt im Bereich der ARE-Hintergrund-Aktivität.
Im Nationalen Referenzzentrum für Influenza (NRZ) wurden
in der 16. KW 2016 in 30 (48 %) von 63 Sentinelproben respiratorische Viren identifiziert. In neun (14 %) Proben wurden
Influenza-, in jeweils drei (5 %) Respiratorische Synzytial (RS)bzw. humane Metapneumoviren (hMPV), in vier (6 %) Adenound in 14 (22 %) Rhinoviren nachgewiesen.
Für die 16. Meldewoche (MW) 2016 wurden bislang 1.236 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das RKI übermittelt
(Datenstand 26.04.2016).
Insgesamt wurden seit Beginn der Saison im NRZ am häufigsten
Influenza B-Viren (55 %) nachgewiesen.
Die inzwischen jahreszeitlich erwartungsgemäß geringe AREAktivität und die deutlich gesunkene Positivenrate für Influenza
deuten auf das Ende der diesjährigen Grippewelle hin.

alle Abb.: © Robert Koch-Institut

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5. Besondere Hinweise
5.1. Meldepflichtige Erkrankungen / Erregernachweise unter Asylsuchenden in Berlin
(Datengrundlage: Übermittlungen seit der 40. KW)

Für die 15.-16. Meldewoche (MW)
2016 wurden insgesamt 38 Erkrankungen übermittelt (Tabelle 1), davon
sind 36 (95%) prinzipiell impfpräventabel. Das Alter der Erkrankten lag im
Median bei sechs Jahren (Spanne <133 Jahre), 24 (63%) der Erkrankten
waren männlich.
Bei den impfpräventablen Erkrankungen handelte es sich um Windpocken
(n=35) und Masern (n=1). Von Windpocken betroffen waren Personen im
Alter von unter <1 bis 33 Jahre, 21
(60%) männlich, in der Mehrzahl
handelte es sich weiterhin um Kinder
(Altersmedian fünf Jahre). Bei allen
26 Erkrankten, für die Angaben zum
Einreisedatum und dem Erkrankungsbeginn vorliegen, ist die Infektion
sicher nach Einreise in Deutschland
erworben worden (Aufenthalt in
Deutschland vor Erkrankungsbeginn
mehr als vier Wochen). Die Windpocken-Erkrankungen traten weiterhin überwiegend (31/35, 86%) im
Rahmen von Ausbrüchen in Gemeinschaftsunterkünften auf.
Bei der an Masern erkrankten Person
handelt es sich um einen 21-jährigen
Mann, der zwar in einer Gemeinschaftsunterkunft gemeldet ist, dessen Aufenthalt aber nicht ermittelt
werden konnte.
An Skabies sind zwei Jungen im Alter
von acht und 13 Jahren erkrankt.

Meldekategorie

MW 15-16, N Kumulativ, N(%)

Windpocken

35

322 (62.5)

Tuberkulose

0

39 (7.6)

Skabies

2

30 (5.8)

Hepatitis A

0

28 (5.4)

Rotavirus

0

28 (5.4)

Influenza

0

22 (4.3)

Hepatitis C

0

12 (2.3)

Giardiasis

0

10 (1.9)

Norovirus

0

6 (1.2)

Hepatitis B

0

3 (0.6)

Masern

1

3 (0.6)

Campylobacter

0

2 (0.4)

Legionellose

0

2 (0.4)

MRSA

0

2 (0.4)

Mumps

0

2 (0.4)

Brucellose

0

1 (0.2)

E.-coli-Enteritis

0

1 (0.2)

Kryptosporidiose

0

1 (0.2)

Typhus

0

1 (0.2)

38

515 (100)

Summe

Tab. 1: Erkrankungen und Erregernachweise unter Asylsuchenden
im Land Berlin übermittelt von der 15. bis 16. MW 2016 und
kumulativ seit der 40. MW 2015, Datenstand 27.04.2016, 10.00 Uhr
(Quelle: LAGeSo Berlin)

Meldekategorie
Skabies
Windpocken

Anzahl der
Häufungen

Anzahl der
Fälle

4

2-5

32

2-61

Norovirus

1

2

Rotavirus

1

4

Hepatitis A

3

2-7

41

2-61

Summe/Spanne

Tab. 2: Übermittelte Häufungen unter Asylsuchenden seit der
40. MW 2015, Datenstand 27.04.2016, 10.00 Uhr
(Quelle: LAGeSo Berlin)

Für die MW 15-16 2016 wurden drei
neue Häufungen erfasst, alle neuen
Häufungen betrafen Windpocken. Insgesamt wurden seit der 40. MW 41 Häufungen
mit mindestens zwei der Referenzdefinition (Ausnahme: Skabies) entsprechenden

