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Full text: Open Education in Berlin / Dobusch, Leonhard

Eine Publikation der

Open Education in Berlin:
Benchmark und Potentiale

IMPRESSUM
Erstellt im Auftrag der Technologiestiftung Berlin
Fasanenstraße 85 · 10623 Berlin · Telefon +49 30 46302 500
info@technologiestiftung-berlin.de · technologiestiftung-berlin.de

Leonhard Dobusch
Maximilian Heimstädt
Jennifer Hill
Juniorprofessur für Organisationstheorie
Freie Universität Berlin – Management-Department
Boltzmannstraße 20, 14195 Berlin
Telefon +49 30 838 56274
leonhard.dobusch@fu-berlin.de
wiwiss.fu-berlin.de/dobusch

Lektorat
Dr. Dieter Müller, Sebastian Seitz
Gestaltung
webersupiran.berlin

Dieses Projekt der Technologiestiftung Berlin wird gefördert aus Mitteln des Landes Berlin und
der Investitionsbank Berlin, kofinanziert von der Europäischen Union – Europäischer Fonds für
Regionale Entwicklung. Investition in Ihre Zukunft.

This work is licensed under a
Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International License

Inhalt
1.	Einleitung	

4

2.	

Grundlagen: Was sind Open Educational Ressources?	

5

2.1	 Begriffsklärung: Open Educational Resources	

5

2.2	 Internationale Entwicklungen im Bereich OER	

6

2.3	 Entwicklung zu OER in Deutschland	

6

2.4	 Publikationen zu OER in Deutschland	

7

3.	

Benchmark: OER Ist-Situation in Berlin	

10

3.1	 Zielsetzung und Erhebungsmethodik des Digitalen Offenheitsindexes ([do:index]) 	

10

3.2	 Digitaler Offenheitsindex: Open Education	

10

3.3	 Auswertung des OER-Teilrankings	

11

4.	Methodik	

14

5.	

Strukturen des Berliner Bildungssystems	

15

5.1	Politische Beschlusslage hinsichtlich OER in Berlin	

15

6.	

7.	

5.2	Die Berliner Schullandschaft	

15

5.3	Finanzierung von schulischen Lehr- und Lernmitteln	

16

5.4	Das Fortbildungssystem für Lehrkräfte	

18

5.5	Lehr- und Lernunterlagen an Berliner Universitäten und Hochschulen	

18

Potenziale und Herausforderungen für OER in Berlin	

19

6.1	Ansatzpunkte für OER im Berliner Schulsystem	

19

6.2	Ansatzpunkte für OER an Berliner Hochschulen	

26

6.3	Zwischenfazit zu Ansatzpunkten für OER im Berliner Bildungssystem	

28

OER in Berlin: Handlungsoptionen	

30

7.1	 Handlungsempfehlungen für OER im Schulbereich	

30

7.2	 Handlungsempfehlungen für OER im Hochschulbereich	

32

7.3	 Sonstige Handlungsempfehlungen	

33

8.	Anhänge	

34

9.	Literaturverzeichnis	

38

3

1.	 Einleitung

Die Bewegung für offenen Zugang zu Lehr- und Lernunterlagen

So global diese Vision, so lokal und bisweilen auch trivial sind

(Open Educational Ressources, OER) ist getragen von der Idee,

hingegen sowohl die Potenziale von OER als auch die Hürden,

dass neue digitale Technologien mehr ermöglichen – und erfor-

die der Umsetzung von OER-Strategien entgegenstehen. War-

dern – als die bloße Digitalisierung von Schul- und Lehrbüchern.

um nicht mit anderen Lehrenden aus der Region gemeinsam

Organisationen wie die UNESCO, die OECD und zahlreiche Bil-

Lehr- und Lernunterlagen erstellen, austauschen und adaptie-

dungseinrichtungen auf der ganzen Welt sehen in OER vielmehr

ren? Gerade vor Ort bieten OER die Chance für Kooperation von

die Chance, sich der Utopie einer globalen Wissensallmende

Lehrenden mit ähnlichen Themenfeldern und Aufgabengebie-

zumindest im Bildungsbereich tatsächlich annähern zu können.

ten. Aber wo ansetzen, im oft unübersichtlichen und verschach-

Wissensallmende meint dabei den offenen, freien und gleichen

telten Kompetenzgeflecht von Schul- und Universitätsverwal-

Zugang zu Bildungsmaterialien, um diese zu nutzen, zu überset-

tung? Was muss sich ändern, was sollte besser so bleiben, wie

zen, anzupassen, zu rekombinieren und mit anderen zu teilen.

es ist? Wer ist in der Lage, einen Anfang zu machen? Ziel der
vorliegenden Studie ist es, einen Beitrag zur Beantwortung

Voraussetzung für OER ist die Nutzung offener Urheberrechtsli-

dieser Fragen zu liefern. Der Fokus auf die Situation in Berlin

zenzen, offener Formate und offener Plattformen im Bildungs-

sowie die Beschränkung auf die Bereiche Schule und Universi-

bereich. Sämtliche Stakeholder im Bildungsbereich – Lehrkräfte,

tät dienen dazu, möglichst konkrete Chancen und Probleme zu

SchülerInnen und Studierende, Eltern, Bildungseinrichtungen

identifizieren und ebensolche Handlungsempfehlungen zu ent-

und -träger, Bildungsmedienverlage sowie Bildungspolitik und

wickeln. In Ansätzen soll die Untersuchung in Berlin aber auch

-verwaltung – betreten mit OER bis zu einem gewissen Grad

einen Vergleich mit der Situation in anderen deutschen Bundes-

Neuland. Es gilt, eingefahrene Vergabe- und Finanzierungsbah-

ländern ermöglichen. Zu diesem Zweck wird zu Beginn der Un-

nen zu verlassen, neue Lizenzierungs- und Nutzungswege zu

tersuchung die Ist-Situation in Berlin im Kontrast mit anderen

erschließen. Gleichzeitig ist mit OER auch ein Anknüpfen an die

Bundesländern dargelegt. Die dafür notwendigen Daten wur-

älteste Bildungspraktik schlechthin verbunden: Weitergabe von

den im Rahmen des Projekts „Digitaler Offenheitsindex“ ([do:in-

Wissen zwischen Lehrenden und Lernenden sowie innerhalb

dex]) mit finanzieller Unterstützung der Internetprivatstiftung

dieser Gruppen. Was immer schon in jeder Schule und jeder

Austria sowie Wikimedia Deutschland erhoben.

Universität auf der Tagesordnung stand und bis heute steht
– der Austausch von Lernmaterialien unter KollegInnen – wird

Die Erstellung der vorliegenden Untersuchung wurde ermög-

durch OER auch über die Grenzen der Bildungseinrichtungen

licht mit finanzieller und logistischer Unterstützung der Tech-

hinaus möglich.

nologiestiftung Berlin.

4

2.	 Grundlagen: Was sind Open Educational
Ressources?

pp OECD Studie (2006):3 Open Educational Resources sind „di-

2.1	 Begriffsklärung: Open Educational Resources

gitalisierte Materialien, die frei und offen für Lehrende, LerEine Herausforderung bei der Arbeit zu OER ist die Tatsache,

nende und Selbstlerner zur Nutzung und Weiterverwendung

dass bisher kein Konsens über eine eindeutige Definition des

für Lehre, Lernen und Forschung angeboten werden. OER

Begriffs herrscht. Diverse internationale Konferenzen und Or-

schließen sowohl Lerninhalte, als auch Software Tools zur

ganisationen haben unterschiedliche Definitionen hervorge-

Entwicklung, Nutzung und Verbreitung von Inhalten sowie

bracht; im Folgenden greifen wir drei dieser Begriffsklärungen

Ressourcen zur Implementierung dieser Inhalte – beispiels-

exemplarisch heraus (siehe auch Abbildung 1):1

weise offene Lizenzen – mit ein“.

pp Pariser Erklärung zu OER (2012):2 Open Educational Resour-

pp Kapstadt Open Education Erklärung (2007):4 „Lizenzbedin-

ces sind „Lehr-, Lern- und Forschungsressourcen in Form je-

gungen für Open Educational Resources sollten die Nutzung,

den Mediums, digital oder anderweitig, die gemeinfrei sind

Veränderung, Übersetzung, Verbesserung und Weitergabe

oder unter einer offenen Lizenz veröffentlicht wurden, wel-

des Materials ermöglichen. Es soll in technischen Forma-

che den kostenlosen Zugang, sowie die kostenlose Nutzung,

ten bereitgestellt werden, welche die Verwirklichung dieser

Bearbeitung und Weiterverbreitung durch Andere ohne oder

Möglichkeiten unterstützen und Nutzern verschiedener Com-

mit geringfügigen Einschränkungen erlauben. Das Prinzip der

putersysteme zugänglich sind. So weit möglich, sollten die

offenen Lizenzierung bewegt sich innerhalb des bestehen-

Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung berücksichtigt

den Rahmens des Urheberrechts, wie er durch einschlägige

werden. Idealerweise sollten auch Nutzer ohne Internet ein-

internationale Abkommen festgelegt ist und respektiert die

bezogen werden”.

Urheberschaft an einem Werk“.

Tabelle 1: Vergleichende Gegenüberstellung ausgewählter OER-Definitionen
Definition

Medium/ Format

Pariser Erklärung

Lehr-, Lern- und Forschungs­

Nutzergruppe
„Andere“

Art der Benutzung/ Nutzungsrecht
Gemeinfrei oder unter einer offenen

ressourcen in Form jeden Mediums,

Lizenz veröffentlicht, welche den kos-

digital oder ander­weitig.

tenlosen Zugang sowie die kostenlose
Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung ohne oder mit geringfügigen
Einschränkungen erlaubt.

OECD Studie

Digitalisierte Materialien; OER schlie-

Lehrende, Lernende und Selbstlerner

ßen sowohl Lerninhalte, als auch Soft-

Frei und offen angeboten, zur Nutzung und Weiterverwendung.

ware Tools zur Entwicklung, Nutzung
und Verbreitung von Inhalten sowie
Ressourcen zur Implementierung –
wie beispielsweise offene Lizenzen
– mit ein.
Kapstadt Erklärung

In technischen Formaten, welche die

Nutzer verschiedener Computersyste-

Verwirklichung dieser Möglichkeiten

me, möglichst auch Menschen mit Be-

Lizenzbedingungen, welche die
Nutzung, Veränderung, Übersetzung,

[s.o.] unterstützen.

hinderung und Nutzer ohne Internet

Verbesserung und Weitergabe des
Materials ermöglichen.

1	 Die Auswahl versucht einerseits, ein möglichst breites Spektrum und andererseits besonders häufig genutzte Definitionen abzudecken. Die Auswahl stellt keine Aussage über die Gewichtung der vorhandenen Definitionen dar und erhebt auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Für einen ausführlicheren Vergleich, siehe Weitzmann
(2013) sowie www.pedocs.de/volltexte/2013/7868/pdf/DBS_2013_OER.pdf [28.03.2014]
2	Vgl. www.unesco.org/new/fileadmin/MULTIMEDIA/HQ/CI/CI/pdf/Events/oer_declaration_german_rev.pdf [28.03.2014]
3	 Übersetzung durch creativecommons.org: http://wiki.creativecommons.org/De:Was_ist_OER%3F [28.03.2014]; Englisches Original: www.oecd.org/edu/ceri/37351085.
pdf [28.03.2014]
4	Vgl. www.capetowndeclaration.org/translations/german-translation [28.03.2014]
5

Die Definitionen haben viel gemeinsam. Alle sprechen von Bil-

3.	 Software, Dateiformate und Standards,5 die bei Erstellung,

dungsmaterialien, die NutzerInnen offen zugänglich sind und

Vertrieb, Weiterbearbeitung und Nutzung zum Einsatz kom-

zur Weiterverarbeitung zur Verfügung stehen. Auch verweisen

men, sollen frei zugänglich, bzw. unter einer freien Lizenz

alle auf den Aspekt offener Lizenzierung. Im Detail gibt es je-

veröffentlicht sein.

doch einige wichtige Abweichungen. So unterscheiden sich die
Definitionen darin, inwieweit spezifiziert wird welches Format

Natürlich handelt es sich bei dieser Definition um ein Idealmo-

die Bildungsressourcen haben sollen. Die Pariser Erklärung und

dell für offene Bildungsressourcen und wie sich aus der Diskus-

die Kapstadt-Erklärung verweisen relativ allgemein auf Medien

sion im weiteren Verlauf der Studie zeigen wird, ist es höchst

in jeder Form, „digital oder anderweitig“, beziehungsweise in

selten, dass alle diese Bedingungen gegeben sind. Dennoch soll

„technische[n] Formaten, welche die Verwirklichung [der Ziele

diese Definition als Soll-Zustand und Maßstab für existierende

von OER] unterstützen“. Die OECD hingegen spricht explizit und

und zu realisierende Modelle dienen.

ausschließlich von „digitalisierten Materialien“ und schließt damit im Gegensatz zu den ersten beiden die Möglichkeit nicht-digitaler Materialien aus.
2.2	 Internationale Entwicklungen im Bereich OER
Ein weiterer wichtiger Unterschied besteht darin, ob oder wie
die intendierten NutzerInnengruppen der Materialien definiert

Als Beginn der Entwicklung von OER wird gemeinhin das Jahr

werden. Die Definitionen der Pariser- und der Kapstadt-Erklä-

2001 genannt, in dem das Massachusetts Institute for Techno-

rungen sind hier offener gestaltet. Die Pariser Erklärung setzt

logy (MIT) das Projekt „Open Courseware“ (OCW) gestartet hatte

sehr breit an und spricht nur von einer Nutzung durch „ande-

(Bretschneider et al., 2012; Hofmann & Kampl, 2011; Weitz-

re“, während die Kapstadt-Erklärung diesen Nutzerkreis explizit

mann, 2013). Im Rahmen dieses Projekts stellt das MIT seitdem

auf „Nutzer verschiedener Computersysteme“ und womöglich

Materialien aus 2150 hochschuleigenen Kursen kostenlos on-

„Menschen mit Behinderung“ und „ohne Internet“ ausweitet.

line zur Verfügung. Die UNESCO prägte im folgenden Jahr den

Die OECD hingegen beschränkt die Nutzung der Materialien

Begriff Open Educational Resources im Bericht des „Forum on

auf „Lehrende, Lernende und Selbstlerner“. Gerade Letzteres

the Impact of Open Courseware for Higher Education in Develo-

ist zwar auch für sehr weite Deutungen offen, dennoch wäre

ping Countries“.6 Ein weiterer wichtiger internationaler Meilen-

innerhalb dieser Definition eine Begrenzung der Nutzung zum

stein folgte im Jahr 2007 mit der „Cape Town Open Education

Beispiel auf die Mitglieder einer bestimmten Institution oder

Declaration“.7 Diese Absichtserklärung, die inzwischen über

eines Portals denkbar.

2700 UnterzeichnerInnen gefunden hat, verfolgt das Ziel, die
Verbreitung von OER weltweit zu fördern. Neben diesen und

Schließlich gibt es wesentliche definitorische Unterschiede in

diversen weiteren internationalen Initiativen, gibt es auch ein-

Bezug auf die Nutzungsrechte. Der größte Unterschied besteht

zelne Staaten und Regionen, in denen die Idee von OER bereits

darin, dass die Pariser Erklärung von „kostenlosem Zugang so-

deutlich vorangetrieben wurde. Viel Bewegung zeigte sich bis-

wie kostenloser Nutzung“ spricht, während dieser Aspekt von

her vor allem in den USA, wo beispielsweise die William and

der OECD und der Kapstadt-Erklärung offen gelassen wird und

Flora Hewlett Foundation diverse Projekte durch finanzielle

damit implizit eine Kostenpflicht für die Nutzer zulässt. Dar-

Förderung unterstützt hat (Bretschneider et al., 2012; Hofmann

über hinaus ist der größte Unterschied, dass die Pariser und

& Kampl, 2011). Im US-Bundesstaat Kalifornien wurde 2009 die

Kapstadt-Erklärungen neben „Nutzung“ von „Weiterverbreitung“ „Digital Textbook Initiative“ unter dem damaligem Gouverneur
– bzw. „Weitergabe“ – sprechen, während die OECD „Nutzung

Arnold Schwarzenegger ins Leben gerufen, die darauf abzielt,

und Weiterverwendung“ erwähnt. Letzteres kann im Zweifel so

reguläre Lehrbücher durch digitale und offen lizenzierte Lehr-

interpretiert werden, dass die einzelnen NutzerInnen zwar mit

bücher zu ersetzten (Bretschneider et al., 2012). Innerhalb von

dem Material arbeiten, dies aber nicht weiter teilen dürfen.

Europa gilt Polen, welches im Rahmen des Projekts „Digitale
Schule“ Schulbücher der Klassen 4 bis 6 unter Creative Com-

Für den Zweck dieser Studie orientieren wir uns am engsten

mons Namensnennungs-Lizenzen (CC-BY) veröffentlichte, als

an der Definition der Pariser Erklärung und übernehmen da-

ein im Bezug auf OER sehr fortschrittliches Beispiel (Blees et

für das Verständnis von „offen“ aus dem OER-Whitepaper von

al., 2013; Dobusch 2012b).

Bretschneider (et al., 2012):
1.	 Der Zugang zu den Materialien soll offen sein; daraus folgt
Kostenfreiheit.

2.3	 Entwicklung zu OER in Deutschland

2.	 Die Materialien sollen unter einer Lizenz veröffentlicht werden, die die Weiterbearbeitung und Weitergabe der (bear-

Zwar keine OER-Initiative, aber dennoch von Einfluss auf die

beiteten) Materialien ermöglicht.

Verbreitung des OER-Bewusstseins in Deutschland, waren die
Ereignisse rund um den sogenannten „Schultrojaner“. Ab Ende
Oktober 2011 rückte ein unter diesem Namen bekanntgewor-

5	 Im Regelfall wird von digital vorliegenden Materialien ausgegangen, auch wenn durchaus analoge Materialien existieren.
6	Vgl. http://unesdoc.unesco.org/images/0012/001285/128515e.pdf [27.03.14]
7	Vgl. www.capetowndeclaration.org/ [21.03.14]

6

denes Softwareprogramm Fragen bezüglich des Urheberrech-

sowie die Notwendigkeit einer Reform des Urheberrechts. Das

tes an Schulen in das öffentliche Sichtfeld (Blees et al., 2013;

Fachgespräch gab zudem den Anstoß zu drei weiterführenden

Bretschneider et al., 2012.; Weitzmann, 2013). Die Software

Studien, die untenstehend vorgestellt werden.12 Anschließend

sollte auf Schulcomputern installiert werden mit dem Ziel, die-

an das Gespräch gab die KMK außerdem eine Arbeitsgruppe in

se stichprobenartig nach unerlaubten digitalen Kopien von

Auftrag, welche bis zum Ende 2014 eine Stellungnahme von

Verlagsmaterial zu durchsuchen. Vereinbart wurde der Einsatz

Bund und Ländern zum Thema OER entwickeln soll (Dobusch

der Software ursprünglich zwischen den Kultusministerien der

2012a; RLP1). Die Gruppe setzt sich zusammen aus Vertretern

Länder und dem Verband der Schulbuchverleger. Nach einer öf-

der Bundesebene, einiger Länder (Rheinland-Pfalz, Bayern,

fentlichen Kontroverse wurde die Vereinbarung jedoch überar-

Brandenburg und Hamburg) sowie Vertretern aus dem Hoch-

beitet und kam zu dem Ergebnis, gegen eine erhöhte finanzielle

schulbereich.

Vergütung der Verlage durch die Länder das Softwareprojekt
wieder zu verwerfen.
Ungefähr zur gleichen Zeit fand im November 2011 am Ober-

2.4	 Publikationen zu OER in Deutschland

stufenkolleg der Universität Bielefeld das EduCamp statt, auf
dem Absichtserklärungen diverser Akteure erarbeitet wurden

Parallel zu den oben angeführten Initiativen und Veranstal-

(Bretschneider et al., 2012). Unter anderem ging aus dem Tref-

tungen erschienen in den letzten Jahren mehrere Studien und

fen die Gründung des Projekts „Freie Bildungsmedien“ hervor.8

Positionspapiere und andere wegweisende Diskursbeiträge zu

Ziel des Projektes war es, OER im deutschsprachigen Raum zu

OER im deutschsprachigen Raum. Einen guten Einstieg bietet

vereinheitlichen und Debatten des Für und Wider von OER eine

die Webseite open-educational-resources.de, auf der sich eine

zentrale Plattform zu bieten. Als eine Hürde für die Durch-

Sammlung von bisherigen Studien, OER-Materialien und eine

setzung von OER kristallisierten sich in den Gesprächen im

interaktive OER-Timeline finden.13 Im Folgenden stellen wir

Rahmen des EduCamps Schwierigkeiten heraus, die mit einer

eine Auswahl der bestehenden Literatur kurz vor.

einheitlichen Verschlagwortung und Metadatenerfassung zusammenhängen. Im Nachgang zu der Veranstaltung entstanden

Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg veröffentlichte 2013

auch einige unabhängige Projekte wie beispielsweise das Blog

die Broschüre Offene Bildungsressourcen (OER) in der Praxis,

cc-your-edu.de, das interessierten Lehrkräften Informationen

welche auf 64 Seiten Information für OER-EinsteigerInnen zu-

für die Veröffentlichung von Material unter Creative-Com-

sammenfasst (Weitzmann, 2013). Der Autor diskutiert die Mög-

mons-Lizenzen liefern möchte.

lichkeiten des freien Zugangs, der Bearbeitung und Weitergabe,

9

mögliche Begrenzungen des Nutzerkreises, der QualitätssicheInitiiert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung

rung, Aspekte des Produktionsaufwandes und Einsätzen im

(BMBF) sowie der Kultusministerkonferenz (KMK) fand am 8.

schulischen und akademischen Bereich. Ein Kapitel ist zudem

November 2012 ein Fachgespräch zu OER statt.10 Die Ziele des

der Auffindung von OER-Materialien gewidmet. Hier werden

Gesprächs waren laut BMBF, Informationen zum Zweck der Po-

das Prinzip, existierende Modelle offener Lizenzen und die

litikberatung zu sammeln, sich ein Bild über Meinungsverschie-

Thematik von Metadaten und OER-Verbänden/Verzeichnissen

denheiten und Unklarheiten bezüglich OER zu machen sowie

diskutiert. Als Ergänzung zu den Kerninhalten enthält die Bro-

eine mögliche Rolle der öffentlichen Hand auszuloten. Neben

schüre zudem drei OER-Erfahrungsberichte von Lehrkräften.

