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Beerenobst

Full text: Beerenobst

5.
Stadtgrün

Beerenobst

Berliner Pflanzen – Obstanbau im Garten Teil 5 – Beerenobst: Himbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Erdbeeren

3.4 Beerenobst 3.4.1 Himbeeren Himbeermosaikvirus
Schadbild Die Blätter der Tragruten sind mosaikartig hellgrün gefleckt, die Adern können aufgehellt sein. Manchmal sind die Blätter wellig gekräuselt, seltener verkrüppelt Biologie Die unter dem Sammelbegriff Himbeermosaik zusammengefassten Viruserkrankungen können bei ihrem Auftreten hohe Ertragsverluste verursachen. Die Übertragung der Viren erfolgt meist durch die Kleine und Blattaufhellungen	
  durch	
   Himbeermosaikvirus Große Himbeerblattlaus.	
   Gegenmaßnahmen

Viruserkrankungen können nicht direkt bekämpft werden. Ihre Ausbreitung kann nur durch gezielte Bekämpfung der übertragenden Blattläuse verhindert werden. Sie treten im Frühjahr und Sommer an den Spitzen der Himbeerruten auf. Die Blätter kräuseln sich, was zu sogenannten Blattnestern führt. Diese Triebspitzen sollten rechtzeitig entfernt werden. Bei Neupflanzung sollte die Verwendung gesunder, virusfreier bzw. virustoleranter, blattlausresistenter Sorten im Vordergrund stehen (siehe Sortenempfehlungen in Kapitel 9 Anhang).

Rutenkrankheit
Schadbild An den unteren Teilen der Jungtriebe zeigen sich im Frühjahr blauviolette Flecken. Bis zum Sommer kann ein Großteil der Rinde verfärbt sein, sie stirbt dort ab, wird silbrig grau und reißt auf. Im Folgejahr treiben die Knospen nur schwach aus, die Blätter vertrocknen und nur noch die Blattstiele bleiben an den Trieben. Die Ruten werden über dem Boden morsch, brüchig und sterben vorzeitig ab. Dunkle	
  Flecken	
  durch	
  Himbeerrutenkrankheit	
   58	
  

Biologie An diesem Schadkomplex sind mehrere Pilze beteiligt, die über Knospen, Rindenrisse und Verletzungen in die Ruten eindringen. Die Himbeerrutenkrankheit wird durch den Befall mit der Himbeerrutengallmücke (s. dort) gefördert.	
   Gegenmaßnahmen Verletzungen der Rinde sind zu vermeiden, wie sie z. B. durch Schnittmaßnahmen, Drahtanbindungen oder unsachgemäßes Unkraut jäten entstehen können. Mäßige und nicht zu späte Stickstoffdüngung, ausreichende Bewässerung und Bodenabdeckung mit Mulch fördern die Gesunderhaltung der Himbeeren und reduzieren den Befall mit der Himbeerrutengallmücke.

Bei der Kultur sogenannter Herbsthimbeeren mit Erntezeitpunkt August bis Oktober kann sich die Rutenkrankheit nicht ausbreiten, weil alle Triebe nach der Ernte im Spätherbst abgeschnitten werden.

Botrytis-Fruchtfäule (Botrytis cinerea)
Schadbild An den Früchten zeigt sich ein schnell fortschreitender mausgrauer, stark stäubender Pilzüberzug. Die Beeren beginnen zu faulen, verhärten später und bleiben an den Ruten hängen. Botrytis kann auch an den Ruten auftreten. An den Blattachseln zeigen sich blassbraune Verfärbungen, später brechen schwarze Sporenlager aus dem Botrytis	
  an	
  Himbeerfrüchten	
   Rindengewebe hervor. Die Augen treiben an den Befallsstellen nicht mehr aus. Biologie Die Botrytis-Fruchtfäule überwintert an den Ruten. Die Sporen infizieren totes, geschwächtes oder verletztes Gewebe. Die Hauptinfektion der Früchte erfolgt während der Blüte über die alternden Blütenorgane.	
   Gegenmaßnahmen Dichte Bestände sollten ausgelichtet werden, wenn die Jungtriebe 20 cm Höhe erreicht haben, dadurch wird ein schnelleres Abtrocknen der Pflanzen erreicht. Eine rechtzeitige und komplette Ernte der Himbeeren beugt der Bildung von Infektionsherden vor.

59	
  

Himbeerkäfer (Byturus tomentosus)
Schadbild Die Knospen der Himbeeren sind ausgehöhlt, Stempel, Staubgefäße und Fruchtboden zerstört. Später befinden sich in den reifenden Früchten kleine weiße Larven, die sogenannten Himbeer„Maden“. Biologie
Himbeerkäfer	
  

Der Himbeerkäfer wird von den Blüten der Rosengewächse (u.a. Apfel, Birne, Weißdorn, Himbeere und Brombeere) angezogen. Er frisst an den Knospen und zerstört geöffnete Blüten. Die Weibchen legen die Eier in die blühenden Himbeeren. Die Larven fressen am Fruchtboden und an der sich entwickelnden Frucht. Die Verpuppung erfolgt im Boden und noch im gleichen Jahr schlüpft der Käfer. Er überwintert aber im Boden und sucht erst im nächsten Mai die Himbeeren auf. Gegenmaßnahmen Die Käfer können von den Himbeeren abgesammelt werden. Bewährt hat sich auch ein Abklopfen in ein darunter gehaltenes Gefäß. Frühmorgens und abends lassen sich die dann klammen Käfer besonders gut fangen. Sorten der sogenannten Herbsthimbeeren sind wegen ihres späten Blühtermins käferfrei.

