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Full text: Vitako intern Issue 2016,4

AUGUST  NR. 4 | 2016

THEMEN

VITAKO INTERN

SCHWERPUNKT: KONSOLIDIERUNG

LIEBE LESER INNEN UND LESER ,

IM GESPR ÄCH

Konsolidierung ist in aller Munde, auch im IT-Bereich. Während Bund
und Länder an der Konsolidierung ihrer IT-Infrastrukturen arbeiten, tut
sich auch im kommunalen Bereich einiges. Wir haben uns unter VitakoMitgliedern umgehört und präsentieren in dieser Ausgabe von „Vitako
intern“ ein breites Spektrum an Konsolidierungsmaßnahmen: von der
Fusion über den Leistungsaustausch bis zu verstärkter Kooperation und
interkommunaler Zusammenarbeit. Spezialisierungen und die Einigung
auf wenige Standards lassen die kommunale IT immer effektiver werden.
Mit dem Berliner E-Government-Gesetz kommt dem Vitako-Mitglied ITDZ Berlin eine neue Rolle zu: Das Unternehmen wird zentraler
IT-Dienstleister für das Land Berlin. Ines Fiedler, neue Vorständin des
ITDZ, verrät uns im Gespräch ihre Pläne.
Der Frühsommer ist die Zeit der Hausmessen, wo kommunale
IT-Dienstleister ihr Leistungsspektrum den Kunden vorstellen. In dieser
Ausgabe berichten drei Vitako-Mitglieder – RZ-KIRU, krz und ekom21 –
über den Erfolg ihrer Informationsveranstaltungen, die sich zu kleinen
Fachmessen gemausert haben.

›

Wir wünschen eine interessante Lektüre,
Ihr Vitako-Team

Kommunale IT im Umbruch

Ines Fiedler, ITDZ Berlin

NACHLESE
Zukunftskongress 2016

SCHLESWIG-HOLSTEIN
Investitionen in Breitband

HIGHLIGHTS DER IT
Kundeninformationstag KIRU

LVR INFOKOM
Digitalisierung Personalwesen

THAT‘S IT
krz Forum 2016

BESUCHERREKORD
eXPO Hausmesse

NEUE WEGE
KRZN setzt auf Bewegtbild

CYBERSICHERHEIT
EU beschließt Richtlinie

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SCHWERPUNKT: KONSOLIDIERUNG

Die Konsolidierung in der kommunalen IT ist in vollem Gange. Trotz unterschiedlicher Maßnahmen ist das Muster immer ähnlich: Einzelgrößen
werden zu einer Gesamtgröße zusammengefasst. Im Vitako-Verbund
gibt es verschiedene Maßnahmen, Konsolidierungsprozesse umzusetzen. Neben der Fusion, wie sie Dataport realisiert hat und gegenwärtig in
Baden-Württemberg angestrebt wird, können dies verstärkte Kooperationen in Form von Shared Services oder interkommunaler Zusammenarbeit sein oder auch ein Leistungsaustausch, wie ihn die Mitglieder des
KDN oder ProVitako praktizieren. Auch wenn Konsolidierung die öffentlichen Haushalte nicht retten wird, ist sie für die technische Weiterentwicklung und den „State of the art“ bei den IT-Dienstleistern immens relevant.
Im Vitako-Verbund zeigt sich, dass Spezialisierung zu den wichtigen Ansätzen zählt, da die Komplexität von Verfahren mit fortschreitender Digitalisierung immer mehr zunimmt.

Kommunale IT im Umbruch

Die Umstrukturierung des DV-Verbundes in Baden-Württemberg

›

Marktkonsolidierungen in der IT haben viele Gesichter. Kommunale IT-Dienstleister betreiben schon heute
bundesweit gemeinsame Adress-, Verzeichnis-, Scan- und
Digitalisierungsdienste, profitieren vom Leistungsaustausch im Verbund oder schließen sich in Einkaufsgemeinschaften zusammen. Sie betreiben gemeinsame Rechenzentren, bieten RZ-Leistungen für andere an oder
fusionieren, um zu noch mehr Synergien zu gelangen.
In Baden-Württemberg haben die ersten Zusammenschlüsse
lokaler Rechenzentren zu größeren Einheiten schon in den
1970er-Jahren stattgefunden. In der nächsten „Ausbaustufe“
kam es beim Zusammenschluss der Regionen Reutlingen und
Ulm zum Zweckverband KIRU. Analog dazu fusionierten die
Rechenzentren der Regionen Baden und Franken zum Zweckverband KIVBF. Mitte der 90er-Jahre erfolgte dann auf Basis
von Vereinbarungen die institutionalisierte Zusammenarbeit
von KIRU und KIVBF mit dem Zweckverband KDRS und der
Datenzentrale (DZ) als gemeinsamer Entwicklungsanstalt im
Datenverarbeitungs-Verbund Baden-Württemberg (DVV BW).
Erste Überlegungen zu einer weiteren Intensivierung dieser Zusammenarbeit gab es schon seit 2008, um die erforderlichen IT-Leistungen für die rund 1.100 Kommunen, die neun
Stadt- und 35 Landkreise sowie das Land Baden-Württemberg
angesichts der rasanten Veränderungsgeschwindigkeit dauerhaft sicherzustellen und weiterzuentwickeln.
Gleichzeitig hat der digitale Wandel immer mehr an Geschwindigkeit gewonnen, E-Government und E-Akte erhöhen
zudem den Handlungsdruck. Mit Blick auf die Kommunalent-

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wicklungs- und Infrastrukturpolitik ist angesichts dieser rasanten Entwicklung auch eine digitale Agenda auf kommunaler
Ebene erforderlich, um die Standort- und Lebensqualität im
Land weiterhin zu sichern und die Aufgaben der Daseinsvorsorge zu erledigen. Eine enge Vernetzung zwischen Politik,
Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft – horizontal in den
Regionen, vertikal zwischen Kommunen, Stadt- und Landkreisen, Land und Bund – ist dabei unabdingbar, benötigt aber eine
effiziente IT-Infrastruktur.
Dazu gehört in einem Flächenland wie Baden-Württemberg natürlich auch der Ausbau der Breitbandversorgung, dem
eine entscheidende Schlüsselrolle zukommt, wenn es um die
Schaffung von modernen und effizienten Verwaltungsstrukturen geht. Für diesen Ausbau werden jährlich hohe zweistellige
Millionenbeträge zur Verfügung gestellt, damit alle gesellschaftlichen Gruppen über einen vernünftigen Zugang zur digitalen
Welt verfügen. Die Umsetzung erfolgt oft in Zusammenschlüssen von Gemeinden und Landkreisen, um die Attraktivität der
Kommunen für die Bürger und die Unternehmen zu erhalten
beziehungsweise zu steigern.
KNAPPE KASSEN, IMMER WENIGER PERSONAL

Ein weiterer Anlass für die Umstrukturierung des bestehenden
Datenverarbeitungs-Verbundes Baden-Württemberg und die
Vollfusionierung der vier Partnerunternehmen, ist der Umstand,
dass die öffentliche Verwaltung auch auf absehbare Zeit weiter
unter dem Eindruck von knappen Haushaltsmitteln und immer
weniger Personal stehen wird.

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SCHWERPUNKT: KONSOLIDIERUNG

Die Gremien der DZ und der Zweckverbände KDRS, KIRU
und KIVBF haben diesen Aspekten Rechnung getragen und
sich zwischen Sommer 2014 und Frühjahr 2015 intensiv mit
der Frage beschäftigt, ob durch einen Zusammenschluss der
vier Häuser relevante Synergien erzeugt werden können, um
den kommunalen Beitrag zum digitalen Wandel zukünftig noch
effizienter und effektiver zu leisten. Die vorhandenen Stärken
sollen nach Möglichkeit gebündelt und fokussiert werden, um
die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsfähigkeit der kommunalen IT in Baden-Württemberg zu steigern.
Eine bei einem externen Beratungshaus in Auftrag gegebene und als „friendly due diligence“ durchgeführte Untersuchung hat die zugrunde liegenden Vermutungen bestätigt. Im
Ergebnis konnte festgehalten werden, dass ab dem fünften
Jahr nach einer Fusion ein erhebliches Einsparpotenzial pro
Jahr zu erwarten ist.
In der Folge haben die DVV-Partner sich in der zweite Jahreshälfte 2015 in häuserübergreifenden Projekten sehr intensiv
mit den möglichen Umsetzungsszenarien auseinandergesetzt
und diese in einem Umsetzungskonzept konsolidiert. Im Ergebnis zeichnete sich ab, dass eine Anstalt des öffentlichen Rechts
(AöR) am besten dazu geeignet ist, um die ins Auge gefassten Ziele zu erreichen und die Interessen aller Fusionspartner
angemessen zu berücksichtigen. Getragen werden soll diese
AöR von einem Gesamtzweckverband aus dem Zusammenschluss der drei heute noch selbstständigen Zweckverbände
und dem Land Baden-Württemberg.
SICHERUNG DER INNOVATIONSFÄHIGKEIT

Als Ziel hat sich das neue Gesamtunternehmen die Schaffung und Bereitstellung von IT-gestützten integrierten Lösungen für die kommunale öffentliche Hand entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette gesetzt. Konkret bedeutet dies, die
vorhandene Qualität zu steigern und Innovationsfähigkeit für
neue Lösungen und innovative Technologien zu sichern. Dazu
gehören die Optimierung der Kundenbetreuung und Stärkung
der Kundenbindung in allen Kundensegmenten ebenso wie
die dafür notwendige Absicherung gegen demografische und
fachliche Personaleffekte.
Doch bevor dieser Weg weiterverfolgt werden konnte, war
eine grundsätzliche Zustimmung der Zweckverbandsmitglieder zur Fusion erforderlich, die von den Verbandsspitzen der
KIRU, KDRS und der KIVBF Ende 2015 auf den jeweiligen
Verbandsversammlungen eingeholt wurde. Gemeinsam mit
der Zustimmung des Verwaltungsrates der DZ war der Weg
für das erforderliche Gesetzgebungsverfahren des Landes
freigemacht. Politisch unterstützt wird dieser Prozess von den
kommunalen Spitzenverbänden in Baden-Württemberg und der
Landesregierung, die hierzu eine entsprechende Absichtserklärung in den Koalitionsvertrag aufgenommen hat.
Das ermittelte Optimierungspotenzial speist sich zu einem
wesentlichen Teil aus einer Standardisierung der bislang an-

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gebotenen Lösungen und Dienstleistungen, denn die derzeitigen IT-Landschaften sind historisch gewachsen und teilweise
durchaus heterogen.
Natürlich sind mit einem solchen fundamentalen Wandel
nicht nur große Chancen, sondern auch diverse Risiken verknüpft. Um den Unsicherheiten zu begegnen, die bei Veränderungen solchen Ausmaßes geradezu zwangsläufig auftreten,
wurde deshalb für die nächste Phase ein Transformationsprogramm ins Leben gerufen.
Bis Ende 2017 sollen in dem Programm alle juristischen,
technischen, prozessualen und fachlichen Fragen geklärt und
die Wertschöpfungsprozesse neu ausgerichtet sein, damit die
Fusion Realität werden kann. Dabei wird es ganz wesentlich
darauf ankommen, dass die Fusionsvorteile auch aus Kundensicht deutlich erkennbar sind.
REGIONALER BEZUG BLEIBT ERHALTEN

Neben den bereits erwähnten technischen und wirtschaftlichen Synergien gehören dazu auch der Erhalt der InhouseFähigkeit, die Drittmarktfähigkeit und vor allem der regionale
Bezug in der Betreuungsstruktur. Eine Voraussetzung für den
Zusammenschluss ist dementsprechend konsequenterweise
der Erhalt aller bisherigen Standorte.
Auch fusions- oder betriebsbedingte Kündigungen von
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden ausgeschlossen, so
dass niemand Existenzängste haben muss. Trotzdem wird es
durch neue fachliche Zuschnitte und die Zusammenlegung
von Aufgabenbereichen zu Veränderungen für den Einzelnen
kommen. Dies ist unumgänglich, denn die Herausforderungen der Zukunft können nur mit neuen Herangehensweisen
erfolgreich gemeistert werden, und der Entwicklungsschritt zur
Fusion ist notwendig, um die gemeinsame Wirtschaftlichkeit
und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.
Zur Minimierung der Reibungsverluste und zur Fokussierung der Aufmerksamkeit auf die Leistungserbringung als
Kernaufgabe des Unternehmens müssen die notwendigen
kulturellen Veränderungen vollzogen werden, damit am Ende
ein neues Unternehmen mit einer gemeinsamen Identität und
einem einheitlichen Selbstverständnis am Markt agiert.
Die hervorragende Zusammenarbeit, die bereits gemeinsam gemachten positiven Erfahrungen und das zwischen den
Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen bestehende Vertrauen bilden
dafür eine sehr gute Ausgangsbasis und stärken die Überzeugung, dass dies zusammen auch gelingen wird.

AUTOREN: ANDREAS PELZER (DZ BW),
HANS JÜRGEN SIMACHER, (KDRS),
MANFRED ALLGAIER (KIRU),
WILLIAM SCHMITT (KIVBF)

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SCHWERPUNKT: KONSOLIDIERUNG

Wirtschaftliche Effekte als Triebfeder
Konsolidierung in Leistungsnetzwerken – das KDN-Beispiel

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Für kommunale IT-Dienstleister wird häufig die Fusion als Königsweg der Konsolidierung propagiert. Die
Sparkassen-IT und Erfolge von „Merger and Aquisitions“
im Unternehmensumfeld sind Vorbilder dafür. Übersehen
wird dabei, dass in der Privatwirtschaft, zum Beispiel in
der Automobilindustrie, auch Unternehmensnetzwerke als
flexible und effiziente Form der Leistungsproduktion weit
verbreitet sind. Der nordrhein-westfälische Zweckverband
KDN - Dachverband kommunaler IT-Dienstleister verfolgt
auch diesen Weg.
Mit dem KDN-Leistungsnetzwerk verfolgen auch die kommunalen IT-Dienstleister in Nordrhein-Westfalen eine Konsolidierungsstrategie, die im Unterschied zu Fusionen und zentralen
Ansätzen in anderen Bundesländern auf eine den kommunalen
Strukturen und Anforderungen in Nordrhein-Westfalen angepasste Vorgehensweise setzt. Die Größe des Landes und die
seiner Kommunen, die gewachsene Struktur der IT-Organisationen mit einer sehr engen Bindung an die Auftraggeber sowie die hohe Durchdringung der Kommunen mit innovativen
IT-Lösungen sprechen für eine optimale IT-Versorgung durch
starke IT-Dienstleister vor Ort, die in einem landesweiten Leistungsnetzwerk verbunden sind.
Ein Leistungsnetzwerk ist ein auf Dauer angelegter, organisatorischer Verbund rechtlich selbständiger Organisationen,
die in Bezug auf gemeinsame Aufgaben arbeitsteilig zusammen
arbeiten. Gegenüber der Ad-hoc-Zusammenarbeit auf vertraglicher Basis sind Leistungsnetzwerke mitgliedergetragene,
rechtsfähige, eigenständige Unternehmen mit verbindlichen
Entscheidungskompetenzen für ihre Mitglieder und externe
Partner. Im Unterschied zu selbstständig agierenden ProfitCentern (Shared Service Centern) beziehungsweise fusionierten IT-Betrieben mit hierarchischen Entscheidungsstrukturen
bleiben im Leistungsnetzwerk die Mitglieder selbstständige
Produzenten und Lieferanten für eigene Kunden und für die
Mitglieder im Leistungsnetzwerk.
UMFANGREICHE LEISTUNGEN