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Erkrankungen übermittelt (Tabelle 2). Es handelt sich um Häufungen durch Windpocken
(n=32), Skabies (n=4), Hepatitis A-Virus (n=3) sowie durch Rota- und Noroviren (jeweils
n=1).
Seit Wochen liegt ein stabiles Bild hinsichtlich der auftretenden Erkrankungen unter Asylsuchenden vor. Die meisten Erkrankungen betreffen Windpocken, die überwiegend in
Häufungen in Gemeinschaftseinrichtungen auftreten.
Aus diesem Grunde werden wir künftig nur noch monatlich den Bericht zu Erkrankungen
unter Asylsuchenden veröffentlichen. Bei veränderter Lage bezüglich des Krankheitsspektrums oder der Zahl der Erkrankten werden wir die Berichterstattung entsprechend
anpassen.
Hinweise zur Datenqualität:
Die Auswertung dieser Angaben, die softwarebedingt in Berlin derzeit nur über ein Textfeld erfasst werden, ist fehleranfällig. Zudem ist davon auszugehen, dass Behandlungen
häufig ohne begleitende labordiagnostische Untersuchungen erfolgen (z.B. Therapie von
Durchfall- und Atemwegserkrankungen). Insgesamt ist, wie bei allen Meldedaten, von
einer Untererfassung der Erkrankungen auszugehen. Dies betrifft insbesondere solche,
bei denen der labordiagnostische Nachweis die Grundlage der Meldung nach IfSG ist.
Bei der Meldekategorie Windpocken kommt es zudem aufgrund der Verwendung unterschiedlicher Standards in der Meldesoftware der Gesundheitsämter einerseits und in
der der Landesbehörde andererseits zu Fehlern in der Fallzählung (weswegen Zahlen zu
Windpocken in den Tabellen des Wochenberichts seit dem Frühjahr 2015 nicht mehr aufgeführt werden). Darüber hinaus kann die Zahl der übermittelten Erkrankungen aktuell
nicht verlässlich in Relation zur Gesamtzahl der Asylsuchenden in Berlin gesetzt werden.
Zusammenfassend ist eine Bewertung der Zahlen nur sehr eingeschränkt möglich.
Quelle: / Abb.: LAGeSo

5.2. ZANZU: Informationsportal für Flüchtlinge zu sexueller und reproduktiver Gesundheit
Die Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung (BZgA) hat in Kooperation mit
der belgischen Nichtregierungsorganisation
Sensoa ein Web-Portal für Migrantinnen
und Migranten zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit entwickelt. Das Portal
gibt in 13 Sprachen einfach verständliche
Erklärungen zu den Themenfeldern Körperwissen, Sexualität, Schwangerschaft und
Geburt, Verhütung, HIV und anderen sexuell
übertragbare Infektionen sowie Erklärungen
zu Rechten und Gesetze in Deutschland. Das
Startseite www.zanzu.de
(Quelle: zanzu.de)
Web-Angebot richtet sich sowohl an Migrantinnen und Migranten
als auch an Beratungsstellen, Ärztinnen und Ärzte. Vor allem jene
zu uns geflüchteten Menschen, die in ihren Herkunftsländern wenig Aufklärung über
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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 16/2016

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sexuelle und reproduktive Gesundheit erlangt haben, erhalten hier einen diskreten und
direkten Zugang zu Wissen in diesem Bereich.
Link: www.zanzu.de
Quelle: NLGA-In.fo 15/2016

5.3. Epidemiologisches Bulletin 16/2016
Das Epidemiologische Bulletin 16/2016 vom 25.04.2016 gibt in einem Beitrag Hinweise
zur Umsetzung der neuen Meldepflichten nach der IfSG-Meldepflicht-Anpassungsverordnung.
Am 1. Mai 2016 tritt die „Verordnung zur Anpassung der Meldepflichten nach dem Infektionsschutzgesetz an die epidemische Lage“ (IfSG-Meldepflicht-Anpassungsverordnung) in
Kraft. Diese legt neue Meldepflichten für Ärzte und Labore fest und führt bereits bestehende Meldepflichten aus anderen Verordnungen zusammen.
Ein weiterer Artikel befasst sich im Rahmen der Europäischen Impfwoche mit den Impfquoten bei der Schuleingangsuntersuchung in Deutschland 2014.
Die für die Masern-Elimination erforderliche Impfquote von 95% wird bei den Schulanfängern bislang nur von einzelnen Bundesländern erreicht. Das zeigt die zur Europäischen
Impfwoche veröffentlichte Übersicht für alle Impfungen und alle Bundesländer. Robert
Koch-Institut (RKI) und Paul-Ehrlich-Institut (PEI) haben auch die „Antworten auf die 20
häufigsten Einwände gegen das Impfen“ aktualisiert.
In der aktuelle Ausgabe findet sich des Weiteren eine Mitteilung der Ständigen Impfkommission (STIKO): Anwendung des neunvalenten Impfstoffs gegen Humane Papillomviren
(HPV).
Seit Juli 2015 ist ein neunvalenter HPV-Impfstoff (Gardasil® 9) für den europäischen Markt
mit einem 3-Dosen-Impfschema zugelassen. Im April 2016 hat dieser neunvalente Impfstoff nun auch eine Zulassung für ein 2-Dosen-Impfschema bei Personen im Alter von 9
bis 14 Jahren erhalten. Er wird in Kürze auf dem deutschen Markt verfügbar sein und immunisiert zusätzlich zu den HPV-Typen 6, 11, 16 und 18 auch gegen die HR HPV-Typen 31,
33, 45, 52 und 58. Die STIKO gibt Anwendungshinweise zu diesem neu zugelassenen Impfstoff im Epidemiologischen Bulletin 16/2016.
Download-Link des Epidemiologischen Bulletins:

www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2016/16/Tabelle.html
Quelle: RKI

5.4. Europäische Impfwoche: Gemeinsam gegen Impflücken
Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG), das Robert Koch-Institut (RKI) und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) haben anlässlich der Europäischen
Impfwoche eine gemeinsame Presseerklärung herausgegeben.
Impfungen gegen gefährliche Infektionskrankheiten gehören zu den größten Errungenschaften der Medizin. Doch es gibt noch immer Impflücken in allen Altersstufen. Zwar
haben sich die Masern-Impfquoten von Schulanfängern in den meisten Bundesländern
erneut leicht verbessert, das Ziel einer 95%-igen Impfquote ist aber noch nicht erreicht.
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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 16/2016

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Der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe
stellte fest: „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass
Deutschland beim Impfen gegen Masern besser
geworden ist, aber wir sind längst noch nicht gut
genug. Die Impflücken sind noch immer zu groß.
Seit Mitte 2015 gelten neue Regelungen zur Überprüfung des Impfschutzes und für die ImpfberaMit Masernviren tung. Wir brauchen jetzt eine gemeinsame KraftDie gemeinsame Pressemitteilung
anstrengung der Ärzte, Schulen, Kitas, der Betriebe
(Quelle: BMG))
und natürlich auch der Familien, damit Masern in
Deutschland der Vergangenheit angehören. Denn jede und jeder Einzelne von uns trägt
Verantwortung dafür, die Masern auszurotten.“
Die BZgA stellt einen neuen Impfvortrag zur Verfügung, der in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, dem PaulEhrlich-Institut und dem RKI entwickelt wurde. Die
Vortragsfolien (www.impfen-info.de/impfvortrag)
können von Multiplikatoren in verschiedenen Lebenswelten wie der Schule oder auch in Arztpraxen
Titel des neuen Impfvortrags der BZgA
genutzt werden, um umfassend zum Thema Imp(Quelle: BzGA))
fen zu informieren. Darüber hinaus hat die BZgA
eine Entscheidungshilfe zur Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln zusammen mit
Experten der Universität Erfurt (Center for Empirical Research in Economics and Behavioral Science) überarbeitet (http://mmr-entscheidung.impfen-info.de).
Anlässlich der Europäischen Impfwoche wurde auf
Initiative des Bundesgesundheitsministeriums und
der BZgA das Bettenhochhaus der Universitätsklinik Charité in Berlin-Mitte nachts mit roten Masernpunkten angestrahlt. Diese Licht-Aktion sollte
in der Öffentlichkeit verstärkt auf den wichtigen
Impfschutz aufmerksam machen.
Weitere Informationen unter

www.bundesgesundheitsministerium.de/impfen
www.rki.de/impfen
www.impfen-info.de

Masern-Licht-Aktion am Bettenhochhaus der
Charité (26.04.2016)
(Quelle: PD Dr. D. Werber)

Quelle: BMG

5.5. WHO: Erklärung der Malariafreiheit in Europa
Die WHO hat am 20.04.2016 die Region Europa für Malaria-frei erklärt. Die WHO-Region
Europa ist damit weltweit die erste Region, die das Millennium-Development-Goal der
Eliminierung von Malaria erreicht hat. Das Hauptaugenmerk in der Region liegt nun in der
Prävention, um eine Wiedereinführung der Infektionskrankheit nachhaltig zu verhindern.