Mitarbeitern des BMBF und der KMK waren Akademiker verschiedener deutscher Hochschulen, Interessenvertreter von

Mirjam Bretschneider, Jöran Muus-Merholz und Felix Schaum-

Verlagen, Nichtregierungsorganisationen, diverser Bildungs-

burg (2012) haben im Auftrag des Internet & Gesellschaft Co:l-

einrichtungen und der OECD-Abteilung für Bildungsforschung

laboratory14 ein Whitepaper mit dem Titel Open Educational

anwesend.11 Leonhard Dobusch, Co-Autor dieser Studie, war

Resources (OER) für Schulen in Deutschland erstellt. In diesem

geladener Experte und fasste die Diskussion unter vier The-

geben sie einen Überblick über Entstehung und Status quo offe-

mengebieten zusammen. Die diskutierten Aspekte bezogen sich

ner Bildungsressourcen im Schulkontext, beleuchten dabei die

auf die bildungspolitischen Potenziale von OER, rechtliche Fra-

Thematik des Urheberrechts, behandeln Geschäftsmodelle rund

gen, ökonomische Aspekte und technische Anforderungen. Die

um OER und entwickeln letztlich drei Szenarien für die weitere

Experten waren sich insgesamt relativ einig, unter anderem bei

Entwicklung von „Learning Resources im digitalen Wandel“. Im

der zentralen Feststellung, dass OER eine sinnvolle Ergänzung

März 2014 ist eine zweite, aktualisierte Version dieses White-

zu klassischen Unterrichtsmaterialien darstellen sowie aus

papers von Jöran Muuß-Merholz und Felix Schaumburg (2014)

technischer Sicht die Notwendigkeit besteht, Metadaten-Infor-

erschienen. Die Neuversion folgt allgemein der gleichen Struk-

mation zu verknüpfen. Kontroverser diskutiert wurden insbe-

tur wie die frühere Version, ersetzt jedoch die letzten beiden

sondere mögliche Formen der Qualitätssicherung, mögliche Geschäftsmodelle (auch in Bezug auf die Bildungsmedienverlage)

8	 Vgl. www.freiebildungsmedien.de [21.03.14] – der letzte Eintrag stammt jedoch vom 05.12.2012. Die Website ist derzeit im Wartungsmodus.
9	 Informationen zur Creative Commons-Lizenzfamilie liefert beispielsweise http://de.creativecommons.org/was-ist-cc/ [26.04.2014]
10	 http://werkstatt.bpb.de/2012/11/angehort-fachgesprach-zu-open-education-des-bildungsministeriums/ [21.03.14]
11	Vgl. http://werkstatt.bpb.de/wp-content/uploads/2012/11/Liste-geladener-ExpertInnen.pdf [21.03.14]
12	Vgl. www.bildungsserver.de/Studien-zur-Diskussion-um-Potenziale-freier-Bildungsmedien-Open-Educational-Resources-initiiert-durch-das-BMBF-10828.html
[21.03.14]
13	Vgl. www.open-educational-resources.de/ [06.04.2014]
14	 Laut Selbstbeschreibung eine “offene Experten- und Interventionsplattform”, deren Aktivitäten zum großen Teil von Google Deutschland finanziert werden.
7

Kapitel durch den Abschnitt „Faktoren, von denen die zukünf-

tet und in welchem Umfeld sie genutzt werden“ (Ziedorn et al.

tige Entwicklung von OER beeinflusst werden wird“ und bietet

2013, p. 4). Obwohl die AutorInnen sich in ihrem Fazit nicht

zudem eine Zusammenfassung der parteipolitischen Positionen.

ausdrücklich für einen bestimmten Metadaten-Standard aussprechen, betonen sie die Notwendigkeit einer einheitlichen,

Anknüpfend an die Arbeiten von Bretschneider et al. (2012)

möglichst einfachen Lösung, um ein Szenario mit einer Vielzahl

verfasste Leonhard Dobusch für den Verein D64 – Zentrum für

von Insellösungen zu vermeiden und die Nutzerfreundlichkeit

digitalen Fortschritt das Positionspapier Digitale Lehrmittelf-

zu fördern.

reiheit: Mehr als digitale Schulbücher (Dobusch 2012b), in dem
er sich für eine verstärkte Nutzung freier Lizenzen und Forma-

Der Verbraucherzentrale Bundesverband veröffentlichte An-

te einsetzt. Er argumentierte hierbei, dass unter der Vorausset-

fang 2014 eine Studie zur Qualität von Unterrichtsmateriali-

zung einer Reform der Finanzierung und Auftragsvergabe im

en, die keiner staatlichen Prüfung unterzogen wurden (Bielke,

Bereich von Lehrmitteln eine konsequente Verwendung solcher

2014). Für die Studie analysierte Bielke (2014) von 2011 bis

Lizenzen und Formate zu mehr Wettbewerb und besserer Qua-

2013 über 450 Unterrichtsmaterialien zu drei Themengebieten

lität der Lehr- und Lernunterlagen führen kann.

der Verbraucherbildung, nämlich Finanzkompetenz, Medienkompetenz sowie nachhaltiger Konsum und Ernährung (Bielke,

Im Anschluss an das OER-Fachgespräch vom November 2012

2014). In der Studie finden sowohl kostenpflichtige als auch

(siehe Abschnitt 2.3) beauftragte das BMBF drei Studien, welche

kostenfreie Materialien von Verbänden, Unternehmen, öffentli-

die Potenziale und Bedingungen des Einsatzes von OER klären

chen Institutionen und Verlagen Berücksichtigung. Die Materia-

sollen.15 Die erste dieser Studien ist ein Dossier auf dem Stand

lien wurden nach einem Bewertungsraster auf ihre inhaltliche,

von Juni 2013, welches die „Handlungsfelder, Akteure und Ent-

didaktische und gestalterische Qualität hin geprüft. Die Qualität

wicklungsoptionen offener Bildungsressourcen in internatio-

der Materialien wurde unter anderem daran festgemacht, ob

naler Perspektive“ erkundet (Blees et al., 2013). Die Verfasser

Themen faktisch richtig und interessenneutral dargestellt wur-

haben auf über 100 Seiten einen detaillierten Überblick zu den

den. Die Anbieter wurden in sechs Kategorien eingeordnet: die

wichtigsten Definitionen, ProtagonistInnen sowie Entwicklun-

öffentliche Hand, Nichtregierungsorganisationen, Wirtschaft,

gen in Deutschland, in anderen (als besonders fortschrittlich

Verlage, Autorenmaterial sowie sonstiges Material. In der Stich-

betrachteten) Ländern und auf internationaler institutioneller

probe waren die ersten drei Herausgeberkategorien am stärks-

Ebene zusammengefasst.

ten vertreten; im Ergebnis erhielten knapp über 60 Prozent der
Materialien die Bewertung „gut“ oder „sehr gut“ und weitere

Die zweite dieser Studien, verfasst von Till Kreutzer, untersucht

23 Prozent wurden als „befriedigend“ eingestuft. Allerdings

schwerpunktmäßig die urheberrechtlichen Aspekte im Zusam-

zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den verschiede-

menhang mit offenen Bildungsressourcen (Kreutzer, 2013). Der

nen Herausgebergruppen. Der wohl bedeutendste Unterschied

Autor erläutert relevante Grundprinzipien des Urheberrechts –

zeichnet sich zwischen Materialien der öffentlichen Hand, NGOs

unter anderem wer unter welchen Umständen welche Rechte

und Verlagen auf einer Seite und der Wirtschaft auf der ande-

innehat – was besonders bei der Schaffung von urheberrecht-

ren Seite ab. Während die Mehrzahl der Materialien der drei

lich geschützten Materialien innerhalb eines Dienstverhältnis-

erstgenannten Kategorien mit „gut“ oder „sehr gut“ bewertet

ses von nicht unerheblicher Bedeutung ist. Die Studie erläutert

wurden, ist das Ergebnis für die Materialien aus der Wirtschaft

des Weiteren, wie Nutzungsrechte an Materialien abgetreten

wesentlich gemischter. Als Begründung für die schlechteren Be-

werden können, um OER-Materialien zu erschaffen und welche

wertungen wurde unter anderem angeführt, dass „Sachverhalte

Probleme damit verbunden sind. Ein weiterer Teil ist den ver-

nicht objektiv dargestellt werden“ und es zu „verkürzten oder

schiedenen bisher zur Verfügung stehenden Lizenzierungsmo-

einseitigen Darstellungen kommt“ (Bielke 2014, p. 12). Das Er-

dellen gewidmet. Kreutzer kommt hierbei zu dem Schluss, dass

gebnis ist für unsere Studie vor allem deshalb von Bedeutung,

die Creative-Commons-Lizenzfamilie die geeignetsten Lizenzen

als es Vorbehalte in Bezug auf die Objektivität von Materialien

darstellt – hauptsächlich auf Grund ihrer starken Verbreitung

aus Industrie und Wirtschaft bestätigt. Die Relevanz wird im

und der damit einhergehenden Kompatibilität im Vergleich zu

Verlauf der Studie insbesondere im Kontext von Finanzierungs-

bestehenden Alternativen. Jedoch weist er auch hier auf gewis-

möglichkeiten von OER sowie in Bezug auf das Thema der Qua-

se Vorbehalte hin, da CC-Lizenzen in verschiedenen Versionen

litätskontrolle deutlich.

erhältlich sind und diese sich merklich in ihrer Offenheit unterscheiden (Kreutzer 2013).

An der philosophisch-sozialwissenschaftlichen Fakultät der
Universität Augsburg findet derzeit das dreijährige Forschungs-

Die dritte Studie trägt den Titel Metadaten für Open Educati-

projekt Bildungsmedien online unter der Leitung von Eva Mat-

onal Resources (OER) und betrachtet verschiedene Lösungen,

thes und Werner Wiater statt, welches in vier Teilbereiche ge-

welche vor allem Suchfunktionen und somit die Auffindbarkeit

gliedert ist und aus Mitteln des Verbands Bildungsmedien e.V.

von offenen Bildungsressourcen erleichtern sollen (Ziedorn et

finanziert wird. Der erste Teilbereich ist eine „Marktanalyse

al., 2013). Die AutorInnen vergleichen die gängigsten Metada-

von kostenlos angebotenen Online-Lehrmaterialien“ (Matthes

ten-Standards und analysieren diese hinsichtlich der Fragen

& Wiater, 2012a): Diese Teilstudie begutachtet, ähnlich wie der

„für welche Objekttypen und Disziplinen sie konzipiert sind“,

Verbraucherzentrale Bundesverband, „möglichst umfassend

„wann deren letzte Aktualisierung erfolgte“ und „wie verbrei-

alle Materialien, die zwischen dem 24. August 2011 und dem

15	Vgl. www.bildungsserver.de/Studien-zur-Diskussion-um-Potenziale-freier-Bildungsmedien-Open-Educational-Resources-initiiert-durch-das-BMBF-10828.html
[26.03.14]
8

19. September 2011 bzw. dem 27. August 2012 und dem 10.
September 2012 kostenlos online verfügbar waren und die erkennbar für die Verwendung in der Schule im deutschsprachigen Raum konzipiert und für die Hand der Lehrkraft didaktisch
aufbereitet waren“ (Matthes & Wiater, 2012a, p. 1). Die Analyse
differenziert nach den Schulfächern für welche die Materialien angeboten werden und nach den jeweiligen Anbietern. Den
zweiten Teilbereich bildet die Qualitative Analyse von kostenlos
angebotenen Lehrmaterialien aus dem Internet. „Gegenstand
der qualitativen Analyse sind 15 Materialien von acht verschiedenen Anbietergruppen zum Thema ‚Kreatives Schreiben‘“, die
mit Hilfe eines Analyse- und Evaluationsrasters ausgewertet
werden (Matthes & Wiater, 2012b, p.1). Ähnlich der obig genannten Studie der Verbraucherzentrale Bundesverband weisen die vorhandenen Ergebnisse darauf hin, dass Materialien
von öffentlichen Anbietern, sowie Verbänden, Stiftungen und
Kirchen wesentlich hochwertiger sind als Angebote der Wirtschaft und der Industrie. Der dritte Teil namens Clusteranalyse
„Nachhaltige Entwicklung“ und „Soziale Marktwirtschaft“ (Matthes & Wiater, 2013a) zielt darauf ab, quantitativ darzustellen,
wie sich verschiedene Materialien zu gleichen Themengebieten
inhaltlich und didaktisch voneinander unterscheiden. Der vierte Teil bezieht sich auf eine Lehrerbefragung zu kostenlosen
Bildungsmedien online (Matthes & Wiater, 2013b), die vollumfänglich in Bayern und mit zufällig ausgewählten Lehrkräften
bundesweit stattfand und versucht in Erfahrung zu bringen, „in
welchem Umfang und wofür Lehrkräfte kostenlose Bildungsmedien online nutzen“ (Matthes & Wiater, 2013b, p. 1).
Schließlich wird das Thema OER auch innerhalb der Blogosphäre von Lehrkräften, PublizistInnen, AkademikerInnen, PolitikerInnen und anderen Interessierten lebhaft diskutiert. Aktuelle
Informationen und Kommentare über Entwicklungen im Bereich
OER finden sich deshalb häufig in Blogs. Beispielsweise veröffentlichte Leonhard Dobusch im November 2012 seine Antworten auf die im Vorfeld zum BMBF-Fachgespräch ausgegebenen
Fragen.16 Im Dezember 2013 bloggte Sebastian Horndasch über
die Expertenanhörung im Berliner Abgeordnetenhaus.17 Martin
Delius, Mitglied der Piratenpartei im Berliner Abgeordnetenhaus, schrieb im Februar 2014 einen Eintrag zu den aktuellen
Entwicklungen zu OER in der Berliner Politik.18 Doch nicht nur
BefürworterInnen, sondern auch OER-KritikerInnen äußern sich
aktiv zum Thema. So zum Beispiel schrieb David Klett im März
2014 einen Beitrag über die „dunkle Seite der OER“, in dem er
vor einem qualitativen Verfall der Inhalte durch eine Schwächung des Wettbewerbes warnt.19

16	 Vgl. https://netzpolitik.org/2012/anhorung-zu-open-educational-resources-antworten-auf-35-fragen/ [26.03.2014]
17	Vgl. http://blog.wikimedia.de/2013/12/16/berlin-als-vorreiter-fuer-freie-bildungsressourcen/ [02.02.2014]
18	 Vgl. http://martindelius.de/2014/02/be-berlin-be-oer/ [26.03.2014]
19	Vgl. www.collaboratory.de/w/Geschwächter_Wettbewerb_-_die_dunkle_Seite_der_OER%3F [13.03.2014]
9

3.	 Benchmark: OER Ist-Situation in Berlin

Zur Analyse der Ist-Situation im Bereich OER in Berlin konnte

AnsprechpartnerInnen in den Gebietskörperschaften ermittelt,

im Rahmen der vorliegenden Studie auf Daten einer umfassen-

die dann im zweiten Schritt die Fragenkataloge per Email zu-

deren Erhebung zum Themenfeld digitaler Offenheit im Bereich

geschickt bekamen. In Fällen, in denen sich keine solche An-

öffentlicher Körperschaften zurückgegriffen werden, an der mit

sprechperson finden ließ oder diese eine Beantwortung der

Leonhard Dobusch und Maximilian Heimstädt zwei Co-Autoren

Fragen verweigerten, wurden die Fragen anhand von Internet-

der Studie mit beteiligt sind. Die im Rahmen des Forschungspro-

recherchen durch das [do:Index]-Team beantwortet. Da das Ziel

jekts „Digitaler Offenheitsindex“ ([do:index]) erhobenen Daten

der Erhebung digitale Offenheit darstellte, erschien es ange-

erlauben dabei eine grobe Einschätzung der Ausgangssituation

messen, Fragen im Negativen zu beantworten, wenn sich keine

in Berlin im Vergleich mit anderen deutschen Bundesländern.

entsprechenden Informationen durch allgemeine, stichwortbasierte Internet-Suche und gezielte Recherchen auf den Internetseiten der Gebietskörperschaften finden ließen. Die nun folgende Auswertung der OER Teil-Rankings für die 16 deutschen

3.1	 Zielsetzung und Erhebungsmethodik des Digitalen

Bundesländer geschah gemäß dem Ziel der vorliegenden Studie

Offenheitsindexes ([do:index])

mit einem besonderem Fokus auf Berlin.

Der Digitale Offenheitsindex [do:index] ist ein mehrdimensionales Instrument zur Messung des Beitrags öffentlicher Körperschaften zu digitalen Gemeingütern (Daten, Information,

3.2	 Digitaler Offenheitsindex: Open Education

Wissen und Infrastruktur) auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene. Entwickelt aus dem Gedanken heraus, dass „[wer]

Das Teilranking zu Open Education „bemisst das bildungspo-

mitgestalten will, sich informieren können [muss]“, verfolgt der

litische [...] Anliegen Bildung freier verfügbar zu machen und

[do:index] eine dreifache Zielsetzung:

20

umfasst offene Lehr- und Lernunterlagen“ (Dobusch & Palmetshofer 2013, p. 3). Der OER-Fragenkatalog für die einzelnen

1.	 Als ganzheitlicher Ansatz zur Messung digitaler Offenheit

Gebietskörperschaften setzt sich aus fünf Unterkategorien

zeigt alleine die Indikatorenvielfalt des Messinstruments

zusammen: Allgemeines zu OER, OER-Programme an Bildungs-

die Bandbreite möglicher Initiativen für mehr digitale Of-

einrichtungen, Lizenzierung, Leuchtturmprojekte und sonstige

fenheit auf.

Anregungen. Diese Kategorien beinhalten eine unterschiedliche

2.	 Die Messung digitaler Offenheit in Form eines quantitativen

Anzahl an Fragen, die bis auf vier Ausnahmen geschlossen im

Indikators soll die Möglichkeit der Profilierung für Vorreiter

Ja/Nein-Stil zu beantworten sind. Von den vier Fragen, die nicht

im Bereich digitaler Offenheit bieten.

im Ja/Nein-Format gefasst sind, haben drei mehrere Antwor-

3.	 Ein auf Basis des [do:index] regelmäßig erstellten Ranking

toptionen vorgegeben (Multiple-Choice) und eine letzte Frage

soll die Vergleichbarkeit der Initiativen verschiedener öf-

zu Anregungen ist optional und mit einem Freitext zu beant-

fentlicher Körperschaften verbessern und eine offene Dis-

worten.

kussion über Handlungsmöglichkeiten erlauben.
Der OER-Fragenkatalog definiert Open Education folgenderDer [do:index] setzt sich aus fünf Teil-Rankings zusammen, die

maßen: „Open Education bezieht sich darauf, Bildung und Bil-

jeweils Beiträge zur digitalen Offenheit in den Bereichen Da-

dungsmaterialien frei verfügbar zu machen. Im engeren Sinne

ten, Information, Wissen, Infrastruktur sowie Lehr- und Ler-

wird sie oft auf die Wissensvermittlung über das Internet be-

nunterlagen (OER) messen. Kollektiv beinhalten die Rankings

zogen, die einerseits auf freien Lernmaterialien und anderer-

über 60 verschiedene Indikatoren in 97 Abfragen.21 Die erste

seits auf allgemein zugänglichen Lernplattformen basiert. Open

Datenerhebung für die Teilbereiche wurde im Sommer 2013

Education ist nicht gleichzusetzen mit E-Learning (nur bestimmt

begonnen. Die Ergebnisse wurden im Rahmen der Re:publi-

für SchülerInnen/Studierende der jeweiligen Institution), nutzt

ca-Konferenz im Mai 2014 erstmals veröffentlicht und sollen

aber dieselben technischen Mittel“.22 Die konkreten Fragen zu

in Zukunft jährlich aktualisiert werden. Insgesamt fand die Da-

offenen Lehr- und Lernmaterialien finden sich mit weiteren Er-

tenerhebung für 48 Gebietskörperschaften in Deutschland, Ös-

läuterungen im Anhang I.

terreich und der Schweiz statt. In Deutschland sind dies die 16
Bundesländer und deren Hauptstädte sowie sechs Städte mit
mehr als 500.000 Einwohnern (Dobusch & Palmetshofer, 2013).
Die Erhebung erfolgte in drei Teilschritten: Als erstes wurden

20	Vgl. www.do-index.org/idee-konzept/ [15.03.14]
21	 Für die einzelnen Fragenkataloge, vgl. www.do-index.org/ [15.03.14]
22	Vgl. www.do-index.org/wp-content/uploads/OER-questionnaire.pdf [15.03.14]
10

3.3	 Auswertung des OER-Teilrankings

che OER-Dienstleistungen (Frage 1.3), eine Aufklärungskampagne öffentlicher Stellen zum Thema OER (Frage 1.8), beziehungs-

Als einziges der 16 Bundesländer hat Bayern den Fragenka-

weise ein Leuchtturmprojekt im Bereich OER (Frage 4.1). Berlin

talog selber beantwortet. Da Bayern jedoch auch als einziges

gehört in allen drei Fällen zu diesen Ländern.

Bundesland alle Fragen verneint hat, lässt sich daraus höchstens auf eine zukünftige Offenheit gegenüber dem Thema, nicht

Auffällig ist, dass die stärker vertretenen Kategorien eher in

aber auf einen Zusammenhang mit einem bisher verstärkten

Richtung der Bereitstellung von Materialien (kostenlose Mate-

Einsatz auf diesem Gebiet schließen. Der Rest der Daten wur-

rialien; MOOCs) und Informationsverbreitung (öffentliche Infor-

de vom [do:index]-Team selbst durch Internetrecherche zusam-

mationen und Aufklärungskampagnen) gehen, bzw. Pilotcharak-

mengetragen.

ter im Falle von Leuchtturmprojekten haben. Die Indikatoren,
welche auf eine tiefere Vernetzung von Gebietskörperschaften

Wie Tabelle 2 zeigt, ist die Mehrzahl der geschlossenen Fragen

untereinander und einzelner Gebietskörperschaften mit der

des Teilrankings mit Nein beantwortet worden, genauer gesagt

existenten OER-Community im Allgemeinen hinweisen würden

wurden 80 Prozent der Fragen verneint. Allgemein lässt sich

(OER-Vereinigungen; OER-Policy Registry) sind bisher nicht aus-

daher festhalten, dass es in den deutschen Bundesländern be-

gebildet. MOOCs bilden hier eine Ausnahme, fallen aber häufig

reits vereinzelte OER-Ansätze gibt, dies aber gemessen an den

auch nicht unter die Offenheitsdefinition von OER, d.h. werden

Indikatoren des Offenheitsindexes, noch kein Teil des Main-

meistens weder unter offenen Lizenzen noch in offenen Forma-

streams geworden ist.

ten zur Verfügung gestellt. Auch die Aspekte einer öffentlichen
Zertifizierung von Materialien und einer Koordinierungsstelle,

Abbildung 1 veranschaulicht die Verteilung der positiven Ant-

welche beide einen gewissen Grad der Institutionalisierung

worten auf 13 der 16 Fragen. Drei der Fragen wurden aus die-

voraussetzen würden, konnten nicht gemessen werden. Diese

ser Visualisierung ausgeschlossen (1.6; 4.2.2; 5.), da eine binäre

Verteilung zwischen den Indikatoren könnte jedoch durchaus

Ja/Nein-Unterteilung nicht möglich war. Frage 3.1 (zur Ver-

als Teil einer progressiven Entwicklung gelesen werden, wel-

wendung von Standardlizenzen) konnte trotz der mehrfachen

che von ersten Versuchen, Informationen und Materialien, über

Antwortmöglichkeiten dargestellt werden, da aus den fünf Ant-

die Zeit zu einer stärkeren Vernetzung und Institutionalisierung

wortoptionen in den Ergebnissen nur zwei auftraten (kostenlos,

führt.

Nachnutzung auf Anfrage; keins der genannten Kriterien). Die
dunklere Einfärbung von Säulen hebt jene Fragen hervor, bei

Abbildung 2 zeigt die absolute Anzahl der Ja-Antworten je Bun-

denen es in Berlin entsprechende Offenheitsansätze gibt. Am

desland auf die 13 geschlossenen Fragen. Auch hier gibt es er-

häufigsten (in 11 der 16 Bundesländer) werden demnach offe-

kennbare Unterschiede zwischen Bundesländern mit sechs po-

ne, verstanden allerdings nur im Sinne von kostenlose, Mate-

sitiven Antworten auf einer Seite des Spektrums und Ländern

rialien bereitgestellt, die auf Anfrage nachnutzbar sind (Frage

mit keiner positiven Antwort auf der anderen. Der Durchschnitt

3.1). Die Hälfte der Bundesländer stellt Materialien zum Selbst-

liegt bei 2,4 Ja-Antworten pro Bundesland. Bei der Interpreta-

studium in Form von Massive Open Online Courses (MOOCs) zur

tion dieser Ergebnisse gilt es jedoch zu beachten, dass weder

Verfügung (Frage 4.2) und in knapp der Hälfte der erfassten

eine Gewichtung der einzelnen Fragen vorgenommen, noch in-

Gebietskörperschaften informieren öffentliche Stellen über das

nerhalb der einzelnen Antworten qualitativ differenziert wurde.