Entsprechend umfangreich ist das Leistungsspektrum des
KDN. Es reicht von der gemeinsamen Beschaffung von Hardware, Software und IT-Dienstleistungen am Markt über die
Bereitstellung und den Betrieb von Infrastruktursystemen (zum
Beispiel Speichersysteme, Serverinfrastrukturen) und Anwendungsverfahren (kommunale Fachverfahren wie das elektronisches Personenstandswesen) bis hin zur Anwendungsentwicklung in einer eigenbetriebsähnlichen Einrichtung (AKDN
sozial) und zum Austausch von IT-Dienstleistungen aller Art
von Mitglied zu Mitglied beziehungsweise vom KDN zu seinen Mitgliedern.
Triebfeder zur Teilnahme am Leistungsnetzwerk sind allein die wirtschaftlichen Vorteile und damit Konsolidierungseffekte für die Mitgliederorganisationen. Diese Effekte werden
im KDN-Verbund erreicht, indem die Produktion von IT-Leis-

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tungen arbeitsteilig
organisiert wird und
einzelne Mitglieder
sich darauf spezialisieren, bestimmte
Aufgaben aus dem
Gesamtportfolio für
alle oder viele zu erbringen. Der KDN
unterstützt damit
bei seinen Mitgliedern die Bildung von Kompetenzzentren, in denen IT-Leistungen effizient und auf einem hohen Qualitätsni-veau für andere
Mitglieder erbracht werden können.
Die Spezialisierung wird gefördert, das Know-how der
Mitglieder optimal genutzt, Kapazitäten besser ausgeschöpft
und Skaleneffekte erzielt. Auch der Wettbewerb unter den
Leistungsanbietern wird gefördert. Für Anwendungs- und Infrastruktursysteme, die landesweit betrieben werden müssen,
wie zum Beispiel das Servicekonto.NRW, übernimmt der KDN
die Betriebsverantwortung. Alle Leistungen werden auf Vollkostenbasis nutzungsabhängig verrechnet. Es besteht kein
Kontrahierungszwang.
ANPASSUNG AN RAHMENBEDINGUNGEN

Gerade weil kommunale IT-Betriebe gefordert sind, ihre Betriebsstrukturen und Leistungsprozesse permanent den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen, bieten Leistungsnetzwerke für öffentliche IT-Dienstleister eine Plattform,
als Leistungserbringer Deckungsbeiträge und als Leistungsabnehmer wirtschaftliche Vorteile zu generieren. Sie erreichen
dies durch Ressourcenbündelung in größeren Betriebseinheiten, Spezialisierung und Professionalisierung der Beschaffung
und Leistungsproduktion (Beschaffungs- und Anwendungskonsolidierung) und durch Stärkung der eigenen Fach- und
Beratungskompetenz im Verbund. In NRW hat sich dafür das
KDN-Leistungsnetzwerk nachhaltig bewährt und etabliert.
Bei ProVITAKO e.G. - Marketing- und Dienstleistungsgesellschaft der öffentlichen IT-Dienstleister in Deutschland ist
dieses Geschäfts- und Leistungsmodell für die Zusammenarbeit kommunaler IT-Dienstleister über Landesgrenzen hinweg adaptiert worden, auch wenn der Schwerpunkt derzeit
noch auf gemeinsamen Beschaffungen liegt. Und die Entscheidung des IT-Planungsrats zur Etablierung einer Föderalen ITKooperation (FITKO) beziehungsweise die Planungen zu einem deutschlandweiten Portalverbund lassen erkennen, dass
auch für die Ebenen übergreifende Vernetzung der öffentlichen
IT-Dienstleister ein Leistungsnetzwerk in der Rechtsform einer
Anstalt des öffentlichen Rechts die passende Betriebsform sein
dürfte. Der KDN liefert die Blaupause dafür.
AUTOR: ANDREAS ENGEL, KDN-GESCHÄFTSFÜHRER

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SCHWERPUNKT: KONSOLIDIERUNG

Mit Kooperationen effektiver werden

Dataport: Konsolidierung durch Bereinigen des Produktportfolios

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Seit Jahren wird in Artikeln und auf Kongressen über
die Konsolidierung öffentlicher IT berichtet. Dabei werden Effizienz und wirtschaftliche Effekte als Beweggründe für Konsolidierung benannt. Zum Beispiel beträgt der
Konsolidierungsgewinn von Dataport Cloudmail 20 Prozent. Als probates Mittel der Konsolidierung wurden bisher
technische Maßnahmen sowie der Leistungsaustausch im
Verbund, etwa bei gemeinsamen Druckservices oder gemeinsamer Beschaffung von Hard- und Software wie über
ProVitako angeführt.
Soweit unbestritten, doch die aktuellen Herausforderungen, die Digitalisierung unserer Gesellschaft sowie die Auswirkungen des demografischen Wandels – durch die sich die
Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeiter drastisch reduziert – erzwingen andere Wege der Konsolidierung durch neue Formen
der Kooperation. Dazu zwei Beispiele:
►► Die Anzahl der Asylsuchenden hat Bundes-, Landesund Kommunalverwaltungen im vergangenen Jahr
vollkommen überrascht. Um der Herausforderung zu
begegnen, hat der IT-Planungsrat ein länderübergreifendes Koordinierungsprojekt unter Einbindung der
Kommunen eingesetzt. Das Ziel: die vollständige, medienbruchfreie Digitalisierung des Asyl- und Integrationsprozesses. Mit der Neugestaltung des Registrierungsverfahrens können Länder und Bund nun gemeinsam
arbeiten. Aus dem einheitlichen Kerndatensatz des
Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge werden über
so genannte Nachrichtenbrooker Registrierungsdaten
in Landes- und Kommunalverfahren übertragen. Als
nächster Schritt steht die medienbruchfreie Gestaltung
der Zusammenarbeit zwischen Landes- und Kommunalverfahren an.
►► Der Zugang von Bürgerinnen und Bürgern sowie der
Wirtschaft zu nutzerfreundlichen, digitalisierten Verwaltungsleistungen wird durch Servicekonten realisiert.
Deren Nutzung soll nun intensiviert werden. Servicekonten authentifizieren Nutzer gegenüber Verwaltungsverfahren, die meist in Portalen gebündelt werden. Es
wäre aber geradezu widersinnig, wenn für den Abruf bei
jedem Dienstleister auch ein eigenes Servicekonto eingerichtet werden müsste. Vielmehr müssen eine gegenseitige Vertrauensstellung der Servicekonten-Provider
sowie die Interoperabilität der Verfahren gewährleistet
werden, sodass mit einem Servicekonto bundesweit
Verwaltungsleistungen abgerufen werden können. An
diesem Portalverbund wird derzeit intensiv gearbeitet.

stärker vernetzt arbeiten. Dies führt
unmittelbar zu der
Fragestellung, ob
ein öffentlicher
Dienstleister weiterhin alle Lösungen selber anbieten beziehungsweise entwickeln muss. Konsolidierung heißt also auch, das Produktportfolio zu bereinigen.
Dieser Trend lässt sich seit einiger Zeit beobachten. Kommunale Dienstleister werden vom Full-Service-Provider zum Anbieter spezialisierter Leistungen, verstärken die Kooperation
miteinander sowie die Interoperabilität ihrer Verfahren. Der
Weg zur Konsolidierung ist nicht allein mehr eine Fusion. Konsolidierung bekommt stattdessen immer mehr den Charakter
von Kooperationen, deren Grundverständnis ist:
►► Kundenansprache und Kundenbindung erfolgt durch
regionale Dienstleister, da der Ansprechpartner vor Ort
auch in Zeiten der Digitalisierung hohe Bedeutung behält.
►► Davon zu unterscheiden ist die eigentliche Leistungserbringung – es interessiert die Nutzer nicht, wo die Rechenleistung erbracht wird. Hier liegt der Ansatzpunkt
für aufgabenteiliges Vorgehen.
Dieses muss durch eine positive Kooperationskultur geprägt
sein (Kooperation auf Augenhöhe). Sie erfordert die Kompromissfähigkeit aller Beteiligten, denn nur sie führt zu guten Ergebnissen (Gemeinsam können wir es besser).
Am Beispiel Dataport bedeutet Konsolidierung neben der
Zusammenarbeit mit anderen Dienstleistern auch, die „Innere
Fusion“ zu organisieren. Dies erfordert eine kooperative Steuerung der Träger, weg von der Einzelfallbetrachtung einer Behörde, hin zu einer zeitlich wie auch inhaltlichen Koordinierung
der Anforderungen für Fachverfahren.
Die Botschaft lautet deshalb: Konsolidierung ist Kooperation in der öffentlichen Verwaltung. Dies ist vor allem ein sozialer Prozess. Am Ende müssen zwar rechtliche Grundlagen
wie Gesetze und Vereinbarungen geschaffen werden, primär
ist jedoch die Einsicht in die Notwendigkeit der Kooperation
bei allen Beteiligten. Das ist weniger Technik, macht deshalb
Konsolidierung aber nicht leichter.
AUTOR: GERD SCHRAMM, DATAPORT

Beide Beispiele zeigen, IT-Dienstleister untereinander und
die von ihnen angebotenen Verfahren müssen in Zukunft

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SCHWERPUNKT: KONSOLIDIERUNG

Gemeinsam ist man stärker

Citkomm und KDZ Westfalen-Süd wachsen zusammen

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Das Ziel ist klar: passgenaue IT-Dienstleistungen in
hoher Qualität für die kommenden Herausforderungen
der kommunalen Welt. Die Liste der zu bewältigenden Aufgaben ist lang. Im Zuge der E-Government-Gesetze fallen
Schlagworte wie Verwaltungsdigitalisierung, Bürgerkonto,
Open Data, Open Government und IT Sicherheit. Begrenzte
kommunale Haushaltsbudgets und fehlende IT Fachkräfte
in Konkurrenz mit dem Wirtschaftssektor erschweren die
Zielsetzung. Umso wichtiger ist es, kommunales Knowhow zu bündeln.
Erste Gespräche zwischen der Citkomm und der KDZ Siegen
fanden zunächst aufgrund anstehender Investitionen statt.
Konkret ging es um den Aufbau einer neuen gemeinsamen
Rechenzentrumsinfrastruktur sowie die Notwendigkeit einer
Produktneueinführung im Bereich Finanzen. Man war sich
schnell darüber klar, dass bei erfolgreicher Zusammenarbeit
langfristig eine Fusion beider IT-Dienstleister erstrebenswert
sei. Bereits Anfang 2013 wurde die Idee in die Tat umgesetzt
und der Zweckverband Südwestfalen-IT gegründet. Die Vorteile sind:
►► Die jeweiligen Kundenbeziehungen beider IT-Dienstleister können beibehalten werden, da die Kommunen
weiterhin vom jeweiligen Mutterverband betreut werden.
►► Nach und nach können einzelne Bereiche der beiden
Mutterverbände in den Dachverband Südwestfalen IT
übergeben werden. Die daraus entstehenden Leistungen können über In-House-Beauftragung für die Kommunen beider Mutterverbände angeboten werden.
►► Die Leistungsverrechnung unterliegt weiterhin nicht der
Umsatzsteuerpflicht.
►► Es besteht die dienstrechtliche Möglichkeit der Mitarbeiterabordnung.
►► Eine spätere Eingliederung der Mutterverbände in die
Südwestfalen-IT ist über diese Rechtsform nach nordrhein-westfälischem Recht möglich.
Daraufhin wurde ein Konzept entwickelt, das die stufenweise
Eingliederung einzelner Geschäftsbereiche in die Südwestfalen IT vorsieht und die Zusammenführung des Gesamtgeschäfts ermöglicht. Die Zusammenarbeit im Dachverband
startete zunächst mit den Bereichen „Rechenzentrum“ und
„Finanzenwesen“.
AUS DREI MACH ZWEI

Herzstück der bisherigen Kooperation ist die Errichtung eines
gemeinsamen Rechenzentrums. Die Partner kamen mit ungleichen Voraussetzungen: Die Citkomm betrieb ein georedundantes Rechenzentrum, welches technischen Modernisierungsbedarf aufwies. Das Rechenzentrum der KDZ Westfalen-Süd
hatte einen hohen technischen Standard, die Datenspeicherung beschränkte sich jedoch auf einen Standort, sodass ein

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zweites Ausfallrechenzentrum angestrebt wurde.
Akribisches und vorausschauendes Arbeiten waren Voraussetzung dafür, um ein technisch hochmodernes Rechenzentrum
in Fertigmodulbauweise in Siegen zu planen und zu bauen. Als
Ergebnis steht nun – gemeinsam mit dem bereits vorhandenen
Rechenzentrum der KDZ Westfalen-Süd – eine moderne, georedundante RZ-Infrastruktur an zwei Standorten. Die Kopplung
erfolgt über einen Glasfaserkabelring, der in einer engen Kooperation mit der Universität Siegen und dem Entsorgungsbetrieb Siegen realisiert wurde. Der Internet-Zugang nutzt ein
eigenes Autonomes System mit zwei Providern und getrennten
Trassen mit zusätzlichen MPLS-/ und DOI-Zugängen.
Ebenso wurden umfangreiche Vorkehrungen zum Schutz
der Hardware getroffen: Brand- und Einbruchmeldeanlage,
Videoüberwachung, Zugangskontrolle, doppeltes Klimasystem, Blitzschutz, hochmodernes Löschgassystem mit Brandfrühsterkennung und selbstverständlich eine Netz-Ersatz-Anlage. Durch die flexible Modulbauweise des neuen Standorts
kann die Kapazität des Rechenzentrums auf das bis zu vierfache erweitert werden. „Sicherheit und Verfügbarkeit erhöhen, Effizienz und Wirtschaftlichkeit steigern, Skalierbarkeit
und Flexibilität erhöhen. Das haben wir, die SüdwestfalenIT, erreicht“, sagt Thomas Coenen, Geschäftsführer der KDZ
Westfalen-Süd.
Die Fertigstellung des neuen Rechenzentrums bildet die
Basis für einen gemeinsamen Betrieb. Unterschiedliche, eigenständig gewachsene Strukturen und Arbeitsweisen in den
bisherigen IT Umgebungen der beiden Partner treffen nun
aufeinander. Im Januar 2016 sind die Speichernetzwerke der
beiden Zweckverbände zusammengeführt worden. „Ein Umzug im laufenden Produktionsbetrieb ohne Ausfall – diese Herausforderung haben wir angenommen und gemeistert.“ stellt
Michael Neubauer, Geschäftsführer der Citkomm, fest.
INTEGRATION DER MITARBEITER

Dazu war zunächst eine ergebnisorientierte und pragmatische
Übernahme bestehender Konzepte und Prozesse erforderlich,
um eine rasche Betriebsaufnahme im neuen Rechenzentrum
in Siegen zu ermöglichen. Für einen gemeinsamen Betrieb
müssen bisherige Konzepte und Strategien vereinheitlicht werden. Ein wesentlicher Faktor für den erfolgreichen Start und
den anschließenden Betrieb des Rechenzentrums ist die Integration der Mitarbeiter in den Überführungsprozess. Daher
erfolgte zu Anfang 2016 die Neugründung des Fachbereichs
SIT Rechenzentrum, dem Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der
Citkomm und KDZ Westfalen-Süd angehören. Derzeit stehen
Konsolidierungsprozesse an. Dazu werden Prozesse und Kon-

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SCHWERPUNKT: KONSOLIDIERUNG

gement von den Mitarbeitern der Verbände und Verwaltungen
verfolgt. Insbesondere durch Projekte wie die Einführung eines
DMS werden die Kommunen zukünftig wesentlich effizienter
und kundenfreundlicher arbeiten, denn von moderner Hardund Software profitieren Verwaltung und Mitarbeiter wie Bürger
gleichermaßen“, sagt Bernhard Baumann, Verbandsvorsteher
der KDZ Westfalen Süd.
ZUSAMMEN AGIEREN, VORTEILE NUTZEN

zepte analysiert, überprüft und angepasst. „Alles prüfen, das
Gute behalten.“ beschreibt Frank Albrecht, Rechenzentrumsleiter, das weitere Vorgehen.
KNOW-HOW VORTEIL FÜR ALLE