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Ausführliche Informationen zum Thema:

http://www.euro.who.int/en/media-centre/sections/press-releases/2016/04/from-over-90-000cases-to-zero-in-two-decades-the-european-region-is-malaria-free
Quelle: WHO/RKI

5.6. Umweltbundesamt: UMID 01/2016 erschienen
Die neue Ausgabe 01/2016 der Zeitschrift UMID informiert
über mögliche Risiken und Nebenwirkungen, die durch die Zusammensetzung von Tätowiermitteln und die Tätowierungen
auftreten können. Ein weiterer Beitrag klärt über Anwendungen optischer Strahlung in der Kosmetik auf. Außerdem stellt
die neue Ausgabe Ergebnisse der Untersuchungen von HoliFarbpulvern vor und erläutert gesundheitliche Wirkungen.
Die Zeitschrift UMID: Umwelt und Mensch – Informationsdienst erscheint zweimal im Jahr und informiert über aktuelle
Themen aus Umwelt & Gesundheit, Umweltmedizin und Verbraucherschutz. Die Autoren sind Experten aus dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), dem Robert
Koch-Institut (RKI) und dem Umweltbundesamt (UBA). Die Onlineversion des UMID steht
kostenfrei über diesen Link zum Download (PDF) zur Verfügung:
https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/umid-012016

Quelle: UBA

5.7. Friedrich-Löffler-Institut: Konzeptpapier zu Aedes albopictus in Deutschland
Ein Konzeptpapier zu Aedes albopictus in Deutschland mit dem Titel "Handlungsbedarf
und -optionen im Umgang mit der Asiatischen Tigermücke", das von Herrn Kampen
(Friedrich-Löffler-Institut [FLI]) und Kolleginnen und Kollegen der Kommission
"Stechmücken als Überträger von Krankheitserregern" erarbeitet wurde, steht auf
den Seiten des FLI in einer 18-seitigen PDF-Datei zur Verfügung.
Download-Link:
https://www.fli.de/fileadmin/FLI/Publikationen/Handlungsempfehlung/
Handlungsempfehlung_Aedes-albopictus_2016-04-19.pdf

Quelle: FLI/RK

5.8. Veranstaltungshinweis: Die Seele ist ein Oktopus
Das Berliner Medizinhistorische Museum der Charité auf dem traditionsreichen Gelände
der Charité (Campus Mitte) bietet in seinen Sonderausstellungen Medizinisches in seinen
historischen Dimensionen und aktuellen Bezügen.
Vom 11. Mai 2016 bis 11. September 2016 findet im Präparatesaal die Ausstellung
"Die Seele ist ein Oktopus" des Exzellenzclusters TOPOI, der Alexander von HumboldtProfessur für Klassische Altertumswissenschaften und Wissenschaftsgeschichte an der
Humboldt-Universität zu Berlin statt.
Woraus besteht die Seele, wie steuert sie den menschlichen Körper und wo ist ihr Sitz im

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Körper? Was geschieht, wenn ein Mensch krank wird,
und was trägt zu seiner Heilung bei? Antike Mediziner
und Philosophen stellten sich Fragen wie diese, um zu
verstehen, was der Mensch ist und wie er funktioniert.
Dabei kamen sie zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.
Die Ausstellung stellt zentrale antike Auffassungen von
physischen und seelischen Vorgängen vor, die zwischen
ca. 500 vor und 200 nach Christus entwickelt wurden.
Die Interventions-Objekte wie antike medizinische Instrumente aus der Zeit des 1. Jh. v. Chr. bis zum 3. Jh. n. Chr.
oder anatomische Körperteilvotive hängen mit der Lokalisation von körperlichen und seelischen Vorgängen im
Körper zusammen, Beispiele attischer Vasenmalerei
bringt uns die antiken Menschen und ihren Lebensstil
näher. Unter den Objekten sind zahlreiche Leihgaben
aus Privatbesitz und wichtigen Museen und Universitätssammlungen. Vor allem aber setzt die Ausstellung
auf großformatige Bilder, die der Berliner Graphiker
Christoph Geiger in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Topoi-Forschungsprojektes D2 – Mapping Body and Soul – für die zehn Ausstellungsthemen geschaffen hat.
Veranstaltungsgort:
Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité,
Charitéplatz 1, 10117 Berlin
http://www.bmm-charite.de

Quelle: Charité

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 16/2016

13

6. Spezial
Zusammenfassung der aktuellen Influenza-Saison 2015/2016 im Land Berlin
(Stand: 27.04.2016, 10:00 Uhr)

In der aktuellen (16.) Berichtswoche wurden aus den Gesundheitsämtern 22 Influenzaerkrankungen entsprechend der Referenzdefinition an das LAGeSo übermittelt. Die rückläufige Tendenz der Übermittlungen setzte sich damit weiter fort und die Grippewelle geht
somit ihrem Ende entgegen. Im Folgenden wird daher eine Zusammenfassung der Informationen der Influenza-Saison 2015/2016 gegeben.
700

500
653

Influenza-Gesamt
Influenza A

600

Influenza B
400

543

nicht erhoben
/unbekannt

493

500

450
300
400

320

305

302

300

268

200

202

196

200
137
100

85
57

82

100
22

0

1

0

2

2

2

1

3

0

2

5

6

7

9

14

40

41

42

43

44

45

46

47

48

49

50

51

52

53

1

0

0
2015

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

2016

Abb 1: Verlauf der Influenza-Erkrankungen im Land Berlin ab 40. Meldewoche (MW) 2015 bis 16. MW 2016 nach
Erkrankungswoche, differenziert nach Influenzavirus Typ A und B sowie Gesamtfallzahl, Datenstand 27.04.2016, 10.00 Uhr
(Hinweis: Skalierung links für Differenzierung A/B, Skalierung rechts für Gesamtfallzahl)
(Datenquelle: LAGeSo Berlin)