Himbeerrutengallmücke (Thomaiana theobaldi)
Schadbild An der Basis junger Himbeerruten verbräunt das Gewebe und sinkt ein. An diesen Stellen fressen 2-3 mm große, rötliche Larven der Himbeerrutengallmücke. Biologie Ab Mitte Mai legt die Himbeerrutengallmücke ihre Eier in einjährige Ruten, dafür benötigt sie verletzte Rinde. Der Larvenfraß zerstört weiteres Gewebe und bildet so Eintrittspforten für die Himbeerrutenkrankheit (s. dort). Die Gallmücke bildet 3 Generationen im Jahr.	
   Gegenmaßnahmen Ausgeglichene Wasser- und Nährstoffversorgung, lockere Bodenbedeckung und Auslichten des Bestandes auf 5 – 8 Tragruten pro laufende Meter Pflanzreihe wirken der Bildung von Rindenrissen entgegen. Abgetragene Ruten sind unmittelbar nach der Ernte, möglichst während einer Schönwetterperiode im trockenen Bestand kurz unterhalb der Mulchdecke abzuschneiden und umgehend zu vernichten. 60	
  

Wanzen
Schadbild Früchte riechen und schmecken widerlich nach Wanzensekret. Durch das Saugen erscheinen die Blätter zerrissen und Früchte reifen nicht aus. Biologie Die Rotbeinige Baumwanze (Pentatoma rufipes) ernährt sich von Pflanzensäften, aber auch von Läusen, kleinen Insektenlarven und Spinnmilben. Der beim Saugen abgegebene Speichel macht die Beeren für den Menschen ungenießbar.

Rotbeinige	
  Baumwanze	
  

Neben den Baumwanzen sind auch Grüne Stinkwanzen (Palomena prasina) an Himbeeren anzutreffen, die bei Gefahr ein stinkendes Sekret absondern. Beeren- und Stinkwanzen treten auch an Brombeeren und Johannisbeeren auf. Gegenmaßnahmen Wanzen sind Lästlinge, die aber auch als Nützlinge u.a. Läuse dezimieren. Eine Bekämpfung ist nicht erforderlich, bei starkem Befall können sie in Gefäße abgeklopft werden.

3.4.2 Brombeeren Brombeerrost (Phragmidium violaceum)
Schadbild Blattoberseits treten ab Ende Juni violett-rote Flecken auf, später blattunterseits orangerote Pusteln, die sich dann braun und schwarz verfärben. Auch an Himbeeren tritt gelegentlich Rost auf. Biologie Der Brombeerrost ist ein Pilz, dessen Sporen am Falllaub und an den Blättern, die an den Ranken verbliebenen sind, überwintern. Bereits im April werden Rostbefall	
  an	
  Brombeerblättern	
  und	
  -­‐trieben	
   die jungen Blätter infiziert, das Schadbild zeigt sich 61	
  

jedoch erst im Juni. Der Pilz ist nicht wirtswechselnd und verbleibt das ganze Jahr auf den Brombeeren. Gegenmaßnahmen Ein fachgerechter Schnitt reduziert den Befallsdruck: Ruten, die letztjährig getragen haben, werden im Winter entfernt, und die Seitentriebe junger Ruten, die im nächsten Jahr tragen, im Sommer auf 10 cm eingekürzt. Luftiger Standort, das jährliche Entfernen und die Beseitigung der Tragruten mindern den Befallsdruck. Falllaub, Fruchtmumien und hängen gebliebenes Laub sollten entfernt werden.

Rankenkrankheit (Rhabdospora ramealis)
Schadbild An den jungen Trieben zeigen sich an der Basis stecknadelkopfgroße, dunkelgrüne Flecken, die sich im späteren Verlauf rötlich verfärben und vergrößern. Sie verschmelzen miteinander und bedecken ganze Rindenpartien. Im Folgejahr erscheinen dort schwarze, höckrige Sporenlager. Blüten und Blätter verfärben sich und die Ranken beginnen von der Spitze her einzutrocknen. Die Symptome können mit Trocken- oder Frostschäden verwechselt werden. Biologie Der Pilz überwintert in den Ruten. Die Sporen werden von April bis Juni durch Regenfälle verbreitet und infizieren diesjährige Ruten. Gegenmaßnahmen Ein fachgerechter Schnitt verbessert die Luftzirkulation und reduziert den Befallsdruck (s. Brombeerrost). Befallene Ruten sollten ausgeschnitten und entsorgt werden. Zwei Behandlungen mit Kupferpräparaten (Ende April und Anfang Juni) mindern den Befall an besonders anfälligen Sorten, wie z.B. ‚Theodor Reimers‘.

Brombeergallmilbe (Acalitus essigi)
Schadbild Früchte reifen nur partiell aus, sie bleiben ganz oder teilweise rot. Wegen fehlender Süße sind sie ungenießbar. Sie vertrocknen an den Ranken und bleiben bis zum nächsten Jahr hängen. Oft sind auch die Blätter gelblich-weiß gesprenkelt. Die Gallmilben können auch an Himbeeren auftreten.

nicht	
  ausgefärbte	
  Früchte	
  durch	
   Gallmilbenbefall	
  

62	
  

Biologie Brombeergallmilben verursachen im Haus- und Kleingarten erhebliche Ernteverluste. Die winzigen, nur 0,2 mm großen Gallmilben überwintern vorwiegend an den Ruten unter Knospenschuppen. Im Frühjahr wandern die Tiere auf die Blüten und die sich entwickelnden Beeren über. Sie saugen an der Fruchtbasis der Teilfrüchtchen, wo sie von den Kelchblättern geschützt sind. Dabei geben sie einen Stoff ab, der das Ausreifen der Beeren verhindert. Im August und September vermehren sich die Brombeergallmilben am stärksten, dann können pro Beere 200 Milben auftreten. Im Oktober suchen sie ihre Winterquartiere unter Knospenschuppen auf. Gegenmaßnahmen Ein fachgerechter Schnitt reduziert den Befallsdruck. Abgetragene Ruten zeitig abschneiden, befallene Ruten kräftig zurückschneiden und entsorgen, sowie befallene Früchte abernten und entsorgen. Spät tragende Sorten sind anfälliger. Eine Austriebsspritzung im Frühjahr reduziert den Befall. Im weiteren Frühjahr ist eine dreimalige Behandlung mit Rapsöl möglich, 1. Spritzung wenn die Seitentriebe 10 cm lang sind, 2. Spritzung 10-14 Tage später und 3. Spritzung zu Beginn der Blüte.