Sowohl in der KDZ Westfalen-Süd als auch in der Citkomm
ergab sich die Notwendigkeit, ein neues Produkt im kommunalen Finanzwesen einzuführen, da der Software-Support für
das zuvor in beiden Zweckverbänden eingesetzte Produkt
„KIRP“ in naher Zukunft ausläuft. Die Ausschreibung nahmen
die beiden Zweckverbände gemeinsam vor. Dazu musste im
Vorfeld ein Anforderungskatalog erstellt werden. Die Herausforderung dabei war, verbandsübergreifend einen gemeinsamen
Nenner zu erreichen, denn beide Zweckverbände wollten eine
einheitliche Produktstrategie entwickeln. Daher wurde im Vorfeld der Ausschreibung eine verbandsübergreifende Arbeitsgruppe aus Vertretern beider Zweckverbände (Mitarbeiter und
Kunden) gebildet. Aus dieser Arbeitsgruppe wurden weitere
sechs Facharbeitsgruppen gebildet, die sich mit den einzelnen
Fachkriterien beschäftigten. Wichtig bei diesem Prozess war,
dass in jedem Bereich beide Zweckverbände vertreten waren
und ein enger Austausch zu den Kunden als auch den anderen Facharbeitsgruppen bestand. Nur hierdurch konnte man
zu einem von beiden Seiten akzeptierten Anforderungskatalog kommen, der als Grundlage für die Ausschreibung diente.
Durch das höhere gemeinsame Auftragsvolumen der beiden Partner ergaben sich erhebliche Beschaffungsvorteile. So
konnten für das ausgewählte Produkt „newsystem.kommunal“
der Firma Infoma erhebliche Kosten eingespart werden. Die
Betrachtung des Einführungsaufwands zeigt, dass Komplexität
des Produkts und Beratungsbedarf des Kunden deutlich höher ausfielen als angenommen. Gleichwohl belastet dies nicht
den Erfolg der Kooperation. Die Kunden der Südwestfalen-IT
erwarten gebündeltes IT-Know-how. Der Personalbedarf ist
dabei nur gering angestiegen. Eine getrennte Lösung hätte
dagegen wahrscheinlich einen deutlich höheren Personalbedarf gefordert.
Mittlerweile wurde mehr als die Hälfte der früheren KIRPKunden in der Südwestfalen IT auf das neue Produkt umgestellt. Darüber hinaus konnten einige Zusatzmodule eingeführt
werden. Kostenvorteile durch gebündelte Beschaffung und den
Zugewinn an Know-how durch gemeinsame Personalressourcen sind die bedeutenden Erfolgsfaktoren der Kooperation.
„Auch die gemeinsamen Bestrebungen zu EGovernment
leisten einen wichtigen Beitrag und werden mit hohem Enga-

INTERN Nr. 4 | 2016

Die Umsetzung des gemeinsamen Rechenzentrumsbetriebs
und die Produkteinführung im Bereich Finanzenwesen bildeten die erste Stufe der Kooperation. Zu Beginn dieses Jahres
wurde eine externe Beratungsfirma mit der Erfolgskontrolle der
ersten beiden Projekte beauftragt. Das Ergebnis war positiv.
Trotz zeitlicher Abweichungen wurden die gesteckten finanziellen Ziele erreicht. Dennoch ließ sich auch feststellen, dass
Zusammenwachsen Zeit benötigt und die Harmonisierung der
Prozesse mehr Zeit als geplant beansprucht hat.
Sehr wichtig ist die Einbeziehung aller Beteiligten – dazu
gehören Verbandsmitglieder, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und Personalräte. Transparente
Informationen und Raum
für Diskussion müssen
gegeben sein. Folglich
wurden – parallel zu
den in beiden Zweckverbänden existierenden Gremienstrukturen
– verbandsübergreifende Gremien gebildet,
um Austausch und Diskussion sowie auch die
gemeinsame Entscheidungsfindung zu fördern.
Der stufenweise Kooperationsfahrplan sieht
vor, dass die Mutterverbände gemeinsam in die Südwestfalen-IT aufgehen. Dabei
steht die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit beider Unternehmen
im Vordergrund. Auf dem Weg dahin begegnen die Zweckverbände dem Problem des demografischen Wandels. „Ein Drittel
der Belegschaft wird uns aus Altergründen in den nächsten
zehn Jahren verlassen. Nachwuchsrekrutierung stellt aufgrund
des abnehmenden Fachkräfteangebots ein erhebliches Problem dar. Auch deshalb streben wir die Zusammenführung
unseres Geschäfts an.“ stellt der Verbandsvorsteher der Südwestfalen IT, Thomas Gemke, fest.
Mit der bisherigen Kooperation wurde ein erfolgreicher
Weg eingeschlagen. Mithilfe einer externen Unternehmensberatung sollen in den nächsten Monaten die wesentlichen Fragestellungen für einen Zusammenschluss beleuchtet werden.
Am Ende entscheiden die Gremien der beiden Mutterverbände.
Eines steht aber bereits fest: Gemeinsam lassen sich diese
Aufgaben besser meistern.
AUTORINNEN: KATHLEEN BUERMEYER (KDZ WESTFALENSÜD); MARAY PAUL (CITKOMM)

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SCHWERPUNKT: KONSOLIDIERUNG

Zentralisierung statt Outsourcing

Das Essener Systemhaus wird zum Shared Service Center IT

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Outsourcing und Privatisierung scheinen seit vielen
Jahren sowohl in Wirtschaftsunternehmen als auch
im kommunalen Umfeld der Königsweg zum Erfolg zu
sein. Die Stadt Essen verfolgt nun eine alternative Strategie: Zentralisierung von ITK-Dienstleistungen in einer
eigenbetriebsähnlichen Einrichtung als Shared Service
Center IT (SSC-IT).
Klassische ITK-Dienstleistungen wurden im Konzern Stadt Essen mit der Kernverwaltung und über 60 Beteiligungen bisher
in einer Doppelstruktur angeboten. Zum einen erbrachte die
eigenbetriebsähnliche Einrichtung Essener Systemhaus (ESH)
Dienstleistungen für Stadtverwaltung, Essener Schulen und
einen Teil der Beteiligungsunternehmen. Zum anderen hatten
sich Beteiligungsunternehmen in der Holdinggesellschaft Essener Verkehrs- und Versorgungsgesellschaft mbH (EVV GmbH)
zusammengeschlossen und unterhielten in dieser Gesellschaft
eine gemeinsame IT-Abteilung.
Ab 1. Juli erfolgte jetzt eine Fusion beider Bereiche unter
dem Dach des Essener Systemhauses. Das Leistungsportfolio
ist breit gefächert und hat sich um Produkte und Dienstleistungen für unterschiedliche Branchen erweitert: Neben Dienstleistungen für 14.000 IT-Arbeitsplätze aus Stadtverwaltung und
Essener Schulen werden nun weitere 2.500 IT-Arbeitsplätze in
den Bereichen Mobilität, Ver- und Entsorgung, Wohnungswirtschaft, Gebäudereinigung, Sicherheitsdienste, Instandhaltung,
Fuhrparkmanagement, Gastronomie und Catering betreut. Ziel
der Fusion sind Einsparungen beim ESH durch Abbau von Parallelstrukturen, Nutzung von Mengeneffekten und Harmonisierungspotenzialen im Bereich der eingesetzten Technologien.
Die weitaus größeren Potenziale werden aber durch die
Nutzung von einheitlichen IT-Plattformen und Anwendungen,
optimierten Standards und vereinfachten Workflows erwartet.
Dabei wird sich die Rolle des ESH zunehmend vom reinen
Anbieter technologischer Dienstleistungen zum Partner für
die innovative Gestaltung von Geschäftsprozessen wandeln.
Zukünftig wird daher neben der punktuellen technologischen
Unterstützung ein besonderer Schwerpunkt in der effizienten
und effektiven Organisation der Geschäftsprozesse in Verwaltung und Unternehmen liegen.
BÜNDELUNG UND NEUORGANISATION

Die Stadt Essen ist bereits im Jahre 2012 dem Stärkungspakt Stadtfinanzen des Landes Nordrhein-Westfalen beigetreten. Teil dieses Stärkungspakts ist auch die Bereitstellung
von Konsolidierungshilfen. In einem mehrjährigen Prozess
mit Unterstützung durch die Gemeindeprüfungsanstalt NRW
(GPA) wurde das Thema Shared Service Center untersucht
für die Bereiche:
►► Personal und Organisation
►► Finanzen, Rechnungswesen und Controlling
►► Einkauf
►► Informationstechnologie

INTERN Nr. 4 | 2016

Die Untersuchung
erfolgte in zwei
Phasen. Im Rahmen der ersten
Phase fand eine
Grobanalyse mit
dem Ziel statt, Optimierungspotenziale durch die Bündelung von Querschnittsaufgaben im Konzern Stadt Essen zu identifizieren. Die zweite
Phase diente der Entwicklung eines umsetzbaren Sollkonzeptes auf Basis der Ergebnisse aus der ersten Phase.
Der Bereich der Informationstechnologie wurde in diesem
Prozess intensiv betrachtet. Dabei stellte sich heraus, dass
ein SSC-IT, bestehend aus der eigenbetriebsähnlichen Einrichtung Essener Systemhaus und der IT-Abteilung der EVV
GmbH sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus strategischer
Sicht anzustreben ist.
Mit dem Beschluss des Rates der Stadt Essen vom 25.
Dezember 2015 erfolgten der Entwurf und die Prüfung der
Modalitäten eines möglichen Übergansszenarios im Rahmen
einer mehrmonatigen Projektphase. Neben organisatorischen,
arbeitsrechtlichen und wirtschaftlichen Fragestellungen lag ein
besonderer Schwerpunkt in der Prüfung der komplexen vergaberechtlichen und steuerrechtlichen Rahmenbedingungen
mit dem Ziel, die sogenannte „Inhouse-Fähigkeit“ zu erhalten.
Ergebnis dieser Prüfungen war der Entschluss, das zukünftige SSC-IT in der Rechtsform der eigenbetriebsähnlichen
Einrichtung zu führen. Eine Änderung der Betriebssatzung zur
Erweiterung der Selbstständigkeit in Personal- und Organisationsangelegenheiten soll dabei zukünftig zu einer qualitativ und
quantitativ adäquaten Personalausstattung beitragen.
STARTSSCHUSS 1. JULI

Nach dem formalen Zusammenschluss zum 1. Juli 2016 folgt
nun in einem weiteren Schritt die Neuorganisation des ESH
mit dem Ziel, die Aufbauorganisation sowie auch die Prozessorganisation an den erweiterten Kundenkreis und die veränderten Aufgaben anzupassen. Dieser Prozess wird umfassend
durch die GPA begleitet und wird frühestens Ende 2018 abgeschlossen sein.
Eine erfolgreiche Reorganisation des ESH zum Shared
Service Center IT wird in jedem Fall Grundlage für die Prüfungen weiterer Shared Service Center im Konzern Stadt Essen sein.
Für weitergehende Informationen steht die Betriebsleitung
des ESH zur Verfügung (info@esh.essen.de). Die Beschlüsse
des Rates der Stadt Essen finden sich im Ratsinformationssystem der Stadt Essen unter https://ris.essen.de/.

AUTOR: SIEGFRIED GRABENKAMP, BETRIEBSLEITER ESH

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SCHWERPUNKT: KONSOLIDIERUNG

Virtualisieren und auslagern

IT-Konsolidierung bei AKDB: Kommunen profitieren von Service-Center

›

Die IT-Konsolidierung im kommunalen Bereich hat
viele Facetten: Physische Systeme werden vereinheitlicht und zusammengeführt oder, wo möglich, gleich
zugunsten einer höheren Flexibilität virtualisiert. Auch das
Auslagern ganzer IT- und Bearbeitungsprozesse aus der
Kommunalverwaltung ist keine Seltenheit mehr, sondern
unumkehrbarer Trend.
Mit diesem Aspekt der IT-Konsolidierung verfolgen Kommunen
mehrere Ziele: Vor dem Hintergrund steigender Komplexität
müssen Städte, Gemeinden und Landkreise weiterhin Datenschutz und Datensicherheit garantieren können. Gleichzeitig
wollen sie die Hoheit und Kontrollfähigkeit über die eigene IT
dauerhaft erhalten, auf innovative, technologische Trends flexibel reagieren, einen leistungsfähigen, wirtschaftlichen, stabilen und zukunftsfähigen Betrieb sicherstellen sowie attraktive
Arbeitgeber für IT-Fachpersonal bleiben.
Doch das Auslagern von IT-Prozessen allein ist nicht die
letzte Evolutionsstufe kommunaler IT-Konsolidierung. Zunehmend entlasten sich Kommunen von komplexer und zeitaufwändiger Sachbearbeitung, die oftmals hohes Spezialwissen erfordert. Die AKDB übernimmt diese Tätigkeiten in ihren
Servicecentern.
ERGÄNZENDE DIENSTLEISTUNGEN

Die AKDB bietet begleitend zu ihren verschiedenen Softwarelösungen passgenaue Dienstleistungen zu den jeweiligen Fachverfahren an. AKDB-Kunden nehmen diese Dienstleistungen in zunehmendem Maße in Anspruch. So werden
aktuell monatlich über 27.000 Personalfälle im Servicecenter
Personalwirtschaft auf Basis der Personalmanagement- und
Abrechnungssoftware der AKDB abgerechnet. Ein Bereich,
der jährliche Steigerungsraten bei den Nutzerzahlen um fast
zehn Prozent verzeichnet. Das Servicecenter Personal bietet
modular aufgebaute Dienstleistungen rund um die Lohn- und
Gehaltsabrechnung und basiert auf einer im Rechenzentrum
installierten Arbeitsumgebung. Die Lösung ist für den Kunden
individuell zugeschnitten.
Maßgeschneidert heißt dabei, dass die Kommune selbst
bestimmt, welche Aufgaben in welchem Umfang ausgelagert
werden sollen. Die AKDB-Spezialisten bearbeiten alle übertragenen vergütungsrelevanten Fälle, bereiten die Abrechnung
vor, überprüfen die Ergebnisse, übernehmen auf Wunsch die
Reisekostenabrechnung und übersenden schließlich Lohnunterlagen, Auswertungen und Protokolle.
Kommunen ganz unterschiedlicher Größe werden auch
durch die Leistung der AKDB-Landesfamilienkasse entlastet.
Die Servicemitarbeiter der AKDB bearbeiten etwa 11.000 Fälle
im Monat. Dabei übertragen Gemeinden, Städte oder Landkreise die Kindergeldbearbeitung ihrer leistungsberechtigten
Mitarbeiter an die AKDB und ermöglichen ihren Kommunalverwaltungen dadurch Zeitersparnis, Reduzierung der Kosten
sowie mehr Konzentration auf das Wesentliche. Schließlich
runden noch das Servicecenter Grundstückswesen, das unter

INTERN Nr. 4 | 2016

anderem die vollständige Pflege aller Geobasisdaten und die
Dienstleistung eines entsprechenden Scan-Service umfasst,
sowie in Kürze das geplante Servicecenter Finanzwesen das
umfassende Dienstleistungsangebot der AKDB ab.
All diese Dienstleistungen haben gemeinsam, dass die
Sachbearbeitung komplex und zeitaufwändig ist. Sie erfordert
jeweils ein Spezialwissen, das die kommunalen Kunden häufig
nicht mehr vorhalten können. Eine Erkrankung oder das Ausscheiden von Fachmitarbeitern stellt Kommunen dann oft vor
schwerwiegende Probleme. Bei der Wiederbesetzung ist es
unter Umständen problematisch, qualifiziertes Fachpersonal
zu finden. Oftmals werden Mitarbeiter aus anderen Branchen
eingestellt, die keine Verwaltungsausbildung vorweisen können. Seitens der Gesetzgebung werden laufend neue Aufgaben
definiert, welche die Kommunen zusätzlich meistern müssen.
Dies ist aber angesichts einer ohnehin meist dünnen Personaldecke nur eingeschränkt möglich.
Andererseits ist auch eine veränderte und gestiegene Erwartungshaltung der Bürger an die Serviceorientierung ihrer
Verwaltungen zu beobachten. Diese kann in der Regel nur
dadurch erfüllt werden, dass Abläufe optimiert sowie aufwändige und komplexe Aufgaben ausgelagert werden. Kommunen
dürfen bei allen sich verstärkenden Tendenzen zum Outsourcing nicht außer Acht lassen, dass die Verantwortung für die
Auswahl eines zuverlässigen und sachkundigen Dienstleisters
immer beim Kunden verbleibt.
Mit der Errichtung verschiedener Servicecenter hat die
AKDB dazu beigetragen, Leistungsfähigkeit, Flexibilität, Sicherheit und Datenschutz der kommunalen Informationstechnik zu
verbessern. Die Bündelung der kommunalen IT bei öffentlichrechtlichen Dienstleistern birgt große Einsparpotenziale – nicht
zuletzt vor dem Hintergrund der zu erwartenden erheblichen
Kostensteigerungen durch eine immer komplexer werdende
IT insgesamt.
AUTOR: ANDREAS HUBER, AKDB

