Path:
Periodical volume

Full text: Regionale Arbeitsmarktstrategie für die Umsetzung des ESF im Stadt- und Landkreis Heilbronn für das Jahr ... Issue 2015

Regionale Arbeitsmarktstrategie für die Umsetzung des ESF im Stadt- und Landkreis Heilbronn für das Jahr 2015

1

Inhalt
1.  Vorbemerkung 3  3  3  1.1  Eckpunkte zur neuen Förderperiode 2014 bis 2020 1.2  Anpassung der regionalen Förderstrategie 2.  2.1  2.2  2.3  2.4  3.  3.1  3.2  3.3  3.4  4.  5. 

Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit und der Teilhabechancen von Menschen, die besonders von Armut und Ausgrenzung bedroht sind 4  Zielgruppen (gem. OP-Entwurf vom 17.04.2014) Anforderungen an Projekte (gemäß OP-Entwurf vom 17.04.2014) Budget Begründung Handlungsbedarf Vermeidung von Schulabbruch und Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit Zielgruppen (gem. OP-Entwurf vom 17.4.2014) Anforderungen an Projekte (gemäß OP-Entwurf vom 17.04.2014) Budget Begründung Querschnittsziele Umsetzung der Ziele 4  5  5  5  8  9  9  9  10  10  11  12  12  12  13 

5.1  Untergrenze für Projektkosten 5.2  Auswahl der Projekte 6.  Festlegung der Schritte zur Evaluation

Landratsamt Heilbronn Dezernat Jugend und Soziales Frau Wierer-Blatter Tel. Nr. 07131/994-215 Email: Anja.Wierer-Blatter@Landratsamt-Heilbronn.de

2

1.

Vorbemerkung

1.1 Eckpunkte zur neuen Förderperiode 2014 bis 2020
Das Operationelle Programm für den Europäischen Sozialfonds (ESF) in BadenWürttemberg in der Förderperiode 2014-2020 ist eingebunden in die europäische Kohäsionspolitik und die EU-2020-Strategie für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum. Vor dem Hintergrund der neuen EU-2020-Ziele hat der regionale ESF-Arbeitskreis für den Stadt- und Landkreis Heilbronn in seiner Sitzung am 4.7.2014 die bestehende regionale Strategie neu ausgerichtet und an die Vorgaben der neuen Förderperiode angepasst. Für Deutschland und seine Bundesländer wird es künftig geringfügig weniger Mittel für die Umsetzung des ESF geben. Damit einher geht eine stärkere Konzentration der Mittel auf weniger spezifische Ziele. Statt wie bisher 6 spezifische Ziele wird es künftig für die regionale Umsetzung des ESF nur noch die folgenden 2 Ziele geben:


B 1.1: Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit und der Teilhabechancen von Menschen, die besonders von Armut und Ausgrenzung bedroht sind (Integrationsziel) und C 1.1: Vermeidung von Schulabbruch und Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit (Bildungsziel).



Die Ziele greifen die Erfahrungen aus der vergangenen Förderperiode auf und fokussieren sie auf spezifische Zielgruppen. Im Integrationsziel werden Langzeitarbeitslose mit besonderen Vermittlungshemmnissen angesprochen, wie z.B. Alleinerziehende, Menschen mit Migrationshintergrund, Ältere oder Menschen in psychosozialen Problemlagen, mit gesundheitlichen Einschränkungen, Suchterkrankungen, Überschuldungen und prekären familiären und Wohnverhältnissen. Bei ihnen steht nicht die Integration in Beschäftigung im Vordergrund, sondern die soziale und persönliche Stabilisierung sowie die Wiederherstellung der Beschäftigungsfähigkeit. Im Bildungsziel werden jugendliche Schulverweigerer unter 25 Jahren angesprochen, die sich nicht mehr auf die Systeme schulischer oder beruflicher Ausbildung einlassen, sowie junge Menschen nach Beendigung der Schulpflicht, die von den Regelsystemen der Jugendberufshilfe und des Übergangs- und Ausbildungsbereichs nicht ausreichend erreicht werden.