3.4.3 Johannisbeeren Verrieseln
Schadbild Junge, unentwickelte Beeren fallen vorzeitig ab. Besonders betroffen sind die Spitzen der Träubchen. Ursache Die Ursachen sind vielfältig und noch nicht eindeutig geklärt. Ungünstige Wetterverhältnisse zur Blütezeit schwacher	
  Fruchtansatz	
  durch	
  „Verrieseln“ wie Spätfröste oder Regenperioden können die Bestäubung verhindern. Mangelernährung bewirkt, dass nur die zuerst blühenden Einzelblüten einer Traube ausreichend versorgt werden. Überalterte und zu dichte Büsche neigen eher zum Verrieseln. Eine gewisse Sortenabhängigkeit ist zu beobachten. Gegenmaßnahmen Spätfrost gefährdete Sorten meiden. Für gute Bestäubung durch naturnahe, insektenfreundliche Gartengestaltung sorgen. Ausgewogen ernährte und kräftig geschnittene Sträucher mit jungem Fruchtholz neigen weniger zum Verrieseln. Im Garten verhindern verschiedene Johannisbeersorten mit unterschiedlichen Blühterminen einen wetterbedingten Totalausfall. Die Sorte ’Rovada’ ist verrieselungsfest. 63	
  

Viröse Brennnesselblättrigkeit
Schadbild Zuerst fallen Blütenmissbildungen an der Schwarzen Johannisbeere auf: Blütenstiele und Blütentrauben sind länger, Blütenblätter länglich, nur vereinzelt reifen Beeren heran. Die Gestalt der Blätter ändert sich, gelappt. Die Anzahl der Blattzähne vermindert, ebenso die Anzahl Blattsymptome finden sich oft nur an der Johannisbeere. Biologie Die Brennnesselblättrigkeit ist eine Viruserkankung, die durch die Johannisbeergallmilbe (siehe dort) übertragen wird. Gegenmaßnahmen Bei schwachem Befall kann mit einem starken Rückschnitt versucht werden, befallene Johannisbeersträucher zu erhalten und einen gesunden Austrieb zu fördern. Eine konsequente Bekämpfung der Johannisbeergallmilbe (s. dort) verhindert die Ausbreitung der Brennnesselblättrigkeit. Die Sorten ’Baldwin’ und ’Wellington’ sind besonders gefährdet. sie sind weniger am Blattrand ist der Blattadern. einzelnen Trieben

veränderte	
  Blattformen	
  durch	
   Brennnesselblättrigkeit	
  

Blattfallkrankheit (Drepanopeziza ribis)
Schadbild Besonders nach feuchtem Frühjahr und Sommer zeigen sich auf den Blättern der Roten und Weißen Johannisbeere punktartige braune Blattflecken, im weiteren Verlauf sterben Blattpartien ab und die Blattränder rollen sich nach oben. Zuerst werden die älteren Blätter befallen. Nach der Ernte kann das Laub schon komplett abgefallen sein. Ein erneuter Blattaustrieb führt meist zu verminderter Frosthärte. Biologie
Blattfallkrankheit	
  an	
  Johannisbeere	
  

Der diese Krankheit auslösende Pilz überwintert im Falllaub und findet bei feucht warmer Witterung im Frühjahr gute Infektionsbedingungen. Der Pilz breitet sich rasch von Blatt zu Blatt aus. 64	
  

Gegenmaßnahmen Falllaub als mögliche Infektionsquelle sollte im Herbst unter den Johannisbeerbüschen entfernt werden. Eine kalibetonte Düngung wirkt vorbeugend. Bei Neupflanzungen sind weniger anfällige Johannisbeersorten zu wählen, siehe Kapitel 9 Anhang.

Säulenrost (Cronartium ribicola )
Schadbild Auf der Blattoberseite zeigen sich ab Mitte Juni helle Flecken. Die Ursache dafür sind Sporenlager, die sich auf der Blattunterseite befinden. Sie sind anfangs gelborange, später rostbraun und säulenförmig. Die Blätter welken und fallen bis auf die an der Triebspitze frühzeitig ab. Befallen werden bevorzugt Schwarze Johannisbeeren, aber auch weiße und rote Sorten sowie Stachelbeeren. Biologie
Säulenrost	
  an	
  Johannisbeerblättern	
  

Der Johannisbeersäulenrost überwintert als Weymouthskiefern-Blasenrost an fünfnadeligen Kiefern, ab April zeigen sich hier an verdickten Trieben gelbliche, blasenförmige Pilzfruchtkörper. Die freigesetzten Sporen infizieren im Frühjahr die Blätter der Johannisbeeren, dabei kann der Wind sie kilometerweit verbreiten. Über Sommer breitet sich der Rostpilz auf den Johannisbeeren aus, bevor er im Herbst Wintersporen bildet, die die fünfnadeligen Kiefern infizieren. Bei Neubefall ist Blasenrost	
  an	
  Weymouthskiefer der Pilz nach drei Jahren von den Nadeln über die Äste und Zweige in stärkere Triebe gewachsen, dort werden wieder Sporen freigesetzt und der Zyklus beginnt erneut. Kiefern mit Altbefall setzen in jedem Frühjahr Sporen frei. Gegenmaßnahmen Eine konsequente Falllaubbeseitigung mindert das Infektionspotential für das Folgejahr. In den letzten Jahren scheint sich auch die Vermutung zu bestätigen, dass auch ohne den Winterwirt Kiefer erneute Infektionen an den Johannisbeeren möglich sind. Pilzmyzel oder Sporen können offenbar auch an Johannisbeerblättern überwintern. Bei Neupflanzung sollten weniger anfällige Sorten bevorzugt werden, s. Kapitel 9 Anhang.