9

SCHWERPUNKT: KONSOLIDIERUNG

Mehr Effizienz

Die KITU eG stärkt die interkommunale Zusammenarbeit

›

Interkommunale Zusammenarbeit gehört zum Maßnahmenkatalog in der IT-Konsolidierung. Bestes Beispiel dafür: die Kommunale IT-Union eG (KITU) mit SItz in
Magdeburg. Michael Wandersleb, Vorstandsvorsitzender
der KITU, verrät im Gespräch, auf welche konkrete Art
und Weise sich interkommunale Zusammenarbeit stärken
lässt. Ein Erfolgsmodell im Bundesland Sachsen-Anhalt.
Herr Dr. Wandersleb, 38 Kommunen aus Sachsen-Anhalt
haben sich zur KITU – Kommunale IT-UNION eG zusammengeschlossen. Wann begann dieser Prozess und welche
Ziele verfolgt die Einkaufsgenossenschaft?
Am 22. Dezember 2009 wurde die Genossenschaft von der
Landeshauptstadt Magdeburg, der Gemeinde Barleben und
der KID Magdeburg GmbH ins Leben gerufen. Seit Beendigung der Gründungsphase vor fast genau sechs Jahren hat
sich die Zahl der Mitglieder, wie man sieht, erheblich erhöht.
Weitere Kommunen haben bereits positive Ratsbeschlüsse
gefasst und sind somit auf dem Weg
in die KITU.
„… durch
Gegen die Bezeichnung als Einkaufsgenossenschaft muss ich jedoch die Mitnutzung
ein kleines Veto einlegen. Die KITU
größere Strukwurde in erster Linie ins Leben gerufen, um es Kommunen speziell in turen lässt sich
Sachsen-Anhalt zu ermöglichen, inmehr Effizienz
terkommunale Zusammenarbeit auf
dem Gebiet der IT zu praktizieren.
erreichen...“
Dazu gehört sicherlich ein gemeinsamer Einkauf, aber eben auch die
Zusammenarbeit der Kommunen untereinander, zum Beispiel bei Änderungen der gesetzlichen
Rahmenbedingungen und der gemeinsame IT-Betrieb in der
KITU-Betriebsgesellschaft KID.
Welches Leistungsspektrum zeichnet die KITU aus?
Das Leistungsspektrum der KITU erstreckt sich vom klassischen IT-Betrieb mit Analyse, Beratung, Betreuung und Realisierung über die gemeinsame Beschaffung, die Einführung,
Betreuung und Bereitstellung von Fachverfahren bis hin zur
Förderung der interkommunalen Zusammenarbeit in Form
von der Durchführung diverser Arbeitskreise, Erfahrungsaustauschen und der gemeinsamen Erarbeitung von Standardisierungsparametern für die Integration beim Abschluss von
Rahmenverträgen.
Wo liegen die Schwerpunkte?
Die Schwerpunkte des KITU-Leistungsspektrums liegen in der
Unterstützung der Kommunen bei IT-Themen sowie in der Förderung der interkommunalen Zusammenarbeit.

INTERN Nr. 4 | 2016

Was sind die praktischen Vorteile dieser
Form von interkommunaler Kooperation?
Durch die Mitnutzung größerer Strukturen beim Betrieb von IT lässt sich eine
höhere Effizienz erreichen
und damit Haushaltsmittel einsparen. Änderungen von gesetzlichen
Rahmenbedingungen
könnten zeitnah in der
Zusammenarbeit mit anderen Kommunen umgesetzt werden. Und als
dritten Vorteil kann man anführen, dass die zunehmende Komplexität beim Einsatz von IT und die steigenden Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit durch fachkundiges
Personal bewältigt werden. Somit kann die Kommune ihr eigentliches Ziel, Steigerung der Attraktivität als interessanter
Wohn- und Unternehmensstandort im Wettbewerb der Regionen, besser erreichen.
Was macht die KITU aus Ihrer Sicht so erfolgreich?
Aus meiner Sicht ist die Wahl des Genossenschaftsmodells
der Erfolgsbringer. Es ermöglicht die einfache Aufnahme von
Mitgliedern ohne besondere formale Anforderungen. Es gibt
keine Bewertungsprobleme der Genossenschaftsanteile bei
Ein- beziehungsweise Austritt. Außerdem ist eine Genossenschaft eigenorganschaftlich strukturiert, Mitglieder und Handelnde verfolgen dieselben Interessen, eine Fremdorganisation
ist ausgeschlossen. Und die Rechtsform der Genossenschaft
erlaubt eine sehr auf Freiwilligkeit basierende partizipative
Organisation. Der „membership value“ steht im Vordergrund.
Die unternehmerischen Risiken können für die einzelne Mitgliedskommune kleiner als bei anderen Rechtsformen gehalten werden.
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Meine Pläne für die Zukunft der KITU sind zum einen die Stärkung und Festigung der Marktposition, indem weitere Mitglieder zu uns kommen. Aktuell decken die KITU-Mitglieder circa
51 Prozent der Einwohnerzahl Sachsen-Anhalts sowie circa
54 Prozent der Gesamtfläche Sachsen-Anhalts. Diese Zahlen
gilt es zu steigern.
FRAGEN: HELMUT MERSCHMANN, VITAKO

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SCHWERPUNKT: KONSOLIDIERUNG

Gemeinsames Bezahlverfahren
IT-Konsolidierung bei E-Payment in Niedersachsen

›

Konsolidierung hat viele Gesichter. Eines davon ist
die Kooperation. In Niedersachsen haben sich Kommunen, das Land, Sparkassen und IT-Dienstleister zusammengeschlossen, um elektronisches Bezahlen als
Standard zu entwickeln und anzubieten. Das Kooperationsprojekt pmPayment sieht ein landesweit verfügbares
Verfahren vor.
Der Wunsch der Bürgerinnen und Bürger, Verwaltungsverfahren elektronisch abzuwickeln, wird immer stärker. Wie
bei Bezahlvorgängen in anderen Branchen wollen die Bürger auch im Zahlungsverkehr mit der Verwaltung Zeiten und
Wege sparen. Die Idee der niedersächsischen kommunalen
IT-Dienstleister, E-Payment-Lösungen anzubieten, entspricht
daher ihren Bedürfnissen. Anstatt jedoch jeweils separate Lösungen zu entwickeln, haben sich die niedersächsischen kommunalen IT-Dienstleister darauf verständigt, eine gemeinsame,
konsolidierte Lösung pmPayment über das Gemeinschaftsunternehmen GovConnect anzubieten.
Niedersachsens Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, Vertreter der kommunalen Spitzenverbände, des Sparkassenverbandes Niedersachsen und der GiroSolution AG
befürworten die Konsolidierung zum E-Payment in Niedersachsen. Daher haben sie neben der GovConnect einen „Letter of
Intent zum E-Payment in Niedersachsen“ unterzeichnet.
Die Unterzeichner der Vereinbarung wollen das Land Niedersachsen und die niedersächsischen Kommunen sowie deren Einrichtungen bei der Einführung von Lösungen für das
elektronische Bezahlen unterstützen. Dabei sollen die Anforderungen des Gesetzes zur Förderung der elektronischen Verwaltung (EGovG) berücksichtigt und durch Online-Lösungen
erfüllt werden.
BÜRGERFREUNDLICHE VERWALTUNG

Durch den „Letter of Intent zum E-Payment in Niedersachsen“
haben sich die Unterzeichner dafür ausgesprochen, zusammen in einem Kooperationsprojekt zwischen Land, Kommunen,
Sparkassen und IT-Dienstleistern ein einheitliches landesweit
verfügbares Verfahren einzusetzen. Der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, resümiert: „Das
neuartige Bezahlverfahren im Internet soll landesweit eingesetzt werden und die Modernisierung in der Landes- und Kommunalverwaltung fördern und vorantreiben. Das Verfahren bietet hier eine wirtschaftliche Lösung und Handlungssicherheit.“
„Elektronisches Bezahlen (E-Payment) wird einen wichtigen Beitrag für eine bürgerfreundliche und moderne Verwaltung
leisten. Dafür müssen datenschutzgerechte, sichere und effiziente Verfahren bereitgestellt werden. Entscheidend ist, dass
alle Verfahrensschritte – einschließlich einer Bezahlmöglichkeit
– online abgewickelt werden können. Besonders zu loben in
dem Projekt ist die sehr gute Zusammenarbeit von Land, Kommunen, Kommunalen Datenzentralen und Sparkassen“, erklärte Uwe-Peter Lestin, Vizepräsident des Niedersächsischen
Städte- und Gemeindebundes, für die Arbeitsgemeinschaft

INTERN Nr. 4 | 2016

der Kommunalen Spitzenverbände Niedersachsens, der auch
der Niedersächsische Landkreistag und der Niedersächsische
Städtetag angehören.
Ein erster Meilenstein zur Erreichung dieses Ziels wurde
bereits gelegt. Neben fast 40 Landkreisen und Städten setzt
seit dem 1. März 2016 auch das Landesamt für Geoinformation
und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) das Produkt
pmPayment erfolgreich ein. Seitdem können die Kunden des
LGLN die Dienste „Bodenrichtwerte“, „Immobilienpreiskalkulator“, „Grundstücksmarktberichte“ und „Zwangsversteigerungsgutachten“ im Einzelabruf über die Lösung pmPayment der
GovConnect bezahlen. Als neueste Zahlmöglichkeit wurde
erstmals die Integration des neuen Angebots der Kreditwirtschaft, paydirekt, vorgestellt.
„Mit paydirekt können die Menschen in Niedersachsen
nunmehr sicher, einfach und schnell Verwaltungsleistungen
über das Internet mit dem eigenen Girokonto bezahlen. Die
Sparkassen bieten damit den Bürgerinnen und Bürgern sowie
den Kommunen ein in sich geschlossenes System mit Vorteilen
für alle“, unterstreicht Thomas Mang, Präsident des Sparkassenverbandes Niedersachsen.
Nachdem die GovConnect bereits die Bezahllösung für die
erste Stufe eines Prozesses zur internetbasierten Abmeldung
von Kraftfahrzeugen für die öffentlichen Verwaltungen in Niedersachsen bereitgestellt hat, soll der Einsatz des Produkts
pmPayment nun weiter ausgebaut werden und anwendungsübergreifend das Bezahlen im Internet ermöglichen. Dabei
wird der komplette Prozess vom Online-Bezahlvorgang über
die Anbindung der Fachanwendungen und des Bezahldienstes bis hin zur Integration der Finanzverfahren abgebildet. Mit
dem Einsatz von pmPayment können die gängigen Zahlarten
giropay, Lastschrift, Kreditkarte, paydirekt und PayPal zur Verfügung gestellt werden.
„Es ist eine richtige Entscheidung, dass hier ein gemeinsamer Weg in Niedersachsen beschritten wird. Dadurch entstehen wirtschaftliche Vorteile für alle Beteiligten und man kommt
dem Ziel, möglichst Standardkomponenten einzusetzen, ein
gutes Stück näher“, findet der Geschäftsführer der GovConnect, Torsten Sander.
AUTORIN: NINA FLEER, GOVCONNECT

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INTERVIEW

Die IT-Generalistin

Im Gespräch: Ines Fiedler, Vorständin ITDZ Berlin

Frau Fiedler, Sie sind neue Vorständin im ITDZ, arbeiten
dort aber schon seit 2013. Für welche Bereiche waren Sie
zuständig?
Anfang 2013 übernahm ich die Leitung der neu gegründeten
Abteilung Infrastruktur und Basisdienste. Hier war ich unter
anderem verantwortlich für die Rechenzentren, das Clientmanagement, die Infrastruktur der Telefonie der Berliner Verwaltung sowie das Berliner Landesnetz und die Einhaltung
von IT-Sicherheitsstandards. Im Dezember 2015 übernahm
ich Führung der Abteilung Kunden und Lösungen sowie die
kommissarische Leitung des ITDZ Berlin. Seit Mai 2016 agiere
ich als Vorständin des ITDZ Berlin.
Das ITDZ soll „service-orientierter Dienstleister und strategischer Partner der Berliner Verwaltung“ werden. Was
ist darunter zu verstehen?
Wir wollen als Partner auf Augenhöhe gemeinsam mit der Berliner Verwaltung das digitale Berlin gestalten. Dafür hören wir
ganz genau hin, um zu verstehen, was die Behörde erreichen
möchte und welche Kapazitäten ihr dafür zur Verfügung stehen.
Es ist uns wichtig, inhaltlich den Nerv zu treffen, verlässlich zu
sein und ein ausgewogenes Preis- Leistungsverhältnis anzubieten. Haben unsere Partner in der Verwaltung Probleme mit
der IT, wollen wir der erste Ansprechpartner sein. Als strategischer Partner des Landes Berlin werden wir zudem an der
Entwicklung und Fortschreibung von Standards mitarbeiten.
Eine standardisierte IT-Infrastruktur wird das neue technische
Rückgrat der Berliner Verwaltung.
Durch das Berliner E-Government-Gesetz soll das ITDZ für
die gesamte Berliner Verwaltung zentral zuständig werden.
Wie war die Situation bisher?
Im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern gab es in
Berlin bisher keine Abnahmeverpflichtung der Behörden für die
Leistungen des ITDZ Berlin. Wir standen in direkter Konkurrenz zu privaten Unternehmen in einem klassischen KundenDienstleister-Verhältnis mit der Berliner Verwaltung und haben
die ganze Bandbreite an IT-Dienstleistungen angeboten. Alle
Behörden auf Landes- und Bezirksebene gestalteten wesentliche Teile ihrer IT-Infrastruktur eigenständig und folgten in der
Beschaffung keinem einheitlichen IT-Standard. Die zunehmend
erforderliche behördenübergreifende Zusammenarbeit stößt in
Berlin dadurch an ihre Grenzen. Für das ITDZ Berlin bedeutet
die Arbeit mit der heterogenen IT-Infrastruktur im Land Berlin,
dass wir Experten für zahlreiche unterschiedliche technische
Standards vorhalten müssen.
Welche Umstrukturierungen stehen in Ihrem Haus an?
Wir werden durch das Berliner E-Government-Gesetz in die
Pflicht genommen, mehr IT-Services zu erbringen. Hierauf
müssen wir uns organisatorisch einstellen und zudem in vielen Bereichen wachsen und mehr Mitarbeitende gewinnen. Wir
werden zukünftig verstärkt als beratender IT-Experte gefragt
sein und müssen dafür unsere kommunikativen Fähigkeiten

INTERN Nr. 4 | 2016

Ines Fiedler ist seit Mai 2016 neue Vorständin im ITDZ Berlin, dem durch
das Berliner E-Government-Gesetz eine neue Rolle in der Hauptstadt-IT
zukommt: die eines zentralen IT-Dienstleisters für die zwölf Bezirke des
Landes Berlin..