Konzept offener Lehr- und Lernunterlagen (Frage 1.1). Das Land

Von daher ist davon auszugehen, dass Initiativen von unter-

Berlin stellt kostenlose Materialien zur Verfügung und betreibt

schiedlichem Ausmaß und Qualität hier als gleichwertig darge-

eine Informationskampagne, ist derzeit jedoch noch nicht an

stellt werden.

der Schaffung von MOOCs beteiligt.23
Für diese Studie ist interessant, dass Berlin und Brandenburg
Am anderen Ende des Spektrums finden sich vier Fragen, auf

mit sechs positiven Antworten die beiden Bundesländer mit

welche keines der Bundesländer eine positive Antwort hat. Die-

der größten OER-Aktivität sind. Dennoch ist zu beachten, dass

se sind die Fragen nach öffentlichen Zertifizierungsmöglichkei-

immer noch über die Hälfte der Fragen verneint wurde – vor

ten (im Sinne eines Gütesiegels) für OER-Materialen (Frage 1.4),

allem, wenn es um formale Institutionalisierung von OER im

danach ob Bildungseinrichtungen der Stadt/des Landes Mitglie-

Bereich der Bildungsverwaltung geht. Erste, grundlegende Pro-

der in OER-Vereinigungen sind (Frage 2.1), ob Institutionen in

jekte wie Informationsangebote zum Thema und Leuchtturm-

einem OER-Policy Registry verzeichnet sind (Frage 2.2) und ob

projekte wurden allerdings bereits in Angriff genommen. In

es eine institutionelle Unterstützung in Form einer Koordinie-

diesem Sinne scheint es nachvollziehbar, dass gerade in Berlin

rungsstelle für das Thema OER an Bildungseinrichtungen gibt

Initiativen zu stärkerer Verankerung von OER auch jenseits von

(Frage 4.2.1). Auch die Fragen nach einem landeseigenen Portal

Leuchtturmprojekten unternommen werde.

(Frage 1.2), OER-Förderprogrammen (Frage 1.5) und ob OER in
Fortbildungsangeboten für Lehrkräfte berücksichtigt werden
(Frage 1.7) wurden jeweils nur für ein Bundesland mit Ja beantwortet. Berlin ist das einzige Bundesland, in dem derzeit Informationen über OER durch Lehrkräftefortbildungen verbreitet
werden. In jeweils drei bis vier Bundesländern gibt es öffentli-

23	 Diese Antwort bezieht sich auf systematische Ansätze für das Land. Einzelne Dozenten sind durchaus in die Bereitstellung von MOOCs involviert (vgl. https://iversity.
org/courses/spring?locale=de) [26.03.14]. Es lässt sich jedoch grundsätzlich diskutieren, inwiefern MOOCs als “digital offen” gelten.
11

Mecklenburg-Vorpommern

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Landeseigenes Portal für OER?

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Öffentliche OER-Dienstleistungen?

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Öffentliche Zertifizierungsmöglichkeiten?

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Gibt es OER-Förderprogramme?

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OER in Fortbildungsangeboten für Lehrkräfte?

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Öffentliche Aufklärungskampagne?

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Mitglied in OER-Vereinigungen?

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In OER-Policy Registry verzeichnet?

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Kostenlos verfügbare Materialien, mit Nachnutzung auf Anfrage?

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Leuchtturmprojekt?

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Institutionelle Unterstützung durch Koordinierungsstelle?

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Massive Open Online Courses (MOOCs) zur Verfügung gestellt?

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Thüringen

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Sachsen

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Baden-Württemberg

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Brandenburg

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Nordrhein-Westfalen

Informieren öffentliche Stellen über OER?

Niedersachsen

Berlin

Tabelle 2: Antworten zu Ja/Nein-Fragen im OER-Teilranking

Informieren öffentliche Stellen über OER?

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Landeseigenes Portal für OER?

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Öffentliche OER-Dienstleistungen?

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Öffentliche Zertifizierungsmöglichkeiten?

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Gibt es OER-Förderprogramme?

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OER in Fortbildungsangeboten für Lehrkräfte?

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Öffentliche Aufklärungskampagne?

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Mitglied in OER-Vereinigungen?

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In OER-Policy Registry verzeichnet?

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Kostenlos verfügbare Materialien, mit Nachnutzung auf Anfrage?

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Leuchtturmprojekt?

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Institutionelle Unterstützung durch Koordinierungsstelle?

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Massive Open Online Courses (MOOCs) zur Verfügung gestellt?

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12

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Abbildung 1: Häufigkeit von verschiedenen OER-Praktiken
12
Anzahl der Bundesländer, wo dies vorhanden ist

Anzahl der Bundesländer, wo dies vorhanden ist (Berlin ist eines davon)

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Abbildung 2: Verbreitung von OER-Praktiken nach Bundesländern

14

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6

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2

0

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4.	 Methodik

Der Ansatz dieser Studie bestand darin, ein möglichst weites

AnsprechpartnerIn verwiesen. Innerhalb der Berliner Univer-

horizontales und vertikales Spektrum von AkteurInnen im Ber-

sitäten und Hochschulen sprachen wir mit MitarbeiterInnen

liner Schul- und Hochschulbereich zu identifizieren und zu be-

der jeweiligen Computer- beziehungsweise Medienzentren.

fragen. Es wurde somit versucht alle Ebenen sowohl der Ver-

Wir sprachen mit MitarbeiterInnen der Humboldt-Universität

waltung, als auch des Lehrbetriebes mit einzubeziehen. Über

(HU), der Freien Universität (FU), der Technischen Universität

diese Auswahlheuristik hinaus wurden weitere AkteurInnen

(TU), der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), und der

hinzugezogen, die eine zentrale Rolle für den Einsatz von OER

Beuth Hochschule für Technik (Beuth). Von der Hochschule für

im Berliner Bildungsbereich spielen oder zukünftig spielen

Wirtschaft und Recht (HWR) bekamen wir im Erhebungszeit-

könnten.

raum keine Antwort.

Wir haben mit insgesamt 22 Personen 19 persönliche und te-

Außerhalb dieser beiden Hauptbereiche haben wir auch Kon-

lefonische Interviews geführt und von weiteren drei Akteuren

takt zu den drei großen Schulbuchverlagen (Ernst Klett Verlag,

schriftliche Antworten auf unsere Fragen erhalten. Alle Inter-

Cornelsen Verlag, Westermann) sowie der deutschlandweiten

views wurden leitfadengestützt geführt; von den 19 Gesprä-

Vertretung der Schulbuchverlage, dem Verband Bildungsmedi-

chen wurden 18 aufgezeichnet. Bei einem der verwerteten

en, aufgenommen. Allerdings gelang es innerhalb dieser Grup-

Interviews war dies nicht möglich, da es spontan telefonisch

pe, trotz wiederholter schriftlicher und telefonischer Anfragen,

zustande kam. Bei diesem Interview wurden jedoch während-

lediglich eine schriftliche Antwort des Ernst Klett Verlages zu

dessen Notizen gemacht und sofort im Anschluss eine schrift-

bekommen. Im Weiteren sprachen wir mit Vertretern des K.lab

liche Zusammenfassung erstellt. Auch für die anderen 18 In-

Berlin, der Organisation hinter der Online-Plattform meinUn-

terviews wurden zum nächstmöglichen Zeitpunkt schriftliche

terricht.de. Auch standen wir in schriftlichem Austausch mit

Zusammenfassungen erstellt und durch Transkriptionen rele-

einem weiteren Geschäftsführer des K.lab und Geschäftsfüh-

vanter Passagen ergänzt. Eine Liste der Befragten und zugehö-

rer der Klett Lernen und Information GmbH, von wo aus dieser

rigen Institutionen findet sich in Anhang II. Einzelne Befragte

alle Lehrerfachverlage der Gruppe (Raabe, Friedrich etc.) ver-

wurden auf deren Wunsch hin anonymisiert.

antwortet. Letztlich gab es auch einen schriftlichen Austausch

Auf Ebene der Verwaltung haben wir mit FunktionärInnen in di-

Deutschland.

mit mit einem für OER zuständigen Vertreter von Wikimedia
versen Abteilungen der Berliner Senatsverwaltung für Bildung,
Jugend und Wissenschaft (SenBJW) sowie mit einer Koordina-

Die Interviewdaten wurden nach Themenfeldern gruppiert und

torin für regionale Fortbildungen und einer Fortbildungsmulti-

in einem zweistufigen Verfahren analysiert. In einem ersten

plikatorin gesprochen. Zu den weiteren InterviewpartnerInnen

Schritt wurden relevante Passagen identifiziert und hieraus

zählten der Verantwortliche für E-Learning am Landesinstitut

Worttranskripte erstellt. Die dergestalt aufbereiteten Interview­

für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM)24 sowie lei-

daten wurden im zweiten Schritt thematisch kategorisiert und

tende Mitglieder der iMINT-Akademie.25

zur Ergebnisdarstellung herangezogen. Hierbei unterscheiden
wir generell zwischen Ergebnissen für den Schul- und Hoch-

Auf Ebene der Schulen sprachen wir mit dem Schulleiter eines

schulbereich. Innerhalb dieser zwei Hauptkategorien wurde

Neuköllner Gymnasiums, diversen Fachbereichsleitern eines

wiederum weiter thematisch unterteilt. In beiden Hauptkate-

Gymnasiums in Treptow-Köpenick sowie der Fachleitung für

gorien wurde erfasst, was bereits über OER bekannt ist und

Angewandte Informatik am Neuköllner Oberstufenzentrum In-

inwieweit OER-Materialien bereits eingesetzt werden. Darüber

formations- und Medizintechnik. Wir haben versucht, ein mög-

hinaus wurden jeweils Unterbereiche der Umsetzung erkundet,

lichst breites Spektrum an Schultypen abzudecken, allerdings

wie beispielsweise die Finanzierung, institutionelle Ansatz-

war dies angesichts der vielen verschiedenen Berliner Schul-

punkte, rechtlicher Klärungsbedarf oder die Möglichkeiten der

formen innerhalb dieser Studie nur begrenzt möglich. Dennoch

Qualitätskontrolle.

haben wir mit mindestens einem Vertreter der verschiedenen
Schultypen in der Sekundarstufe I und der Gymnasialen Oberstufe der allgemeinen Bildungswege gesprochen (siehe Abbildung 3 in Abschnitt 5).
Auch für den Berliner Hochschulbereich versuchten wir Kontakt zu der zuständigen Abteilung in der SenBJW aufzunehmen, wurden aber trotz einer ersten Rückmeldung an keine

24	Vgl. http://www.lisum.berlin-brandenburg.de/sixcms/detail.php/lbm1.c.199260.de [25.03.14]
25	Vgl. http://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/i-mint-academy.html [25.03.2014]
14

5.	 Strukturen des Berliner Bildungssystems

5.1	 Politische Beschlusslage hinsichtlich OER in Berlin

Umsetzungsbedingungen gesprochen, wie die Möglichkeit einer

Die Berliner Politik hat im Laufe des Jahres 2013 begonnen

Einbeziehung der technischen und personalen Realitäten an

OER-Plattform für Berlin, deren Organisation (Metadaten) und
sich mit der Thematik OER zu beschäftigen. Konkret gab es zwei

Berliner Schulen. Mehrere der Anzuhörenden brachten hierzu

Anträge von Parteifraktionen an das Abgeordnetenhaus, die je-

internationale Vergleiche in die Diskussion ein. Auch die finan-

weils eine Auseinandersetzung mit dem Thema forderten.

zielle Dimension im Kontext des Landeshaushalts sowie mög-

Der erste Antrag wurde am 13. März 2013 von der Piratenfrak-

zentralen Themen, welches von den meisten der ExpertInnen

tion im Berliner Abgeordnetenhaus eingebracht.26 Der Antrag

angesprochen wurde, war das der Qualitätskontrolle. Schul-

licher Geschäftsmodelle für OER wurde thematisiert. Eines der

forderte vom Senat eine Prüfung von „Modellen und Konzepten

buchverlage wurden im Kontext ihres Mehrwerts und poten-

zu Open Educational Resources, die der Informationserstellung

zieller Einbindung in OER-Modelle diskutiert. Angelehnt an die-

und –verteilung, der Veröffentlichung, des Austausches und

se Thematik, gab es Kontroversen um die jeweiligen Rollen der

der Wiederverwendung von Lehr- und Lernmaterialien dienen,

öffentlichen Hand und den Wettbewerb auf dem freien Markt.

hinsichtlich a) ihrer rechtssicheren Implementierung in die Bildungsprozesse der öffentlichen Schulen und Hochschulen im
Land Berlin und b) ihrer finanziellen Auswirkungen“. Am 21.
August folgte diesem Antrag ein weiterer, diesmal eingebracht

5.2	 Die Berliner Schullandschaft

von den Fraktionen der SPD und CDU.27 Hierin appellieren die
Fraktionen an den Senat, „das Prinzip von offenen digitalen Bil-

Auf Grund der föderalistischen Organisation des deutschen Bil-

dungsressourcen in der schulischen Bildung umzusetzen“. Der

dungssystems erscheint ein kurzer Überblick über das Berliner

Antrag fordert für das Land Berlin die Darstellung von Chan-

Schulsystem hilfreich. Abbildung 3 zeigt einen Ausschnitt aus

cen und Risiken einer „selbst- oder fremdbetriebene(n) Inter-

der Darstellung Das Berliner Schulsystem der SenBJW,30 und

net-Plattform, auf der – von Berliner Lehrkräften – Lehrinhal-

bietet einen Überblick über die allgemeinen Bildungswege in-

te und Lehrmaterialien zur freien Verwendung im schulischen

nerhalb des Berliner Schulsystems. Die alternativen Bildungs-

und außerschulischen Unterricht zur Verfügung gestellt werden

wege Sonderpädagogische Förderung und Berufliche Bildungs-

können“. Darüber hinaus verlangt der Antrag eine Darstellung,

wege wurden an dieser Stelle nicht berücksichtigt, sollten aber

wie ein ergebnisoffener Dialog und potenzielle Zusammenar-

in einer umfangreicheren Studie eingeschlossen werden.

beit mit Schulbuchverlagen und regional ansässigen Unternehmen möglich ist.

Das in Abbildung 3 dargestellte allgemeine Berliner Schul-

Zu beiden Anträgen wurde am 9. Dezember 2013 eine öffent-

2010/11. Erkennbar gliedert sich das System in drei Stufen, die

liche Sitzung des Ausschusses für Digitale Verwaltung, Daten-

Primarstufe, die Sekundarstufe I und die optionale gymnasiale

system besteht in dieser Form seit der Bildungsreform von

schutz und Informationsfreiheit des Berliner Abgeordneten-

Oberstufe. Im Regelfall besuchen SchülerInnen für die Dauer der

hauses abgehalten.28 Zentraler Bestandteil der Sitzung war

sechs Jahre der Primarstufe die Grundschule. In Ausnahmefäl-

eine Expertenanhörung, zu der diverse Vertreter der Zivilge-

len (siehe Anmerkung 2 in Abbildung 3) wechseln SchülerInnen

sellschaft, der Schulbuchverlage, regionaler Lehrkräfte sowie

bereits ab Klasse fünf an Gymnasien oder integrierte Sekundar-

akademische Experten geladen waren.29

schulen (ISS). Ein Sonderfall innerhalb dieses Systems ist das
Pilotprojekt Gemeinschaftsschule, dem sich Schulen innerhalb

Die geladenen ExpertInnen und anwesenden PolitikerInnen,

der Pilotphase individuell oder kollektiv anschließen können

einschließlich des Staatssekretärs für Bildung Mark Rackles,

und innerhalb welchem SchülerInnen ihre gesamte Schullauf-

diskutierten kontrovers eine Vielzahl von Aspekten von OER

bahn an derselben Schule verbringen. Alle diese Bildungswe-

im Allgemeinen bzw. im Kontext von Berliner Schulen. Neben

ge führen nach der 9. Klasse zur Berufsbildungsreife (BB), in

Grundsatzfragen wie der Definition von OER und Beweggrün-

der Abbildung durch die gestrichelte Linie gekennzeichnet. Die

den für den Einsatz von OER, ging es auch um urheberrechtliche

beiden durchgezogenen Linien nach Klasse 10 stehen jeweils

Fragen und ein differenziertes Verständnis von offenen, insbe-

für den mittleren Schulabschluss (MSA) und die erweiterte Be-

sondere Creative Commons-Lizenzen. Des Weiteren wurde über

rufsbildungsreife (eBB) (siehe Anmerkung 3). Bei Bestehen des

26	Vgl. www.parlament-berlin.de/ados/17/IIIPlen/vorgang/d17-0888.pdf [01.04.14]
27	Vgl. www.parlament-berlin.de/ados/17/IIIPlen/vorgang/d17-1130.pdf [01.04.14]
28	Vgl. www.parlament-berlin.de/ados/17/ITDat/protokoll/it17-033-wp.pdf [01.04.14]
29	 Eingeladen waren: Wolf-Rüdiger Feldmann (Verband Bildungsmedien), Ferdinand Horbat (Philologenverband Berlin-Brandenburg), Paul Klimpel (iRights.Lab), Philipp
Otto (iRights.info), Debora Weber-Wulff (Professorin für Medieninformatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW)), Sebastian Horndasch (Wikimedia Deutschland).
30	 Die komplette Abbildung ist online verfügbar: www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/bildungswege/aufbau_berliner_schulsystem.pdf?start&ts=1282821266&file=aufbau_berliner _schulsystem.pdf [25.03.14]
15

MSAs kann in weiteren zwei Jahren (Gymnasium), bzw. drei

einer ISS an ein berufliches Gymnasium (Oberstufenzentrum:

Jahren (IS), das Abitur erworben werden. Zusätzlich besteht

OSZ) zu wechseln und dort ein beruflich orientiertes Abitur in

die Möglichkeit nach der zehnten Klasse vom Gymnasium oder

drei Jahren zu erlangen.

Abbildung 3: Schematisch-vereinfachte Darstellung des Berliner Schulsystems

Abitur

Gymnasiale
Oberstufe

13

4

12

11

Gymnasium

Integrierte
Sekundarschule

i

i

6

Berufliches
Gymnasium
(OSZ)

3
MSA

i

eBB

Sekundarstufe I

10

BB

9

Integrierte
Sekundarschule

Gymnasium
8

Gemeinschaftsschule
(Pilotprojekt)

7

6
5

2

2

Primarstufe

Grundschule
4
3
2
1

	

1

Schulanfangsphase

5

Allgemeine Bildungswege
1 	
Die Schulanfangsphase kann in 1, 2 oder 3 Jahren durchlaufen
werden.
2 	
Die Integrierte Sekundarschule und das Gymnasium können einen
Bildungsgang ab der Jahrgangsstufe 5 für Schnellläuferklassen,
altsprachliche Angebote oder sprachliche, mathematisch-naturwissenschaftliche, musische oder sportliche Profile führen.
3 	
BB = Berufsbildungsreife, eBB = erweiterte Berufsbildungsreife,
MSA = mittlerer Schulabschluss.
MSA und eBB werden in einem Abschlussverfahren mit Prüfung

4 	
Die gymnasiale Oberstufe dauert an Gymnasien 2 Jahre, an Integrierten Sekundarschulen (ISS) und beruflichen Gymnasien 3 Jahre.
An ISS kann die zweijährigen Form angeboten werden.
5 	
Allgemeinbildende Schulen können im Rahmen einer Pilotphase
eine Gemeinschaftsschule werden oder sich zusammenschließen.
6 	
In Oberstufenzentren soll eine gymnasiale Oberstufe mit einem
beruflich orientierten Bildungsangebot eingerichtet werden (berufliches Gymnasium). Sie kooperieren mit Integrierten Sekundarschulen, um Schüler zum Abitur zu führen.

erworben. Der MSA ist eine notwendige Voraussetzung für den
Übergang in die gymnasiale Oberstufe.

5.3	 Finanzierung von schulischen Lehr- und Lernmitteln

die insbesondere von den Lehrkräften für die Gestaltung des
Unterrichts genutzt werden und im Normalfall in der Schule

Von offensichtlicher Relevanz für die zukünftige Ausgestaltung

verbleiben“. Beispiele sind von SchülerInnen genutzte Compu-

von OER-Förderung ist die derzeitige Finanzierung von Lehr-

ter sowie Instrumente und Materialien für den naturwissen-

und Lernmitteln. Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung,

schaftlichen Unterricht. Lernmittel hingegen sind – gemäß §2

Jugend und Wissenschaft gibt Auskunft über das derzeitige

Lernmittelverordnung – „Unterrichtsmittel, die überwiegend

Finanzierungssystem.31 Der Unterschied zwischen Lehr- und

individuell und eigenverantwortlich von den Schülerinnen und

Lernmitteln ist, dass „Lehrmittel solche Unterrichtsmittel sind,

Schülern [...] verwendet werden. Zu den Lernmitteln gehören

16

Schulbücher, ergänzende Druckschriften (beispielsweise Wör-

Das Berliner Schulgesetz (§ 7, Absatz 5) legt fest, dass jede

terbücher, Lektüren, Arbeitshefte, Atlanten und Notenblätter)

Schule durch die zuständige Schulbehörde „erforderliche Mittel

sowie andere Unterrichtsmedien und Arbeitsmittel (beispiels-

für [...] die notwendige Ausstattung und den ordnungsgemäßen

weise Lernkarteien und digitale Datenträger mit Lern- oder

Betrieb der Schule zur Sicherung von Unterricht und Erziehung

Unterrichtssoftware, die Schulbücher ergänzen oder ersetzen).“

und einer kontinuierlichen Verbesserung der Lern- und Lehrbe-

Allgemein werden die Kosten für Lehrmittel über öffentliche

dingungen [...] erhält“ – dies beinhaltet sowohl Lern- als auch

Gelder finanziert, welche wiederum von den Außenstellen der

Lehrmittel.

Senatsverwaltung in den Bezirken für die einzelnen Schulen
verwaltet werden. Lernmittel hingegen werden aus einer Kombination von öffentlichen und privaten Mitteln finanziert (siehe
Abbildung 4).