1.2 Anpassung der regionalen Förderstrategie
Der ESF-Arbeitskreis hat in den vergangenen Jahren vor allem Projekte zur Vermeidung von Schulabbruch und zur Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit gefördert sowie spezifische Projekte für Frauen und für besonders benachteiligte Lang-

3

zeitarbeitslose. Mit der neuen Förderperiode verschieben sich die Gewichte der Förderung nur wenig. Das Bildungsziel wird mit dem Fokus auf Schulverweigerer weitergeführt. Projekte für Langzeitarbeitslose mit multiplen Vermittlungshemmnissen können weiterhin im neuen Ziel B1.1 gefördert werden. Ein Budget für spezifische Projekte für Frauen existiert nicht mehr, vergleichbare Projekte sind aber nicht ausgeschlossen. Auch in der neuen Förderperiode können unter dem Dach der Förderung von besonders benachteiligten Langzeitarbeitslosen Frauenprojekte durchgeführt werden. Lediglich die berufliche Orientierung ist in der neuen Förderperiode nicht mehr für die regionalen Förderung vorgesehen. Um die Zielgruppe der Langzeitarbeitslosen im SGB II zu beschreiben, wurden Daten einer Sonderauswertung des Statistikservices der Regionaldirektion BadenWürttemberg der Bundesagentur für Arbeit mit Zeitreihen zur Entwicklung der Arbeitslosigkeit von 2008 bis 2014 ausgewertet. Die Zielgruppe der jugendlichen Schulverweigerer dagegen ist statistisch nicht erfasst. Der ESF-Arbeitskreis hat sich deswegen dafür entschieden, Expertinnen und Experten aus den Regelsystemen der Schule, Jugendberufshilfe und des Übergangssystems zu konsultieren und in die Beratung miteinzubeziehen. Auf der Grundlage der verfügbaren Daten zum regionalen Arbeitsmarkt und den empirischen Befunden zur Entwicklung insbesondere der Arbeitslosigkeit im SGB II wurden die Zielgruppen für die Förderung bestimmt. Gleichstellungspolitische Ziele sind integraler Bestandteil der Strategie und wurden sowohl bei der Analyse als auch bei der Zielentwicklung berücksichtigt.

2.

Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit und der Teilhabechancen von Menschen, die besonders von Armut und Ausgrenzung bedroht sind

2.1 Zielgruppen (gem. OP-Entwurf vom 17.04.2014)
Zielgruppen: Mit diesem Ziel werden arbeitsmarktferne Personengruppen angesprochen, die langzeitarbeitslos und mit besonderen Vermittlungshemmnissen konfrontiert sind. Hierbei handelt es sich insbesondere um Langzeitarbeitslose im SGB II, die zunächst einer sozialen und persönlichen Stabilisierung sowie einer Wiederherstellung der Beschäftigungsfähigkeit als Voraussetzung für eine Heranführung an den ersten Arbeitsmarkt bedürfen. Außerdem richten sich Projekte in diesem Ziel an

4



Alleinerziehende, Menschen mit Behinderungen sowie Menschen mit Migrationshintergrund. Sie sollten wegen ihrer überproportionalen Anteile an der Zielgruppe besonders berücksichtigt werden. Ältere Leistungsberechtigte. Aus Strafhaft oder Arrest entlassene bzw. von Straffälligkeit bedrohte Menschen. Menschen in prekären Lebensverhältnissen und psychosozialen Problemlagen.  Von Armut und Diskriminierung bedrohte Personengruppen unter den Zuwanderern aus EU-Mitgliedstaaten und Drittstaaten.