ausbauen. Auch in der Organisationsberatung und bei strategischen Entscheidungen gilt es, die Kompetenz des ITDZ
Berlin zu stärken. Da wir perspektivisch die gesamte IT-Infrastruktur des Landes Berlin betreuen, gilt es hier Kompetenzen
auszubauen und die zuständigen Bereiche im ITDZ Berlin zu
verstärken. Dabei werden wir auf strategische Partner aus der
Wirtschaft setzen.
Sie kommen aus der freien Wirtschaft, welche Erfahrungen
bringen Sie für Ihre Aufgaben mit?
Ich befasse mich seit mehr als 20 Jahren mit Informationstechnik und war für Rechenzentren, Kundenmanagement, große
IT-Projekte verantwortlich und habe diverse Führungspositionen im IT-Management ausgefüllt. IT-Dienstleistungen sind
mir in fast allen Facetten vertraut. Gern bezeichne ich mich
daher als IT-Generalistin.
Inwiefern kann das Vitako-Netzwerk Sie bei Ihrer Arbeit
unterstützen?
Wir haben nicht den Anspruch, in Berlin ständig gänzlich neu
entwickelte Verfahren aus der Taufe zu heben. Deswegen orientieren wir uns verstärkt an E-Government-Lösungen, die bereits in anderen Bundesländern erfolgreich eingesetzt werden.
Gerne bringen wir auch unser Fachwissen in gemeinsam mit
anderen öffentlichen IT-Dienstleistern entwickelte Projekte ein.
Ich teile die Ansicht des Normenkontrollrats, dass die Wiederverwendbarkeit von IT-Verfahren oder sogar ein deutschlandweites Architekturmanagement erstrebenswert sind. In diesem
Zusammenhang kommt meiner Ansicht nach Vitako eine ganz
entscheidende Rolle zu.
FRAGEN: HELMUT MERSCHMANN, VITAKO

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AUS DER GESCHÄFTSSTELLE

Nachlese zum Zukunftskongress
Kommunale Ebene sollte besser eingebunden werden

›

Die Bundes-Arbeitsgemeinschaft
der Kommunalen IT-Dienstleister
war Ende Juni wieder mit einem Messestand auf dem Zukunftskongress
Staat & Verwaltung 2016 in Berlin vertreten. Die drei von Vitako veranstalteten Best-Practice-Dialoge verzeichneten regen Zuspruch. Die Präsenz
der kommunalen Ebene auf dem Kongress könnte jedoch noch verbessert
werden.
Der Berliner Zukunftskongress stand in
diesem Jahr unter dem Leitthema „Krise
als Chance - Wie fördern wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt?“ Damit wurde insbesondere auf die Flüchtlingssituation abgestellt und auf ihre Bewältigung
in den Kommunen sowie durch Länder
und Bund. Nachdem ein Vorsystem zum
Ausländerzentralregister für die Registrierung der Geflüchteten erfolgreich aufgesetzt worden ist und seine Anbindung
an die Länder- und Kommualsysteme augenblicklich implementiert wird, stehen
im Flüchtlingsmanagement nun soziale
Faktoren wie Spracherwerb und Integration auf der Agenda. Die Sozialwissenschaftlerin Jutta Allmendinger bezeichnete auf einer Podiumsdiskussion mit
Bundesinnenminister Thomas de Maizière die „soziale Einbindung als ebenso
großen Indikator für gesellschaftliches
Wohlergehen wie Einkommen und Bildung“. In dieser Hinsicht sei es generell
notwendig, dass sich soziale Kreise wieder mehr überschneiden und dass auch
Flüchtlinge daran teilhaben und etwa in
Vereinen eingebunden werden.
KOMMUNALE STIMME

Während auf dem Zukunftskongress an
vielen Stellen vor allem die Bundesperspektive dominierte, kam die kommunale
Stimme nur vereinzelt zu Gehör – unter
Beteiligung von Vitako. An dieser Gewichtung sollte weiter gearbeitet werden.
Schließlich sind es die Kommunen, die
von vielen Konferenzthemen unmittelbar betroffen sind und ihr Know-how und
ihre Perspektive zum allgemeinen Vorteil
einbringen können. Deutlich wurde dies
etwa auf dem Zukunftsforum „Von der EAkte zur E-Verwaltung“. Dort diskutierten

INTERN Nr. 4 | 2016

Praktiker die Vorteile und Herausforderungen bei der Einführung der E-Akte.
Hartmut Beuß, CIO
des Landes Nordrhein-Westfalen,
bezeichnete es
als „organisatorische Revolution“,
die elektronische
Aktenführung in
den Verwaltungen
einzuführen, „dies
aber muss begleitet werden“. Für
Beuß müssen die
Beschäftigten in
Verwaltungen unbedingt mitgenommen werden, er
kündigte diesbezüglich einen gegenwärtig in Vorbereitung befindlichen Masterplan zur Umsetzung des E-Government-Gesetzes an.
Johann Herzberg vom Berliner Vitako-Mitgliedshaus ITDZ berichtete über
die Umstrukturierungsmaßnahmen innerhalb der Berliner Verwaltung. Bis
Ende 2022 sollen dort alle Arbeitsplätze
auf E-Akte umgestellt werden. Derzeit
läuft ein Pilotprojekt in vier Berliner Pilotbehörden an. Dorothea Störr-Ritter,
Landrätin des Landkreises BreisgauHochschwarzwald, war der Ansicht, dass
Handlungsdruck erst durch die Zustände in der Verwaltung entstehe, die sich
mithilfe der E-Akte deutlich verbessern
würden. Andreas Pohler, der für IBM
Deutschland die Einführung der E-Akte
in der Bundesanstalt für Arbeit begleitet hat, empfahl eine Konzentration auf
die großen Fachverfahren. Dies müsse
beim Prozess der Umgestaltung und
beim Change-Management im Vordergrund stehen.
AUS DER PRAXIS FÜR DIE PRAXIS

Die Vitako-Geschäftsstelle hatte drei
Best-Practise-Dialoge für den Zukunftskongress vorbereitet. Zunächst ging es
um die Konsolidierung in der kommunalen IT. In der Öffentlichkeit bekannt sind
große Konsolidierungsprojekte der Bun-

des-IT (zum Beispiel: Bundesrechenzentrum). Darüber hinaus gibt es aber auch
innerhalb der kommunalen IT vielfältige
Konsolidierungsmaßnahmen, über die
Andreas Engel für den KDN, Gerd
Schramm für Dataport und William
Schmitt für den Datenverarbeitungsverbund Baden-Württtemberg berichteten.
Der Themenschwerpunkt in diese Ausgabe von „Vitako intern“ vertieft die Diskussion auf dem Zukunftskongress.
Darüber hinaus sprach Vitako-Geschäftsführerin Marianne Wulff mit Burkard Dregger (Netzpolitischer Sprecher
der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus) über das Berliner E-Government-Gesetz vor dem Hintergrund der
Digitalen Agenda für Kommunen (Themenschwerpunkt in der nächsten „Vitako
aktuell“). Ein weiterer Best-Practice-Dialog, an dem Johann Bizer (Dataport) und
Markus Hofmann (AKDB) teilnahmen,
stellte den elektronischen Workflow beim
Flüchtlingsmanangement vor.
AUTOR: HELMUT MERSCHMANN,
VITAKO

13

MELDUNGEN

MELDUNG

›

Am 8. August erscheint die neue
Ausgabe unseres Printmagazins
„Vitako aktuell“, dessen Themenschwerpunkt „Digitale Agenda für Kommunen und Regionen“ ist. Seit Herbst
vergangenen Jahres organisiert Vitako in Zusammenarbeit mit seinen Mitgliedshäusern Regionalkonferenzen
zu diesem Thema. Erstmals veröffentlichen wir Ergebnisse der Konferenzen, die in diesem Herbst weitergeführt werden.
Eine direkte Anbindung für alle
Meldebehörden in Kommunen an das
Ausländerzentralregister soll bis Ende
des Jahres realisiert werden. Den technischen und organisatorischen Prozess beschreibt Petra Mittag, Projektleiterin beim Bundesverwaltungsamt.
Ein Vitako-Positionspapier mit den
Ergebnissen der sogenannten Negativliste ist soeben fertiggestellt worden.
Tina Siegfried und Harald Schumacher
beschreiben darin das große Einsparpotenzial, wenn Antragsprozesse me-

›

›

SCHWERPUNK T DIGITALE AGENDA

dienbruchfrei gestaltet sind und keiner
Schriftform bedürfen.
„Online statt Blackout“ heißt ein
weiterer Beitrag, der die Smartphone-basierte Krisenkommunikation beschreibt. Ein lesenswertes Heft, das
Sie auch online lesen können.
Link: www.vitako.de/publikationen

Für den Beitritt Deutschlands zur
Open Government Partnership ist
ein Entwurf für einen Arbeitsplan vorgelegt worden. Im April 2016 hatte die
Bundesregierung beschlossen, der Open
Government Partnership (OGP) beizutreten. Die OGP ist ein Bündnis aus 70
Staaten, die sich der Idee des offenen
und kooperativen Regierungs- und Verwaltungshandelns bei Einsatz moderner
Technologien verpflichten. Der jetzt vorgestellte nationale Arbeitsplan macht unter anderem Vorschläge zur Stärkung von
offenen Daten, der Bürgerbeteiligung und

›

zum Kompetenzaufbau und bescheinigt
der Bundesregierung Expertise in den
Themenfeldern Zukunftsdialoge, Datenschutz und IT-Sicherheit. Die Zusammenarbeit des Bundes mit den Ländern
und Kommunen ist dem Arbeitskreis
besonders wichtig – gemeinsam konnte bereits das Datenportal govdata.de
realisiert werden. Der Entwurf steht zur
Kommentierung zur Verfügung.)
Link (PDF)

Übrigens: Um über aktuelle Nachrichten und Termine aus der Welt der
Public Sector IT auf dem Laufenden zu bleiben, können Sie auf der VitakoHomepage unseren wöchentlichen Newsletter „Branchenticker“ abonnieren.

INTERN Nr. 4 | 2016

Die Open-Data-Schnittstelle für Ratsinformationssysteme O-Parl wurde nach dreijähriger Entwicklungsarbeit
nun in der Version 1.0 fertiggestellt. Mithilfe dieser Schnittstelle können Anwendungsentwickler die öffentlichen Dokumentationen aus der Kommunalpolitik
abrufen und in Applikationen verarbeiten. Damit sollen mehr kommunale
Transparenz und Mitbestimmung ermöglicht werden.
Die Entwicklungsarbeit wurde von der
Open Knowledge Foundation koordiniert, zahlreiche ehrenamtliche Entwickler wirkten mit. Die Hersteller der
Ratsinformationssysteme, einige Städte und Nichtregierungsorganisationen
(NGOs) haben ebenfalls Informationen
und Code beigesteuert. Nun hoffen die
O-Parl-Entwickler, dass viele Hersteller
und Kommunen die Schnittstelle einführen. In den nächsten Wochen wird eine
zentrale O-Parl-Datenbank eingerichtet, deren API dann unter api.oparl.org
erreichbar sein wird.
Link: https://oparl.org/

›

OPEN GOVERNMENT
PARTNERSHIP

OPARL IST FERTIG

EU-WET TBEWERB: KOMMUNALE LÖSUNGEN

Mit dem „EC Sharing and Reuse
Award“ hat die Europäische Kommission einen Wettbewerb ins Leben gerufen, in dem die beste mehrfach eingesetzte kommunale IT-Lösung prämiert
wird. Überall in Europa sind in öffentlichen Verwaltungen zahllose IT-Lösungen und Services im Einsatz – und es
kommen ständig neue hinzu. Der erneute
Einsatz bereits bewährter IT-Lösungen
in anderen Szenarios könne indessen
Anwendern und Verwaltungen helfen,
Zeit und Kosten zu sparen. Zudem würde durch diese Art der Wiederverwertung auch die Kompatibilität verschiedener Systeme gesteigert. Am Wettbewerb
teilnehmen können grenzübergreifende,
nationale, regionale und lokale Verwaltungen. Ausgelobt sind Preisgelder bis
zu einer Höhe von 15.000 EUR. Einreichungen sollten spätestens zum 28. Oktober 2016 erfolgen, die Bekanntgabe
der Gewinner ist für März 2017 geplant.
Link

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AUS DER BRANCHE

Investitionen in Breitband

Schleswig-Holstein geht beim Glasfaserausbau an die Spitze

›

Schleswig-Holstein, das nördlichste Bundesland, setzt beim
Breitbandausbau seines Datennetzes auf den flächendeckenden Einsatz von Glasfaserkabeln. Als einziges Bundesland begnügt es sich
nicht nur mit kurzfristigen Bandbreitenzielen, sondern erneuert die
Infrastruktur, um langfristig beliebige Übertragungsraten bereitstellen zu können. Bereits jetzt weist
das Landesnetz einen Glasfaseranteil von 14 Prozent auf. Nach der
Neuausschreibung des Netzes wird
sich dieser Anteil deutlich erhöhen.
Als IT-Dienstleister der Verwaltung in
Schleswig-Holstein hat Dataport den
Anbieter 1&1 Versatel mit der Anbindung von Schulen, Landesdienststellen,
Behördenstandorten und kommunalen
Standorten an das extrem leistungsfähige Glasfasernetz beauftragt. Zu diesem Zweck plant 1&1 Versatel den Bau
von rund 300 Kilometer neuen Kabeltrassen und investiert einen mehrstelligen
Millionenbetrag.
Neben der 1&1 Versatel profitieren zahlreiche Unternehmen mit Sitz in
Schleswig-Holstein von diesem Großauftrag, so unter anderem die Hansewerk-Gruppe. Nach dem Motto „Aus der
Region, für die Region“ arbeitet 1&1 Versatel mit 26 Subunternehmern, vor allem
regionalen und kleinen Gesellschaften,
zusammen.
Kommunen und Stadtwerke in
Schleswig-Holstein verfolgen seit 2008
das Ziel, den Glasfaserausbau in Eigeninitiative voranzutreiben. Diese Netze stehen jetzt gebündelt zur Verfügung.
70 Prozent des Landesnetzes können
auf diese Weise wirtschaftlich mit Glasfasern versorgt werden. Ein Vorgehen,
das bundesweit einmalig ist.
GLASFASER FÜR SCHULEN

Erstmalig werden in Schleswig-Holstein
nun auch 800 Schulen Breitbandanschlüsse erhalten. Regionen, die nicht
wirtschaftlich mit Glasfaser versorgt werden können, werden von Dataport über
alternative Techniken wie Richtfunk an

INTERN Nr. 4 | 2016

Mit hochperformanter Glasfasertechnologie die Weichen für die Zukunft in Kommunen und Verwaltungen stellen. (Foto: Elbpresse.de)

das Breitbandnetz angeschlossen. Das
Land Schleswig-Holstein und Dataport
prüfen zudem, ob sie Strecken eigenständig mit Glasfaser ausbauen.
Staatssekretär Thomas Losse-Müller, Chef der Staatskanzlei SchleswigHolstein: „Mit den neuen schnellen Datenleitungen sind wir an jedem Ort, ob
auf dem Land oder in der Stadt, sofort
und unmittelbar mit der ganzen Welt
verbunden. Unsere Schülerinnen und
Schüler bekommen den schnellstmöglichen digitalen Zugang zum Wissen der
Welt. Schulen und Behörden können sich
schnell und breit vernetzen. Die sichere und ausbaufähige Infrastruktur des
Landesnetzes macht Schleswig-Holstein
damit bundesweit zu einem Vorreiter bei
der Digitalisierung.“
„Wir freuen uns, die öffentliche Verwaltung in Schleswig-Holstein durch diesen Auftrag Gigabit-fähig zu machen. Mit
Hilfe unserer hochperformanten Glasfasertechnologie hat Schleswig-Holstein
die Weichen klar für die Zukunft gestellt

und ist Vorreiter der Digitalen GigabitGesellschaft“, sagt Jürgen Herrnichel,
Vorsitzender der Geschäftsführung von
1&1 Versatel.
Johann Bizer, Vorstandsvorsitzender von Dataport, erklärt: „Die Strategie
von Dataport ist aufgegangen. In einem
einzigen Netz bündeln wir das Landesnetz, den BOS-Digitalfunk und fördern
den Breitbandausbau, indem wir diese
Netze nutzen. An dieses Netz sind Landes- und Kommunalverwaltungen, Polizeidienststellen und zukünftig auch alle
Schulen angeschlossen. So wird der
Glasfaserausbau zum Nutzen aller wirtschaftlich vorangetrieben und Breitband
in die Fläche getragen werden.“
AUTORIN: BRITTA HEINRICH, DATAPORT