Abbildung 4: Finanzierung von Lernmitteln in Berlin

Festlegung „Mindeststandards“
(Pro-Kopf Betrag für Lernmittelausgaben je Schüler)

Senatsverwaltung für
Bildung, Jugend und Wissenschaft

Zuteilung öffentlicher Mittel an die Schulen nach festgelegten
Kriterien (Schüleranzahl, Schultyp, Jahrgangsstufe, Sonderbedarfe)

Gelder über Bezirksämter an Schulen

Schulen

Schulkonferenz

Verteilung der Haushaltsmittel innerhalb einer Schule (zum Beispiel Entscheidung über die Einrichtung eines Lebensmittelfonds)

Gesamtkonferenz

Grundsatzentscheidung bezüglich der Auswahl von Lernmitteln

Fachkonferenzen

Auswahl der Lernmittel für die Schulfächer

In Absprache mit der Senatsverwaltung für Finanzen berechnet

dard 260 Euro je SchülerIn.32 Neben diesen Standardbeträgen,

die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft die

ist eine zusätzliche Zuweisung von Mitteln für Sonderbedarfe

Mindeststandards für Lernmittel (Pro-Kopf-Schülerbeträge). Die

(Lernmaterialien zur Förderung von SchülerInnen nichtdeut-

Gelder werden nach Berlin-weit geltenden Bestimmungen über

scher Herkunftssprache zum Einsatz im bilingualen Unterricht

die zuständigen Bezirksämter an die einzelnen Schulen verteilt.

oder für die sonderpädagogische Förderung) möglich.33 Grund-

Diese Berechnung richtet sich nach Schulart und Jahrgangs-

sätzlich wird von einer mindestens vierjährigen Nutzungsdauer

stufe. Die finanziellen Zuweisungen an die einzelnen Schulen

der Lernmittel ausgegangen. Darüber hinaus gilt die gesetzliche

richten sich nach der Anzahl der SchülerInnen, entsprechend

Regelung des Eigenanteils. Es kann verlangt werden, dass sich

diesen Mindeststandards und unter Berücksichtigung der An-

SchülerInnen (bzw. deren Erziehungsberechtigte) pro Jahr mit

zahl von SchülerInnen, die von der Eigenbeteiligung befreit

bis zu 100 Euro an der Beschaffung von Lernmaterialien be-

sind (siehe unten). Die Mindeststandards für Lernmittel ab dem

teiligen. Im Fall bestimmter nachgewiesener sozialer Härtefälle

Schuljahr 2012/13 betragen in der Primarstufe für die Jahr-

wird dieser Eigenanteil erlassen.

gangsstufen 1 und 2 je 80 Euro und für die Jahrgangsstufen 3
bis 6 je 120 Euro pro SchülerIn. In der Sekundarstufe I und II,
also den Jahrgangsstufen 7 bis 13, beträgt der Mindeststan-

31	Vgl. www.berlin.de/sen/bildung/schulorganisation/lehr_und_lernmittel/ [25.03.14]
32	 www.berlin.de/imperia/md/content/senbildung/schulorganisation/lehr_und_lernmittel/mindestandards_lernmittel.pdf?start&ts=1328726498&file=mindestandards_lernmittel.pdf [27.03.14]
33	 www.berlin.de/imperia/md/content/bacharlottenburgwilmersdorf/verwaltung/jugend/schulgremien/bsb/070222_protokoll_anlage_lehrmittel.pdfstart&ts=1173444443&file=070222_protokoll_anlage_lehrmittel.pdf [27.03.14]
17

Vom zugeteilten Budget wiederum schaffen die Schulen Lern-

entsprechen. Dieses System soll zu 2015/16 ein weiteres Mal

mittel an, welche den SchülerInnen leihweise zur Verfügung ge-

reformiert werden mit dem Ziel, jeweils drei Regionen zu einer

stellt werden. Die absoluten Mittel, die einer Schule zur Verfü-

Einheit zusammenzuschließen (SV3).

gung stehen, setzen sich wie oben beschrieben aus der Schule
zugeteilten Haushaltsmitteln sowie dem von den SchülerInnen

Im derzeitigen System werden Fortbildungen innerhalb der

zu erbringenden Eigenanteil zusammen. Es gibt zwei verschie-

einzelnen Regionen durch FortbildungskoordinatorInnen orga-

dene Modelle, nach denen die Eigenbeteiligung geregelt wer-

nisiert, welche jeweils in den Außenstellen der Senatsverwal-

den kann. Die Entscheidung, welches der Modelle gewählt wird,

tung (Bezirksämter) angesiedelt sind. Die Fortbildungen selbst

liegt bei der einzelnen Schule. Erstens können Schulen Bücher-

werden größtenteils durch Berliner Lehrerkräfte (Multiplikato-

listen erstellen, auf denen alle benötigten Lernmittel aufgeführt

rInnen) und teilweise durch externe ReferentInnen angeboten.

sind und angegeben wird, welche dieser Unterrichtsmaterialien

Fortbildungen können entweder schulintern oder aber extern

die SchülerInnen selber finanzieren und beschaffen müssten.

stattfinden, letzteres geschieht vor allem in Bezirken, welche

Dabei darf die Summe für alle anzuschaffenden Materialien

über eineigenes

100 Euro nicht überschreiten. Zweitens gibt es die Möglich-

zierung der Fortbildungen geschieht aus öffentlichen Mitteln,

Fortbildungszentrum verfügen. Die Finan-

keit eines Lernmittelfonds, aus welchem Bücher kollektiv für

welche jeder Region je nach Beschäftigtenzahl zugeteilt wer-

die Schule angeschafft werden und in deren Besitz verbleiben.

den. Für die Verwaltung und den Einsatz dieser Gelder sind

Auch hier kann pro SchülerIn eine Beteiligung von bis zu 100

die Fortbildungsschulräte in den Bezirken zuständig, welche

Euro pro Jahr verlangt werden, allerdings fällt die Summe für

Entscheidungen unter Einbeziehung der Fortbildungskoordina-

die Beteiligung an einem Fonds in der Regel geringer aus als bei

toren treffen. Für eine Region entspricht das jährliche Budget

dem ersten Modell.

circa 10.000 Euro. Zusätzlich werden MultiplikatorInnen durch
Abordnungsstunden vergütet, deren Anzahl zum Beispiel für

Da seit 2004 keine zentrale Zulassung von Schulbüchern mehr

die Region Pankow ca. acht Lehrerstellen entspricht.34 Da aus

stattfindet, steht es jeder Schule frei, selber darüber zu ent-

diesem Budget jeder Schule ein Studientag à circa 300 Euro zu-

scheiden welche Lernmittel angeschafft werden. Innerhalb

steht, ist allerdings kein großer Spielraum für die Beschäftigung

der Schulen gibt es diverse Gremien, die eine Rolle in diesem

von externen ReferentInnen vorhanden (SV3). Inhaltlich müss-

Entscheidungsprozess spielen. Dies ist zum einen die Gesamt-

ten Angebote einen klar erkennbaren Fortbildungssinn haben.

konferenz, welche sich aus allen Lehrkräften einer Schule zu-

Darüber hinaus werden auf Landesebene inhaltliche Schwer-

sammensetzt. Des Weiteren tagt die Schulkonferenz, welche

punkte für Fortbildungen gesetzt.

sich aus der Schulleitung, der Elternvertretung und der Schülervertretung zusammensetzt (S1). Die Schulkonferenz entscheidet über die Verteilung der Haushaltsmittel, inklusive der
Frage, ob eine Schule einen Lernmittelfonds einrichtet. In Be-

5.5	 Lehr- und Lernunterlagen an Berliner Universitäten und

zug auf Lernmittel trifft die Gesamtkonferenz der Lehrkräfte

Hochschulen

Grundsatzentscheidungen. Dies wäre damit gemäß §79 Absatz
3 Nummer 8 des Schulgesetzes auch die Instanz, die über ei-

Im Bereich Berliner Universitäten und Hochschulen erfolgt die

nen strategischen Einsatz von OER-Materialien, wie auch eine

Bereitstellung von Lehr- und Lernunterlagen entweder durch

grundsätzliche Entscheidung darüber diese zu finanzieren, ent-

die jeweiligen Universitäts- und Hochschulbibliotheken oder

scheiden müsste (S1). Über die Auswahl der eigentlichen Lern-

individuell durch die Studierenden. Entsprechend der grundge-

mittel entscheiden in der Regel die einzelnen Fachkonferenzen,

setzlich garantierten Freiheit von Forschung und Lehre (Art. 5

an welche diese Pflicht durch die Gesamtkonferenz übertragen

Abs. 3 GG) ist für die Auswahl der notwendigen Lernunterlagen

wird. In jedem Fall sind hierbei die „Grundsätze der Wirtschaft-

in erster Linie der/die jeweilige Hochschullehrende maßgeblich.

lichkeit, Sparsamkeit, Zweckmäßigkeit und des sinnvollen Ein-

Die Lehrbuchbestände der Bibliotheken sind demgemäß ledig-

satzes im Unterricht sowie die gemäß § 7 Absatz 5 des Schulge-

lich als Angebote für die Hochschullehrenden zu sehen, ent-

setzes festgelegten Mindeststandards zu beachten“.

sprechende Bedarfe werden in der Regel aber in Absprache mit
den Lehrenden geklärt.
Im Unterschied zum Schulbereich ist die Finanzierung von Lehr-

5.4	 Das Fortbildungssystem für Lehrkräfte

und Lernmaterialien deshalb von gleich doppelter Autonomie
geprägt. Einerseits von der Autonomie der Bibliotheken über

Ein weiteres Element des Berliner Schulsystems und wichtig für

die Verwendung ihrer Mittel sowie von Autonomie der indi-

eine erfolgreiche Umsetzung von OER-Strategien ist das Fort-

viduellen Lehrenden über Auswahl und (Nicht-)Bereitstellung

bildungssystem für Lehrkräfte, welches zuletzt 2007 reformiert

der konkreten Lernunterlagen. Eine Kostenbeschränkung für

wurde. Seitdem ist nicht mehr das Landesinstitut für Schule und

die finanzielle Beteiligung von Studierenden ist gesetzlich nicht

Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) für die Organisation der

vorgesehen.

Fortbildungen verantwortlich, sondern Koordinationsstellen für
die sogenannten „Regionen“, welche den Berliner Stadtbezirken

34	 Übernehmen Lehrkräfte Aufgaben außerhalb ihrer Kerntätigkeit, beispielsweise die Arbeit als Fortbildungsleiter, können die verpflichtend zu haltenden wöchentlichen
Unterrichtsstunden durch Abordnungsstunden reduziert werden.
18

6.	 Potenziale und Herausforderungen
für OER in Berlin

6.1	 Ansatzpunkte für OER im Berliner Schulsystem

werdenden Zeitressourcen für Lehrkräfte, es sehr wichtig sei,

Der folgende Abschnitt behandelt die Interviews aus Schulen

alles neu erfinden zu müssen“ (SV3). Bei einem Gesprächspart-

(S1-S6), der Schulverwaltung (SV1-SV5) und der iMINT-Akade-

ner aus der Senatsverwaltung, obwohl einer Nutzung von OER

erprobte Dinge von anderen zu bekommen und nicht immer

mie (IM1 und IM2). Zusätzlich werden, wo relevant, die Befra-

durch Berliner Lehrkräfte nicht vollkommen abgeneigt („eine

gungsergebnisse der „weiteren“ Personen und Organisationen

potenzielle Bereicherung“), überwog allerdings die Skepsis.

(W1-W4) hinzugezogen (vgl. Kapitel 3).

Besonders stellte sich hier die Frage wie wünschenswert die
Erschaffung und Weiterverbreitung von OER durch Lehrkräfte
sei, da sich diese doch „aufs Unterrichten konzentrieren [können sollten]“ (SV1). Auf die Frage der Mittelherkunft wurde die

6.1.1	 Vorverständnis, Einstellungen und bisherige Nutzung

Bereitschaft signalisiert, die Erschaffung und Verbreitung von

Die Frage, ob das Konzept von Open Educational Resources, be-

zieren (S1; S2; S4; SV3). Die Frage der Finanzierung wird im

ziehungsweise offenen Bildungsmaterialien, bereits bekannt ist

Verlauf der Studie eingehender erläutert.

OER aus dem derzeitigen Budget für Lernmaterialien zu finan-

wurde von allen Befragten an Schulen (S1-S6) sowie von einem
(von zwei befragten) Mitwirkenden der iMINT-Akademie (IM2)

Neben der Bekanntheit des Konzepts von OER, wurde zudem

verneint. Passend dazu äußerte ein mit dem Konzept vertrau-

die bisherige Nutzung vorhandener OER-Materialien abgefragt.

ter Ansprechpartner in der Schulverwaltung die Einschätzung,

Allgemein ergaben die Gespräche, dass Lehrkräfte bereits ver-

dass „Lehrkräfte zwar das grundsätzliche Problem kennen, mit

mehrt offene Bildungsressourcen nutzen, ihr Verhalten (bisher)

dem Begriff OER jedoch schätzungsweise 75 Prozent von ihnen

jedoch nicht mit dem Begriff der Open Educational Resources

nichts anfangen können“ (SV2). In den verschiedenen Berei-

in Verbindung gebracht haben. In Anhang III findet sich hierzu

chen der Schulverwaltung (SV1-SV5) war allen Befragten das

eine Auflistung der genannten Materialien und Quellen.35

Konzept von OER geläufig. Auch die andere befragte Leitungsperson der iMINT-Akademie (IM1), die Vollzeit als Lehrkraft
beschäftigt und durch Abordnungsstunden in der Senatsverwaltung für iMINT-Koordination tätig ist, die zudem in Teilzeit

6.1.2	 Mögliche Finanzierung von OER-Materialien durch

in der Senatsverwaltung arbeitet, war mit dem Konzept von

Schulbudgets

OER vertraut. Das allgemeine Verständnis von OER, wo vorhanden, deckte sich weithin mit dem dieser Studie (vgl. Kapitel 1),

Der verstärkte Einsatz von OER an Schulen ist unweigerlich mit

so war die Rede von „Materialien [welche] komplett kostenlos

der Frage nach deren Finanzierung verbunden. Zumindest kurz-

und offen zur Verfügung stehen, [unter Bedingungen welche]

bis mittelfristig stellen OER keine Kostensparmaßnahme dar,

individuellen Lehrkräften und anderen die Möglichkeit geben

sondern erfordern ebenso wie die Entwicklung herkömmlicher

das Material individuell an die Bedingungen der entsprechen-

Materialien eine Investition. Im Rahmen dieser Studie haben

den Schule anpassen zu können“ (IM1). Das Kriterium der Kos-

wir abgefragt, inwieweit eine Finanzierung von OER aus dem

tenfreiheit wurde mehrfach erwähnt (SV1; SV2; SV4), wie auch

bestehenden Budget für Lernmaterialien denkbar ist.

die Thematik offener Lizenzen (SV1; SV5).
Mehrere der Befragten, insbesondere aus dem schulischen BeSoweit verstanden, war die Einstellung der Befragten gegen-

reich (S1, S2; S4; IM2), stehen der Idee OER-Materialien durch

über dem Prinzip von OER und dessen verstärkter Umsetzung

schulische Lernmittelbudgets zu finanzieren durchaus offen ge-

im Kontext von Berliner Schulen überwiegend offen (SV3; SV4;

genüber. Konkret wurde von einem Schulleitungsmitglied geäu-

S1; S3; S5) oder sogar betont positiv (SV2; SV5; IM1; IM2; S2;

ßert, dass „ein klares Konzept vorzuliegen habe, welches dann

S4; S6). So wurde die Freigabe von Materialien als „Fortschritt“

von der Gesamtkonferenz abgesegnet werden müsste“ (S1).

bezeichnet, welcher eine Verbesserung im Vergleich zur derzei-

Ähnlich merkte eine der befragten Lehrkräfte an, dass es eine

tigen Situation bedeuten würde, in der Materialien de facto aus- „gemeinsame Entscheidung der Schule sein [sollte], bestimmte
getauscht werden, „was aber natürlich keine ehrliche Methode

Materialien anzuschaffen oder zu erstellen. Eine Investition ist

ist“ (SV2). Auch wurde betont, dass „im Zuge der immer knapper

nur sinnvoll, wenn diese dann auch vom gesamten (relevan-

35	 Auf Grund der stichprobenartigen Erhebungsmethodik ist die Liste rein exemplarisch zu lesen und gilt nicht repräsentativ für die Nutzung von Onlineressourcen durch
Lehrkräfte in Berlin. Zudem stellt die Liste nur eine Wiedergabe der genannten Materialien dar, welche nicht alle den Ansprüchen der Definition von OER in dieser
Studie genügen. Einige der genannten Materialien sind beispielsweise kostenpflichtig, andere sind zwar kostenlos, verfügen jedoch über keine eindeutigen oder nicht
ausreichend offene Lizenzbedingungen.

19

ten) Fachbereich genutzt wird“ (IM2). Ein Fachbereichsleiter

genüber einer Zusammenarbeit in diese Richtung wären“ (IM1).

erwähnte darüber hinaus, dass es hilfreich wäre, wenn vorher

Die Einschätzungen zur Möglichkeit einer solchen Zusammen-

„vom Dienstherrn [SenBJW] das OK gegeben, beziehungsweise

arbeit (beispielsweise in Form eines öffentlichen Auftrags für

besser noch schriftlich signalisiert werden würde, dass OERs

die Erstellung eines offenen Schulbuches) fielen gemischt aus:

explizit erwünscht sind“ (S4). Rein formal hat die Senatsverwal-

Manche AkteurInnen (SV4; SV5) waren der Idee gegenüber

tung jedoch keine Autorität darüber, wie einzelne Schulen ihre

durchaus aufgeschlossen und fanden sie „prinzipiell denkbar,

Budgets einsetzen. Ein weiterer Fachbereichsleiter merkte an,

wenn zum Beispiel ein öffentlicher Träger Nutzungsrechte […]

dass „die Schule in der Vergangenheit auch schon in Software

kauft“ (SV5). Andere mahnten jedoch auch zur Vorsicht, wenn

investiert“ hat und es daher durchaus denkbar ist, dass eine

nur einige wenige Verlage für die Erstellung von OER gewon-

größere Investition in offene Materialien beschlossen werden

nen werden sollten: „Wenn man einen Schulbuchverlag gewinnt,

wird (S5). Aus der Schulverwaltung heraus wurde allerdings

der Interesse hat, muss man aufpassen, dass man die anderen

auch betont, dass es für einzelne Schulen nicht realistisch sei,

[Schulbuchverlage] nicht verprellt. Lehrkräfte sind von der Ma-

Lehrkräften Abordnungsstunden einzuräumen, um ihnen aus-

terialienvielfalt abhängig“ (SV3). Ein weiterer Gesprächspartner

drücklich Zeit für die Erschaffung von OER-Materialien zu be-

wiederum hielt die Idee einer solchen Kooperation zur Erstel-

schaffen. Dies wäre problematisch, da bereits jetzt „Stunden-

lung offener Materialien für unrealistisch – vor allem von Sei-

ausfall ein Hauptstreitthema mit Eltern ist“ (SV4).

ten der SenBJW aus. Grund dafür sei, dass dort „selten so weit

Im Kontext des beruflichen Gymnasiums wurde die Situation

Ansatz ein Biologielehrbuch durch Crowdfunding zu erstellen

im Gespräch mit einer Fachbereichsleiterin hingegen anders

zwar „gut angefangen [habe], aber offensichtlich nicht zu Ende

eingeschätzt. Bereits jetzt fehle es für die benötigten Lehr- und

durchdacht [war]“, könne er sich das „im Haus [SenBJW] nicht

Lernmittel an der „entsprechenden Finanzierung aus dem öf-

vorstellen“ (SV2). Für bestimmte Anwendungsfälle wäre es aber

in die Zukunft gedacht“ werde (SV2). Auch, da der bisherige

fentlichen Sektor“ (S6). Es sei in Deutschland zwar ausreichend

denkbar, zum Beispiel „dass man das als Modell vielleicht ein-

Expertise vorhanden, um entsprechende Materialien zu entwi-

mal macht, [beispielsweise] um zu zeigen wie man mit Tablets

ckeln, für diesen Zweck fehle es jedoch schlicht an Geldern. Vor

arbeiten kann“ (SV2).

diesem Hintergrund, sprach sich die Lehrerin für eine Finanzierung von OER-Materialien durch die Industrie aus: „Die Idee,

Im Verlauf der Datenerhebung stellte es sich als Herausforde-

dass eine Firma vollkommen interessenfrei sein kann, ist ein Wi-

rung dar, eine Stellungsnahme Seitens der Bildungsmedienver-

derspruch in sich. Dies wird aber nur dann problematisch, wenn

lage selbst zu erhalten (siehe auch Kapitel „Methodik“). Diese

eine Lehrkraft einzig auf das angebotene Produkt schult.“ (S6).

Zurückhaltung öffentlich zu Fragen von OER Stellung zu nehmen,
kann bis zu einem gewissen Grad auch als Hinweis auf unklare
oder uneindeutige Positionierungen auf Seiten der Bildungsmedienverlage gedeutet werden. Im Folgenden werden daher

6.1.3	 Rolle und Einstellung der Bildungsmedienverlage

lediglich die Antworten des Unternehmensentwicklers (W3) der
Klett-Gruppe und eines der Geschäftsführer von K.lab, sowie

Die Rolle von Schulbuch- bzw. Bildungsmedienverlagen als zen-

eine schriftliche Stellungnahme von einem Geschäftsführer des

trale Akteure der aktuellen Bildungslandschaft ist auch im Kon-

Ernst Klett Verlags (W1) ausgewertet. Zusammenfassend stehen

text möglicher Neuerschaffung von OER-Materialien interessant.

beide Antwortgeber der Erstellung von Open Educational Re-

Im Rahmen der beschränkten Datenlage (siehe Kapitel 3) haben

sources durch Schulbuchverlage skeptisch gegenüber.

wir vor allem erkundet, wie Anbieter von Bildungsmedien der
Freigabe von bereits existierendem Material als OER, sowie der

Die Geschäftsführung des Klett Verlages sieht „in urheberrecht-

Neuschaffung von OER-Materialien gegenüber stehen.

lich unbedenklichen OER-Materialien eher eine Herausforderung, als eine Bedrohung.“ Zudem erklärt die Verlagsleitung:

Im ersten Schritt wurde abgefragt, wie Lehrkräfte und andere
Akteure aus dem schulischen Bereich die Rolle von Verlagen
einschätzen. Insgesamt fielen diese Einschätzungen gemischt
aus. So verteidigten einige der Befragten (S5; S6; SV3) den
Status quo und wiesen darauf hin, dass Verlage bereits hochwertige digitale Zusatzmaterialien zu ihren herkömmlichen
Druckmaterialien anbieten. Aus Sicht der Befragten hatten diese einige, wenn auch nicht alle Vorteile von OER-Materialien.
Ein Befragter aus dem Bereich der Berliner Bildungsverwaltung
betonte, dass die „Erstellung von Unterrichtsmaterialien [weiterhin] den zuständigen kommerziellen Einrichtungen überlassen werden solle“ (SV1). Andere waren kritischer und hoben

„Das Erweitern und Verändern unserer Lehrwerkskonzepte durch die Lehrerinnen und Lehrer vor Ort
ist für den Klett Verlag Realität. Ein Problem entsteht für uns erst dann, wenn diese für die spezielle
Situation im Klassenraum adaptierten Materialien
im Netz frei verfügbar gemacht und dadurch die
mit unseren Autoren und Grafiker eingegangenen
Verträge verletzen werden würden. Wir sind der
festen Überzeugung, dass die Arbeit mit kreativ arbeitenden Berufsgruppen dauerhaft nur durch eine
Honorierung der geleisteten Arbeit funktioniert.“

hervor, dass beispielsweise bei der Arbeit der iMINT-Akademie
bisher „keine Zusammenarbeit mit Schulbuchverlagen zur Mo-

Der Verlag ist offen gegenüber der Weiterberarbeitung von Ma-

dulentwicklung stattfindet“. Der Hauptgrund dafür seien die

terialien und erfüllt somit theoretisch einen Teil der OER-De-

Beschränkungen, sowohl zeitlich wie auch im Umfang der Nut-

finition. Andere zentrale Aspekte von OER, insbesondere der

zungsrechte, denen Verlagsmaterialien unterworfen sind“ (IM1).

offene, kostenfreie Zugang sowie die Erlaubnis der Weitergabe

Es „wäre aber zu wünschen, dass Verlage in Zukunft offener ge-

werden jedoch implizit abgelehnt.