   

2.2 Anforderungen an Projekte (gemäß OP-Entwurf vom 17.04.2014)
Projektinhalte: Aufgrund der vielschichtigen und multiplen Vermittlungshemmnisse wird die Arbeitsmarktintegration dieser Zielgruppen nur über Zwischenschritte der individuellen, psychosozialen und gesundheitlichen Stabilisierung möglich sein. Beratungsangebote, das Aufschließen von weiterführenden Hilfeangeboten, tagesstrukturierende und sozialintegrative Maßnahmen können Module einer niedrigschwelligen Ansprache dieser Zielgruppen sein. Zwischenstufen, z. B. über Einrichtungen des geförderten Arbeitsmarkts oder – bei Vorliegen einer Schwerbehinderung – über Integrationsfirmen, können erforderlich sein, um Potenziale für eine Wiedereingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt auszuloten. Die Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit kann bei diesen Zielgruppen bereits als erster Erfolg gelten. Wegen Art und Umfang der Integrationsprobleme sollten die Projekte möglichst intensive individuelle und bedarfsgerechte Hilfen anbieten.

2.3 Budget
Für Projekte mit diesem Schwerpunkt stehen für 2015 insgesamt 342.200,00 € zur Verfügung.

2.4 Begründung
Zwischen Stadt- und Landkreis gibt es große Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt, die bereits seit Jahren bestehen und sich kontinuierlich reproduzieren. Im Stadtkreis war die Arbeitslosenquote im März 2014 mit 6,5 % nahezu doppelt so hoch wie im Landkreis (3,7). Mit der Erholung auf dem Arbeitsmarkt seit dem ersten Quartal 2011 zeigt die Trendberechnung einen stabilen Verlauf der Arbeitslosenquoten von Männern und Frauen im Landkreis bei einem Wert unter 4 %. In der Stadt Heilbronn

5

dagegen lag der Wert für Frauen zwischen 6,6 und 6,8 %, für Männer schwankte er stärker. Im Dezember 2011 sank er auf 5 % und damit auf den tiefsten Stand vor Beginn der Arbeitsmarktkrise 2008/09. Bis zum April 2013 stieg die Arbeitslosenquote um fast 2 Prozentpunkte an und verharrt seither auf diesem auch im Landesdurchschnitt hohen Niveau. Im SGB II pendelte die Arbeitslosenquote im Stadtkreis seit dem ersten Halbjahr 2011 bis März 2014 zwischen Werten von 3,4 %, und 3,9 % bei Männern und zwischen 4,1 % und 4,7 % bei den Frauen. Im Landkreis dagegen liegen die Arbeitslosenquote deutlich darunter: Im März 2014 betrug sie bei den Frauen 2,2 % und bei den Männern 1,7 %. Allerdings verfestigt sich die Langzeitarbeitslosigkeit bei Personen mit spezifischen Vermittlungshemmnissen. Ein gravierendes Hindernis für den Wiedereintritt in den Arbeitsmarkt ist das Alter. Abbildung 1 macht deutlich, dass sich die Arbeitslosenquoten sowohl im Stadt- als auch im Landkreis Heilbronn bei den Arbeitslosen über 55 Jahre seit der Arbeitsmarktkrise 2009/ 10 kaum erholt hat und auf einem hohen Niveau stagniert. Jüngere Arbeitslose unter 25 Jahren konnten dagegen rasch wieder reintegriert werden. Sie sind allerdings auch besonders gefährdet wieder arbeitslos zu werden. Von März bis Dezember 2012 stieg ihre Arbeitslosenquote im Stadtkreis wieder stark an, sank danach aber auch ebenso rasch wieder ab.
Abbildung 1: Entwicklung der Arbeitslosenquoten bei Älteren und Jüngeren; Stadtund Landkreis Heilbronn im Vergleich mit Baden-Württemberg

Quelle: Statistikservice Südwest, eigene Berechnung und Darstellung

Dies drückt sich auch im Anteilswert älterer Langzeitarbeitsloser an allen Langzeitarbeitslosen im Stadt- und Landkreis Heilbronn aus. Während der Bestand an Langzeitarbeitslosen von Januar 2010 von 2231 Frauen bis Dezember 2012 auf 1649 Personen um 26 % kontinuierlich fiel (bei den Männern von 1844 auf 1285 Personen um 30 %) und seither wieder leicht angestiegen ist, konnte die Zahl der langzeitarbeitslosen Älteren im Landkreis nur um 15 % bei den Frauen und nur um 1 %