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Johannisbeerblasenlaus (Cryptomyzus ribis)
Schadbild Oberseits blasig aufgewölbte Blätter, die sich bei roten Johannisbeeren rot, bei Weißen und Schwarzen Johannisbeeren gelblich färben. Bereits wenige Tiere verursachen die auffälligen Symptome. Nur starker und früher Befall führt zu Wuchsdepressionen und verfrühtem Blattfall. Biologie
Schadbild	
  der	
  Johannisbeerblasenlaus	
  

Blattunterseits saugen die grünlich-weiß gefärbten Johannisbeerblasenläuse. Im Juni bilden die Läuse eine geflügelte Generation und verlassen die Johannisbeere. Sie bleiben bis zum Herbst auf ihrem Sommerwirt, dem Ziest (Stachys). Nach mehreren ungeflügelten Generationen entstehen wiederum geflügelte Läuse, die dann zur Eiablage auf die Johannisbeeren zurückkehren. Gegenmaßnahmen Nur bei sehr starkem Befall ist eine Bekämpfung sinnvoll. Mit einer Austriebsspritzung werden die an den Trieben abgelegten Eier erreicht. Die blattunterseits an den zerklüfteten Blättern sitzenden Läuse sind schwer mit Insektiziden erreichbar, ein früher Einsatztermin ist wegen des Wirtswechsels nötig. Ansonsten genügt es, befallene Blätter abzupflücken, auch unterbindet im Allgemeinen eine Vielzahl von Nützlingen eine Massenvermehrung der Läuse.

Johannisbeertrieblaus (Aphis schneideri)
Das Schadbild ähnelt dem der Kleinen Stachelbeertrieblaus (Aphis grossulariae), deshalb dort weitere Informationen zum Schädling und zu möglichen Gegenmaßnahmen.

Johannisbeerglasflügler (Synanthedon tipuliformis)
Schadbild Triebe welken oder sterben ab. Sie sind von einem schwarz gefärbten Gang durchzogen und mit einer weißlichen Raupe
Ausbohrlöcher	
  des	
   Johannisbeerglasflüglers	
  

66	
   66

oder Puppe besetzt. Bei der Biegeprobe brechen ausgehöhlte Zweige ab. Biologie Der Johannisbeerglasflügler ist ein kleiner Schmetterling mit einer Flügelspannweite von etwa 2 cm, er hat durchsichtige Flügel mit braunschwarzen Adern und Rändern sowie bunte Haarbüschel am Hinterende. Der Falter legt im Frühsommer bei sonnigem Wetter, hauptsächlich in den Morgenstunden Eier an die Rinde zweijähriger Ruten in der Nähe einer Knospe oder an Schnittwunden. Die schlüpfenden Räupchen, bohren sich sofort bis ins Mark und fressen dort den ganzen Sommer und Herbst. Die Raupe überwintert im Gang. Gegenmaßnahmen
Glasflügler

Geschädigte Zweige müssen sofort herausgeschnitten und vernichtet werden. Der Sommerschnitt sollte erst nach der Flugzeit im August erfolgen. Dabei dürfen keine Zweigansätze (Zapfen) stehengelassen werden.

Johannisbeergallmilbe (Cecidophyopsis ribis)
Schadbild Von September bis März fallen stark vergrößerte, runde Knospen an der Schwarzen Johannisbeere auf, die meist nicht mehr austreiben und im Laufe des Sommers vertrocknen. Blüten entwickeln sich nur unvollständig und Blätter zeigen Missbildungen. Biologie In den Rundknospen sitzen Johannisbeergallmilben, nicht	
  ausgetriebene	
  Knospen	
  durch die durch ihre Saugtätigkeit die Formveränderung der Johannisbeergallmilbe Knospen verursachen. Sie sind winzig klein (0,2 mm) und mit dem bloßen Auge nicht sichtbar. Zu Tausenden überwintern sie in den Knospen. Während der Hauptwanderzeit zu Blühbeginn treten sie in Massen auf und verursachen an den Blättern Saugschäden. Sie werden durch Wind, Regen, bestäubende Insekten aber auch durch sich berührende Büsche weiter verbreitet. Im Juni/Juli dringen die Milben in die Knospen ein, die im nächsten Jahr austreiben sollen. Eine rasche Vermehrung und die weitere Entwicklung erfolgen wieder im Schutz der Knospen. Knospengallmilben sind Überträger der Brennnesselblättrigkeit, einer Viruserkrankung der Schwarzen Johannisbeere, s. dort.

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Gegenmaßnahmen Im Spätherbst müssen die Rundknospen ausgebrochen und entsorgt werden, spätestens jedoch vor dem Austrieb. Stark befallene Triebe sollten zurückgeschnitten werden.