20

Der Unternehmensentwickler des Klett Veralgs vertritt eine

Autoren, intensiver redaktioneller Eigenleistung, schwer zu

sehr ähnliche Position, begründet diese aber ausführlicher, so-

findenden Illustratoren und gezielt ausgewählten Fremdrech-

wohl aus rechtlicher, wirtschaftlicher sowie aus qualitätsorien-

ten unbezahlbar“. Dies alles gelte zudem unter der Prämisse,

tierter Sicht. In rechtlicher Hinsicht weist er darauf hin, dass

dass „die Urheber überhaupt dazu [ihre Nutzerrechte pauschal

es für einen Bildungsmedienverlag kompliziert und teilweise

zu veräußern, Anm.] bereit sind [...] und in den überwiegenden

sogar unmöglich wäre, die nötigen Nutzungsrechte an den ver-

Fällen der Drittrechte werden sie das nie sein“. Implizit in die-

wendeten Materialien zu erwerben, um diese als OER veröf-

ser Analyse ist die Aussage, dass die Qualität offener Bildungs-

fentlichen zu können. Dies bezieht sich sowohl auf bereits er-

materialien automatisch hinter der kommerzieller Produkte

stellte Materialien, als auch auf zukünftig zu erschaffende. Dies

zurückbleiben wird, da OERs nicht die notwendigen Rechte an

sei der Fall, da

einem vergleichbar breiten Spektrum an Materialien zur Verfügung stehen. Darüber hinaus vertritt er die Position, dass der

„bei der Erstellung von Bildungsmedien immer eine
Vielzahl von Urhebern beteiligt sind: der Verlag mit
seinen Redaktionen, externe Autoren, Illustratoren,
Photographen und Drittrechtegeber (Photos, Texte,
Grafiken, Videos und Musiksamples). Man erwirbt
von den Urhebern jenseits des Verlags nur die
Rechte zur Verwertung ihrer Leistungen, wie man
sie für die Umsetzung von konkreten Produkten
braucht. Wenn ich beispielsweise von Madonna
einen Liedtext in meine Kopiervorlage lizenziere,
dann mache ich das nur für die geplante Auflage von zum Beispiel 1000 Exemplaren. Wenn ich
nachdrucke, dann lizenziere ich nach. Würde ich
den Text für alle Auswertungsformen lizenzieren,
wäre er unbezahlbar beziehungsweise Madonna
würde ihn mir wohl dafür nicht geben. Damit wird
auch klar, warum ein Verlag bestehende Inhalte
nicht unter freier Lizenz herausgeben kann: Ihm
gehören diese Inhalte ja nicht, sondern nur das
Recht für bestimmte Verwertungsformen“ (W3).

Markt „also die einzelne Lehrkraft, die Eltern und natürlich die
Fachlehrkräfte und Fachkonferenzen“ dem öffentlichen Sektor gegenüber als Qualitätssicherungsmechanismus vorzuziehen ist. Er befürchtet, dass in dem Fall in dem die öffentliche
Hand Bildungsmaterialien in Auftrag gibt, die Unabhängigkeit
und Qualität des Materials leidet. So müssten Anbieter nicht im
Wettbewerb um die Gunst der Lehrer, sondern „bei Behörden
und Kommissionen mit dem Beherrschen der entsprechenden
Antragslyrik und anderen Kriterien wie regionaler Nähe, politischer Zugehörigkeit oder Gemeinnützigkeit für sich punkten“
(W3).

6.1.4	 OER in schulischen Fortbildungen
In Bezug auf die Integration der OER-Thematik in das schulische
Fortbildungssystem, gab es in den geführten Gesprächen überwiegend positive Reaktionen. So sprachen sich alle Befragten
aus dem schulischen Bereich (S1-S5), mit Ausnahme des beruflichen Gymnasiums, dafür aus, das System der regionalen und

Im Weiteren geht er auf die wirtschaftlichen Aspekte der Fra-

schulinternen Fortbildungen zu nutzen, um Wissen über OER zu

gestellung ein. Aus seiner Sicht mache es für einen Verlag kei-

verbreiten und Lehrkräfte in deren Nutzung zu schulen.

nen Sinn, Bildungsmaterialien unter einer öffentlichen Lizenz
zu verbreiten, da der Verlag in diesem Szenario „keine Aussicht

Eine Gesprächspartnerin in der Senatsverwaltung merkte an,

mehr habe, mit diesen Medien, beziehungsweise mit Dienst-

dass „Angebote zu OER bereits in das regionale Fortbildungs-

leistungen um diese Medien herum, Erlöse zu erzielen. Beispie-

netz eingebaut sind, beispielsweise durch Angebote zu digita-

le, in denen dies gelingt, sind rar“ (W3). Darüber hinaus seien

len Medien und Technologien. Die Angebote unterscheiden sich

die derzeitigen Wirtschaftsmodelle der Bildungsmedienverlage

jedoch stark innerhalb der Regionen“ (SV4). Eine eigene Recher-

so angelegt, dass es „in der Regel fünf bis sechs Jahre dau-

che im regionalen Fortbildungsangebot ergab jedoch, dass es

ert bis man anfängt mit einem Titel etwas zu verdienen, da

zwar Angebote zu digitalen Technologien gibt, die prinzipiell

die Investitionen in die Millionen gehen. Ältere Inhalte als OER

die Arbeit mit OER erleichtern würden, jedoch kein konkretes

freizugeben wäre vielleicht eine gute Tat aber wirtschaftlicher

Angebot zu OER zu finden ist.36 Einige der befragten Lehrkräfte

Selbstmord“ (W3).

betonten von sich aus, dass es sinnvoller wäre die Fortbildun-

Prinzipiell hält der Vertreter von Klett es jedoch für denkbar,

Fortbildungen die Zeitfrage, von daher sollten Fortbildungen

dass öffentliche Träger die Entwicklung von OER-Materialien

unbedingt an der eigenen Schule gehalten werden. Dies könnte

ausschreiben und die „höheren Rechtekosten für eine Pauschal-

durch Experten oder eigene KollegInnen geschehen“ (S2). Zu-

gen schulintern anzubieten: „Aus Erfahrung ist das Problem bei

abgeltung in Kauf nehmen“. Diese Option sieht er jedoch aus-

dem wurde thematisiert, dass die schulinternen Fortbildungen

genommen kritisch und vertritt die Position, dass dies „nicht

idealerweise auf „vorhandene technische Mittel abgestimmt“

billiger für die öffentliche Hand und ganz bestimmt nicht besser

sein sollten (S5). Ein weiterer Vorschlag bestand darin, an jeder

für Lehrkräfte und SchülerInnen“ sei. Die Gründe für diese Posi-

Schule eine Referenzperson für OER einzusetzen. Diese Person

tion folgen teilweise aus der oben genannten Einschätzung der

wäre „Experte für das Thema an der Schule, könnte es an Kol-

Urheberrechtssituation. So wäre „die Erstellung von Bildungs-

legen vermitteln und bei Fragen und Problem zur Verfügung

medien auf unserem Niveau, mit anspruchsvoll ausgewählten

stehen“ (S4). Regionale Fortbildungen dieser Referenzpersonen

36	 Gesucht wurde nach den Begriffen “OER”, „Open Educational Resources“, „offene Bildungsmaterialien“, „offene Lernmittel” und “offen” (letzteres erzielte Ergebnisse,
aber keine zum gesuchten Thema) auf der Internetseite der regionalen Fortbildungen: https://www.fortbildungregional.de/suchen/suche_veranstaltung.phpselected_
row=1&neue_abfrage=c&pageID=ca [31.03.2014].
21

können zudem als Expertenforum dienen und den „Austausch

heraus, auf welcher OER-Materialien angeboten, gefunden und

über die besten Plattformen sowie inhaltliche Diskussionen“

ausgetauscht werden können. Im Folgenden werden Einstellun-

ermöglichen (S5). Schließlich äußerten einige Lehrkräfte, dass

gen gegenüber und Anregungen für eine solche Plattform von

es zudem sinnvoll wäre Information über OER in die reguläre

Seiten der Befragten zusammengestellt.

Lehrkräfteausbildung zu integrieren (S4; IM2).
Eine zukünftige OER-Plattform sollte „nah am Markt“ entwickelt
Im Kontext des beruflichen Gymnasiums wurde die Fortbil-

werden, die Bedürfnisse der Nutzer (Lehrkräfte) bedienen und

dungssituation abweichend bewertet. Das bereits genannte Fi-

deren Befürchtungen in den Entwicklungsprozess einbinden.

nanzierungsproblem für Berufsschulen beschränke sich nicht nur

Stichprobenartig abgefragt haben wir daher die grundsätzli-

auf Lehr- und Lernmittel, sondern ebenso auf den Fortbildungs-

che Einstellung der individuellen Lehrkräfte gegenüber einer

bereich. „Was angeboten wird, halte ich nicht für professionell.

zentralen OER-Plattform, beziehungsweise der Möglichkeit

Es gibt Ausnahmen, zum Beispiel in der Medizintechnik, wo wir

OER-Materialien nicht nur zu nutzen sondern auch selbst wei-

Räume zur Verfügung stellen und Lehrkräfte im Austausch an der

terzuverbreiten.

Fortbildung teilnehmen dürfen“. Angesichts der mangelhaften
Qualität des öffentlichen Angebots nimmt die Gesprächspartne-

Die Mehrzahl der Befragten zeigte sich prinzipiell offen gegen-

rin daher „die Alternativen der Industrie gerne an“ (S6).

über der Nutzung von OER-Materialien, jedoch wurden auch

Das Gespräch mit einer regionalen Fortbildungskoordinatorin

gründete die Tatsache, dass man sich vor allem auf traditio-

lieferte einige nützliche Einschätzungen dazu, wie realistisch

nelle Materialien konzentriere, damit, dass „bisherige Versuche

obige Anregungen sind. So sei die Idee externe Experten aus

OER-Material zu finden zu zeitaufwändig“ waren. „Gäbe es eine

dem regionalen Fortbildungsbudget zu finanzieren unrealis-

hochqualitative Plattform, wäre das auch nochmal was ande-

eine Reihe von praktischen Hürden benannt. Ein Lehrer be-

tisch, da dieses keinesfalls ausreiche, um hoch qualifizier-

res“ (S5). Eine andere Lehrerin erläuterte, dass sie „aufhöre,

tes Personal zu bezahlen (SV3). Auch der Ansatz schulinterne

Lehrmaterial im Internet zu verfolgen, wenn persönliche Daten

Experten zu benennen, erfuhr Kritik. Dies sei vielleicht ein

abgefragt oder gezahlt werden müsste. Es ist außerdem eine

plausibler Ansatz für große Gymnasien, aber zum Beispiel an

Frage der Verlässlichkeit und Qualität“ (S3). Ein dritter Befragter

kleineren Grundschulen „nicht zu leisten“, da schlichtweg die

summierte: „Die Situation derzeit ist zu unübersichtlich. Auch

Anzahl der Lehrkräfte nicht ausreiche, um sämtliche gewünsch-

Moodle ist viel zu kompliziert“ (S4)37.

ten Funktionen wie beispielsweise den Brandbeauftragten“ zu
besetzten (SV3). Jedoch ergaben sich aus dem Gesprächen auch

Auf die Frage, ob Lehrkräfte bereit wären eigene Materialien

konstruktive Vorschläge und Ideen dazu, wie das Thema OER

frei zur Verfügung zu stellen, gab es sehr unterschiedliche Ant-

in das Fortbildungssystem integriert werden könne. So wäre es

worten. Einige der Befragten standen der Idee offen gegenüber

aus finanzieller Sicht realistischer, statt externen ExpertInnen

und verallgemeinerten diese Einstellung auch für andere Kolle-

eine interessierte Lehrkraft in der Region mit Abordnungsstun-

gInnen: „Ich persönlich wäre sofort bereit Materialien bereitzu-

den auszustatten, welche dann als Multiplikator das Thema OER

stellen und tue dies auch schon im Kollegenkreis. Für mich wäre

in anderen Schulen verbreiten könnte. Solch ein Ansatz wäre

es kein Problem, wenn dies auch anonym auf einer größeren

frühestens für das Schuljahr 2015/16 möglich und auch dafür

Plattform geschieht. Es ist ja klar, dass dies ein Geben und Neh-

müsste ein Konzept bis Herbst 2014 an die regionalen Fortbil-

men ist und man auch selber profitiert“ (S2). Ein weiterer Lehrer

dungskoordinatoren herangetragen werden. Im Laufe des Früh-

bekräftigte, dass er „glaube, dass Lehrkräfte allgemein durch-

jahrs 2015 würden diese dann „die Ressourcen schaffen“ – also

aus aufgeschlossen der Idee gegenüber sind, Materialien zu tei-

mit Schulleitern ins Gespräch kommen, um die Freistellung ei-

len“ (S4). Allerdings ertönten nicht nur bekräftigende, sondern

ner Lehrkraft zu veranlassen. Alternativ „wäre die Reform [des

auch skeptische Stimmen. Unter den genannten Gründen waren

regionalen Fortbildungssystems zu 2015/16, siehe oben] ein

der fehlende Anreiz, Materialien zur Verfügung zu stellen, und

guter Zeitpunkt, um zu überlegen was man qualitätsmäßig Neu-

der Wert des persönlichen Austausches über Materialien:

es einbringen kann. Pro Fach werden drei Multiplikatoren aus
den Regionen zusammengeführt – da entsteht Luft für Neues“.
Mit der Zusammenführung von jeweils drei Regionen, würde
sich zudem das verfügbare Budget deutlich erhöhen. „Dann
könnte man nochmal darüber nachdenken auch externe Experten direkt einzustellen“ (SV3).

6.1.5	 Umrisse und Herausforderungen einer OER-Plattform
Als ein zentraler Ansatzpunkt für die Integration von Open

„Ich sehe eigentlich keinen Grund dafür [Materialien
zu erstellen und auf einer Plattform frei zur Verfügung zu stellen, Anm.]. Ich habe ein Kollegium von
circa elf Lehrkräften und damit einen ausreichend
großen Kreis. Dies hat auch den großen Vorteil,
dass man sich persönlich kennt, man also weiß
wer gutes Material produziert. Bei Klärungsbedarf
kann man direkt nachfragen. [...] Wenn man etwas
austauscht, will man ein Geben und Nehmen. Manchen Leuten gönnt man es [die eigenen Materialien,
Anm.] und anderen nicht“ (S5).

Educational Resources in die Berliner Schullandschaft kristallisierte sich im Zuge der Interviews eine digitale Plattform

37	 Moodle ist ein Kursmanagementsystem auf Open-Source-Basis, welches kooperative Lehr- und Lernmethoden unterstützt.
22

Ein weiteres Hemmnis, das mehrfach genannt wurde, ist die

len kaum möglich abzuschätzen, ob sie eine bestimmte Quelle

Angst vor negativem Feedback: „Ein größeres Problem [als die

verwenden dürfen und unter welchen Bedingungen. Hier wäre

eigentliche Erstellung der Materialien] ist die Unsicherheit be-

eine drastische Vereinfachung der Regeln extrem hilfreich.“

ziehungsweise die Angst vor Kritik. Oft fehlt einfach die Zeit
Materialien so auszuarbeiten, dass man sie anderen zeigen

Mit engerem Bezug auf die Erstellung von OER wurde in den

möchte“ (S2).

Antworten deutlich, dass an einigen Stellen allgemein rechtli-

Viele der Befragten fügten diesen kritischen Anmerkungen

Unterstützung bei der Erstellung von OER wünschen. Bei zwei

cher Klärungsbedarf besteht und dass sich Lehrkräfte rechtliche
auch konstruktive Vorschläge hinzu, wie die Probleme zu über-

Gesprächspartnern (SV1; SV5) trat die Frage auf, wem die Nut-

winden seien. Ganz allgemein sei „der Schlüssel zum Erfolg

zungsrechte an geschaffenen Materialien zustehen. Die Frage

die Nutzerfreundlichkeit der Plattform“ (S4). In Bezug auf die

stellt sich, da die Person, welche die Materialien erstellt, zwar

Angst vor Kritik als Hemmschwelle wurde von zwei Befragten

immer als Urheber gilt, jedoch nicht unbedingt die Nutzungs-

Anonymität bzw. Pseudonymität vorgeschlagen: „Anonymität

rechte an dem von ihr geschaffenen Material innehält, wenn

würde helfen, da dies die Angst vor Kritik mindern würde“ (S2).

dies innerhalb eines Dienstverhältnisses geschah. In Bezug auf

„Zum Beispiel gewährleistet durch die Verwendung von Kürzeln

die Erschaffung von Materialien durch Lehrkräfte bedeutet

würde Anonymität viel Druck von den Individuen wegnehmen“

dies, dass in „den meisten Fällen nicht sie selber, sondern ihr

(IM2). Auch kamen Vorschläge auf, wie Anreize geschaffen wer-

Dienstherr – also die Senatsverwaltung – die Nutzungsrechte

den könnten, damit Lehrkräften Materialien nicht nur passiv

an diesen Materialien“ hätte. (SV1). An dieser Stelle besteht

nutzen, sondern auch eigene Kreationen zur Verfügung stellen:

erstens Klärungsbedarf in der Frage, welche Materialien oder
Umstände der Erschaffung in das Dienstverhältnis fallen und

„Die Frage [nach den Bedingungen unter denen
Material geteilt wird, Anm.] wird ja auch in der
Open Source-Gemeinde diskutiert. Da gibt es Leute,
die sich an die Spielregeln halten – alternativ fliegt
man wieder aus der Community raus. Das Gleiche sollte hier passieren. Ich kann mir das [eine
Plattform] im Rahmen eines Gebens und Nehmens
vorstellen, zum Beispiel bei Vimeo oder ähnlichem,
wo Creditpoints dafür vergeben werden, dass man
selber etwas hochlädt. So entsteht ein Pool aus
dem ich soviel herausbekomme wie ich hineingebe“
(S6).

ab welchem Punkt gesagt werden kann, dass eine Lehrkraft Materialien außerhalb dessen geschaffen hat (vgl. Kreutzer, 2013,
p. 22 ff.). Da im Großteil der Fälle jedoch davon auszugehen
ist, dass durch Lehrkräfte erstellte Unterrichtsmaterialien innerhalb die Bedingungen dieses Dienstverhältnisses fallen, ist
zu klären, wie die SenBJW mit der Frage umgeht. Für die einzelnen Lehrkräfte oder auch die Beteiligten der iMINT-Akademie
(die bereits Materialien erschaffen) heißt dies, dass sie derzeit
selbst nicht die Möglichkeit haben diese als OER freizugeben:
„Der große Haken ist der Lizenzierungsvorgang. Wir können
nicht selber eine Lizenzierungsart auswählen, sondern diese
muss durch zuerst das Haus [die SenBJW] genehmigt werden.
Derzeit wird an den Lizenzvereinbarungen gearbeitet“ (IM1).

Eine ähnliche Idee kam auch von anderer Seite: „Eine Möglichkeit wäre, eine Begrenzung der freien Nutzung der Plattform.

Eine Zentralisierung der Entscheidung bezüglich Nutzungs-

Zum Beispiel könnte es eine freie Testzeit geben, danach hat nur

rechten könnte jedoch auch Vorteile für die Umsetzung einer

Zugang wer auch selber Material beisteuert. Dies wäre gut, um

OER-Strategie haben: „Wenn die Rechte beim Arbeitgeber lie-

weg von der Einstellung zu kommen, dass Material von oben

gen, wäre das ein Hebel um OER zu fördern. Hierzu müsste

geliefert wird, sondern ein gegenseitiges Geben und Nehmen

die Situation geschaffen werden, dass die Schulverwaltung

etabliert wird“ (IM2).

Lehrkräften explizit mitteilt, dass sie wünscht, dass Materialien erschaffen und diese unter offenen Lizenzen veröffent-

Im Zusammenhang mit einer möglichen OER-Plattform haben

licht werden“ (SV5). Abgesehen von der Frage der Genehmi-

wir in unseren Gesprächen nach dem rechtlichen Klärungs- oder

gung durch die Senatsverwaltung, spielt auch mangelnde Zeit

Änderungsbedarf in Bezug auf die Nutzung und Erstellung von

und Expertise auf Seiten der involvierten Lehrkräfte eine Rolle

OER gefragt. Manche Befragte antworteten mit einer allge-

(IM1). An dieser Stelle fehle „ein Ansprechpartner, welcher be-

meinen Einschätzung der Rechtssituation für Lernmaterialien,

ratend zur Seite steht. Zum Beispiel Rechtsberatung zum Medi-

während andere die Frage spezifisch für den OER-Sachverhalt

enrecht wäre wünschenswert“ (IM1). Ganz konkret zeigt es sich

beantworteten. Allgemein herrschen gespaltene Meinungen

beispielsweise als „ein gewisses Problem, dass die CC-Lizenzen

zwischen der Position, dass kein Änderungs- oder Klärungsbe-

keine Garantie gegen Rechtsansprüche Dritter beinhalten. […]

darf besteht, da „man mit den zu kopieren erlaubten Seiten etc.

Hier wäre es natürlich hilfreich, wenn mich doch einer unter-

ganz gut hinkommt“ (S4) auf der einen Seite und dem Problem,

stützen würde als Nutzer [und diese Garantie übernimmt, Anm.]“

dass die jetzige Situation „unübersichtlich“ (S5) sei auf der an-

(SV5). Die SenBJW fügte der Diskussion schließlich noch ein

deren Seite. Eine der Gesprächspartnerinnen erläuterte, sie sei

paar weitere praktische Herausforderungen hinzu: „Der Senats-

„selber überfordert mit den Anforderungen des gültigen Urhe-

verwaltung wiederum stellt sich das Problem des Kontrollver-

berrechts“ und „würde [sich] Unterstützung wünschen“ (S5). Der

lustes angesichts der rechtlichen Verantwortung, die sie für den

OER-Experte bei Wikimedia Deutschland, bemerkte, dass „eine

Inhalt veröffentlichter Materialien trägt.“ (SV1). Ein weiterer

Vereinfachung des Urheberrechts extrem hilfreich“ wäre. „Aktu-

Gesprächspartner fragte sich: „Wie soll die rechtliche Prüfung

ell ist es für individuelle Autorinnen und Autoren in vielen Fäl-

von ständig weiterentwickelten OERs in der Praxis funktionieren? Viele Lehrkräfte können sich nach Jahren gar nicht mehr
erinnern, wo sie Information ursprünglich gelesen haben“ (SV4).
23

Angesichts dieser komplexen und nicht unbedingt leicht zu lö-

Die Idee eines Kriterienkataloges anhand dessen die Materi-

senden rechtlichen Situation, kam der Vorschlag auf, die Um-

alien geprüft werden könnten wurde von verschiedenen Ak-

setzung des OER-Prinzips vorerst auf bestimmte unproble-

teurInnen in der Senatsverwaltung vorgebracht. So haben sich

matischere Fachrichtungen zu konzentrieren: „Es eignen sich
besonders Fachrichtungen, in denen urheberrechtlich geschützte Werke keine Rolle spielen. So ist ein Unterricht in Deutsch
oder Politik kaum möglich ohne Lizenzen für die Nutzung von
Quellen zu akquirieren, was bei offener Lizenzierung schwierig ist. Es bieten sich daher zunächst besonders die MINT-Fächer an“ (W4). „Leuchtturmprojekte könnten einerseits einzelne
Schulbücher sein, andererseits Themenmodule“ (W4).