Insgesamt wurden in der Influenza-Saison 2015/2016 von der 40. Meldewoche (MW) 2015
bis zur 16. MW 2016 4.169 Fälle erfasst (siehe Abb. 1). Der Verlauf zeichnete sich durch
seinen steilen Erkrankungsanstieg ab der 2. MW 2016 mit einem ersten Krankheitsgipfel
in der 5. MW aus und hatte seinen Höhepunkt in der 10. MW mit 653 Fällen. Während zu
Beginn der Grippe-Saison Influenza Typ A-Viren dominierten, stieg ab der 5. MW der Anteil
der Erkrankungen durch Influenza Typ B-Viren stark an und dominierte den weiteren Verlauf
der Influenza-Saison (siehe Abb. 1). Seit Einführung der Meldepflicht mit dem Infektionsschutzgesetz 2001 war die Gesamtfallzahl die zweithöchste. Nur die (Pandemie-) Saison
2009/2010 wies bis zur 16. MW mehr Erkrankungsfälle auf (n=5422). Die meisten Fälle wurden als Einzelerkrankungen übermittelt. Seit Saisonbeginn wurden zudem 306 Ausbrüche
gemeldet (2015: 2; 2016: 304; 16. MW: 0). Diese traten überwiegend im Haushalt mit zwei
bis 37 Erkrankungen auf. Zudem gab es drei nosokomiale Ausbrüche mit zwei bis 22 Erkrankten.
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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 16/2016

14

Es wurden 339 (8,2%) der in der Meldestatistik erfassten Erkrankten hospitalisiert (siehe
Tabelle 1). Die Hospitalisierungsquote war bei Erkrankten an Influenza Typ A-Viren (11,6%)
höher als bei Erkrankten an Influenza Typ B-Viren (5,4%). Dieser Unterschied konnte in allen
Altersgruppen beobachtet werden. Somit ist die in den Meldedaten bei Influenza Typ AInfektionen höhere Hospitalisierungsquote nicht darauf zurückzuführen, dass die Erkrankten im Durchschnitt älter waren als die mit Influenza Typ B-Infektionen (s. unten). Insgesamt war der Anteil an hospitalisierten Patienten in Berlin geringer als im Bundesdurchschnitt (18%). Es wurden bis zur Berichtswoche sechs Todesfälle durch eine InfluenzaErkrankung übermittelt, bei einem weiteren Todesfall erfolgen derzeit Ermittlungen zur
Todesursache. Zwei Todesfälle waren unter 60 Jahre alt, vier 60 Jahre oder älter. Alle
Verstorbenen waren an einem Influenza Typ A-Virus erkrankt, darunter vier Fälle mit dem
Subtyp A(H1N1)pdm09. Die Anzahl gemeldeter Todesfälle in der diesjährigen Saison war im
Verhältnis zur Gesamtfallzahl nicht erhöht. 95% der Erkrankten waren nicht gegen die In500

Inzidenz (Fälle pro 100.000 Einwohner)

450
400
350
300
250
200
150
100
50
0
00-04
(n=722)

05-09
(n=623)

10-14
(n=243)

15-19
(n=210)

20-24
(n=148)

25-29
(n=295)

30-39
(n=721)

40-49
(n=511)

50-59
(n=413)

60-69
(n=149)

70+
(n=134)

Altersgruppen in Jahren

Abb 2: Inzidenz der Influenza-Erkrankungen im Land Berlin nach Altersgruppen, kumulativ für die aktuelle Saison,
Datenstand 27.04.2016, 10.00 Uhr
(Datenquelle: LAGeSo Berlin)

fluenza geimpft (ebenfalls vergleichbar mit den Vorjahren).
Die Neuerkrankungsraten nach Altersgruppen (siehe Abb. 2) zeigten die höchsten Werte bei
(Klein-) Kindern bis neun Jahre. Unter Erwachsenen trat die höchste Inzidenz in der Altersgruppe 30-39 Jahre auf. Unter den übermittelten Influenzaerkrankungen war die Inzidenz
bei Menschen >70 Jahre, wie auch in den Vorjahren, verhältnismäßig niedrig. Im Meldesystem erfasste Erkrankte mit Influenza Typ B-Infektionen waren jünger (Altersmedian 18 Jahre) als Fälle mit Influenza Typ A-Infektionen (Altersmedian 35 Jahre). Unter den Kleinkindern
und Senioren waren die Hospitalisierungsquoten am höchsten. Jeder dritte Erwachsene >60
Jahre und jedes 10. Kleinkind bis vier Jahre wurde aufgrund seiner Influenza-Erkrankung
stationär behandelt (siehe Tabelle 1).
Bei den Differenzierungen der Influenzaviren zeigte sich insgesamt ein hoher Nachweis von
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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 16/2016