3.4.4 Stachelbeeren Amerikanischer Stachelbeermehltau (Sphaerotheca mors-uvae)
Schadbild An den Triebspitzen zeigen sich nach dem Austrieb schmutzig weiße Beläge. Diese dichten, filzartigen Überzüge breiten sich auf die Blätter und Früchte aus. Die Triebspitzen stocken in der Entwicklung, die Blätter verdrehen sich, verkümmern und vertrocknen schließlich. Der Pilz befällt die heranwachsenden Früchte, der Amerikanischer	
  Stachelbeermehltau	
  auf	
   Pilzrasen geht dabei von weißlicher in grau-braune den	
  Früchten Verfärbung über. Der lederartige Belag hemmt das Wachstum der Beeren. Befallene Früchte sind nicht gesundheitsschädlich, durch den faden Geschmack aber kaum noch genießbar. Der amerikanische Stachelbeermehltau tritt auch an schwarzen Johannisbeeren auf: blattunterseits zeigt sich mehliger Belag, der auch die Oberseiten und Triebspitzen befallen kann. Reduzierte Blütenanlagen führen zu Ernteeinbußen. Ein Rückschnitt der Triebspitzen im Winter reduziert den Befallsdruck. Biologie Der zuerst in Nordamerika festgestellte Mehltaupilz wurde um 1900 erstmals in Europa nachgewiesen und ist die bedeutendste Krankheit an Stachelbeeren. Mehrjähriger Befall schwächt die Pflanzen erheblich. Der Pilz überwintert an den Triebspitzen und breitet sich im Frühjahr durch Sporen aus. Feuchtes und schwülwarmes Wetter fördert die Infektion. Der Befall ist stark sortenabhängig, besonders anfällig sind: 'Weiße Triumph', 'Hönigs Früheste', 'Rote Triumph'. Gegenmaßnahmen Im Vorjahr befallene Triebspitzen fallen im Winter durch ihre braune Färbung auf. Sie sind vor Austriebsbeginn um etwa 5 cm zurückzuschneiden und zu entsorgen, um den Befallsdruck zu mindern. Selbst einen Rückschnitt aller Triebspitzen verkraften die Stachelbeeren gut, da sie aus Seitenknospen austreiben und die Blüten nur an mehrjährigem Holz gebildet werden. Ein sachgerechter Auslichtungsschnitt nach der Ernte 68	
  

fördert die Durchlüftung und schnellere Blattabtrocknung. Kranke Pflanzenteile sollten kontinuierlich entfernt werden.
Pflanzenstärkungsmittel können vorbeugend angewendet werden, Schwefelpräparate bei beginnendem Befall. Es sollten keine Ribes-Ziersträucher wie Alpen- oder Goldjohannisbeere (R. alpinum, R. aureum), in die Nähe gepflanzt werden. Bei Neupflanzungen weniger anfällige Sorten wählen, siehe Kapitel 9 Anhang.

Gelbe Stachelbeerblattwespe (Nematus ribesii)
Schadbild Der Lochfraß an den Blättern beginnt im Innern der Sträucher. Früher Befall bleibt meist wegen der versteckten Lebensweise der Larven zunächst unentdeckt. Mit zunehmender Larvengröße kommt es zu plötzlichem Kahlfraß, die Blätter werden bis auf die Blattadern skelettiert. An den geschwächten Büschen verkümmern die Beeren. Kahlfraß	
  durch	
  Stachelbeerblattwespe	
   Biologie Die Larven der Gelben und Schwarzen Stachelbeerblattwespe fressen ab Mai an den Stachelbeerblättern. Auch gelbe und rote Johannisbeere werden befallen. Die bis 2 cm großen Larven sind anfangs hell, später grünlich und haben eine Vielzahl auffälliger schwarz behaarter Warzen. In einem Jahr können bis zu vier Larvengenerationen auftreten. Die letzte überwintert in Kokons im Boden. Im April schlüpfen die Stachelbeerblattwespen und legen ihre Eier perlschnurartig an den Blattrippen unterseits ab. Gegenmaßnahmen Im Haus- und Kleingarten lässt sich ein Befall reduzieren, wenn die Blätter auf Larvenbefall und Eiablagen ab April bis August kontrolliert werden, zu Beginn der Saison besonders im unteren, inneren Teil der Büsche. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gegen die Raupen ist möglich. Diese Schädlinge müssen jedoch vom Präparat unmittelbar getroffen werden, da sie nur im Kontakt wirken.

Raupe	
  der	
  Stachelbeerblattwespe	
  

69	
  

Kleine Stachelbeertrieblaus (Aphis grossulariae)
Schadbild Die Triebspitzen sind verdreht und gestaucht. Die Blätter stehen dicht gedrängt in Blattnestern, zeigen Honigtau und Schwärzepilze. Sie rollen sich häufig nach unten ein. Versteckt in den gekräuselten Blättern saugen kleine grau bis dunkelgrüne Läuse, die von Wachsausscheidungen umgeben sind. Bei starkem Befall verkümmern auch Blüten und Beeren. Biologie Die kleine Stachelbeertrieblaus saugt an den Blättern der Triebspitzen. Durch ungeschlechtliche Vermehrung entstehen schnell dichte Kolonien. Geflügelte Blattläuse wandern im Kleine	
  Stachelbeertrieblaus Sommer auf Weidenröschen ab. Diesen Zwischenwirt verlassen sie aber im Herbst wieder, um an den Stachelbeertrieben ihre Wintereier abzulegen. Triebläuse am Beerenobst können Viruskrankheiten übertragen, z.B. die Adernbänderung. Gegenmaßnahmen

Rechtzeitiges Ausschneiden befallender Triebspitzen vermindert den Befall. Eine Winterspritzung mit ölhaltigen Präparaten schädigt die Wintereier der Läuse. Die Schonung natürlicher Blattlausfeinde (s. Kapitel 8 Nützlinge) fördert die natürliche Reduzierung der Läuse.

3.4.5 Erdbeeren Grauschimmel - Fruchtfäule
Schadbild Der Befall beginnt mit einer Infektion der bestäubten Blüte. Auf den kleinen Früchten bilden sich zunächst kleine, eingefallene braune Flecken. Die halbreifen und reifen Früchte zeigen dann den auswachsenden weißgrauen und filzigen Schimmelrasen, einhergehend mit der Weichfäule des Fruchtfleisches. Biologie

Botrytisbefall	
  an	
  Erdbeeren	
  

70	
   70

Der Grauschimmelerreger Botrytis cinerea tritt bevorzugt an feuchten Standorten bei schwülwarmer Witterung auf. Der Pilz überwintert an abgestorbenen, infizierten Pflanzenresten. Vor allem die auf dem Boden aufliegenden Früchte werden infiziert. Die Krankheit breitet sich insbesondere bei feucht-kühler Witterung schnell im Bestand aus.