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AUS DER BRANCHE

Mehr als IT-Highlights

KIRU präsentiert sich beim Kunden-Informationstag

›

Eine rundum gelungene Veranstaltung war der diesjährige Kundeninformationstag des Zweckverbandes
Kommunale Informationsverarbeitung
Reutlingen-Ulm (KIRU). Rund 240 Mitglieder, Kunden und Partner der KIRU
waren zu Gast am Standort in Ulm,
wo nicht nur IT-Highlights zu sehen
waren.
An 30 Infoständen rund um die kommunale IT konnten sich die Gäste über
aktuelle Themen informieren. Interesse
bekundeten sie vor allem an elektronischen Ablagesystemen im Einwohnerwesen oder beim Flüchtlingsmanagement,
aber auch an den mobilen Lösungen, wie
zum Beispiel im Bereich der Ordnungswidrigkeiten, beim Dokumentenmanagement, Sitzungsmanagement oder den
technischen Neuerungen zu WLAN- und
Hotspot-Lösungen. Das bewährte Konzept der 20-Minuten-Vorträge bot den
anwesenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Kommunalverwaltungen einen kurzen Einblick in die verschiedenen
Themenbereiche. Im Rahmen von zielgruppenspezifischen, moderierten Rundgängen wurden ausgewählte Lösungen
präsentiert. Im Anschluss an die Vorträge
und Rundgänge bestand Gelegenheit für
Fragen oder zum Austausch im sonnigen
Innenhof des Rechenzentrums, in der
Cafeteria oder im Zelt an der Kaffeebar.
Großer Andrang herrschte bei den Führungen durch die Produktion der KIRU.
Dort konnten die Gäste die Herstellung,
Kuvertierung und Verteilung der Druckerzeugnisse verfolgen.
KEYNOTE ÜBER
ZUSAMMENARBEIT

Mit einem Keynote-Vortrag zum Thema
Zusammenarbeit von Land und Kommunen in der IT eröffnete Ministerialdirektor
Stefan Krebs, der amtierende CIO des
Landes Baden-Württemberg, den Tag. Er
betonte vor circa 100 Zuhörern die Bedeutung von E-Government-Lösungen
für die Kommunalverwaltungen. Krebs
verwies in diesem Zusammenhang auch
auf den erfolgten Relaunch des Serviceportals des Landes Baden-Württemberg
Service-bw.de, das Vorteile für Kommu-

INTERN Nr. 4 | 2016

nen wie auch für Bürgerinnen und Bürger
bietet. Im Anschluss daran informierte die
KIRU-Geschäftsführung über den Sachstand der geplanten Fusion im Datenverarbeitungsverbund Baden-Württemberg.
AUS DEM 3D-DRUCKER

Im Rahmenprogramm lockte der Stand
der Firma Create viele Besucherinnen
und Besucher an, denn dort war zu sehen, wie ein Ulmer Münster auf einem
3D-Drucker entsteht. Modernste Monitortechnik in höchster Qualität präsentierte
die Firma VKT aus Pfullingen. In zwei
Kurzvorträgen zum Thema Arbeitswelt
erklärte die Trainerin und Beraterin Christiane Wittig, wie ein Leben in Balance
möglich ist und wie man gemeinsam gute
Entscheidungen treffen kann. Etwas Geschicklichkeit war gefordert, um sich auf
die Europameisterschaft vorzubereiten
und den Fußball mit den coolen, Smartphone gesteuerten KIRU-Kickern ins Tor
zu schießen.
STROMTANKSTELLE EINGEWEIHT

Beim gemeinsamen Pressetermin mit
dem Ulmer Oberbürgermeister und
stellvertretender KIRU-Verbandsvorsitzenden Gunter Czisch konnten KIRUGeschäftsführer Manfred Allgaier und
Geschäftsbereichsleiter Wolfgang Hoch
die zwei Stromtankstellen in Betrieb nehmen. Erster „Kunde“ waren die Entsor-

gungsbetriebe der Stadt Ulm (EBU), die
unter dem Motto „E-Mobilität bringt Ulm
voran“ mit einem strombetriebenen Fahrzeug unterwegs sind. Einige Kunden haben bereits Interesse bekundet, mit dem
Elektrofahrzeug zum Rechenzentrum
KIRU zu kommen. Die Ladestationen
stehen ausschließlich den Mitgliedern,
Kunden und Beschäftigten der KIRU zur
Verfügung. Die Nutzung durch die Verbandsmitglieder und Kunden ist derzeit
kostenlos, bei den Beschäftigten wird
über ein modernes Bezahlsystem direkt
über das Gehalt abgerechnet.
„Wir haben sehr viel positive Resonanz auf unseren Kunden-Informationstag von unseren Gästen erhalten“,
betont Thomas Wagner, Geschäftsbereichsleiter bei der KIRU. Ute Besch,
Abteilungsleiterin bei der Stadtverwaltung Ulm, kann dies bestätigen: „Sehr
gelungen die Kombination der Keynote
mit den Infos zur geplanten Fusion und
einer Messe, die den Besucherinnen und
Besuchern einen Überblick zu den aktuellen IT-Themen geboten hat. Gut ist die
20-Minuten-Taktung der Fachvorträge
als Appetizer für vertiefende Gespräche
an den Ständen oder als Diskussionsgrundlage mit Kolleginnen und Kollegen.“
AUTORIN: LINDA HANSELMANN, KIRU

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AUS DER BRANCHE

Einstieg in den Ausstieg

Beim LVR startet die Digitalisierung im Personalwesen durch

›

Schluss mit Akten schleppen
und Papierberge stapeln: Anfang
Juni startete im Landschaftsverband
Rheinland (LVR) die Arbeit mit der
elektronischen Personalakte – ein
großer Schritt, der viele Vorteile mit
sich bringt.
Lebenslauf, Vertrag, Arbeitszeugnis,
Unterlagen über Heim- und Telearbeit,
Krankenatteste – in den Personalabteilungen des LVR fallen riesige Mengen an
Papierbelegen samt Akten an. Ein Blick
in die Zahlen spricht im wahrsten Sinne
Bände: Allein in der Zentralverwaltung
gibt es für jeden der circa 4.500 Beschäftigten eine Papierakte mit durchschnittlich 200 Seiten plus optionaler Nebenakten. Macht summa summarum rund 1,25
Millionen Papierseiten.
All diese Dokumente müssen
schnell, vertraulich und zuverlässig bearbeitet, archiviert und wiedergefunden
werden können – eine Aufgabe, die angesichts zunehmender Mengen immer
schwieriger wird. Die Medienbrüche
durch die Koexistenz von Papier und
digitalen Dokumenten erschweren die
Arbeitsprozesse unter Einhaltung sämtlicher Datenschutzbestimmungen zusätzlich. Mit der elektronischen Personalakte, die beim LVR nun in weiten Teilen
eingeführt worden ist, wird ein wichtiger
Meilenstein zur Modernisierung der entsprechenden Prozesse erreicht.
AUF KNOPFDRUCK VERFÜGBAR

Bei der elektronischen Personalakte,
kurz ePA, handelt es sich um eine Software zur elektronischen Archivierung
und Verwaltung von Personalakten. Damit können alle personalaktenrelevanten
internen Bearbeitungsschritte innerhalb
eines digitalen Systems erfolgen. Dokumente unterschiedlicher Formate sowie
E-Mails werden direkt in die ePA geleitet.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Papierakten sind somit alle Personaldokumente
für berechtigte PersonalsachbearbeiterInnen auf Knopfdruck sofort verfügbar.
Dabei zeichnet sich die digitale Personalakte vor allem durch ihre effizienten

INTERN Nr. 4 | 2016

Bei der elektronischen Personalakte, kurz ePA, handelt es sich um eine Software zur elektronischen Archivierung und Verwaltung von Personalakten.

Auskunftsmöglichkeiten und weitgehend
automatisierten Prozesse aus, die eine
einfache und schnelle Handhabung sowie parallele Zugriffsmöglichkeiten gewährleisten. Die Vorteile für die Personalabteilungen zeigen sich unmittelbar:
Zeitgewinn durch mehr Übersichtlichkeit und Transparenz und nicht zuletzt
mehr Raum durch den Wegfall der
Akten-Lagerung.
INTEGRIERT IN SAP-MODUL

Angesichts dieser Vorteile verwundert es
nicht, dass die ePA auf breite Akzeptanz
bei den Nutzerinnen und Nutzern stößt.
Hierzu trägt auch bei, dass es sich nicht
um ein gänzlich neues System handelt.
Die ePA ist vollständig in das SAP-Modul
zur Personaladministration (HCM) integriert und bildet bekannte Arbeitsprozesse
digital ab.
Am 6. Juni fiel der Startschuss für
die ePA beim LVR. Die Software wurde
in einem ersten Schritt in den Dezernaten

der Zentralverwaltung implementiert, die
LVR-Klinik Köln wird in Kürze als erster
Pilot aus dem Klinikbereich folgen. Die
Digitalisierung der Alt-Akten ist zurzeit
noch in vollem Gange. Vorangegangen
war ein mehrjähriges gemeinsames Projekt des LVR-Fachbereichs Personal und
Organisation, der LVR-Klinik Köln, LVRInfoKom und dem Software-Hersteller
IT2Solutions. Der Einstieg in den Ausstieg aus der Papier-Personalakte ist ab
Herbst für alle Bereiche möglich, in denen es eine Personalsachbearbeitung
gibt.

AUTOR: ROBERT HELFENBEIN,
LVR-INFOKOM

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AUS DER BRANCHE

Auf dem aktuellen Stand

BSI prüft und bestätigt IT-Sicherheit bei der AKDB

›

Kunden, Partner und Bürger können sich weiter darauf verlassen,
dass die AKDB höchstmögliche Sicherheit für ihre IT-Systeme gewährleistet. Anfang Juli ging bei der AKDB
der Bescheid des Bundesamtes für
Sicherheit in der Informationstechnik
(BSI) über die erfolgreiche Re-Zertifizierung ein.
Das Anschluss-Zertifikat hat eine Laufzeit von drei Jahren und ist bis zum 6. Juli
2019 gültig. Dahinter steht aber mehr,
als man zunächst vermuten möchte: Es
zertifiziert sämtliche kundenspezifische
IT-Prozesse der AKDB, unter anderem

das Outsourcing-Rechenzentrum und
alle dort betriebenen Fachverfahren und
Dienste sowie die elektronischen Personenstandsregister in Bayern.
Das BSI hatte der AKDB bereits
2013 das ISO 27001-Zertifikat auf der
Basis IT-Grundschutz ausgestellt und
damit die Erfüllung der maximalen BSIAnforderungen bestätigt. Bei einer Zertifizierung attestiert ein akkreditierter
Auditor der AKDB ein umfangreiches ITSicherheitsmanagement-System (ISMS),
sichtet Dokumente, die den ISMS-Prozess beschreiben, führt eine mehrtägige Vor-Ort-Prüfung an verschiedenen
AKDB-Standorten durch und erstellt

schließlich einen ausführlichen, vom BSI
geprüften Auditbericht.
Bei der aktuellen Re-Zertifizierung
war die Prüfungstiefe ähnlich wie bei der
Erst-Zertifizierung und verursachte somit
einen vergleichbaren Aufwand. Mit der
Re-Zertifizierung richtet sich die AKDB
bei ihren IT-Sicherheitsprozessen erneut
an anerkannten Standards aus und lässt
sie durch eine neutrale Instanz wie das
BSI bestätigen. Die Re-Zertifizierung
schärft gleichzeitig das Sicherheitsbewusstsein der Mitarbeiter und garantiert
eine kontinuierliche Verbesserung und
Anpassung der IT-Sicherheit.
AUTOR: ANDREAS HUBER, AKDB

700 Terabyte Speichervolumen

krz-Speichersysteme modernisiert und auf zwei Standorte verteilt

›

Mit der Inbetriebnahme eines neuen Rechenzentrums stand das
Kommunale Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe (krz) vor der
Herausforderung, die zentralen IBMSpeichersysteme über zwei RZ-Standorte zu verteilen und gleichzeitig die
Storage-Hardware auf einen aktuellen
technischen Stand zu migrieren.
Seit 2012 betreibt das krz eine zentrale
Storageumgebung, bestehend aus vier
IBM V7000 Speichersystemen und mehreren IBM SVC-Virtualisierungsknoten.
Alle unternehmenskritischen Daten
wurden durch entsprechende Funktionalitäten der IBM Virtualisierungssoftware synchron, also in Echtzeit, über verschiedene Brandabschnitte gespiegelt.
Insgesamt wurden bisher 320 TB nutzbarer Speicherplatz zur Verfügung gestellt.
Bei der Speicherung wird ein Schichtenmodell (Storage Tiering) benutzt. Häufig
verwendete Daten werden auf schnellen, dafür kostspieligeren Speichermedien wie SAS-Platten und Solid State Drives (SSDs) vorgehalten, weniger häufig
nachgefragte Informationen dagegen auf
preisgünstigen SATA-Festplatten.
Mit der Inbetriebnahme des neuen
Gebäudes in der Bismarckstraße sollte
INTERN Nr. 4 | 2016

der Datenbestand über beide RZ-Standorte verteilt und gleichzeitig die StorageHardware erneuert werden. Dafür musste der neue Standort zunächst einmal
Netzwerk-technisch (LAN/SAN) angebunden werden. Nachdem dies erfolgt
war, konnten die beiden bestehenden
SAN-Fabrics mittels neuer Switch-Technik auf den neuen Standort ausgedehnt
werden. Danach wurden die neuen Komponenten der IBM-Storage Infrastruktur
(SVC-Nodes, IBM FS900 Flashsystem
und V7000-G2-Storagesystem) installiert. Nach der üblichen Funktions- und
Lasttestphase konnten die Systeme im
Dezember in Produktion gehen.
Die reine Datenmigration als Poolwechsel von vier IBM V7000-G1-Systemen auf zwei IBM V7000-G2- Systeme
stellte sich als Hintergrundprozess innerhalb des SVC-Clusters dar. Es wurden
nur Spiegelkopien migriert; dies jedoch
parallel zum Produktionsbetrieb. Für die
an den SVC-Virtualisierungscluster angeschlossenen Server war das ein völlig
transparenter Vorgang; sie bekamen davon rein gar nichts mit. Früher hätte aufwendig mit externer Unterstützung und
zusätzlichen Hilfsmitteln agiert werden
müssen, um Daten überhaupt migrieren
zu können. Beim krz entfällt dieser Auf-

wand seit dem Einsatz des IBM SVCVirtualisierungsclusters. Mit dessen Hilfe konnten die 320TB innerhalb von nur
zwei Wochen völlig in Eigenregie erfolgreich migriert und gleichzeitig auch noch
ein Generationswechsel der IBM Storwize-V7000-Systeme vollzogen werden.
Die neue Speicherumgebung stellt
insgesamt circa 700 TB zur Verfügung,
die vom SVC-Virtualisierungscluster intelligent und völlig selbstständig über
drei Tierstufen (Flash, SAS, NearlineSAS) je nach Zugriffshäufigkeit verteilt
werden. Abschließend bleibt anzumerken, dass die durchgeführten Tätigkeiten
eine wesentliche Vorrausetzung zur wirkungsvollen Umsetzung der Dual-SiteStrategie des krz zur Hochverfügbarkeit
von Infrastruktur und Anwendungen darstellen. Praktisch bedeutet die heutige
Ausbaustufe, dass 700 Millionen Bücher
mit jeweils 1.000 Seiten beim Lemgoer Serviceprovider gespeichert werden
können. Zum reinen Vergleich: Die Library of Congress (LoC) in Washington hat
aktuell 31 Millionen Bücher und andere
Druckerzeugnisse im Bestand, gefolgt
von der Britischen Nationalbibliothek mit
rund 25 Millionen Büchern.
AUTOR: RALF MAXIM, KRZ