15

Influenza A

Influenza B

Influenza A & B*

Altersgruppe Fallzahl Hospitalisiert Fallzahl Hospitalisiert Fallzahl Hospitalisiert
[Jahren]
[N]
[N] [%]
[N]
[N] [%]
[N]
[N] [%]
0-4

384

50

13,0

337

23

6,8

721

73

10,1

5-9

116

11

9,5

500

24

4,8

616

35

5,7

10-19

100

9

9,0

353

16

4,5

453

25

5,5

20-29

158

8

5,1

284

11

3,9

442

19

4,3

30-39

340

18

5,3

372

11

3,0

712

29

4,1

40-49

317

23

7,3

188

6

3,2

505

29

5,7

50-59

282

27

9,6

127

11

8,7

409

38

9,3

≥60

177

72

40,7

106

21

19,8

283

93

32,9

Gesamt

1874

218

11,6

2267

123

5,4

4141

341

8,2

Tabelle 1:
Influenzavirusnachweise im Land Berlin
mit Hospitalisierung
und Stratifizierung
nach Altersgruppen,
kumulativ für die
aktuelle Saison
Stand 27.04.2016,
10.00 Uhr
* unberücksichtigt
Influenza A/B undifferenziert (n=15)
und ohne Angaben
(n=13)
(Datenquelle: LAGeSo
Berlin)

Influenza Typ B-Viren (siehe Tabelle 2).
Anzahl
Anzahl
Influenza-Typ bzw. Subtyp
(%)
Der Anteil von Influenza Typ BTyp
Subtyp
Erkrankungen in der Influenza-Saison
Influenza A Virus
1.874
45
2015/2016 betrug mit 2.267 NachA(H1N1)pdm09 Virus
997
weisen 54% und war damit für mehr
A(H3N2) Virus
15
als die Hälfte aller Influenza-ErkrankA ohne Subtypangabe
862
ungen verantwortlich. In 1.874 Fällen
Influenza B Virus
2.267
54
wurde eine Influenza Typ A-Infektion
Influenza A/B undifferenziert
15
0
nachgewiesen. Zu 1.012 Fällen (54%)
ohne Angaben
13
0
lagen Informationen zum Subtyp des
Gesamt
4.169
Influenza A-Virus vor. Demnach gehörTabelle 2: Influenzavirusnachweise im Land Berlin mit
ten 997 (99%) zum Subtyp A(H1N1)
Subtypisierung, kumulativ für die aktuelle Saison
pdm09 und nur 15 (1%) zum Subtyp A
Datenstand 27.04.2016, 10.00 Uhr (Datenquelle: LAGeSo Berlin)
(H3N2). Jeweils <1% betrug der Anteil
an Nachweisen von Influenza A/B undifferenziert bzw. ohne Angaben zum Typ.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Grippe-Saison 2015/2016, die in der
40. MW 2015 begann, ihren Fallzahlanstieg seit der 2. MW 2016 aufwies. Die Grippewelle
war zunächst gekennzeichnet durch einen frühen Anstieg an Erkrankungen durch Influenza
Typ A-Virus mit einer relativen Plateauphase von der 5. bis zur 10. MW. Die Erkrankten an
Influenza Typ A-Virus waren älter und häufiger hospitalisiert. Unter ihnen traten auch sechs
Todesfälle auf. Seit der 5. MW 2016 war zudem ein starker Anstieg der Erkrankungen durch
Influenza Typ B-Virus zu beobachten. Hier waren die Erkrankungsfälle jünger, aber die
Fallzahlen mit über 400 Erkrankungsfällen in der 10. MW auch höher. Seit der 10. MW gehen die Erkrankungsfälle an Influenza Typ A-Virus zurück, seit der 12. MW auch jene an
Influenza Typ B-Virus. Insgesamt geht die Grippewelle ihrem Ende entgegen.
Mit diesem Influenza-Bericht im Epidemiologischen Wochenbericht endet die wöchentliche
Berichterstattung in der Saison 2015/16. Die eingehenden Daten werden weiterhin
wöchentlich analysiert und in den tabellarischen Übersichten des Epidemiologischen
Wochenberichts dargestellt.