Lederbeerenfäule
Schadbild Noch unreife Früchte werden braun und schrumpfen gummioder lederartig zusammen. Diese verkümmerten bitteren Früchte reifen nicht und bleiben ungenießbar. Es werden jedoch auch reife Früchte befallen. Hier zeigen sich weiche, eingesunkene Stellen, die in der Färbung von weißlich bis lila variieren können. Der Erreger verursacht auch die Rhizomfäule (s. dort), die unabhängig von einer Fruchtinfektion auftreten kann. Biologie
Schaden	
  durch	
  Lederfäule	
  

Die im Boden überwinternden Pilzsporen der Lederbeerenfäule Phytophthora cactorum gelangen durch heftige Niederschläge vom Boden an die Früchte. Bodenverdichtung und Niederschläge, auch abendliches Gießen, fördern den Befall.

Gnomonia – Fruchtfäule
Schadbild Die Fruchtfäule beginnt am Stiel und unter den Kelchblättern. Befallenes Fruchtfleisch ist fester als bei Grauschimmelbefall und deutlich vom gesunden Gewebe abgegrenzt. Auf den Beeren, bei Blattbefall auch an den Blättern, wird eine charakteristische lila-Färbung sichtbar. Blattbefall äußert sich in dunklen, kleinen Flecken, die später größer werden und ineinander übergehen können. Die Blätter welken und sterben ab. Biologie Die Pilzsporen des Erregers Gnomonia fructicola überwintern an befallenen Früchten und Blättern im Bestand und gelangen über Regen und Bodenkontakt auf Früchte und Blätter. Gegenmaßnahmen Durch pflanzenbauliche Maßnahmen (Flächenwechsel, widerstandsfähige Sorten, konsequentes Entfernen infizierter Pflanzenteile) lässt sich der Befall verringern. Bodenverdichtungen sollten ebenso vermieden werden wie langjähriger Erdbeeranbau auf ein und derselben Fläche. Besonderer Wert muss auf Hygienemaßnahmen gelegt werden. Hierzu zählen vor allem kontinuierliches Ausputzen der Bestände und die Vermeidung zu enger Pflanzungen. Übermäßige Laubentwicklung und dichter Unkrautbesatz wären die Folge. Diese hemmen die Luftzirkulation und begünstigen die Ausbreitung der Infektion. Eine chemische Bekämpfung ist in einigen Fällen möglich , aber im Hausgarten nur selten erforderlich. Ein vorbeugender Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln ist ebenfalls möglich. 71	
  

Welkeerreger
Rhizomfäule (Phytophthora cactorum) Schadbilder Bei Befall mit der Rhizomfäule werden einzelne Blätter braun, die oberirdischen Pflanzenteile welken insgesamt und sterben ab. Das Verbräunen und Welken beginnt bei den Herzblättern und breitet sich dann auch auf die älteren Blätter aus. Die Befallsstellen im Rhizom weisen eine deutlich abgegrenzte rotbraune Verfärbung auf. Werden Setzlinge bereits befallen, kommt es zu Anwachsverlusten. Biologie Die Rhizomfäule tritt überwiegend in mehrjährigen Kulturen oder bei fehlendem Fruchtwechsel auf. Verursacher ist derselbe Erreger, der auch die Lederbeerenfäule (siehe dort) verursacht. Die Infektion wird begünstigt durch vernässte Böden und sommerliche Temperaturen. Beide Krankheitsbilder können gemeinsam oder einzeln im Bestand auftreten. Rote Wurzelfäule (Phytophthora fragariae) Schadbild Die Rote Wurzelfäule wird leicht mit Rhizomfäule verwechselt. Hier sterben die Faserwurzeln früh ab, die verbliebenen Hauptwurzeln zeigen rötlich verfärbte Zentralzylinder. Die Pflanzen kümmern wegen mangelhafter Wasser- und Nährstoffversorgung. Im weiteren Krankheitsverlauf wird auch die Rinde befallen und abgetötet, die Wurzel verfault. Biologie
Rote	
  Wurzelfäule	
  an	
  Erdbeerpflanze	
  

Die Rote Wurzelfäule wird von einem der Rhizomfäule nahe verwandten Pilz verursacht. Die Infektion geht von langlebigen Dauersporen im Boden aus. Niedrige Temperaturen und Bodenverdichtung zusammen mit Feuchtigkeit fördern den Befall. Wirtelpilz- / Verticillium-Welke (Verticillium albo-atrum und V. dahliae) Schadbild

Zeigen sich im Sommer nach der Ernte an Einzelpflanzen plötzliche Welke und Absterbeerscheinungen, deren Ausbreitung im Bestand meist nestartig ist, handelt es sich meist um eine Infektion durch die Verticillium-Welke. Die Pflanzen vertrocknen von außen her. Die jungen Blätter weisen eine dunkelgrüne Färbung auf. Bei leichtem Krankheitsverlauf erholen sich die Pflanzen scheinbar wieder, sie bleiben aber schwach und fallen im Winter leicht aus. Beim Durchschneiden des Rhizoms erkennt man braun verfärbte Gefäßbündel.
Biologie Die beiden nah verwandten Welkeerreger, die einzeln oder gemeinsam vorkommen, verursachen ähnliche Schadbilder und werden deshalb gemeinsam behandelt. Die Infektion 72	
  

erfolgt über Wurzelverletzungen, z.B. durch Nematoden oder Larvenfraß. Auch durch infizierte Jungpflanzen kann die Krankheit eingeschleppt werden. Gegenmaßnahmen Da die Rhizomfäule wie auch die Rote Wurzelfäule durch verdichtete Böden begünstigt werden, ist eine dauerhafte Lockerung und Drainage des Bodens anzustreben. Es gelten dieselben vorbeugenden Maßnahmen wie bei Fruchtfäulen. Um einer Infektion mit Rhizomfäule vorzubeugen ist eine Tauchbehandlung von Jungpflanzen mit einem Fungizid möglich (Aktuellen Zulassungsstand beachten).