6

bei den Männern reduziert werden; im Stadtkreis stieg die Zahl der langzeitarbeitslosen Älteren sogar an: um 5 % bei den Frauen und um 30 % bei den Männern. Dies zeigt, dass ältere Langzeitarbeitslose mit besonderen Problemen bei der Reintegration in den Arbeitsmarkt konfrontiert sind. Besonders stark von Arbeitslosigkeit betroffen sind Personen mit Migrationshintergrund (Abb.: 2). Die Arbeitslosenquote ausländischer Frauen im Stadtkreis lag im März 2014 mit knapp 14 % doppelt so hoch wie die aller arbeitslosen Frauen (knapp 7 %). Auch die Quote der ausländischen Männer liegt deutlich über der Quote aller arbeitslosen Männer im Kreis. Bei Personen mit nicht-deutschem Pass und ggf. mit Migrationshintergrund besteht daher ein besonderer Handlungs- und Unterstützungsbedarf.
Abbildung 2: Arbeitslosenquoten von ausländischen Frauen und Männern und insgesamt im Stadt- und Landkreis Heilbronn und Baden-Württemberg

Quelle: Statistikservice Südwest, eigene Berechnung und Darstellung

Im Landkreis ist die Situation auch der ausländischen Arbeitslosen erwartungsgemäß entspannter, die Unterschiede zwischen Deutschen bzw. allen Arbeitslosen und Ausländern im Besonderen sind aber ähnlich hoch. Von den insgesamt 3.196 Personen, die im Jahr 2013 langzeitarbeitslos waren, sind 502 Personen (16 %) bereits seit mehr als 4 Jahren arbeitslos gemeldet, 982 Personen (31 %) sind zwischen 2 und 4 Jahren arbeitslos und 1.712 Personen (54 %) sind zwischen 1 und 2 Jahren arbeitslos. Je länger die Personen arbeitslos sind, desto höher steigt der Anteil der Frauen in der jeweiligen Gruppe (Abb.: 3).

7

Abbildung 3: Anteil der Frauen an den Langzeitarbeitslosen

Quelle: Statistikservice Südwest, eigene Berechnung und Darstellung

65 % der Langzeitarbeitslosen, die länger als 4 Jahre arbeitslos gemeldet sind, sind Frauen. In der Gruppe derer, die zwischen 2 und 4 Jahren arbeitslos gemeldet sind, beträgt ihr Anteil 59 %, in der Gruppe derjenigen, die zwischen 1 und 2 Jahren arbeitslos gemeldet sind, beträgt der Frauenanteil noch 53 %. Unter den besonders lang arbeitslos gemeldeten Personen ist also der Frauenanteil besonders hoch. Die Zahl der als alleinerziehend gemeldeten arbeitslosen Frauen ist von 2008 bis 2013 von 608 Personen auf 515 Personen (- 15 %) gesunken. Der Anteil langzeitarbeitsloser Alleinerziehender an allen Langzeitarbeitslosen schwankt über die Jahre hinweg bei Werten zwischen 14 und 16 %. Die Anzahl der arbeitslosen Menschen mit Behinderungen ist von 2008 bis 2013 von 210 auf 318 Personen angestiegen (+ 51 %). Dabei ist der Prozentanteil derjenigen, die 4 Jahre und länger arbeitslose waren, kontinuierlich angestiegen. 2013 waren 11 % der arbeitslosen Menschen mit Behinderungen bereits 4 Jahre oder länger arbeitslos. Jeweils 10 % waren zwischen 2 und 4 Jahren bzw. zwischen 1 und 2 Jahren arbeitslos. In den Jahren zuvor waren die Anteilswerte derjenigen, die weniger lang arbeitslos waren, höher als derjenigen, die bereits 4 Jahre und länger arbeitslos waren. Handlungsbedarf


Ein besonderer Handlungsbedarf besteht bei arbeitslosen Personen ohne deutschen Pass, ggf. auch bei Deutschen mit Migrationshintergrund. Ihre Arbeitslosenquoten sind bei den Frauen doppelt so hoch wie die aller arbeitsloser Frauen.