6.1.6	 Mechanismen der Qualitätskontrolle einer OERPlattform

„Leute in der iMINT-Akademie haben gemeinsam
mit den Kollegen vom Landesbildungsserver einen
Kriterienkatalog mit Standards zur Qualitätssicherung für OER entwickelt. Diese sind Standards wie
inhaltliche Qualität, Quellen, Transparenz, Relevanz
oder Werbung, auf die zum Beispiel Redakteure
achten müssten. Möglicherweise könnte diese Liste
auch allgemein zur Verfügung gestellt werden“
(IM1).
Derzeitig wird dieser Katalog jedoch noch intern überarbeitet
und ist auch nur für „die Materialien gedacht, die wir selber
herausgeben“ erklärte der Leiter der iMINT-Akademie (SV2).

Als weitere Herausforderung für die Umsetzung von OER in

Dies für die steigende Menge an OER-Materialien zu tun sei „gar

Berlin und darüber hinaus wurde von den Befragten die Prob-

nicht zu bewältigen“ (SV2). Eine weitere Schwierigkeit liege in

lematik identifiziert, ob oder wie deren Qualität sichergestellt

der Aktualität der Evaluationskriterien: „Standards zur Quali-

werden kann. Unter den Befragten herrschen dazu sehr unter-

tätssicherung und Materialien müssen evaluiert und weiter ent-

schiedliche Auffassungen, die sich in drei Kategorien gruppie-

wickelt werden“ (IM1).

ren lassen: BefürworterInnen von externen Expertenkontrollen,
von Nutzerbewertungen und Befragte die eine Qualitätskont-

Andere Befragte befürworteten eine Nutzerbewertung, meis-

rolle für nicht notwendig halten. Zusätzlich regten einige der

tens ergänzend zu einer Expertenkontrolle (S1; S3; SV4). Ein

Befragten die Nutzung eines Kriterienkataloges an, anhand

Vorschlag war, dass Qualität durch eine „Mischung aus Exper-

dessen entweder ExpertInnen oder die NutzerInnen selbst die

ten- und Nutzerbewertung kontrolliert werden könne. OER sind

Qualität von OER beurteilen könnten.

ja veränderbar. Die Urversionen müssten von Experten qualitätsgeprüft werden und auch auf Vereinbarkeit mit dem Rah-

Abgesehen von zwei Befragten, waren alle sich einig, dass eine

menlehrplan abgestimmt sein. Darüber hinaus wäre vielleicht

Form der Qualitätssicherung betrieben werden müsse. Es gab

eine Nutzerbewertung denkbar“ (SV4). Einzelne Vorschläge

jedoch stark unterschiedliche Meinungen, wie diese am besten

beinhalteten auch „ein eigenes Nutzerprofil [auf der OER-Platt-

ausgestaltet werden solle. Ein Mitarbeiter des Bildungsservers

form] in dem Lieblingsautoren eher erscheinen als andere“ (S3),

fasste zusammen:

und eine „Nutzerbewertung nach dem Amazon-Prinzip mit Sternen und optionalen Kommentaren“ (S4). Ein weiterer konkreter

„Das Problem ist immer Qualität vs. Quantität.
Denkt man einmal an dieZahlen aus der aktuellen
Rahmenlehrplanentwicklung für etwa 30 Fächer,
über zehn Schuljahre und dann auch noch abgestimmt auf mehrere Niveaustufenstufen für die
Kompetenzstandards. Für alle diese Fächer würden
man auf viele tausend OER-Materialien kommen. Es
geht einfach nicht, alle wie „mit einem Stempel der
Senatsverwaltung“ zu genehmigen. Vielleicht wäre
eine redaktionelle Wahl durch Fachredaktionen,
vergleichbar mit dem System des Bildungsservers,
denkbar“ (SV5).“

zerbewertung: „Eine Nutzerbewertung ist vergleichsweise [zu

Verfechter einer Expertenkontrolle führten an, es sei „das Pro-

ist obligatorisch bei der Nutzung, halte ich es für fraglich, wer

blem mit derzeitigen Internetressourcen , dass sie unzuverläs-

sich mit welcher Motivation – zum Beispiel Frust oder Selbst-

Vorschlag kam von Wikimedia Deutschland: „Ein Qualitätsprüfungsmechanismus ist einerseits notwendig, kann allerdings
andererseits individuelle Autoren leicht entmutigen. Bei ganzen
Büchern wäre eine regelmäßige (z.B. alle 12 Monate) Freigabe
von geprüften Versionen sinnvoll, ähnlich dem Verfahren bei
Linux-Distributionen. Im Falle von kleinteiligeren Materialien
wie Arbeitsblättern wäre eine ex-ante-Prüfung wenig praktikabel. Hier wäre eine ex-post-Prüfung in Form von umfassenden
Feedbackmechanismen (ähnlich der Wikipedia) denkbar“ (W4).
Doch gab es auch kritische Stimmen zu einem System der NutExperten] subjektiv. Es sei denn die Bewertung von Materialien

sig sind. Wenn jemand das Ganze quasi korrekturliest bevor es

darstellung – für eine Bewertung entscheidet“ (SV1). Mehrere

publik gemacht wird, ist solch eine Kontrolle auch eine Absi-

Lehrkräfte lehnten die Idee sogar völlig ab (S2; S5, S6): „Ich

cherung für den Verfasser“ (S2). Andere hielten es für wichtig,

sehe keinen Sinn in einer Nutzerbewertung. Diese würde nur

dass die Kontroll-ExpertInnen „Fachleute seien, die auch dem-

ein Konkurrenzgefühl entstehen lassen, welches nicht Sinn der

entsprechend bezahlt werden“ (S6). Aus der SenBJW wiederum

Sache ist. Ich will selber nicht wissen, ob mein eigenes Material

kam der Vorschlag, die Expertengruppe könne „nach Fachbe-

von anderen schlecht gemacht wird oder weniger genutzt wird

reichen organisiert sein und Materialien nach wissenschaftlich

als das von anderen“ (S2).

festgelegten Kriterien bewerten“ (SV1).

24

Zwei Lehrkräfte (S4; S5) waren weiterhin der Meinung, dass kei-

und Organisation eines größeren Bestandes an OER-Materiali-

nerlei Qualitätskontrollmechanismus nötig sei: „Lehrkräfte ken-

en durchzuführen. Hier wäre wiederum die inhaltliche Auswahl

nen ja ihr Fach. Die Qualität von Lernmaterialien ist auch sehr

und Betreuung die größere Herausforderung.

subjektiv und situationsabhängig“. Eine mögliche Ausnahme
wären „[literarische] Primärquellentexte. Da sollte sichergestellt

Die Alternative zu einem öffentlichen Träger für die Plattform

werden, dass das Original stimmt“ (S4).

wäre ein privater Anbieter, beziehungsweise ein Verein. Dies
hätte unter anderem den Vorteil, dass ein öffentlicher Träger
„keine rechtlichen Risiken eingehen [kann]“ (SV5), ein Verein
hingegen die Möglichkeit hätte, sich zu versichern. Als mögliche

6.1.7	 Institutionelle Ansatzpunkte einer OER-Plattform

Träger wurden von unseren GesprächspartnerInnen die Organi-

Letztlich wurde thematisiert, welche bestehenden Institutionen

(HS1) genannt. Auf die Frage hin, ob Wikimedia sich vorstel-

sationen Wikimedia Deutschland (SV5) und Creative Commons
Teilfunktionen einer OER-Plattform für Berliner Schulen erfül-

len könnte mit öffentlicher finanzieller Unterstützung eine

len könnten, dazu gehören die inhaltliche Redaktion und die

Plattform für OER-Materialien zu betreuen, bekamen wir die

technische Administration der Plattform, sowie eine Qualitäts-

Antwort, dass dies mit finanzieller Unterstützung theoretisch

kontrolle der Inhalte.

denkbar sei, aber einer „detaillierten Konzeption der Anfor-

Zentral stellt sich Frage nach dem möglichen Betreiber einer

bedürfe (W4). Über eine eigene Hosting-Infrastruktur für ein

derungen an ein solches Portal und des Infrastrukturhostings“
OER-Plattform. Grundlegend kommen hierfür entweder eine öf-

entsprechendes Portal verfüge Wikimedia Deutschland nicht,

fentliche Institution oder aber ein damit beauftragter privater

aber in Zusammenarbeit mit entsprechenden Dienstleistern

Anbieter (gewerblich oder gemeinnützig) in Frage. An öffent-

und Partnern sei dies realisierbar. Creative Commons ist hin-

lichen Stellen bieten sich für den Betrieb und die Redaktion

gegen in Deutschland nicht als rechtliche Körperschaft konsti-

der Plattform vor allem der Landesbildungsserver und das

tuiert und scheidet deshalb zumindest derzeit als potenzielle

Medienforum an. Der Bildungsserver ist derzeit bereits an der

Trägerorganisation für ein OER-Portal aus.

Verbreitung von Lehr- und Lernmaterialien beteiligt.38 Die von
Bund und Ländern getragene „internet-Austauschplattform“ ist

Ein anderer Ansatzpunkt wäre die Einbeziehung eines kom-

allerdings „bewusst keine Materialisammlung, sondern sammelt

merziellen Anbieters, wie beispielsweise die Webseite mein-

redaktionell betreute Verweise auf Materialien“ (SV5). Das Ziel

unterricht.de.40 Meinunterricht.de ist eine Plattform, betrieben

ist, „nicht einzelne Arbeitsblätter, sondern ganze Unterrichtsse-

von der Firma K.lab mit Sitz in Berlin, welche derzeit vor allem

quenzen“ anzubieten. Die redaktionelle Arbeit geschieht durch

Verlagsmaterialien, aber auch Unterlagen gemeinnütziger Or-

„hinzugezogene Lehrkräfte, die durch eine oder mehrere Abord-

ganisationen anbietet. Letztere sind registrierten NutzerInnen

nungsstunden kompensiert werden“. „Fächerabhängig klappt es

kostenfrei zugänglich, während erstgenannte zahlenden Mit-

besser oder schlechter. Zum Beispiel in Informatik klappt es

gliedern vorbehalten sind. Das Geschäftsmodell basiert darauf,

gut, da wurde viel gesammelt und freigegeben“, bewertet einer

einen Mehrwert zu den Materialien durch die technischen Ange-

der Befragten das Angebot. Die Freigabe geschieht jedoch nicht

bote der Plattform zu schaffen: „Erstens werden größere Inhal-

unter „einer expliziten OER-Lizenz, sondern wenn überhaupt

te, die meistens als PDF empfangen werden, in sinnvolle Einhei-

durch einen Begleittext welcher erklärt, dass Materialien frei

ten zerteilt, verschlagwortet und nach Schultypen und Fächern

verwendbar sind“ (SV5). Der Nachteil eines bloßen Begleittexts

kategorisiert, um die Auffindbarkeit zu erleichtern. Aus diesem

bzw. des Verzichts auf eine standardisiert-offene Lizenz ist

sehr zeitaufwändigen Prozess besteht derzeit ein Hauptteil der

jedoch, dass dadurch zusätzliche Fragen bzgl. Weiternutzung,

Beschäftigung beim K.lab. Darüber hinaus bietet das K.lab di-

-verbreitung und Kompatibilität aufgeworfen werden.

verse Funktionen eines Arbeitsplatzes in der Cloud“ (W2). Im

Der Bildungsserver hätte als Ansatzpunkt für eine OER-Platt-

Idee, verstärkt mit OER zu arbeiten: „Grundsätzlich ist unsere

form den Vorteil, dass bereits Erfahrung mit der redaktionellen

Politik, dass wir uns vorstellen können, jegliche Inhalte online

Betreuung von fächerspezifischen Inhalten und diesbezüglicher

zu stellen um eine diverse Auswahl zu haben. Wir haben bereits

Gespräch zeigten sich K.lab-Vertreter auch offen gegenüber der

Zusammenarbeit mit Lehrkräften gesammelt wurde. Allerdings

Kooperationen mit NGOs, deren Materialien außerhalb der Pay-

reichen die derzeitigen Kapazitäten, sowohl in personeller wie

wall abrufbar sind, ganz einfach da die Materialien ja auch so

auch technischer Hinsicht, nicht an die Anforderungen einer

schon kostenlos im Netz verfügbar wären. Uns geht es darum,

berlinweiten OER-Plattform heran. Das Medienforum, unter an-

diese Materialien zu bündeln – wir sehen keinen Grund für kos-

derem im Gespräch als Plattform für die iMINT-Akademie Mate-

tenfreie Materialien Kosten zu erheben“ (W2). Der Vorteil einer

rialien (SV2), hat im Vergleich zum Bildungsserver den Vorteil,

Zusammenarbeit mit solch einem Anbieter wäre, dass es bereits

dass es über vollzeitbeschäftigte Mitarbeiter verfügt.39 Da dies

ein bestehendes Team mit Erfahrung in vielen Aspekten der

zum Großteil BibliothekarInnen sind, wären hier am ehesten

technischen und organisatorischen Arbeit einer Lernmaterial-

Kapazitäten und Ressourcen vorhanden, um Verschlagwortung

plattform gäbe. Die Kehrseite einer solchen Zusammenarbeit
sind potenzielle Interessenskonflikte: Einer der Gesellschafter
der K.lab educmedia GmbH, dem Betreiber von meinUnterricht.

38	 http://bildungsserver.berlin-brandenburg.de [06.04.14]
39	 www.berlin.de/sen/bildung/medienforum/ [06.04.14]
40	Vgl. http://meinunterricht.de [06.04.14]
25

de, ist die Klett-Gruppe, die den Aufbau der Plattform finan-

HS3) und der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW:

ziert und deren Fachinformationsverlage aktuell einen Großteil

HS1). Es wurde mehrfach erfolglos versucht, mit der Hochschu-

der Unterrichtsmaterialien stellen. Dieser Zusammenhang zeigt

le für Wirtschaft und Recht (HWR) Kontakt aufzunehmen.

auf, dass bei der Beauftragung eines privatwirtschaftlichen Anbieters durchdacht werden müsste, wie die zahlungspflichtigen

Im Fokus der Befragung standen ausschließlich Lehr- und Lern-

und kostenfreien Bereiche der Plattform sinnvoll zu trennen

unterlagen (z.B. Lehrbücher, Foliensätze, Begleitmaterialien, di-

sind, ohne dass die Qualität des kostenfreien Angebots leidet.

daktische Konzepte sowie Lehrvideos) und nicht wissenschaftliche Veröffentlichungen im engeren Sinne wie begutachtete

Auch für die Durchführung einer Qualitätsprüfung wurden zwei

Zeitschriftenaufsätze oder wissenschaftliche Monographien.

Hauptvarianten besprochen, zum einen die Eingliederung der

Insoweit Zeitschriftenaufsätze und sonstige wissenschaftliche

Prüfung von OER in den gängigen Zulassungsprozess für Lern-

Text in der Lehre zum Einsatz kommen sollen, wäre klarerwei-

materialien und zum anderen eine Prüfung durch eine geson-

se mit einer stärkeren Verbreitung von Open-Access-Publika-

derte Stelle, zum Beispiel in der SenBJW. Wie der OER-Experte

tionsmodellen auch einer OER-orientierten Lehre gedient. Im

bei Wikimedia Deutschland erklärte, werden „Schulbücher in

Folgenden bleibt das Thema Open Access in der Wissenschaft

der Regel von den Ländern zertifiziert. Einen entsprechenden

aber unbeleuchtet.

Prozess könnte es daher ebenfalls im OER-Bereich geben“ (W4).
Während diese Herangehensweise generell sinnvoll erscheint,
ist sie jedoch für Berlin nicht praktikabel, da das Land seit einigen Jahren eine Pauschalzulassung für Verlage erstellt hat. „Nur

6.2.1	 Bisherige Erfahrung mit OER an Berliner Hochschulen

auf einen speziellen Anlass bezogen werden neue Schulbücher
geprüft und die Erlaubnis gegebenenfalls punktuell zurückge-

In Gesprächen mit VertreterInnen der größten Berliner Hoch-

zogen“ (SV2). Dementsprechend verbleiben die Alternativen,

schulen wurde abgefragt, inwieweit das Prinzip von OER be-

entweder eine andere Institution oder eine Stelle innerhalb der

reits bekannt ist und umgesetzt wird: Von allen befragten Per-

Senatsverwaltung mit der Qualitätsprüfung zu beauftragen oder

sonen war allein der Ansprechpartner der Beuth (HS3) nicht

Anbieter von OER-Materialien für von ihnen geprüfte OER-Ma-

mit dem Konzept von OER vertraut. Jedoch auch im Feld der

terialien ebenfalls mit einer Pauschalzulassung auszustatten.

übrigen Hochschulen zeigten sich Unterschiede im bisherige

Hier wäre auch das Szenario einer Prüfung durch das Team der

Einsatz von OER. In den meisten Fällen sind hierbei vereinzel-

iMINT-Akademie einzuordnen. Die Vorteile liegen hier darin,

te Initiativen vorhanden, jedoch ist bisher kein systematischer,

dass die Mitglieder der iMINT-Akademie zum einen fachliche

hochschulweiter Ansatz erkennbar. Der folgende Abschnitt

Experten sind und sich zum anderen auch bereits ausführlich

stellt die bisherigen Erfahrungen der einzelnen Universitäten

und differenziert mit der Frage der Qualitätssicherung ausein-

und Hochschulen dar:

andergesetzt haben. Einer der Befragten vermeldete hier prinzipielle Bereitschaft, verwies aber darauf, dass „die Umsetzung

An der FU Berlin stellt das Center für Digitale Systeme (CeDis)

[insbesondere für Materialien über die der iMINT Akademie

OER-Materialien im Rahmen eines Wikis zur Verfügung. Darü-

hinaus, Anm.] wieder an Personal und Finanzen [hängt]“ (IM2).

ber hinaus ist die Nutzung von OER an einzelnen Fachbereichen
und Einrichtungen bekannt, wie beispielsweise der Veterinär-

Innerhalb der Senatsverwaltung wäre die Abteilung VI A für

medizin oder der ZE Sprachenzentrum (HS2).

„Allgemeinbildende Unterrichtsfächer“ innerhalb des breiteren
Gebiets „Unterrichtsfächer, Qualitätssicherung, Lehrerbildung“

An der HU Berlin wurde vom Computer und Medienservice

möglicherweise eine passende Anlaufstelle. Auch hier stellt sich

(CMS) 2010 ein größeres Projekt zu OER gestartet, welches al-

jedoch das Problem der begrenzten Ressourcen und Zuständig-

lerdings sehr begrenzten Erfolg hatte: „Wir hatten einen Werk-

keiten: „Ja, VI A ist die Fachaufsicht. Wir sind jedoch nicht für

studenten zu diesem Zweck angestellt, der mit Fachkräften des

beliebige Materialien zuständig. Wir maßen uns nicht an, sämt-

eigenen Faches (Geschichte) und darüber hinaus geredet hat.

liche Materialien zu überprüfen. [...] Es gibt so viele [OER], das

Es gab allerdings sehr negative Rückmeldungen. Die Dozenten

wäre gar nicht zu bewältigen. Die Kontrolle geht nur für eigene

hatten entweder keine Zeit oder kein Interesse an OER“ (HS5).

Materialien, die wir herausgeben. Da können wir Qualitätsstan-

Darüber hinaus wurde uns berichtet, dass bis zur Moodle Ver-

dards anbringen“ (SV2).

sion 1.19 eine OER-Funktion integriert war, mit der Dozenten
ihr Material als OER anbieten konnten. Diese Materialien waren mit einem Logo markiert und weltweit über die Moodle
Plattform abrufbar. Allerdings beinhaltete dieser Service keine

6.2	 Ansatzpunkte für OER an Berliner Hochschulen

Möglichkeit zur Weiterverarbeitung und auch wurden die Inhalte nicht explizit unter Creative-Commons-Lizenzen veröffent-

Im Hochschulbereich wurden Mitarbeiter aus den jeweiligen

licht. Daher gibt es „im Nachhinein Bedenken, ob das OER-Label

Computer- und Medienzentren befragt. Wir sprachen mit Mit-

wirklich angemessen war“ (HS5). Die derzeitige Moodle-Version

arbeiterInnen der drei Berliner Universitäten, Freie Universi-

(2.6.1) bietet diese Funktion jedoch aus unbekannten Gründen

tät (FU: HS2), Humboldt Universität (HU: HS5) und Technische

nicht mehr an. Aus technischer Sicht könne dies leicht behoben

Universität (TU: HS4) sowie mit MitarbeiterInnen von zwei der

werden, allerdings gebe es derzeit weder die „Kapazitäten noch

größten Hochschulen, der Beuth Hochschule für Technik (Beuth:

die Nachfrage, um dies zu rechtfertigen“ (HS5).

26

An der TU Berlin werden derzeit Skripte von Lehrveranstaltun-

der Qualität der Inhalte (HS2). Unser Gesprächspartner an der

gen allgemein online zur Verfügung gestellt, besonders für die

TU Berlin relativierte dies ein wenig und bemerkte, dass man

Fächer Mathematik und (jedoch nur teilweise) für Physik. Aller- „im Bereich Mathematik und auch Physik, da eher offen ist. Es
dings seien diese „von der Lizenz her nicht geklärt“ (HS4). Es

geht ja nicht um die allerneusten Forschungsergebnisse, son-

wäre „prinzipiell denkbar, diese unter eine CC-Lizenz zu stellen.

dern eher um Standardlehre“ (HS4). Wie sich jedoch aus dem

Dies ist aber bisher noch nicht geschehen oder geplant“. Darü-

Gespräch an der HTW ergab, bestehen Probleme auch in Bezug

ber hinaus bestehe Interesse daran, mehr mit offenen Inhalten

auf didaktische Materialien. So schätzte unser Gesprächspart-

zu arbeiten. Es laufen Gespräche, um eine überarbeitete Versi-

ner, dass an der HTW, wo im Gegensatz zu Universitäten die

on des „Mathematik Online Brückenkurses“ einzurichten, wel-

ProfessorInnen „vorrangig Lehrkräfte“ seien, diese ihre Lehrma-

cher sich an Studienanfänger und Studieninteressierte richtet.

terialien als „Protektorat“ ansehen (HS1). „Engagierte Professo-

Eventuell soll dies auch für die Physik geschehen. Diese über-

rInnen haben kaum Interesse daran, Material über einen engen

arbeitete Version, welche auch auf der Kooperation zwischen

Kreis hinaus zu teilen. Weniger Engagierte wollen keine Kritik“

mehreren Universitäten basiert, soll unter einer CC-BY-SA-Li-

(HS1). Dass kaum Interesse am Thema bestehe, könne er aus

zenz veröffentlicht werden.

eigener Erfahrung bestätigen, da er früher selber Fortbildungen
zu den Themen der freien Verfügbarkeit von Lernmaterialien

An der HTW (HS1) gibt es „keine einheitliche Reglung in Bezug

sowie Beratung zu Creative-Commons-Lizenzen gegeben habe.

auf Material, das auf Grund seiner Installation und Rechtssi-

Diese würden nicht mehr angeboten, da es „wenig Resonanz“

cherheit für alle nutzbar ist“. So gebe es „keine Programme o.ä.

gab (HS1). Dennoch fand er, dass gerade unter jüngeren Pro-

die Dozenten dabei unterstützen solche Materialien zu produ-

fessoren und Dozenten viele ihre Vorlesungen und Materialien

zieren“. Zu einzelnen Initiativen zählt das Forschungsprojekt

zur Verfügung stellen würden, jedoch zur Zeit kein Anreiz dazu

„Online Lehrer Plus“. Hier liege der Fokus auf der Einbindung

bestehe. Erstens müsste die Infrastruktur hierfür bereits zur

von produzierten Videos unter Creative-Commons-Lizenzen,

Verfügung stehen, damit der Einzelne sich nicht auch noch mit

wobei die kommerzielle Plattform Vimeo zur Bereitstellung

Finanzierung oder Aufrechterhaltung dieser Plattform ausein-

genutzt wird. Im Unterschied zu YouTube erlaubt Vimeo ver-

andersetzen müsse. Darüber hinaus wären Anreize, die funk-

schiedene Lizenzversionen sowie den Download von hochgela-

tionieren könnten „persönliche Wertschätzung und fachliche

denen Videos. „Leider gibt es allerdings noch keine regelmäßige

Erweiterung“ (HS1). Auch an der HU Berlin wurde „mangelndes

Katalogisierung davon, was in diesem Zusammenhang passiert“.