Für einen Erdbeeranbau auf infektionsgefährdeten Standorten eignen sich vorzugsweise unempfindliche Sorten (siehe Kapitel 9 Anhang). Von Verticillium befallene Pflanzen sollten nicht kompostiert sondern als Restmüll entsorgt werden. Verticillium hat sehr viele Wirtspflanzen und überlebt durch Dauerorgane viele Jahre im Boden. Wüchsige, gut ernährte und ausreichend mit Wasser versorgte Pflanzen sind weniger anfällig. Ein Erdaustausch ist meist nicht praktikabel. Es sind einige tolerante Sorten bekannt (siehe Kapitel 9 Anhang).

Blattfleckenerreger
Schadbild Bei der Weißfleckenkrankheit sind kleine runde, braune bis karminrote Flecken auf den Blättern sichtbar. Das Zentrum färbt sich später grau bis weißlich. Sind die Blattflecken braun bis rotbraun ohne ein weißes Zentrum, handelt es sich um die Rotfleckenkrankheit.

Weißfleckenkrankheit	
  

Rotfleckenkrankheit	
  

Biologie Sowohl die Weißfleckenkrankheit (Mycosphaerella fragariae) als auch die Rotfleckenkrankheit (Diplocarpon earliana) treten sortenabhängig vorwiegend in ausgesprochen feuchten Jahren auf, meist nach der Ernte. Die Pilze überwintern auf 73	
  

befallenen Pflanzenteilen. Die Sporen gelangen durch Regenspritzer auf die Blätter. Feuchte Witterung sowie Temperaturen von 20°C begünstigen die Infektion. Der Blattfleckenbefall durch den Erreger Gnomonia ist unter dem Punkt Fruchtfäulen beschrieben. Gegenmaßnahmen Pflanzenbauliche und Hygienemaßnahmen, wie sie unter dem Abschnitt GnomoniaFruchtfäule beschrieben sind, helfen den Befall einzudämmen.

Erdbeermehltau (Sphaerotheca macularis)
Schadbild Die Blätter haben auf der Unterseite einen weißen mehligen Belag. Sie verfärben sich infolge der Infektion leicht rötlich-violett und rollen sich nach oben. Blüten und Blütenstiele können im Wuchs zurückbleiben. Grüne Früchte bleiben in ihrer Entwicklung stecken, sie reifen nicht aus. Die Früchte erscheinen weiß bestäubt und sind nicht verwertbar. Biologie Diese Krankheit findet sich vorwiegend an anfälligen Erdbeersorten in mehrjährigen, häufig verunkrauteten Beständen. Auch eine zu einseitige Düngung mit Stickstoffdüngern fördert den Befall. Der Pilz überwintert an der Erdbeerpflanze. Er liebt taureiche Witterung. Sowohl starke Niederschläge als auch lang anhaltende Trockenheit hemmen die Entwicklung des Pilzes. Meist tritt er erst nach der Ernte stärker auf. Gegenmaßnahmen Durch pflanzenbauliche Maßnahmen lässt sich der Befall verringern. Stickstoffdüngung sollte im Frühjahr vermeiden werden. Ein Laubschnitt nach der Ernte hat sich ebenso bewährt wie ein Flächenwechsel. Wiederholter Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln kann das Infektionsrisiko der Pflanzen deutlich mindern.
Wenig anfällige Sorten sind im Kapitel 9 Anhang aufgezählt.

Echter	
  Mehltau	
  an	
  Erdbeerfrüchten	
  

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Weichhautmilbe (Tarsonemus pallidus fragariae)
Schadbild Starke Verkrüppelungen der Blätter, besonders im Herzen der Pflanze (Vegetationspunkt). Die Pflanzen kümmern, bei starkem Befall färben sich die Blätter braun und sterben ab. Biologie Ein Befall der Pflanzen durch die mikroskopisch kleine Weichhautmilbe lässt sich nur an den Symptomen erkennen. Die Milben selbst sind nur bei starker Saugschaden	
  der	
  Erdbeerweichhautmilbe	
   Vergrößerung erkennbar. Sie leben vorzugsweise an den zarten Pflanzenteilen des Vegetationspunkts. Gegenmaßnahmen Von erkrankten Pflanzen und aus befallenen Beständen dürfen keine Absenker verwendet werden. Anerkannte Vermehrungsbetriebe liefern milbenfreie Jungpflanzen. Kultiviert man Erdbeeren nur zwei Jahre nacheinander, kommt es erfahrungsgemäß kaum zu Problemen mit Weichhautmilben. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist dann meist unnötig.

Erdbeerblütenstecher (Anthonomus rubi) und Erdbeerstängelstecher (Rhychites germanicus)
Schadbild Typische Symptome sind abgeknickte und welkende Blütenstände, Blätter und Einzelblüten. Biologie Das 2 bis 3,5 mm lange, schwarzbraun gefärbte Weibchen des Erdbeerblütenstechers legt seine Eier in die geschlossene Knospe von Himbeeren, Erdbeeren, Wildrosen und benagt danach den Blütenstiel, so dass dieser abknickt und die Erdbeerblütenstecher	
   vertrocknete Knospe bald zu Boden fällt. Das Weibchen des Stängelstechers benagt die Stängel von Blüten und Blättern so, dass diese abknicken und welken. Die Larve entwickelt sich im absterbenden Gewebe. 75	
  

Gegenmaßnahmen Ein geringer Befall kann in der Regel toleriert werden, da lediglich eine Fruchtausdünnung stattfindet. Soweit möglich, sollten vertrocknete Knospen und Blätter, in denen die Larven leben, zur Befallsdezimierung regelmäßig abgesammelt werden. Wegen der versteckten Lebensweise der Larven ist eine Insektizidanwendung nicht möglich.