8



Ältere Personen über 55 Jahren konnten von der Erholung auf dem Arbeitsmarkt nur geringfügig profitieren. Ihre Arbeitslosigkeit stagniert auf hohem Niveau. Frauen sind häufiger und länger im SGB II arbeitslos. Sie sind von Langzeitarbeitslosigkeit stärker betroffen als Männer. Die Zahl arbeitslos gemeldeter alleinerziehender Frauen ist zurückgegangen. Ihr Anteil an allen langzeitarbeitslos gemeldeten Frauen stagniert kontinuierlich bei einem Anteil zwischen 14 und 16 %. Die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Behinderungen ist stark angestiegen. Angestiegen ist auch der Anteil derjenigen unter ihnen, die besonders lange arbeitslos geblieben sind.

 



3.

Vermeidung von Schulabbruch und Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit

3.1 Zielgruppen (gem. OP-Entwurf vom 17.4.2014)
Die Förderung in diesem Ziel ist auf junge Menschen - in der Regel im Alter bis zu 25 Jahren - ausgerichtet, die aufgrund ihres erheblichen Förderbedarfs nicht von anderen Maßnahmen des Übergangssystems erreicht werden können. Sie konzentriert sich auf folgenden Personenkreis:


Schülerinnen und Schüler ab der 7. Jahrgangsstufe, die von Schulversagen und Schulabbruch bedroht sind und die von schulischen Regelsystemen nicht oder nicht mehr ausreichend erreicht werden können, Ausbildungsferne und z. T. marginalisierte junge Menschen, die von regelhaften Angeboten der Übergangs- und Ausbildungssysteme bzw. der Jugendsozialarbeit und der Jugendberufshilfe nicht oder nicht mehr ausreichend erreicht werden können.



Gerade bei der problembehafteten und oft schwer erreichbaren Zielgruppe ist eine geschlechtersensible Ausrichtung der Förderung von besonderer Bedeutung. Angesichts der hohen Relevanz von geschlechterstereotypen Orientierungen der Zielgruppe können in diesem Förderziel auch geschlechterspezifische Konzepte zum Einsatz kommen.

3.2 Anforderungen an Projekte (gemäß OP-Entwurf vom 17.04.2014)
Ziel der Förderung ist die individuelle und soziale Stabilisierung der Jugendlichen. Im Vordergrund stehen dabei das Erreichen eines Schulabschlusses und/oder die Integration in Maßnahmen der Berufsvorbereitung oder in eine berufliche Ausbildung.

9

Die Ziele sollen über folgende Maßnahmen erreicht werden:


Gefördert werden Maßnahmen, die in Ergänzung zu schulischen Angeboten und Angeboten der Jugendhilfe dazu beitragen, schulpflichtige junge Menschen an Regelsysteme der Schule heranzuführen und sie so zu integrieren, dass sie einen regulären Schulabschluss erreichen können. Oftmals wird hierfür eine individuelle und erforderlichenfalls auch längerfristig angelegte sozialpädagogische Begleitung erforderlich sein, die auch das familiäre Umfeld und die lebensweltlichen Bezüge der jungen Menschen berücksichtigt. Auch aufsuchende Formen der Sozialarbeit kommen je nach Einzelfall zum Einsatz. Durch konkrete Hilfestellung und Beratung sollen auch junge Menschen, die zwar arbeitslos sind, sich aber regulären Beratungs- und Integrationsangeboten der Jobcenter bzw. Arbeitsagenturen entziehen, wieder in einen geregelten Beratungs- und Vermittlungsprozess eingegliedert werden. Niedrigschwellige und praxisbezogene Angebote sollen zur individuellen und sozialen Stabilisierung beitragen und auf eine realistische Perspektive für Ausbildung und Beruf hinwirken. Bei Teilnehmer/innen ohne Schulabschluss ist die nachträgliche Erlangung des Schulabschlusses ein wesentliches konzeptionelles Merkmal der Förderung. Junge Menschen, die ihre Schulpflicht bereits erfüllt haben, können im Rahmen der Förderung im spezifischen Ziel C 1.1 auch im Rahmen berufsvorbereitender Bildungsmaßnahmen mit produktionsorientiertem Ansatz gefördert werden.