Interesse und Wissen“ festgestellt (HS5). Die Umsetzung von

Darüber hinaus ist nicht bekannt, dass sich einzelne Fachkräfte

OER sei „eigentlich nur realistisch, wenn Fachkräfte selber dort

„explizit mit der regelmäßigen Publikation oder Nutzung von

landen, also OER als Lösung für ein eigenes Problem sehen. Bei-

solchen Materialien beschäftigen“ (HS1).

spielsweise könnten Vorlesungen im Netz eine Lösung für einen
überfüllten Vorlesungssaal“ sein (HS5). Daneben könnte eine

An der Beuth Hochschule werden soweit unserem Gesprächs- „Ausschreibung, ähnlich effektiv publiziert wie die Initiative des
partner bekannt „OER-Materialien bisher weder eingesetzt

Stifterverbandes“, für Anschub sorgen.41

noch geschaffen“ (HS3). Die Hochschule arbeitet jedoch mit einem Moodle-System und es bestehen vier Online-Studiengänge.
Die Materialien, die in deren Kontext verwendet werden, sind
jedoch nur den zahlenden Kursteilnehmern zugänglich.

6.2.3	 OER im Hochschulbereich: Rechtliche Fragen
Es ist davon auszugehen, dass die Einstellung gegenüber OER
im Hochschulbereich stark von offenen rechtlichen Fragen be-

6.2.2	 Einstellungen gegenüber OER im Hochschulbereich

einflusst wird. In unseren Gesprächen wurde mehrfach betont,

Die erfolgreiche Umsetzung der OER-Idee erfordere, so der

sorgen: „Das Hauptproblem ist der rechtliche Klärungsbedarf.

Tenor in den Interviews, sowohl Bereitschaft „von oben“ als

Hochschullehrkräfte müssten durch entsprechende Abteilun-

dass es wichtig sei für mehr rechtliche Klarheit und Wissen zu

auch „von unten“. Basierend auf unseren Gesprächen im Hoch-

gen und Expertise unterstützt werden“ (HS2). Auch im Zusam-

schulsektor zeigt sich jedoch eine beiderseits eher verhaltene

menspiel zwischen dem rechtlich unbedenklichen Einsatz von

Bereitschaft der beteiligten Akteure an der Erstellung und Ver-

nicht-OER Materialien und OER-Inhalten können Probleme ent-

breitung von OER mitzuwirken.

stehen: „Paragraph 52a des deutschen Urhebergesetzes schafft

Das Gespräch an der Beuth Hochschule ergab, dass derzeit die

Es ist wichtig die Situation zu vermeiden, in denen solche Mate-

Umsetzung von OER keine Priorität habe: „Andere Baustellen

rialien in OERs rutschen und irgendwie durchs Prüfungssystem

haben es nötiger“ (HS3). Auch an der FU Berlin fanden unsere

gewinkt werden. Wenn das dann öffentlich rauskommt, wäre

die Möglichkeit, nicht-OER Materialien in der Lehre einzusetzen.

GesprächspartnerInnen, dass OER derzeit eine „Einstellungssa-

das der SuperGAU für die Kredibilität von Verfassern und Peer

che“ sei. Ihrem Empfinden nach passen OER oft nicht mit dem

Review-Gruppen“ (HS1). Im Vergleich zu anderen Fachberei-

„Selbstverständnis von Lehrenden“ zusammen. Es gebe das „Ge-

chen wurde erklärt, dass es „bei der Mathematik und auch der

fühl, die eigene Lehre nicht richtig zu machen, wenn Fremdma-

Physik [rechtlich] wesentlich einfacher ist. Kein Schulbuchver-

terial genutzt wird“. Auch bestehe generelle Skepsis bezüglich

lag hat die Rechte an den Grundlagen der Mathematik“ (HS4).

41	 Gemeinsam mit dem Plattformanbieter iversity hatte der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft im März 2013 das mit 250.000 Euro für 10 Kurse dotierte
MOOC Production Fellowship ausgerufen, vgl. https://moocfellowship.org/
27

Andere Befragte empfinden das Urheberrecht allgemein als zu

kel und Materialien bereitzustellen, damit sie von einer größe-

restriktiv: „Die Politik hat sich nach meinem eigenen Ermessen

ren Community verwendet werden“ (HS1). An der HTW wurde

seit Jahren nicht mehr tiefergehend damit [Urheberrecht] aus-

mit dem Dokumentenserver OPUS bereits ein relativ offenes

einander gesetzt. Würde eine OER-Initiative vom Bund ausge-

Bibliothekssystem geschaffen,42 allerdings wird dies laut un-

schrieben werden, würde diese Debatte sofort entstehen. Das

serem Gesprächspartner kaum genutzt: „Im Semester werden

Thema Urheberrecht steht zwar im derzeitigen Koalitionsver-

vier oder fünf Arbeiten hochgeladen“ (HS1). Um die allgemeine

trag, aber die Regierung verrennt sich offensichtlich in ande-

Motivation, sich mit eigenen OER-Materialien in eine Plattform

ren Materien. Wir glauben nicht, dass es wirklich zur Beschäf-

einzubringen zu stärken, hält der Vertreter von der HTW eine

tigung mit dem Thema kommen wird“ (HS5). Letztlich merkte

„attraktive Community, in der man sich selber profilieren möch-

ein Gesprächspartner an, dass die rechtliche Situation oft auch

te“ für notwendig (HS1). Mit Mendeley gebe es dies bereits auf

als Vorwand verwendet wird, um Initiativen zu bremsen: „Im

wissenschaftlicher Ebene, allerdings nur für englischsprachi-

Bereich der Informatik, gibt es interessierte Kollegen, die ein

ge Materialien. Um diese Community aufzubauen, sollte eine

OER-Projekt aufsetzten wollten, das Rechenzentrum hat aber

OER-Plattform seiner Meinung nach an eine „bestehende Platt-

aus Datenschutzgründen abgelehnt. Enthusiastische Individuen

form mit bestehender Mindestlobby“ angeschlossen werden,

erhalten in meisten Fällen einen Dämpfer. In meiner eigenen

welche dann um bestimmte Funktionalitäten erweitert werden

Einschätzung wird Datenschutz als Begründung gebracht, um

müsste, um beispielsweise offene Lehrmaterialien auffind-

nicht erwünschte Projekte zu unterbinden“ (HS1).

bar zu machen (HS1). Sein Vorschlag wäre die Creative-Commons-Website zu nutzen, da dies die Seite ist, „die, wenn man
über so etwas [OER] nachdenkt, immer im Gespräch ist“ (HS1).

6.2.4	 Szenarien der Qualitätsprüfung

Mehrere der Befragten sahen die Herausforderungen einer

Wie im Schulsektor spalten sich auch im Hochschulbereich die

HS4; HS5) sondern befürchteten Probleme bei der kontinuier-

Meinungen darüber, worin eine adäquate Qualitätssicherung für

lichen inhaltlichen Betreuung: „Material in so einer Datenbank

OER-Plattform nicht in der technischen Umsetzung (HS1; HS2;

OER-Materialien bestehen könnte. Einige der Befragten waren

muss aktuell sein, das heißt jemand muss es pflegen. Das ist

der Meinung, dass eine „Expertenprüfung unter Umständen

schon bei den Materialien der zahlungspflichtigen Onlinestu-

sinnvoll“ sei (HS2). Diese könne „anhand festgelegter Kriteri-

diengänge schwer zu bewältigen“ (HS4). „Ein gut aufgesetztes

en in Fachausschüssen umgesetzt werden“. Allerdings stellen

Wiki ist super, aber bringt nichts, wenn es niemanden gibt, der

sich hier die Fragen, „ob Akademiker bereit wären, sich solchen

es im Hintergrund pflegt“. Es gab bereits einmal einen Fall, in

Kontrollen zu unterwerfen und ob sich Menschen mit der Be-

dem ein hochschulweites System entwickelt wurde, jedoch en-

reitschaft zur Prüfung finden. Das ist sicher sehr fachabhängig“

dete das Projekt vor zwei Jahren „und wir sind immer noch

(HS2). Andere schlugen vor, die „Qualitätsprüfung soll so wie

damit beschäftigt, die Materialien auf eine andere Plattform zu

bei der Wikipedia gegenseitig erfolgen“ (HS4). Ein Gesprächs-

übertragen“ (HS1). Solch ein Fehlstart wäre nicht nur katastro-

partner von der HTW entwickelte im Gespräch eine Idee wie

phal für das eigentliche Projekt, sondern würde auch langfris-

ein solcher Peer Review-Mechanismus funktionieren könnte:

tigen Schaden im Sinne eines Vertrauensverlustes verursachen.

Seine Idee basiert auf der Annahme, dass solch ein Mechanismus funktioniert, wenn TeilnehmerInnen die Möglichkeit haben
sich darüber zu profilieren (HS1). Eine Voraussetzung hierfür ist
eine Community mit einer bestimmten Mindestgröße. Ein Vor-

6.3	 Zwischenfazit zu Ansatzpunkten für OER im Berliner

schlag wäre ein System ähnlich dem der Open Badges, einem

Bildungssystem

System der Mozilla Foundation. Hierbei definiert eine Gruppe
gemeinsam bestimmte Qualitätskriterien und lässt neues Ma-

Bevor im folgenden Abschnitt auf Basis der bisherigen Ausfüh-

terial anschließend durch diese Gruppe anhand der Kriterien

rungen konkrete Ableitungen zur Förderung von OER in Berlin

prüfen. Wenn die Kriterien erfüllt sind, wird das Material mit

abgeleitet werden, kann hinsichtlich der Ansatzpunkte für OER

einem Badge markiert. „Die Idee kommt aus der Gamer Szene.

im Berliner Bildungssystem folgendes festgehalten werden:

Denkbar, dass es übertragbar auf OER ist. Der Professor könnte
den Badge dann auf der eigenen Website anbringen“ (HS1).

Erstens unterscheiden sich die Ansatzpunkte und Herausforderungen für OER im Schulbereich deutlich von jenen im Hochschulbereich. Dementsprechend scheint auch eine getrennte
Bearbeitung von Seiten der Politik sowie der zuständigen Se-

6.2.5	 Ansatzpunkte einer OER-Plattform im Hochschulbereich

natsverwaltung naheliegend.

Auch im Hochschulbereich wurden Ideen, Anregungen und Hin-

Zweitens lassen sich in beiden Bereichen verschiedene An-

dernisse für den Aufbau einer OER-Plattform für den deutschen

satzpunkte auf unterschiedlichen Ebenen identifizieren, die

Hochschulraum erwähnt. Als ein möglicher Ansatzpunkt für die

nicht alle auf Landesebene zu bewältigen sind. Die sowohl im

Betreuung einer Plattform wurden die Universitätsbibliotheken

Schul- als auch im Hochschulbereich genannten urheberrecht-

genannt. Diese seien die Akteure, die „das Interesse haben Arti-

lichen Hürden resultieren vor allem aus einem unzeitgemäßen

42	 Dozenten wurden nach einer rechtlichen und organisatorischen Beratung aufgefordert, Inhalte für das System OPUS bereitzustellen. Besonderheit von OPUS ist, dass
Materialien über alle gängigen Kataloge auffindbar gemacht werden (HS1), vgl. http://opus4.kobv.de/opus4-htw/home [06.04.14]
28

und unflexiblen Konglomerat an Bildungs- und Wissenschaftsschranken (vgl. de la Durantaye 2014), das sich wirksam nur auf
Bundesebene im Zuge einer diesbezüglichen Urheberrechtsreform adressieren lässt.
Drittens gibt es sowohl im Schul- als auch im Hochschulbereich
bereits AkteurInnen, die über Grundlagenwissen und Bereitschaft zur Mitarbeit im Bereich OER verfügen. Wie sich diese
aktivieren und vernetzen lassen, wird auch im folgenden Abschnitt zu den Handlungsoptionen Thema sein.

29

7.	 OER in Berlin: Handlungsoptionen

Der Rückblick auf die bisherige Entwicklung der OER-Idee und

das erworbene Wissen in ihre Schule zurücktragen. Um Res-

die Ergebnisse der Leitfadeninterviews erlauben uns eine Rei-

sourcen für diese Fortbildungen bereitzustellen, sollte OER von

he von Handlungsempfehlungen für das Land Berlin auszu-

den FortbildungskoordinatorInnen zum Fokusthema ernannt

sprechen. Diese Handlungsempfehlungen sollen nicht nur das

werden.

Bewusstsein für OER innerhalb des Berliner Lehrbetriebes stärken sondern auch konkrete Lehr- und Lernmittelprojekte vor-

Die Handlungsempfehlungen für Szenario 1 im Überblick:

antreiben. Wie auch in der Analyse werden Schul- und Hochschulbetrieb auf Grund großer struktureller und institutioneller
Unterschiede getrennt betrachtet.

pp Die SenBJW kommuniziert eine Definition von OER und signalisiert die allgemeine Erwünschtheit von OER-Einsatz.
pp Veranstaltung eines ausreichend dotierten Wettbewerbs zur
Erstellung von OER durch einzelne Lehrkräfte oder Klein-

7.1	 Handlungsempfehlungen für OER im Schulbereich

gruppen. Die erstellten Lernmaterialien werden auf dem Bildungsserver gesammelt und bereitgestellt.

Um OER im Berliner Schulbetrieb zu verankern gilt es, eine
Reihe von Handlungsempfehlungen umzusetzen, die sich nur

pp OER wird als ein Fokusthema für Lehrkräftefortbildungen be-

schwer entkoppeln lassen – man kann daher eher von Hand-

nannt. Lehrkräfte werden in der Erstellung und Verbreitung

lungskaskaden oder schlicht Szenarien sprechen. Im Folgenden

von OER geschult.

haben wir drei Szenarien entwickelt, die additiv zu verstehen
sind. Szenario 1 beschreibt somit die Minimalanforderungen für

pp Schulen werden aufgefordert, OER-AnsprechpartnerInnen

die Förderung von OER und stellt gleichzeitig die Grundlage für

zu benennen, die im Rahmen von zentralen MultiplikatorIn-

weitreichendere Maßnahmen dar. Szenario 2 setzt demgemäß

nen-Schulungen weitergebildet werden.

die Maßnahmen aus Szenario 1 voraus und versucht die Realisierung weitreichenderer Pilot- und Leuchtturmprojekte in
Berlin zu ermöglichen. Szenario 3 beinhaltet den Idealfall einer

7.1.2	 Szenario “OER Mainstreamen”

langfristigen und umfassenden OER-Strategie für Berlin.
Im Szenario „OER Mainstreamen“ werden nicht nur ohnehin
vorhandene Graswurzelbewegungen zu OER unterstützt sondern zudem ein Rahmen für umfassendere OER-Projekte und
7.1.1	 Szenario “Graswurzeln düngen”

damit die Voraussetzungen für OER-Geschäftsmodelle geschaffen. Erklärtes Ziel ist es dabei, OER von einer Randerscheinung

In diesem Minimalszenario wird kein festes institutionelles Ge-

ins Zentrum des Lehrbetriebes zu befördern und bestehende

rüst für OER in Berlin errichtet, sondern es werden lediglich

Finanzierungs- und Vergabeverfahren prinzipiell für OER-An-

die bestehenden Graswurzelbewegungen im Themenfeld OER

bieter und -Geschäftsmodelle zu öffnen. Aufbauend auf den in

unterstützt: In einer (offenen) Mitteilung an alle Berliner Schul-

Szenario 1 formulierten Handlungsempfehlungen ermöglicht

leitungen kommuniziert die SenBJW zeitnah, dass die Nutzung

und fördert die SenBJW in Szenario 2 die Verwendung von

von OER ausdrücklich erwünscht ist. Dies klärt auf und redu-

schulischen Geldern zur Anschaffung von OER Lernmitteln.

ziert Unsicherheiten. Die Mitteilung enthält unter anderem eine
gängige Definition von OER sowie einige illustrierende Beispie-

Die Voraussetzung für die Nutzung vorhandener Mittel für die

le und Quellen. Hinzu kommen offizielle Informationsangebote

Erstellung von OER-Lernunterlagen sind neue Formen der Fi-

zum Thema und AnsprechpartnerInnen auf den Webseiten der

nanzierungsabwicklung, die mit OER-Ansätzen kompatibel

SenBJW.

sind und damit die Entstehung professioneller Anbieter von

Über einen attraktiv dotierten Wettbewerb und Aufwandsent-

Ansatzes zu demonstrieren und erste konkrete Erfahrungen zu

schädigungen werden einzelne Lehrkräfte oder Kleingruppen

sammeln, bietet sich die Entwicklung von lehrplankonformen

ermutigt OER-Materialien zu erstellen, die anschließend auf

OER-Lernmitteln für ein MINT-Fach der Mittelstufe im Rahmen

OER-Lernmitteln ermöglichen. Um die Praktikabilität dieses

dem Bildungsserver gesammelt und bereitgestellt werden. Die-

eines Pilotprojektes an. Diese Wahl minimiert die urheberrecht-

se Maßnahme würde bestehendes Know-How stärken und den

lichen Problemstellungen und garantiert eine hohe Zahl an po-

Corpus an hochwertigen OER vergrößern. Zusätzlich sollten

tenziell zu erreichenden SchülerInnen. In einem ersten Schritt

Berliner Schulen aufgefordert werden, OER-AnsprechpartnerIn-

legt die SenBJW hierfür einen Kriterienkatalog für derartige

nen zu benennen. Diese würden daraufhin im Rahmen zentraler

OER-Lernmittel fest und informiert ausreichend über die An-

MultiplikatorInnen-Schulungen in rechtlichen, technischen und

forderungen der Lehrplankonformität. Die konkrete Umsetzung

didaktischen Fragen rund um OER weitergebildet werden und

dieser Anforderungen – in Form von Büchern, Lernmodulen mit

30

Online- und Offline-Elementen oder Arbeitsblattsammlungen –

Die Handlungsempfehlungen für Szenario 2 im Überblick:

liegt jedoch im Gestaltungsspielraum der jeweiligen Anbieter
von OER-Lernmitteln.

pp Die Handlungsempfehlungen von Szenario 1 bilden die
Grundlage für Szenario 2 und werden vorausgesetzt.

Nachdem der Kriterienkatalog veröffentlicht wurde, reichen
interessierte Anbieter Konzepte und Kostenprojektionen ein,

pp In einem Pilotprojekt werden lehrplankonforme OER-Lern-

die vom SenBJW begutachtet werden und jene Anbieter aus-

mittel für ein MINT-Fach der Mittelstufe entwickelt. Die kon-

schließen, deren Konzepte mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht

krete Umsetzung – in Form von Büchern, Lernmodulen mit

zertifizierbar sind. Es darf jedoch nachgebessert werden. Die

Online- und Offline-Elementen oder Arbeitsblattsammlungen

Kostenprojektionen sollen in jedem Fall den Leistungsumfang

– verbleibt in der Verantwortung der jeweiligen Anbieter von

(z.B. ob gedruckte Materialien im Kostenbeitrag enthalten sind),

OER-Lernmitteln

einen Gesamtkostenumfang sowie den anvisierten Kostenbeitrag pro SchülerIn beinhalten. Ob dieser Beitrag letztlich un-

pp Die SenBJW legt einen Kriterienkatalog für OER-Lernmittel

ter Kostenbeteiligung der Eltern, aus Lernmittelfonds oder aus

fest und prüft Konzepte und Kostenprojektionen potenzieller

Mitteln der Schule finanziert wird, ist für das Funktionieren des

Anbieter hinsichtlich prinzipieller Zertifizierbarkeit.

Mechanismus unerheblich. Zu Klären wäre die Laufzeit des Angebots, also ob beispielsweise SchülerInnenbeiträge aus zwei
oder drei Jahrgängen gepoolt werden.

pp Die Angebote enthalten Kostenbeiträge pro SchülerIn sowie
eine Mindestzahl an SchülerInnenbeiträgen, die für die erfolgreiche Finanzierung und damit die Erstellung von Lern-

Eben diese Mechanik, das Konzept der (Vor-)Finanzierung von

mitteln erforderlich sind; nur wenn sich genügend Schulen

OER-Lernmitteln, folgt dabei einer Crowdfunding-Logik: nur

zur Kostenbeteiligung verpflichten, werden die Lernmittel er-

wenn sich genügend Schulen zur Kostenbeteiligung verpflichten,

stellt. Sollte die Mindestzahl der SchülerInnenbeiträge nicht

werden die Lernmittel überhaupt erstellt. Aus den Kostenpro-

erreicht werden, erfolgt die Beschaffung einer Zweitwahl (in

jektionen folgt eine Mindestzahl an SchülerInnenbeiträgen, die

der Regel also eines herkömmlichen Schulbuchs).

für die erfolgreiche Finanzierung und damit die Erstellung des
Lernmittels erforderlich sind. Sollte die Mindestzahl der Schü-

pp Schulen bestimmen demnach wie bisher intern und autonom,

lerInnenbeiträge nicht erreicht werden, erfolgt die Beschaffung

ob ihr Lernmittelbudget auf die Erstellung von OER verwen-

einer Zweitwahl (in der Regel also eines herkömmlichen Schul-

det wird. Gegebenenfalls könnte auch parallel zu klassischen

buchs). Liegen die von der SenBJW bestätigten Konzepte und

Anschaffungen ein OER-Lernmittelfonds aufgelegt werden.

Kostenprojektionen für OER vor, können die einzelnen Schulen
intern und autonom entscheiden, ob ein Teil ihres Lernmittel-

pp In Folgejahren können zu deutlich kleineren Summen die

budgets auf die Erstellung von OER verwendet werden soll.

bestehenden Bücher aktualisiert werden. Aktualisierungsan-

Es kommt nach diesem Modell also nicht zu einer zentralen

gebote werden genauso wie Angebote zur Neuerstellung in

Ausschreibung der Erstellung von Lernmitteln, sondern das be-

wettbewerblichen Verfahren mit Mindestfinanzierungssum-

stehende Modell der Lernmittelbeschaffung wird für OER-Vor-

men durchgeführt.

finanzierung geöffnet. Gegebenenfalls könnte auch parallel zu
klassischen Anschaffungen ein OER-Lernmittelfonds aufgelegt
werden, mit dem ein oder mehrere OER-Projekte unterstützt
werden.