Gefurchter Dickmaulrüssler (Otiorhynchus sulcatus) und verwandte Arten
Schadbild Auffällig sind Buchtenfraß an den Blättern und Welkeerscheinungen an den Pflanzen. Absterbende Pflanzen lassen sich leicht aus der Erde ziehen. Bei trockener Witterung kommt es zu Welkeerscheinungen der Pflanze, bei stärkerem Befall stirbt sie ab. Die Wurzeln sind abgenagt, das Rhizom ist teilweise ausgehöhlt. Biologie Ein erster Hinweis auf das Vorhandensein des Schädlings ist der Buchtenfraß der Käfer an den Blättern. Stärker schädigend jedoch ist der Larvenfraß an den Wurzeln und im Rhizom. Im Rhizom findet man dann die weißlichen, bis zu 12 mm langen, mit einer braunen Kopfkapsel versehenen Käferlarven. Gegenmaßnahmen
Gefurchter	
  Dickmaulrüssler	
  

Erdbeeren sollten nicht länger als zwei Jahre angebaut werden. Wurde auf der Anbaufläche stärkerer Befall festgestellt, ist auf erneuten Anbau von Erdbeeren zu verzichten. Eine Bekämpfung ist mit insektenpathogenen Nematoden möglich. Zu beachten ist auch eventueller Befall von Nachbarpflanzungen wie Flieder, Rhododendron oder Bergenien. Die Wirkung eines Nematodeneinsatzes ist abhängig von einer genauen Einhaltung der Anwendungsbedingungen (empfohlene Ausbringungszeiten und Mindestbodentemperaturen). Eine wirksame Befallsreduzierung erfordert die Bekämpfung über mindestens 2 Jahre.

Drahtwurm, Schnellkäferlarven (Agriotes-Arten)
Schadbild Besonders wenn Erdbeeren auf ehemaligen Grasland angebaut werden, können die Pflanzen kümmern, bei Grabearbeiten fällt die große Anzahl „Drahtwürmer“ auf.

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Biologie Die bis zu 3 cm langen Drahtwürmer haben einen harten, drehrunden gelborange glänzenden Körper mit dunklem Kopf. Sie fressen vor allem an den Wurzeln von Gräsern aber auch anderer Pflanzen. Der Schnellkäfer selbst richtet keinen nennenswerten Fraßschaden an. Gegenmaßnahmen Im Hausgarten gibt es keine chemische Drahtwurm,	
  Schnellkäferlarve Bekämpfungsmöglichkeit. Drahtwürmer können mithilfe von Köderfallen nachgewiesen werden (Auslegen von Kartoffel- oder Möhrenscheiben). Auf Kleinflächen ist ein Einsammeln der Larven aus Köderstellen möglich. Bei starkem Befall ist nach Rasenumbruch für zwei Jahre auf den Anbau von Erdbeeren zu verzichten.

Getüpfelter Tausendfuß (Blaniulus guttulatus)
Schadbild Tiefe Fraßstellen an reifen Früchten. Biologie Auf dem Boden aufliegende, reife und überreife Früchte werden gern von Tausendfüßern angefressen. Manchmal trifft man sie in großer Zahl auf den Früchten und in den Fraßhöhlen an. Ihre Hauptnahrung ist verwesendes organisches Material. Gegenmaßnahmen
Getüpfelter	
  Tausendfuß	
  

Stärkere Zufuhr von Kompost, Stallmist und anderen organischen Pflanzenstoffen vor der Pflanzung sind zu vermeiden. Auf gefährdeten Standorten sollten Erdbeeren vor der Ernte durch Stroh vor Befall geschützt werden.

Schnecken
Erdbeeren werden von einer Vielzahl verschiedener Nackt- und Gehäuseschnecken angefressen. Unter den Nacktschnecken schädigen vor allem Weg- und Ackerschnecken (Arion- und Deroceras-Arten). 77	
  

Aber auch Gehäuseschnecken insbesondere der Gattung Cepaea können an Erdbeeren fressen.

	
  
Spanische	
  Wegschnecke,	
  Jungtier	
   Genetzte	
  Ackerschnecke	
  

	
  

	
  
Schwarzmündige	
  Bänderschnecke	
   Weinbergschnecke	
  

	
  

Schadbild Auffällige Symptome sind glatte Fraßspuren an reifenden Früchten, Schleimspuren auf dem Boden, an Blättern und Früchten. Biologie Schnecken sind wegen der hohen Austrocknungsgefahr meist nacht- oder dämmerungsaktiv. Tagsüber sitzen die Gehäuseschnecken an schattigen Plätzen, die Nacktschnecken suchen erdnahe, feuchte und schattige Verstecke auf. Die hier als Schädling auftretenden Arten ernähren sich zum großen Teil von abgestorbenem organischem Material, verschmähen aber nährstoffreiche, saftige Sämlinge, Pflanzen und Früchte in Bodennähe nicht.

Nacktschnecken	
  auf	
   Erdbeerfrüchten	
  

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Gegenmaßnahmen Erdbeerbestände sollten weitgehend trocken gehalten werden. Deshalb muss das Gießen auf die Morgenstunden beschränkt werden. Dort wo es möglich ist, können Schneckenzäune um den Bestand eingesetzt werden. Auch konsequentes Absammeln der Schnecken in der Dämmerung über mehrere Tage kurz vor der Fruchtreife führt zur Reduzierung des Befalls. Anlegen künstlicher Verstecke aus alten Brettern oder Steinen mit Lockfutter wie Salat oder Tagetes hilft beim Auffinden und Sammeln der Schnecken. Der Förderung der natürlichen Feinde wie Igel und Kröten kommt auch eine Bedeutung zu. Bei starkem Befall kann der Einsatz von Fraßködern erforderlich werden. Die in der Gebrauchsanweisung angegebenen Aufwandmengen der Köderpräparate sollten unbedingt eingehalten werden.

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www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz/obst/

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Impressum
Herausgeber Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Kommunikation Württembergische Straße 6 10707 Berlin www.stadtentwicklung.berlin.de Inhalte und Bearbeitung Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Pflanzenschutzamt Berlin Gestaltung Runze & Casper Werbeagentur GmbH www.runze-casper.de

Berlin, April 2014 ISBN 978-3-88961-342-4
        
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