Der Schwerpunkt liegt auf eine individuelle Förderung. Berufsorientierung kann lediglich ein Bestandteil einer Maßnahme sein. Junge Menschen, die ihre Schulpflicht bereits erfüllt haben, können im Rahmen der Förderung im spezifischen Ziel C 1.1 auch im Rahmen berufsvorbereitender Bildungsmaßnahmen mit produktionsorientiertem Ansatz gefördert werden.

3.3 Budget
Für Projekte mit diesem Schwerpunkt stehen für 2015 insgesamt 247.800,00 € zur Verfügung.

3.4 Begründung
Schulverweigerung wird statistisch nicht erfasst. Schüler und Schülerinnen ohne Schulabschluss werden zwar dokumentiert, sind aber nicht gleichzusetzen mit Mädchen und Jungen, die sich der Schule verweigern. Daher wurde dieses Ziel nicht auf der Grundlage von statistischen Daten beraten, sondern auf der Basis von Einschätzungen von Fachleuten aus Schule und Jugendsozialarbeit.

10

Die Beratungen in der Strategiesitzung des Arbeitskreises am 4.7.2014 bestätigten einen Bedarf zur Unterstützung der Schulen im Umgang mit Schulverweigerern, der allerdings nicht in Zahlen konkretisiert werden konnte. Die für Schulverweigerung relevanten Ursachen sind vielschichtig und von Fall zu Fall unterschiedlich. Überforderungen der Schüler und Schülerinnen im familiären Umfeld können ebenso die Ursache sein wie Mobbing in der Klasse oder längere krankheitsbedingte Ausfallzeiten und Probleme beim Wiedereinstieg in den regulären Unterricht. Eine wichtige Rolle spielt das Elternhaus. Wenn Eltern die Bedeutung von Schule nicht erkennen und aufgrund ihrer Arbeitslosigkeit oder Antriebslosigkeit den Kindern kein Vorbild sein können, vergrößert dies das Risiko der Kinder, den Anschluss an die Schule zu verlieren. Das Problem der Schulverweigerung betrifft Mädchen wie Jungen gleichermaßen, allerdings sind die Ursachen häufig geschlechterspezifisch differenziert. Eine wirksame Unterstützung sollte daher geschlechtersensibel agieren und auf die jeweils individuellen Probleme der Mädchen und Jungen sowie ihres schulischen und familiären Umfeldes eingehen. Besonders betroffen sind Schularten wie das Vorqualifizierungsjahr Arbeit/ Beruf (VAB), Das Berufseinstiegsjahr (BEJ), Berufskollegs oder zweijährige Berufsfachschulen. Aber auch in den Regelsystemen der allgemeinen Schulen gibt es das Problem.

4.

Querschnittsziele
Für beide spezifischen Ziele sind die folgenden Querschnittsziele in den Projekten zu berücksichtigen:


Gleichstellung von Frauen und Männern: Frauen und Männern soll ein gleicher Zugang zu Leistungen der Arbeitsmarktpolitik und ins Erwerbsleben gewährleistet werden. Der Projektaufruf will hierzu einen spezifischen Beitrag leisten. Bei der Planung und Durchführung der Projekte sollen die spezifischen Bedarfe und Ausgangssituationen von alleinerziehenden Frauen berücksichtigt werden. Beispiele für Instrumente und Methoden finden Sie in der OnlineMaterialsammlung der Agentur für Gleichstellung im ESF auf der Webseite www.esf-gleichstellung.de. Chancengleichheit und Nichtdiskriminierung: Durch die Fokussierung auf bildungsferne und z. T. gesellschaftlich marginalisierte junge Menschen, darunter insbesondere solche mit Migrationshintergrund, soll die Förderung in diesem spezifischen Ziel einen besonderen Beitrag zur Chancengleichheit und Nichtdiskriminierung leisten. Ökologische Nachhaltigkeit: Bereits in der Förderperiode 2007-2013 hat sich gezeigt, dass Themen der ökologischen Nachhaltigkeit bei dieser Zielgruppe gut in das Maßnahmenangebot integriert werden können, etwa im Rahmen naturnaher erlebnispädagogischer Module. Der expandierende Markt der Green Jobs





11

kann zudem für Teilnehmende an den geförderten Maßnahmen Berufsperspektiven auf unterschiedlichen Qualifikationsebenen bieten.

5.

Umsetzung der Ziele

5.1 Untergrenze für Projektkosten
Dem ESF-Arbeitskreis für die Stadt- und Landkreise Heilbronn stehen insgesamt 590.000 € an ESF-Mitteln für die anstehende Projektrunde für den Zeitraum eines Jahres zur Verfügung. Wir weisen Sie außerdem darauf hin, dass in der diesjährigen Ausschreibungsrunde 2014 eine Mindestgrenze von 50.000 € öffentlicher Unterstützung eingeführt wurde. Das bedeutet, dass nur regionale Anträge bewilligt werden, deren öffentliche Unterstützung oberhalb der Schwelle von 50.000 € liegt. Als öffentliche Unterstützung zählen dabei ESF-Mittel sowie aktive Kofinanzierungen aus Mitteln des Bundes, Landes oder der Kommunen (nicht von Dritten an Teilnehmer gezahlte Beiträge, z. B. Alg II-Leistungen). Entscheidend sind hierbei die im Bewilligungsbescheid aufgeführten Beiträge. Falls sich dann im Schlussverwendungsnachweis aufgrund von Abweichungen des realen Projektverlaufs abweichende Beträge ergeben, ist dies unschädlich.

5.2 Auswahl der Projekte
Auf der Basis der im ESF Arbeitskreis beschlossenen ESF- Arbeitsmarktstrategie wird die Ausschreibung für die Projektanträge 2015 veröffentlicht. Geeignet für die Gesamtdarstellung der Strategie sind die Internet-Website des Landratsamtes, sowie ein Verweis darauf im Amtsblatt bzw. in der Regionalzeitung. Die eingehenden Projektanträge werden in der Rankingsitzung des Arbeitskreises auf der Grundlage der regionalen Arbeitsmarktstrategie und eines standardisierten Ranking-Verfahrens bewertet. Entscheidende Kriterien für die Auswahl der Projekte sind
 

die Übereinstimmung der Projektanträge mit den regionalen Arbeitskreiszielen und den Zielgruppen, sowie den Querschnittszielen.

Erwartet werden gendersensible Projektanträge sowie der Einsatz von Personal mit Genderkompetenz bzw. der Bereitschaft, dies zeitnah durch Fort- und Weiterbildungen zu erwerben.

12

6.

Festlegung der Schritte zur Evaluation
Die Erreichung der festgelegten Ziele des Arbeitskreises, der Projektziele einschließlich des Querschnittsziels der Gleichstellung wird überprüft durch das folgende Vorgehen:


Den Abgleich des bewilligten Antrags mit dem Sachbericht im Verwendungsnachweis des jeweiligen ESF-Projekts. Die Geschäftsstelle leitet den Arbeitskreismitgliedern die Sachberichte zu. Vorstellen der Projektergebnisse im Rahmen der regionalen Ergebnissicherung bzw. Rankingsitzung bei laufenden Projekten Vor-Ort Besuche bei den Projektträgern durch die ESF-Geschäftsstelle

 

13
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.