Quellen: LAGeSo/SurvNET RKI/AGI

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 16/2016

16

7. Tabellen (Datenstand: 27.04.2016 - 10:00 Uhr)
7.1. Übersicht der Berichtswoche im Vergleich zum Vorjahr (Fallzahlen1 und Inzidenzen2)
1 2 3 4 5

/ / / / Erläuterungen am Ende der folgenden Seite

Krankheit bzw. Infektionserreger
Adenovirus-K(eratok)onjunktivitis

Berichtswoche
Fallzahl

Inzidenz

kumul.
2015

kumulativ 2016

Todesfälle

Fallzahl

Inzidenz

Todesfälle

Fallzahl

0

0,0

0

7

0,2

0

1

1

0,0

0

57

1,6

0

52

Botulismus

0

0,0

0

0

0,0

0

1

Brucellose

0

0,0

0

2

0,1

0

0

36

1,0

0

713

20,3

0

846

CJK (Creutzfeldt-Jakob-Krankheit)

0

0,0

0

0

0,0

0

3

Clostridium difficile

3

0,1

0

42

1,2

11

48
16

Borreliose3

Campylobacter-Enteritis

Denguefieber

0

0,0

0

33

0,9

0

Diphtherie

0

0,0

0

0

0,0

0

0

EHEC-Erkrankung

4

0,1

0

26

0,7

0

20

Giardiasis

4

0,1

0

98

2,8

0

101

Haemophilus influenzae, inv. Erkrankung

0

0,0

0

11

0,3

0

13

Hantavirus-Erkrankung

0

0,0

0

0

0,0

0

0

Hepatitis A

0

0,0

0

27

0,8

0

7

Hepatitis B

0

0,0

0

27

0,8

0

23

Hepatitis C

9

0,3

0

109

3,1

0

137

Hepatitis D

0

0,0

0

0

0,0

0

2

Hepatitis E

0

0,0

0

19

0,5

0

14

HUS (Hämolytisch-urämisches Syndrom)
Influenza

Keuchhusten4

0

0,0

0

2

0,1

2

0

22

0,6

0

4.129

117,4

6

3.061

15

0,4

0

307

8,7

0

253

Kryptosporidiose

3

0,1

0

32

0,9

0

32

Legionellose

4

0,1

0

24

0,7

2

34

Leptospirose

0

0,0

0

0

0,0

0

3

Listeriose

0

0,0

0

5

0,1

0

4

Masern

3

0,1

0

11

0,3

0

997

Meningokokken, invasive Erkrankung

2

0,1

0

16

0,5

1

7

MRSA, invasive Infektion
Mumps4

5

Norovirus-Gastroenteritis
Paratyphus
Q-Fieber
Rotavirus-Gastroenteritis
Röteln, postnatal4
Salmonellose

5

0,1

1

88

2,5

7

92

0

0,0

0

15

0,4

0

14

36

1,0

0

1.372

39,0

0

1.506

0

0,0

0

1

0,0

0

0

0

0,0

0

0

0,0

0

0

48

1,4

0

741

21,1

0

699

0

0,0

0

2

0,1

0

1

5

0,1

0

115

3,3

0

108

Shigellose

1

0,0

0

24

0,7

0

12

Tuberkulose

3

0,1

0

129

3,7

0

97

Tularämie

0

0,0

0

0

0,0

0

0

Typhus abdominalis

0

0,0

0

3

0,1

0

6

VHF (Chikungunya)

0

0,0

0

3

0,1

0

9

2

0,1

0

35

1,0

1

8.225

Yersiniose
Summe

206

0

17

29

8.236

———————————————————————————————————————————
Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 16/2016

17

7.2. Bezirksübersicht kumulativ bis einschließlich der Berichtswoche (Fallzahlen1)
Summe

Reinickendorf

Lichtenberg

MarzahnHellersdorf

TreptowKöpenick

Neukölln

TempelhofSchöneberg

SteglitzZehlendorf

Spandau

CharlottenburgWilmersdorf

Pankow

FriedrichshainKreuzberg

Mitte

Krankheit bzw. Infektionserreger
Adenovirus- (Kerato-) Konjunktivitis

1

0

0

0

0

3

1

1

0

1

0

0

7

Borreliose1

6

5

18

1

0

3

3

5

1

10

3

2

57

0

0

0

0

1

0

0

0

0

0

1

0

2

50

47

87

67

33

69

74

45

51

57

63

70

713

Clostridium difficile

4

4

7

0

3

4

2

2

6

2

6

2

42

Denguefieber

2

11

7

1

1

3

1

3

0

0

3

1

33

EHEC-Erkrankung

7

1

1

2

1

4

5

1

0

0

1

3

26

Giardiasis

9

19

10

7

3

6

17

11

7

1

1

7

98

Haemophilus influenzae, inv. Erkr.