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AUS DER BRANCHE

That‘s IT

Über 500 Teilnehmer beim krz-Forum 2016

›

Zum 15. krz Forum hatte das
Kommunale Rechenzentrum Minden-Ravensberg / Lippe (krz) seine
Kunden, Anwender und Partner eingeladen, um sich über die neuesten
Angebote für die kommunale IT aus
Lemgo zu informieren. Mit über 500
Gästen verzeichnete die Leistungsschau einen neuen Besucherrekord.
Unter den Gästen waren zahlreiche
Hauptverwaltungsbeamte aus den Kreisen Herford, Lippe und Minden-Lübbecke wie Bürgermeister Rainer Heller
(Stadt Detmold und krz-Gremienvorsitzender) und Bürgermeister Rüdiger Meier (Gemeinde Kirchlengern und stellv.
krz-Gremienvorsitzender). Hoher Gast
aus Düsseldorf war der stellvertretende
CIO des Landes NRW, Klaus Rastätter.
Unter den Besuchern konnten auch die
Geschäftsführer befreundeter kommunaler Rechenzentren wie Bernd Kürpick
(GKD Paderborn), Thomas Neukirch (civitec) und Bernd Möller (ITEBO) begrüßt
werden. Auch zahlreiche Software-Hersteller waren vertreten.
Unter dem Motto „That’s IT“ konnte das Forum seinen Kunden die Highlights „Einführung Neues Finanzwesen“,
digitale Aktenlösungen und das moderne
Bürgerservice-Portal präsentieren. Mit
dem mobilen Bürgerkoffer der Bundesdruckerei, einer Führung im Druck- und
Kuvertierzentrum oder einem Blick ins
Innere eines PCs bei „Schrauben locker“
mit den krz-Azubis bot es seinen Gästen
auch handfeste IT-Erfahrungen.
IT ZUM ERLEBEN

Besonderen Anklang fand das FabLab
Paderborn, das mit seinen 3D-Druckern
und Drohnen „IT zum Erleben“ präsentierte und umfassend über alle Aspekte dieser neuen Technologien referierte.
Über den „First Person View“ bei einem
Copter-Flug mit Kamera konnten die
Gäste uralte Sehnsüchte vom Fliegen
quasi Wirklichkeit werden lassen.
Eröffnet wurde das Forum durch
den Verbandsvorsteher, Bürgermeister
Dieter Blume aus Petershagen. Er betonte, wie wichtig das Miteinander zwischen Kommunen und IT-Dienstleister,

INTERN Nr. 4 | 2016

aber auch zwischen
den Verwaltungen
ist und warb für
eine gemeinsame
Infrastruktur: „Zusammen geht es
besser – im täglichen Geschäft,
aber vor allem
auch bei Störfällen, Krankheit von
Mitarbeitern oder
im Notfall.“ Das krz
sei dabei ein besonders wichtiger
Faktor: „Das Haus
ist funktionierende Reinhold Harnisch (vorne rechts), Geschäftsführer des krz und GastgeInterkommunale ber beim krz-Forum 2016, und Bürgermeister Dieter Blume aus PeZusammenarbeit tershagen begrüßt die Gäste.
- IT verbindet ja
buchstäblich.“
zielgerichtet vor Ort einzurichten, ist uns
krz-Geschäftsführer Reinhold Har- in den vergangenen Jahren als Bezirksnisch nahm in seiner Begrüßung das regierung gut gelungen. Es gibt KomStichwort der interkommunalen Zusam- binationsmöglichkeiten, die ungeahnte
menarbeit in OWL und darüber hinaus Unterstützung ermöglichen. Aber hier
auf. Er zeigte die aktuellen Herausfor- gilt: Lassen sie sich vor Antragsstellung
derungen auf: „Es bleibt viel zu tun. Wir beraten.“
müssen es aber auch anpacken! Und
Große Datenmengen und die dafür
zwar zusammen!“ forderte er.
benötigte technische Infrastruktur waren auch ein Thema, das Armin Merle
KREIS UND GEMEINDEN
von der ekom21 in seinem provokativ
Beim anschließenden Führungskräfte- betitelten Vortrag „Wer hat Angst vor
forum, welches von stellvertretendem der bösen Cloud? … Niemand?“ bekrz-Geschäftsführer Wolfgang Scherer handelte. „Dank der kommunalen Remoderiert wurde, hob Stefan Ostrau vom chenzentren arbeiten die Verwaltungen
Kreis Lippe in seinem Vortrag zum Breit- schon seit Jahrzehnten in einer sicheren
bandausbau die Bedeutung der Koope- ,Private Cloud‘“. Nun gelte es, die komration von Kreis und Gemeinden hervor. munale Cloud-Zukunft unter EinbezieEr beleuchtete die Besonderheiten der hung der Fachexpertise der kommunalen
Region ebenso wie die Notwendigkeit für IT-Dienstleister, die sie schon heute mit
alle Beteiligten, an einem Strang zu zie- ihrem Backbone als Rückgrat-Funktion
hen: „Zur flächendeckenden Breitband- wahrnehmen, weiter zu gestalten.
versorgung benötigen wir leistungsfähige Datenautobahnen. Diese Backbones FAIRER ARBEITGEBER
brauchen auch die Verwaltungen für ihre Das krz ist ein fairer Arbeitgeber. Dies
eigenen Netze – hier kann das krz eine bescheinigte die Fairness Ratings GmbH
wichtige Rolle übernehmen.“
dem ost-westfälischen Service-Provider
Dezernent Konstantin Plümer von aus Lemgo. Das krz hatte in den verder Bezirksregierung Detmold schloss gangenen Monaten ein Audit durchlaufen
sich dem an und erläuterte die Maßnah- und erhielt auf dem krz Forum in einer
men seiner Behörde, den Breitbandaus- feierlichen Übergabe das Zertifikat „Faibau in OWL zu fördern: „Die vielfältigen rer Arbeitgeber Work + Life“.
Fördermöglichkeiten von Bund und Land
„Unsere Mitarbeiter sind unser wichsinnvoll zu koordinieren und die Mittel tigstes Kapital. Als Arbeitgeber versu-

19

AUS DER BRANCHE

Ratings GmbH gestellt“, zeigte stellv.
krz-Geschäftsführer Wolfgang
Scherer in seiner Anmoderation
die Motivation zur
Durchführung des
Benchmarks auf.
87,3 Prozent
der
erreichbaren Punktzahl bescheinigte Auditor
Sebastian Baa„Fairer Arbeitgeber über alle untersuchten Organisationsbereiche“. Wolf- cke, Geschäftsfühgang Scherer, stellv. Geschäftsführer des krz, erläutert die Gründe, warrer der Fairness
um sich das krz dem Benchmark-Test unterzogen hat.
Ratings GmbH,
dem
Lemgoer
chen wir, ihnen für ihre anspruchsvol- IT-Dienstleister und fasste das Ergeble und engagierte Arbeit ein optimales nis wie folgt zusammen:
Umfeld zu schaffen. Mit Blick auf die
„Das krz ist über alle untersuchten
demografische Entwicklung müssen wir Organisationsbereiche hinweg ein faiuns auch bei der Mitarbeitergewinnung rer Arbeitgeber. Insbesondere Untersuund dem Arbeitgeber-Image immer wie- chungsbereiche wie das Arbeitsumfeld,
der hinterfragen. Dabei hilft uns auch die Aus- und Weiterbildung, die Verder externe Blick. Aus diesem Grund einbarkeit von Familie und Beruf sowie
hat sich das krz dem Audit der Fairness die betriebliche Teilhabe sind zum weit

überwiegenden Teil vorbildlich organisiert. Besonders bemerkenswert ist, dass
auf die Ausstattung der Arbeitsplätze im
krz viel Sorgfalt verwendet wird. Neben
dem Bereich Aus- und Weiterbildung ist
das Thema „Arbeitsumfeld“ einer der Organisationsbereiche, in welchen das krz
besonders gut dasteht.“ Zusatzpunkte
konnte der Lemgoer Arbeitgeber in den
Bereichen „Arbeitsumfeld“, „Aus- und
Weiterbildung“ sowie „Betriebliche Teilhabe“ für sich verbuchen.
Verbandsvorsteher Dieter Blume
und krz-Geschäftsführer Reinhold Harnisch freuten sich über das Ergebnis und
dankten den krz-Kolleginnen und Kollegen für das gute Ergebnis. „Wir sind auf
dem richtigen Weg, aber noch nicht am
Ziel. Für uns alle eine schöne Bestätigung des bisher Erreichten verbunden
mit einer hohen Motivation, die Anregungen des Auditors zu würdigen und
umzusetzen.“
AUTORIN: BETTINA HOVEN, KRZ

Neuer Besucherrekord zur eXPO!
Die ekom21-Hausmessen liegen voll im Trend

›

Über 530 Gäste haben am 8. Juni
die eXPO 2016 in Hanau besucht.
Die ekom21-Hausmesse, die bereits
zum vierten Male stattfand, ist als Mix
aus Vortragsprogramm am Vormittag, fachspezifischen Workshops am
Nachmittag sowie begleitender ganztägiger Fachausstellung konzipiert.
An 25 Messeständen präsentierten sich
die ekom21 und 40 Mitaussteller einen
ganzen Tag lang den Fachgästen aus
Kommunal- und Landesverwaltungen
sowie anderen Einrichtungen des öffentlichen Dienstes.
Durch das Programm führte Jörg
Bombach vom Hessischen Rundfunk.
Bombi, wie er liebevoll von seinen Fans
genannt wird, kennt die ekom21 gut.
Schließlich hat der versierte Journalist
bereits die „Erstlingsausgabe“ der eXPO
im Jahr 2013 moderiert. Auch in diesem
Jahr bestach seine Moderation wieder
mit viel Charme, Witz und Eloquenz.

INTERN Nr. 4 | 2016

Das diesjährige
Motto „Höchstleistungen!“ widmete sich nicht nur
den Superlativen,
die die Informationstechnologie
im Alltag erbringt,
sondern
auch
sportlichen Bestformen. Eine Parallele zwischen
menschlichen und
technologischen
Glanzleistungen
war dabei im Jahr
der olympischen Sommerspiele und der
Fußball-Europameisterschaft durchaus
beabsichtigt.
In seiner Begrüßungsrede ging
ekom21-Geschäftsführer Bertram Huke
auf die nach wie vor aktuelle Gefährdungslage durch Cyberkriminalität ein. Er
verwies dabei auf das vom Land Hessen,

den hessischen kommunalen Spitzenverbänden und der ekom21 gegründete Kommunale Dienstleistungszentrum
Cybersicherheit.
In einem Grußwort sprach Stadtrat
W. Axel Weiss-Thiel von der Stadt Hanau
über Höchstleistungen, die auf kommunaler Ebene erbracht werden. Dabei ging

20

AUS DER BRANCHE

se und ein Laufrobo- gut besucht waren. Im ersten Workshopter. Die Exponate die- block ging es um Cyberkriminalität, die
ser Spitzentechnologie LOGA-Produktfamilie, Finanzwesen, Arwaren ausgestellt und beitsplätze von morgen, Digitalisierung
wurden von den Besu- von Kommunen, Windows 10 und elekchern ausgiebig in Au- tronische Stundenzettel.
genschein genommen.
Die zweite Runde behandelte TheDes Weiteren wur- men, wie Virtual Desktop Management,
de der weltweit erste das „kindernetfrankfurt“, Haushaltsdaten,
Cybathlon vorgestellt, Bebauungspläne, Bürgerbüro Offenbach
ein Wettkampf der von und kommunale Internetauftritte. Der dritder Eidgenössischen te Block beschäftigte sich mit dem ReTechnischen Hoch- chenzentrum 2025, All-IP, E-Payment,
schule ausgerichtet IT-Revolution im Data Center, Sicherheit
wird und am 8. Ok- und Umweltschutz, Apps für mobiles Artober 2016 in Zürich beiten und dem Thema rechtssichere
ekom21-Geschäftsführer Bertram Huke hebt bei seiner Begrüßungsrede die Bedeutung des Kommunalen Dienstleistungszentrums Cystattfindet. Körperlich Gebühren und Beiträge.
bersicherheit hervor.
eingeschränkte Menschen aus aller Welt EIN FAZIT
er auch auf die Rolle der Informations- treten mithilfe neuester Assistenztech- Die eXPO 2016 war ein voller Erfolg!
technologie ein und sagte: „Wir pflegen nologien in sportlichen Disziplinen ge- Nicht nur, dass der Vorjahresrekord von
eine sehr gute Zusammenarbeit mit un- geneinander an.
450 Besuchern „geknackt“ wurde, auch
serem Partner, der ekom21“.
Außerdem war Thomas Böhme, die Umsetzung des Mottos „HöchstleisPeter Beuth, der hessische Minister Basketballer beim Rollstuhl-Sportver- tungen!“ mit allen Facetten, bis hin zum
des Innern und für Sport, ging auf die Di- ein Lahn-Dill, Nationalspieler im „Team Catering, sorgte für viel Lob von den Begitalisierung der Verwaltungen und auch Germany“ und Teilnehmer der diesjäh- suchern. Die Mischung von kurzweiliger
auf die ekom21 ein. „Hessen hat im Ver- rigen Paralympics in Rio de Janeiro zu Unterhaltung, aber dennoch fundierter
gleich zu anderen Bundesländern schon Gast bei der eXPO 2016. Böhme ist Fachinformation sorgte für allseits gute
sehr früh auf überzeugende E-Govern- mehrfacher Deutscher Meister, Deut- Laune. Sätze, wie „Ich komme nächsment-Lösungen gesetzt. Dadurch spie- scher Pokalsieger, Champions-League- tes Jahr auf jeden Fall wieder“ oder „Es
len wir im Ländervergleich ganz vorne Sieger und Weltpokalsieger. Besuchern war einfach toll! Ich bin begeistert von
mit. Diese Erfolgsgeschichte gilt es nun brachte er seinen Sport und seine per- diesem Angebot“, zeigen, dass sich die
fortzuschreiben“, so der Innenminister.
sönlichen Höchstleistungen näher. Wer Besucher wohl gefühlt haben.
wollte, konnte auf einem kleinen BasketDie nächste eXPO – das kommunale
NEUE PFADE BEGEHEN
ballfeld und in einem Profi-Sportrollstuhl IT-Forum der Extraklasse – findet am 21.
Die Keynote hielt das Berater-Duo „Förs- „ein paar Körbe“ mit ihm werfen.
Juni 2017 statt!
ter & Kreuz“. Anja Förster war Managerin bei einer der weltweit größten Ma- FACHAUSSTELLUNG UND
AUTOR: STEFAN THOMAS, EKOM21
nagementberatungen, Peter Kreuz war WORKSHOPS
Professor an der Wirtschaftsuniversität Den ganzen Tag über
Wien. Beide führen seit 2002 ihr eige- war die Fachausstellung
nes Unternehmen in Heidelberg. In ih- geöffnet, die sich über
ren Vorträgen und Büchern machen sie den ganzen Congress
Menschen Mut, ausgetrampelte Pfade Park Hanau erstreckte.
zu verlassen und neue ungewöhnliche Die ekom21 sowie rund
Ideen zu entwickeln. Für ihren Vortrag 40 Partnerunternehmen
„Anstiftung zum Querdenken – Sie kön- und Mitaussteller hatten
nen nichts Besonderes schaffen, indem den aktuellsten Stand
Sie die Besonderheiten anderer kopie- der Informationstechnoren“ erhielten die beiden besonders viel logie nach Hanau geholt
Applaus.
und gaben einen EinAuch die Sonderausstellung be- blick in die Zukunft der
schäftigte sich mit dem Motto „Höchst- Verwaltung. Die ekom21
leistungen!“. Martin Grimmer von der stellte allein rund 40
Technischen Universität Darmstadt Softwareverfahren und Vollbesetzte Workshops mit konzentrierten Teilnehmern.
stellte die neuesten wissenschaftlichen Dienstleistungen vor.
Ergebnisse aus seinem „Lauflabor“ vor.
Ab Mittag wurden in drei Zeitblöcken
Neben vielen innovativen Entwicklungen 20 Workshops zu aktuellen kommunagehörten dazu eine aktive Laufprothe- len IT-Themen angeboten, die durchweg