0

0

0

1

0

2

1

2

1

1

1

2

11

Hepatitis A

3

0

2

4

2

2

10

1

0

2

0

1

27

Hepatitis B

6

7

3

2

3

1

0

0

1

1

2

1

27

Hepatitis C

7

16

10

9

14

13

4

8

10

4

0

14

109

Hepatitis E

1

2

3

1

1

0

4

1

0

2

2

2

19

0

0

0

0

0

0

0

0

0

2

507 191

429

475

267

174

318

142

239

4.129

22

42

33

22

21

33

7

13

307

Brucellose
Campylobacter-Enteritis

1

0

1

307

344

736

23

18

49

HUS (Hämol.-urämisches Syndrom)
Influenza
Keuchhusten4

24

Kryptosporidiose

4

3

12

1

1

0

6

3

0

1

0

1

32

Legionellose

1

0

3

0

2

3

5

2

1

0

1

6

24

Listeriose

1

0

0

0

0

0

1

2

0

0

1

0

5

Masern

4

0

0

1

0

0

0

5

0

0

0

1

11

Meningokokken, inv. Erkrankung

5

2

1

0

2

0

2

2

1

0

1

0

16

MRSA, invasive Infektion

7

7

10

5

7

10

4

15

2

10

2

9

88

0

1

0

4

1

0

0

1

1

15

95 105

181

155

84

152

93

95

124

1.372

Mumps4
Norovirus-Gastroenteritis5

4

1

2

73

48

167

0

1

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

1

17

31

28

22

28

46

52

251

92

48

43

83

741

Röteln

0

0

1

0

0

0

0

0

1

0

0

0

2

Salmonellose

9

15

10

10

5

6

14

12

2

10

18

4

115

Shigellose

6

2

3

5

0

0

2

0

2

0

3

1

24

3

5

13

3

13

8

2

4

50

6

129

Paratyphus
Rotavirus-Gastroenteritis

16

6

Typhus abdominalis

0

0

1

0

0

0

1

0

0

0

1

0

3

Virale hämorrhagische Fieber

1

1

0

0

0

0

1

0

0

0

0

0

3

5

5

2

2

4

2

4

0

3

1

2

35

772 441

834

892

758

527

601

449

595

8.225

Tuberkulose

5

Yersiniose
Summe

580

596 1.180

1

Veröffentlichung der Fälle entspr. Referenzdefinition des RKI (U. a. weichen wegen noch nicht erfolgter Freigabe durch das RKI die Fallzahlen von den beschriebenen Einzelfällen ab) / 2 Die angegebenen Inzidenzen sind berechnet als Fallzahl pro 100.000 Einw. Dabei wird die Einwohnerzahl Berlins von 3.517.424 mit Stand vom 31.12.2013
zugrunde gelegt. (Datenquelle: Amt für Statistik Berlin Brandenburg) / 3 Arzt- und Labormeldepflicht in Berlin seit 07.04.2013 (vorher nur Arztmeldepflicht) / 4 Meldepflicht
seit 29.03.2013 / 5 Angabe nur lab. best. Fälle (o. aggregierte Daten)

———————————————————————————————————————————
Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 16/2016

18

7.3. Übersicht Salmonellenserovare bzw. -gruppen bis zur Berichtswoche
(Fallzahlen und Anteile)
Rangfolge der in 2016 gemäß IfSG übermittelten Salmonellenserovare bzw. Serogruppen,
kumuliert bis einschließlich der Berichtswoche im Vergleich zum Vorjahreszeitraum
Rang

Serovar bzw. Gruppe ohne weitere
Differenzierung

Gruppe

n
2016

Anteil
%

n
2015

Anteil
%

B

24

20,9

23

21,3

23

20,0

24

22,2

18

15,7

18

16,7

7

6,1

8

7,4

3

2,6

1

0,9

1

S.Typhimurium

2

Salmonella der Gruppe B

3

S.Enteritidis

4

Salmonella der Gruppe D1

5

S.Infantis

6

Salmonella der Gruppe C1

3

2,6

4

3,7

andere Serovare

23

20,0

19

17,6

ohne Angabe

1

0,9

1

0,9

nicht ermittelbar

13

11,3

10

9,3

115

100,00

108

100,0

D1
C1

gesamt
*

In der Kategorie „andere Serovare / Gruppen“ werden Serovare, die bisher nur weniger als dreimal
nachgewiesen wurden, und andere nicht häufige Gruppen zusammengefasst.

Rangfolge der gemäß IfSG übermittelten Salmonellenserovare bzw. -gruppen
der Berichtswoche
Rang

Serovar bzw. Gruppe ohne weitere Differenzierung

Fallzahl

1

Salmonella der Gruppe D1

2

2

Salmonella der Gruppe B

2

3

S.Enteritidis

1
gesamt

5

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Epi-Info Wochenbericht Berlin Nr. 16/2016

19

8. Abbildungen der wöchentlichen Fallzahlen 2016 mit Vorjahresvergleich
(Datenstand: 27.04.2016 - 10:00 Uhr)
Campylobacter
120
2016
2015
100

Anzahl Fälle

80

60

40

20

0
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53

Wochen

Legionellose
8

2016
2015

7

Anzahl Fälle

6
5
4
3
2
1
0
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53

Wochen

Salmonellose
25
2016
2015

Anzahl Fälle

20

15

10

5

0
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53

Wochen

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