INTERN Nr. 4 | 2016

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AUS DER BRANCHE

Unterstützung der eIDAS-Verordnung
Aktuelle Governikus-Anwendung bietet etliche neue Funktionen

›

Pünktlich zum Wirksamwerden
der eIDAS-Verordnung am 1. Juli
2016 wurde Ende Juni die Anwendung
Governikus des IT-Planungsrates in
der Version 3.20.0.0 zur Verfügung gestellt. Die Version beinhaltet etliche
neue Funktionen und Komponenten,
darunter die Erweiterung um die Prüfung eIDAS-konformer Signaturen sowie die Unterstützung des XTA-Standards, um einen vereinfachten Zugang
zu OSCI-Transportinfrastrukturen zu
ermöglichen. Mit dem in der Anwendung bereits enthaltenen Authentisierungsserver kann mit der Version
3.20.0.0 ein SAFE-konformes Identitätsmanagement aufgebaut werden.
Durch den Einsatz der aktuellen Governikus-Version können sämtliche europäischen Signatur-Zertifikate geprüft werden, die von der EU-Kommission durch
Durchführungsbeschlüsse als verbindlich
erklärt und von der ETSI bislang spezifiziert wurden. SigG-konforme Signaturen
sind natürlich weiterhin prüfbar. Neben
den Prüfungen von in der öffentlichen

Verwaltung und in der Justiz versendeten Ende-zu-Ende-verschlüsselten OSCI-Nachrichten, ermöglicht die Kryptokomponente von Governikus 3.20.0.0
darüber hinaus auch die Prüfung von
S/MIME-Signaturen von E-Mails sowie
De-Mail-Signaturen.
XTA-STANDARD

Mit dem in der Governikus-Version
3.20.0.0 enthaltenen Governikus Communication Gateway (GCG) wird der
von der KoSIT spezifizierte XTA-Standard unterstützt. Dieser Standard wurde
entwickelt, da in manchen komplexen
E-Government-Anwendungen eine Aufteilung zwischen fachlichen IT-Verfahren und einer spezialisierten, sicheren
Transportinfrastruktur sinnvoll sein kann.
Ziel ist es, damit einen vereinfachten Zugang zu OSCI-Transportinfrastrukturen
zu ermöglichen.

unterschiedliche Szenarien für die Authentisierung mit unterschiedlichen Anforderungslevels. Diese reichen von der
Authentisierung mit Username und Password über Authentisierungen mit unterschiedlichen Zertifikaten bis hin zur Authentisierung mit der eID-Funktion des
Personalausweises.
Mit der aktuellen Version kann der
Autent-Server als SAFE-konformer Identitätsproxy sowie als Attribut- und Provisionierungsservice verwendet werden.
Somit lässt sich ein umfangreiches Identitätsmanagement mit dem Autent-Server
realisieren.
AUTORIN: PETRA WALDMÜLLERSCHANTZ, GOVERNIKUS

SAFE-KONFORMES
IDENTITÄTSMANAGEMENT

Der in der Anwendung Governikus enthaltene Autent-Server unterstützt bereits

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INTERN Nr. 4 | 2016

06.12.2012 17:05:17

22

AUS DER BRANCHE

Neue Wege in der Kommunikation
KRZN setzt bei Werben um Fachkräfte auf Bewegtbild

im KRZN lässt der Dienstleister die Zuschauer Alexander Hosters (22 Jahre),
Fachinformatiker, und Nadine Hansen
(21 Jahre), duale Studentin, über die
Schulter schauen. Frei von der Leber
weg erzählen sie, wie ihr Alltag aussieht
und wie die Herausforderungen. Für die
Außenaufnahmen wurde unter anderem
eine Kameradrohne eingesetzt.
KEINE PLATTEN BOTSCHAFTEN

›

Das Kommunale Rechenzentrum
Niederrhein (KRZN) geht neue
Wege in der Kommunikation. Grund
ist der zunehmende Wettbewerb um
junge Fachkräfte, der durch die Digitalisierung und den demografischen
Wandel angetrieben wird. Das KRZN
setzt nun verstärkt auf Video und Social Media.
„Junge Fachkräfte werden auf dem Arbeitsmarkt immer rarer. Das merken
auch wir beim KRZN“, sagt Horst Hermanns, einer der beiden Geschäftsleiter
des KRZN. Das Rechenzentrum hat deshalb früh angefangen, seine Fachkräfte
selbst auszubilden. In Kooperation mit
dem Mercator Berufskolleg, der Schule

INTERN Nr. 4 | 2016

für Technik (beide Moers), der Hochschule Rhein-Waal am Standort Kamp-Lintfort
und der Fachhochschule für öffentliche
Verwaltung NRW am Standort Duisburg
bildet das KRZN in den Bereichen Fachinformatik, E-Government und Verwaltungsbetriebswirtschaftslehre aus. „Die
Ausbildung ist sehr gut, die Zukunftsperspektive auch. Jetzt geht es für uns darum, dass sich das herumspricht“, betont
Horst Hermanns.
„Bewegtbild bewegt“, begründet
Jonas Fischer, ebenfalls Geschäftsleiter des KRZN, die Weichenstellung hin
zu Video. „Die junge Generation ist sehr
affin zu Bild und vor allem Video. Genau hier wollen wir sie abholen“, betont
er. Im neuen Video über die Ausbildung

„Es geht uns nicht um platte Werbebotschaften, die würden von den jungen
Leuten schnell entlarvt“, so Horst Hermanns. „Wir sind von unseren Qualitäten
als Arbeitgeber überzeugt. Es gab kein
Skript oder irgendwelche Vorgaben.“
Authentisch sein und Sympathie wecken, das sei schon das Ziel des ersten
Imagefilms über das KRZN gewesen.
Diese Linie verfolge man nun weiter. Das
Werben über Youtube aber auch über
Social Media-Kanäle wie Facebook wolle
man weiter forcieren. „Wer von den jüngeren Leuten wahrgenommen werden
will, muss auch verstärkt im Netz präsent
sein“, betont Geschäftsführer Fischer.
Anschauen kann man sich die Videos
auf: www.facebook.com/krzn.de

AUTOR: KASPAR MÜLLER-BRINGMANN,
KRZN

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BERICHT AUS DER EU

Auf Nummer sicher

EU Parlament beschließt Cybersicherheitsrichtlinie

›

Das Europäische Parlament hat
am 6. Juli „Maßnahmen zur Gewährleistung einer hohen gemeinsamen Netz- und Informationssicherheit
in der Union“ beschlossen. Die Richtlinie tritt im August 2016 in Kraft und
soll insbesondere Cybersecurity auf
nationaler Ebene verbessern.
Um dieses Ziel zu erreichen, werden die
Mitgliedsstaaten verpflichtet, eine nationale Strategie auszuarbeiten, die unter
anderem Maßnahmen zur Vorbereitung,
Gegenwehr und Wiederherstellung der
IT-Systeme enthält sowie Kooperationsmöglichkeiten und Risiken analysiert. Um
bei einem Cyberangriff reaktionsfähig zu
sein, sollen die nationalen Regierungen
unter anderem eine oder mehrere kompetente Behörden benennen, die die
Umsetzung der Richtlinie überwachen.
Des Weiteren soll es einen zentralen Ansprechpartner geben, der sich in die EUweite Kooperation einbringt. Zudem sollen nationale Computer Security Incident
Response Teams (CSIRT s) aufgebaut
werden, die dann ebenfalls auf europäischer Ebene zusammenarbeiten.
DEUTSCHE PLÄNE FÜR CSIRTS

Den CSIRTs schreibt die EU-Richtlinie
bereits konkrete Aufgaben wie die Beobachtung der Sicherheitslage, aber auch
der konkrete Einsatz im Gefahrenfall vor.
Über Pläne zur Schaffung solcher „Cyber-Teams“ in Deutschland berichteten
bereits verschiedene deutsche Medien und kommentierten diese als „kaum
umsetzbar“. Berichtet wurde, dass das
Bundesinnenministerium derzeit an einer
„Cybersicherheitsstrategie für Deutschland“ arbeite, deren Eckpunkte derzeit
zwischen den Bundesministerien diskutiert werden. Ein Kabinettsbeschluss
ist für den Herbst geplant. Gemäß den
EU-Vorgaben sollen auf nationaler Ebene „schnelle Eingreiftruppen“ gegründet werden. In Deutschland könnte es
nach Plänen des Bundesinnenministeriums ein „Mobile Incident Response Team (MIRT ) beim BSI geben, eine
weitere Einheit soll dem Bundesamt für
Verfassungsschutz unterstellt werden
und eine „Quick Reaction Force“ könn-

INTERN Nr. 4 | 2016

te beim Bundeskriminalamt entstehen.
Neben der strukturellen Umsetzung der
EU-Vorgaben, umfassen die Pläne nach
Medienangaben auch eine Kryptostrategie, die von der Netzgemeinde skeptisch
kommentiert wird.
Das Leitmotiv „Sicherheit durch Verschlüsselung und Sicherheit trotz Verschlüsselung“ wird dort von der Sorge
begleitet, dass die staatliche Überwachung ausgebaut werden könnte. Der
stellvertretende Vorsitzende der Fraktion
Bündnis 90/ Die Grünen, Konstantin von
Notz, kritisierte die Pläne des Bundesinnenministers als „nicht geeignet, IT-Sicherheit effektiv zu erhöhen“. Er fordert
dagegen eine größere Unabhängigkeit
des BSI, durchgehende Ende-zu-EndeVerschlüsselungen in allen IT-Großprojekten und eine Ausweitung der Haftung.
Im Blog „GrünDigital“ kritisiert von Notz
zudem, dass die Bundesregierung „eine
verfassungsrechtlich höchst fragwürdige, völlig neue Sicherheitsarchitektur für
den digitalen Raum“ entwickeln wolle,
aber gleichzeitig die parlamentarische
Kontrolle massiv erschwere. Bedenken
äußert der Koordinator der Fraktionsarbeitsgruppe für Innen-, Rechts- und Gesellschaftspolitik auch bezüglich der geplanten Kooperation staatlicher Stellen
mit „Providern und dem Scannen jedweder Online-Kommunikation“.
Die von der EU vorgegebene Richtlinie macht den EU-Mitgliedsländern allerdings auch bei der Zusammenarbeit
mit Providern Vorgaben: „Digital service
providers“ werden zu „appropriate security measures“ verpflichtet, um Risiken zu
vermeiden und die Systemsicherheit zu
gewährleisten. Anhand von fünf Parametern sollen die Provider zukünftig prüfen,
ob ein Vorfall für die nationalen Behörden
von Relevanz ist. Dazu gehören unter
anderem die Anzahl der Betroffenen sowie die Auswirkungen auf wirtschaftliche
und gesellschaftliche Aktivitäten.
EU-WEITE KOOPERATION UND
INFORMATIONSAUSTAUSCH

Um die Effektivität der Maßnahmen zu
erhöhen, wird die Kooperation zwischen
den EU-Mitgliedern durch die Einrichtung einer „Cooperation Group“ erhöht.

Auf der Grundlage eines zweijährigen
Arbeitsprogramms, das im Februar 2018
erstmals vorgelegt werden soll, entwickeln die nationalen Vertreter unter anderem Standards für den Umgang mit
Cybersicherheitsfragen und leiten die
CSIRTs an. Darüber hinaus sollen Informationen und „best practice“-Beispiele ausgetauscht werden. Auch dem
CSIRTs-Netzwerk, das auch die Computer Emergency Response Team for the
EU institutions, agencies and bodies
(CERT-i EU) umfasst, weist die Richtlinie
konkrete Aufgaben wie die Zusammenarbeit bei grenzüberschreitenden Cyberangriffen oder die Entwicklung von konkreten Handlungsanweisungen bei der
operativen Kooperation zu. Spätestens
zwei Jahre nach Inkrafttreten der Richtlinie und dann alle 18 Monate sollen die
CSIRTs über ihre operativen Erfahrungen Bericht erstatten und Empfehlungen
zur Weiterentwicklung abgeben.
ANVISIERTER ZEITPLAN

Der Zeitplan für die Umsetzung der
Richtlinie sieht den Start der Cooperation Group bereits im Februar 2017 vor,
während die Umsetzung der Richtlinie
in nationales Recht erst ein Jahr später
abgeschlossen sein muss. Bis November 2018 sollen die Mitgliedsstaaten eine
Aufstellung der kritischen Infrastrukturen
nach Brüssel melden, die dann innerhalb von sechs Monaten von der EUKommission überprüft wird. Die Liste der
Sektoren, die als „operators of essential
services“ eingestuft werden, ist wesentlich kürzer als in der KRITIS-Strategie
der deutschen Bundesregierung. Dort
sind neben Energieversorgung, Transport und Verkehr, Finanz- und Versicherungswesen, Gesundheitswesen und
(Trink-) Wasserversorgung auch noch
Notfall- und Rettungswesen, Katastrophenschutz, Parlament, Regierung, öffentliche Verwaltung, Justizeinrichtungen, die Abwasserentsorgung, Medien
und Kulturgüter und ganz allgemein In-

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BERICHT AUS DER EU

system service
providers, top level
domain name registries“ auf.
KOOPERATION
MIT DER
INDUSTRIE

formations- und Kommunikationstechnologien genannt. Die EU-Richtlinie zählt
dafür explizit als digitale Infrastruktur „internet exchange points, domain name

Einen Tag vor der
Abstimmung im
EU-Parlament hat
die EU-Kommission ein Private-Public-PartnershipAbkommen zur
Cybersicherheit unterzeichnet, das Investitionen in Höhe
von 1,8 Milliarden
Euro bis 2020 anreizen soll. In ihrer Mitteilung „Strengthening Europe‘s Cyber
Resilience System and Fostering a Competitive and Innovative Cybersecurity In-

TERMINE
17. August 2016 … KGSt-Konferenz jg. Verwaltungskräfte … Berlin
30. August 2016 … 17. ÖV-Symposium … Aachen
7. September 2016 … Vitako-Regionalkonferenz … Schwerte
12. September 2016 … Internet of Things Conference … Berlin
20. September 2016 ... Datenschutztag 2016 ... Köln

www.itkalender.de  … für mehr Informationen + Termine

dustry“ unterstreicht die EU-Kommission,
dass die Notwendigkeit besteht, es aber
auch eines großen Maßes an Engagement bedürfe, um wenigstens einen Teil
der Wertschöpfungskette in Europa zu
halten: „there is a need to at least retain
and develop certain essential capacities“.
Aus dem EU-Förderprogramm „Horizon 2020“ werden Mittel in Höhe von
450 Millionen Euro investiert in der Erwartung, dass die Cybersicherheits-Industrie – organisiert in der European Cyber Security Organisation (ECSO) – das
dreifache der Summe für die Entwicklung
neuer Produkte aufbringt. Um die Fragmentierung des Marktes zu überwinden
und den Zugang zu erleichtern denkt die
EU-Kommission zudem über ein „European certification framework for ICT security products“ nach.

›

ME LD U N G

Ein neues zentrales „digitales Zugangstor“ soll Bürger wie Unternehmen besser über die Möglichkeiten des
europäischen Binnenmarktes informieren. Es soll die Nutzer mit allen Informationen versorgt, die sie benötigen, um
grenzüberschreitend Geschäfte zu machen, innerhalb der EU zu reisen, zu leben, zu studieren oder zu arbeiten. Dazu,
wie dieses Instrument bestmöglich auf
die Bedürfnisse seiner Nutzer ausgerichtet werden kann, hat die EU-Kommission
eine öffentliche Konsultation gestartet.
Die Konsultation richtet sich an Bürger,
Unternehmen, öffentliche Verwaltungen
und andere Interessenvertreter und läuft
bis 21. November 2016. Link

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