7.1.3	 Szenario “Vorrang für OER”

Das Finanzierungssystem sollte mehrstufig und verdeckt auf-

Szenario 3 bettet die Maßnahmen der Szenarien 1 und 2 in eine

gebaut sein: Bei Übererfüllung des Mindestfinanzierungsziels

längerfristige OER-Strategie ein und versucht einerseits, aktiv

für ein OER-Projekt werden bei nächsthöheren Finanzierungs-

Erstellung, Austausch und Weiterentwicklung von OER-Lern-

schwellen zusätzliche komplementäre Leistungen angeboten.

mitteln auch jenseits professioneller Kontexte voranzutreiben

Ob ein Projekt die Mindestfinanzierung erreicht hat wird je-

sowie andererseits die professionelle Erstellung von OER durch

doch erst am Ende der Crowdfunding-Periode bekannt gege-

zusätzliche monetäre Anreize voranzutreiben. Die Koordinati-

ben. Dies minimiert Freerider-Probleme und befördert die

on der diesbezüglichen Aktivitäten erfolgt durch eine neu zu

Unterstützung qualitativ hochwertig erscheinender Angebote.

schaffende Stabsstelle OER in der SenBJW, die diesbezügliche

Nach Abschluss der Crowdfunding-Phase werden erfolgreich

Expertise sammeln, Förderprogramme ausarbeiten und beauf-

finanzierte OER-Lernmittel produziert und, sofern der OER-An-

sichtigen sowie verschiedene Aktivitäten im Zuständigkeitsbe-

bieter nicht bereits über eine Pauschalzertifizierung verfügt,

reich der SenBJW koordinieren würde.

ausnahmsweise durch die SenBJW zertifiziert	. Nach Abschluss
eines erfolgreichen OER-Lernmittelprojektes gilt der jeweilige

Abgesehen von den bereits in Szenario 1 erwähnten Informa-

Anbieter für die Zukunft automatisch als pauschalzertifiziert.

tionsangeboten, ist für eine stärkere dezentrale Erstellung und

Wurde ein OER-Lernmittelprojekt einmal erfolgreich umgesetzt

Nutzung von OER durch einzelne (Gruppen von) Lehrkräfte(n)

können diese in Folgejahren zu deutlich kleineren Summen ak-

vor allem die möglichst nahtlose Integration von OER-Unter-

tualisiert werden. Aktualisierungsangebote werden genauso

stützung in verschiedene bestehende Plattformen erforderlich.

wie Angebote zur Neuerstellung in wettbewerblichen Verfah-

Daran anschließend könnte die kuratierte Zusammenführung

ren mit Mindestfinanzierungssummen durchgeführt.

von OER-Materialien aus verschiedenen Quellen im Rahmen
eines zentralen OER-Portals für Berlin erfolgen. Idealerweise
31

würden für die Realisierung eines derartigen Portals vorhan-

dotierte „MOOC Producation Fellowship“45 zu einer erstaunli-

dene Kompetenzen im Bereich von Fachredaktionen des Bil-

chen Zahl an qualitativ hochwertigen Einreichungen geführt,

dungsservers Berlin-Brandenburg mit bibliothekarischen Kom-

was den vergleichsweise großen Hebel von Förderwettbewer-

petenzen des Medienforums kombiniert.

ben und -preisen im Bereich der Lehre dokumentiert. Die Aus-

Die in Szenario 2 geplanten Pilotprojekte zur professionellen

würde auf diese Weise nicht nur die Erstellung und Nutzung

Erstellung von OER könnten schließlich zumindest für eine

von OER im Hochschulbereich befördern, sondern auch zur Be-

richtung von Wettbewerben für OER Production Fellowships

Übergangsphase durch zusätzliche monetäre Anreize befördert

kanntheit des Konzepts sowie zur Aufwertung von Lehre vor

werden. Da durch Investitionen in OER digital-öffentliche Gü-

allem im universitären Bereich führen.

ter geschaffen werden, von denen mittel- bis langfristig auch
solche Schulen profitieren, die sich nicht finanziell an deren Er-

Eine wesentliche Erkenntnis der Interviews im Hochschulbe-

stellung beteiligt haben, scheint die monetäre Unterstützung in

reich ist die geringe Bekanntheit von OER unter Hochschulleh-

Form eines OER-Bonus von 15-25 Prozent von jenen Geldern

renden sowie die fehlende OER-Unterstützung durch vorhande-

angemessen, mit denen sich Schulen an der Erstellung von OER

ne Lernplattformen und Kursmanagementsysteme (z.B. Moodle,

beteiligen. Das könnte auch dabei helfen, Anlaufschwierigkei-

Blackboard). Je unmittelbarer die – auch nur teilweise – Frei-

ten zumindest teilweise abzugelten.

gabe von Lernmaterialien in vorhandene Nutzungsroutinen integrierbar ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass auch

Die Handlungsempfehlungen für Szenario 3 im Überblick:

tatsächlich Lernmittel von Hochschullehrenden als OER zugäng-

pp Schaffung einer Stabsstelle OER in der SenBJW zum Aufbau

Lehrkräftefortbildung gilt es auch im Hochschulbereich OER in

lich gemacht werden. Wie schon im Bereich der schulischen
von Expertise, zur Ausarbeitung und Betreuung von Förder-

den Kernbestand hochschuldidaktischer Qualifizierungsmodule

programmen und zur Koordination von OER-Aktivitäten.

mitaufzunehmen und so zumindest für grundlegende Sensibilisierung unter Hochschullehrenden zu sorgen.

pp Gezielte Förderung von OER-Unterstützung in vorhandenen
Lehr- und Lernplattformen (z.B. Moodle, Blackboard etc.).

Hinderlich bei der Förderung von OER im Hochschulbereich
sind auch unklare Zuständigkeiten. Weder auf Seiten der SenB-

pp Die nachhaltige Erfassung und leichtere Zugänglichmachung

JW noch an den Hochschulen gibt es klare Zuständigkeiten und

dezentral erstellter OER durch ein zentrales OER-. Auf der

offiziell für OER-Angelegenheit zuständige Stellen. Neben der

Plattform können sowohl OER-Lernmittel von pauschalzerti-

Einrichtung einer Stelle für OER im Hochschulbereich auf Seiten

fizierten Anbietern für den Einsatz in Berlin als auch andere

der SenBJW gilt es auch innerhalb der betroffenen Hochschu-

Formen von Lernmaterialien verwaltet werden.

len AnsprechpartnerInnen zu benennen und mit entsprechenden Koordinationsaufgaben zu betrauen.

pp Monetäre Anreize für Schulen, die sich finanziell an der professionellen Erstellung von OER-Lernmitteln in wettbewerb-

Die Handlungsempfehlungen zur Förderung von OER im Hoch-

lichen Verfahren (siehe Szenario 2) beteiligen, in Form eines

schulbereich im Überblick:

OER-Bonus in Höhe von 15-25 Prozent.
pp Förderprogramme für OER-Lehre nach internationalen (z.B.
US-Bundesstaaten und Stiftungen) und nationalen Vorbildern
(z.B. MOOC-Wettbewerb des Stifterverbands und iversity).
7.2	 Handlungsempfehlungen für OER im Hochschulbereich
pp Förderung der Integration von OER-Unterstützung in vorIm Hochschulbereich ist die Situation auf Grund der doppel-

handene Lernplattformen und Kursmanagementsysteme wie

ten Autonomie von Hochschulen und ihren Bibliotheken auf

Moodle oder Blackboard.

der einen und den einzelnen Hochschullehrenden auf der anderen Seite von geringeren direkten Steuerungsmöglichkeiten
auf Seiten der SenBJW geprägt. Dennoch lassen sich auch für

pp Integration von Informationen zum Thema OER in den Kernbestand von hochschuldidaktischen Qualifizierungsmodulen.

diesen Bereich eine Reihe von konkreten Handlungsempfehlungen identifizieren, um Erstellung und Nutzung von OER zu
befördern.

pp Einrichtung einer Stelle für OER im Hochschulbereich im
Rahmen der SenBJW und Aufforderung an die Universitäten,
klare Zuständigkeiten für OER-Angelegenheiten zu schaffen.

Im internationalen Bereich fokussieren sowohl öffentliche43 wie
auch privat-gemeinnütze OER-Förderprogramme44 die Erstellung von OER im Hochschulbereich und setzen dabei fast ausschließlich auf kompetitive Ausschreibungen mit offenen Lizenzen als Teilnahmebedingung. Auch in Deutschland hat im Jahr
2013 das mit insgesamt 250.000 Euro vergleichsweise gering

43	Vgl. https://netzpolitik.org/2012/open-education-milliarden-in-den-usa-fragen-in-deutschland/ [23.04.2014]
44	Vgl. www.hewlett.org/programs/education/open-educational-resources [23.04.2014]
45	Vgl. www.stifterverband.org/bildungsinitiative/quartaere_bildung/mooc_fellowships/index.html [23.04.2014]
32

7.3	 Sonstige Handlungsempfehlungen
Neben den konkreten Handlungsempfehlungen mit Bezug auf
die Situation in Berlin lassen sich zumindest zwei weitere
Handlungsfelder identifizieren, die in Bedeutung und Umsetzbarkeit klar über die Landesebene hinausreichen.
Zum einen wurde quer über alle Befragten hinweg der Reformbedarf im Urheberrecht gerade für den Bereich Bildung
und Wissenschaft mehr als deutlich. Eine Reform der unübersichtlichen und unzeitgemäßen Ausnahmebestimmungen
für Bildung und Wissenschaft in Form einer allgemeinen Bildungs- und Wissenschaftsschranke, wie sie kürzlich von der
Berliner Rechtswissenschaftlerin Katharina de la Durantaye
(2014) ausgearbeitet wurde, wäre auch mit großen Vorteilen
für OER-Strategien verbunden. Derzeit ist auch die lediglich
partiell-auszugsweise Nutzung von urheberrechtlich geschützten Werken nur unzureichend von Ausnahmebestimmungen
wie dem Zitatrecht erfasst und erschwert so die Erstellung und
Zugänglichmachung von OER quer über Bereiche hinweg. Von
Seiten Berlins wären hierzu entsprechende Bundesratsinitiativen für eine Modernisierung zumindest des Bildungs- und Wissenschaftsurheberrechts denkbar.
Zum anderen wird der immer noch bestehende, große Forschungsbedarf deutlich. Obwohl durch den klaren Fokus auf
die Situation in Berlin bereits relativ konkrete Ableitungen und
Strategien entwickelt werden konnten, bleiben immer noch eine
Reihe von wichtigen Detailfragen unbeantwortet. Dazu zählen
beispielswiese konkrete Kostenkalkulationen für professionelle
Erstellung von OER-Lernmittel (insbesondere im Schulbereich),
Möglichkeiten zur länderübergreifenden Kooperation sowie die
wissenschaftliche Begleitung von Pilotprojekten zur Erstellung,
Erfassung und Kuratierung von OER.
Allgemeine Handlungsempfehlungen zur Förderung von OER:
pp Modernisierung des Urheberrechts durch Einführung einer
Allgemeinen Bildungs- und Wissenschaftsschranke (vgl. de la
Durantaye 2014).
pp Durchführung von weiterführenden Studien zu den Themenfeldern OER-Geschäftsmodelle, länderübergreifende OER-Kooperation sowie OER-Pilotprojekte.

33

8.	 Anhänge

Anhang I
OER-Fragenkatalog des [do:index]

1.6 Für welche Bildungseinrichtungen gibt es bereichsspezifi-

Open Educational Resources

Weiterbildungseinrichtungen (z.B. VHS) / Andere; Mehrfachnen-

Open Education bezieht sich darauf, Bildung und Bildungsma-

nungen möglich)

sche Förderprogramme? (Schulen / Universitäten / Öffentliche

terialien frei verfügbar zu machen. Im engeren Sinne wird sie
oft auf die Wissensvermittlung über das Internet bezogen, die

1.7 Werden OER in Fortbildungsangeboten für Lehrkräfte be-

einerseits auf freien Lernmaterialien und andererseits auf all-

rücksichtigt? (Ja/Nein)

gemein zugänglichen Lernplattformen basiert. Open Education
ist nicht gleichzusetzen mit E-Learning (nur bestimmt für Schü- 1.8 Gibt es eine Aufklärungskampagne öffentlicher Stellen zum
lerInnen/Studierende der jeweiligen Institution), nutzt aber die-

Thema OER? (Ja/Nein)

selben technischen Mittel.
2 OER-Programme an Bildungseinrichtung im Zuständigkeits1 Allgemeines zu Offenen Lehr- und Lernunterlagen

bereich

Die Unterstützung von OER-Projekten, sowie die Information

Durch die Mitgliedschaft in OER-Vereinigungen und einem Ein-

der Bevölkerung durch eine zentrale Koordinierungsstelle kann

trag in einem OER-Policy Registry werden verschiedene Projek-

helfen, ein breites, niedrigschwelliges und digitales Bildungs-

te miteinander verknüpft und sind gesammelt verfügbar. Dies

angebot bereitzustellen. Dabei ermöglichen OER-Portale die

ermöglicht es der Bevölkerung verschiedene OER-Projekte, so-

Vernetzung unterschiedlicher Projekte sowie einen einfachen

wie deren Richtlinien miteinander zu vergleichen und erhöht

Zugang für die Bevölkerung.

zudem den Bekanntheitsgrad der jeweiligen Projekte.

1.1 Informieren öffentliche Stellen über das Konzept offener

2.1 Sind Institutionen der Stadt/des Landes Mitglieder in

Lehr- und Lernunterlagen bzw. Open Educational Resources (im

OER-Vereinigungen? (Ja/Nein)

Sinne der oben genannten Definitionen)? (Ja/Nein)
Erläuterung: OER-Vereinigung sammeln und verknüpfen offene
Beispiel: Österreichisches Bundesministerium für Unterricht,

Lehr-und Lernunterlagen verschiedener beteiligter Institutio-

Kunst und Kultur informiert über OER-Angebote.

nen.

1.2 Existiert ein landeseigenes Portal für offene Lehr- und Ler-

Beispiel: OCW-Consortium für Universitäten

nunterlagen? (Ja/Nein)
2.2 Sind Institutionen der Stadt/des Landes in einem OER-Policy
Beispiele: Bildungsplattform Niederösterreich, Deutscher Bil-

Registry verzeichnet? (Ja/Nein)

dungsserver und Bildungsserver des Landes Baden-Württemberg.

Erläuterung: Eine OER-Policy Registry ist eine Datenbank, wel-

1.3 Gibt es konkrete OER-Dienstleistungen von öffentlicher

vergleichbar macht.

che Richtlinien verschiedener OER-Institutionen sammelt und
Seite (z.B. durch Anlaufstellen, OER-Kompetenzzentren, Beratungsangebote, usw.)? (Ja/Nein)

Beispiel: OER Policy Registry

Beispiel: OER Köln Camp 2013.

3 Lizenzierung offener Lehr- und Lernunterlagen
Für die Nutzung von Lehr- und Lernunterlagen ist eine ein-

1.4 Gibt es öffentliche Zertifizierungsmöglichkeiten (im Sinne

deutige Lizenzierung erforderlich, um Rechtssicherheit bei der

eines Gütesiegels) für OER-Materialen? (Ja/Nein)

Weiternutzung zu garantieren. Je freier dabei die Lizenzierung
der OER-Unterlagen ist, desto mehr Anwendungsmöglichkeiten

1.5 Gibt es OER-Förderprogramme? (Ja/Nein)

eröffnen sich. Hierbei ist es zudem vorteilhaft, wenn unterschiedliche Lehrunterlagen einheitlich lizenziert sind. Ist dies
nicht der Fall, müssen sich Nachnutzende bei der Verwendung

34

und Zusammenführung unterschiedlicher Lernunterlagen an der
restriktivsten Lizenzierung orientieren. Teilweise wird dadurch
eine Kombination von Lehrunterlagen unmöglich gemacht.
3.1 Werden offenen Lehr- und Lernunterlagen mithilfe von
Standardlizenzen lizenziert? (Gemeinfrei (Public Domain) /
Frei im Sinne von freedomdefined.org / Kommerzielle Nutzung
möglich / Kostenlos, Nachnutzung auf Anfrage / Keine der oben
genannten Kriterien (z.B. kostenpflichtig); Mehrfachnennungen
möglich)
4 Leuchtturmprojekte
Leuchtturmprojekte im Bereich der OER können als Orientierung und Inspirationsquelle für neue Projekte dienen, den Bekanntheitsgrad von OER-Initiativen steigern und somit die Relevanz des Themas für die Allgemeinheit unterstreichen.
4.1 Gibt es ein Leuchtturmprojekt im Bereich OER? (Ja/Nein)
Beispiele: Projekt werkstatt.bpb.de – Digitale Bildung in der
Praxis ist eine (Online-) Werkstatt, die in Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung mit der Kooperative Berlin,
Lichtschliff e.V., seine Umsetzung findet. Thema ist die zeitgemäße Vermittlung von Zeitgeschichte und Politik im Alltag
deutscher Schulen und in der außerschulischen Bildung vor
dem Hintergrund aktueller Herausforderungen wie Migration
und Digitalisierung.
MIT OpenCourseWare ist eine Initiative des Massachusetts Institute of Technology (MIT), die das Ziel verfolgt, die Lehrmaterialien der Universität kostenlos und frei online verfügbar zu
machen. Das Projekt wurde im Oktober 2002 gestartet und zum
heutigen Zeitpunkt hat das MIT nahezu alle seine Kurse online
verfügbar gemacht und verzeichnet eine Million Zugriffe pro
Monat aus der ganzen Welt.
Falls Ja, bitte weiter mit 4.2.1 und 4.2.2
4.2.1 Existiert eine institutionelle Unterstützung in Form einer
Koordinierungsstelle für das Thema OER an Bildungseinrichtungen? (Frage ist nicht verpflichtend) (Ja/Nein)
4.2.2 Wie groß ist der Anteil von Lerninhalten der Einrichtung,
die als OER verfügbar sind? (Frage ist nicht verpflichtend) (Weniger als 20% / 20-50% / 50-80% / Mehr als 80%)
4.2 Werden Materialien zum Selbststudium in Form von Massive Open Online Courses (MOOCs) zur Verfügung gestellt? (Ja/
Nein)
Beispiel: MOOC „ThinkTank – Ideal City of the 21st Century” der
Leuphana Universität.
5 Sonstige Anregungen
(Frage ist nicht verpflichtend)

35

Anhang II
Liste der Befragten
Institution

Interviewform

Kürzel

Bildungsministerium RLP

Telefonisch

RLP1

SenBJW. IA8

Persönlich

SV1

SenBiJu., Leitung iMINT-Akademie

Persönlich

SV2

Koordinatorin für regionale fortbildungen in Pankow

Persönlich

SV3

SenBJW

Persönlich

SV4

Bildungsserver Berlin Brandenburg

Persönlich

SV5

SenBJW (Lehrerin mit Abordnungsstunden), Leitung iMINT-Akademie

Telefonisch

IM1

Lehrer und Modulbetreung iMINT-Akademie

Persönlich

IM2

Schulleiter, Albert-Einstein-Gymnasium Berlin

Persönlich

S1

Fachsbereichtleiterin Fremdsprachen, Emmy-Noether-Gymnasium Berlin

Persönlich

S2

Lehrerin und Multiplikatorin für Biologie, Emmy-Noether-Gymnasium Berlin

Persönlich

S3

Fachbereichsleiter Deutsch, Emmy Noether Gymnasium

Persönlich

S4

Fachbereichsleiter Mathe/Physik

Persönlich

S5

Fachleitung für Angewandte Informatik, Oberstufenzentrum Informations- und Medizintechnik (OSZIMT)

Persönlich

S6

HTW, Elearning Kompetenz Center

Videotelefonat

HS1

Cedis, FU

Persönlich

HS2

Beuth

Telefonisch

HS3

TU

Telefonisch

HS4

Computer und Medienservice (CMS), HU

Persönlich

HS5

Vorsitzender der Geschäftsführung, Ernst Klett Verlag

Schriftlich

W1

K.lab/meinunterricht.de

Videotelefonat

W2

K.lab/meinunterricht.de; Unternehmensberater Verlagsbranche

Schriftlich

W3

Wikimedia Deutschland

Schriftlich

W4

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Anhang III
Liste genannter Quellen für OER
Kostenlos
pp Moodle (S2; S6)
pp Bildungsserver Berlin-Brandenburg,
bildungsserver.berlin-brandenburg.de
(SV5)[30.03.2014]
pp Fachspezifische Plattformen:
pp Geschichte: www.segu-geschichte.de
(SV4) [30.03.2014]
pp Religion: www.rpi-virtuell.net/about/termsofuse
(SV4) [30.03.2014]
pp BBC Bitesize, www.bbc.co.uk/bitesize
(S2) [30.03.2014]
pp Englisch-Hilfen.de, www.englisch-hilfen.de
(S2) [30.03.2014]
pp Wikipedia (S4; S6)
pp Material, welches im Rahmen regionaler Fortbildungen
erstellt und/oder verteilt wird (SV3)
pp Sun Microsystems (bis 2010)/ Oracle (seit 2010) (S6)
pp Eclipse (S6)
ppJava Editor (S6)
pp Studierenden-/Expressvarianten verschiedener Computerprogramme (S6)
Zahlungspflichtig
pp Microsoft Alliance (S6)
pp CD/DVD-Zusatzmaterial zu Materialien des Europaverlags
und des Westermann Verlags (S6)
pp Onlineangebote der Verlage, besonders für Arbeitsblätter
(S5)

37

9.	 Literaturverzeichnis

Bielke, T. (2014). Unterrichtsmaterial unter der Lupe – Wie

Matthes, E., & Wiater, W. (2012b). Qualitativen Analyse von

weit geht der Lobbyismus in Schulen? Studie der Verbraucher-

kostenlos angebotenen Lehrmaterialien aus dem Internet.

zentrale Bundesverband. http://www.vzbv.de/cps/rde/xbcr/

Forschungsprojekt „Bildungsmedien online“. Abstract II. http://

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forschungsprojekt-augsburg/forschungsprojekt-augsburg-abstract-ii.pdf

Blees, I., Cohen, N., & Massar, T. (2013). Freie Bildungsmedien
(OER). Dossier: Offene Bildungsressourcen/Open Educational

Matthes, E., & Wiater, W. (2013a). Clusteranalyse ‚Nachhaltige

Resources–Handlungsfelder, Akteure, Entwicklungsoptionen in

Entwicklung‘ und ‚Soziale Marktwirtschaft‘. Forschungsprojekt

internationaler Perspektive (Stand: Juni 2013).

„Bildungsmedien online“. Abstract III. http://www.bildungsme-

Bretschneider, M., Muuß-Merholz, J., & Schaumburg, F. (2012).

jekt-augsburg/forschungsprojekt-augsburg-abstract-iii.pdf

dien.de/download/presse/pressedownloads/forschungsproOpen Educational Resources (OER) für Schulen in Deutschland.
Whitepaper zu Grundlagen, Akteuren und Entwicklungsstand

Matthes, E., & Wiater, W. (2013b). Lehrerbefragung „Kostenlo-

im März 2012. Internet & Gesellschaft Co:llaboratory, https://

se Bildungsmedien online“. Forschungsprojekt „Bildungsmedi-

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en online“. Abstract IV. http://www.bildungsmedien.de/down-

biv_oUTQe8fQCuKq3c9r_6I/edit)

load/presse/pressedownloads/forschungsprojekt-augsburg/
forschungsprojekt-augsburg-abstract-iv.pdf

De la Durantaye, K. (2014). Allgemeine Bildungs- und Wissenschaftsschranke. Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat OHG

Muuß-Merholz, J., & Schaumburg, F. (2014). Open Educational
Resources (OER) für Schulen in Deutschland 2014: Whitepaper

Dobusch, L., 2012a. Angehört: Fachgespräch zu Open Educa-

zu Grundlagen, Akteuren und Entwicklungen. Internet & Gesell-

tion des Bildungsministeriums. werkstatt.bpb.de, http://werk-

schaft Collaboratory.

statt.bpb.de/2012/11/angehort-fachgesprach-zu-open-education-des-bildungsministeriums/ [25.02.2014].

Weitzmann, J. (2013). Offene Bildungsressourcen (OER) in der
Praxis. Medienanstalt Berlin Brandenburg (mabb). http://www.

Dobusch, L. (2012b). Digitale Lehrmittelfreiheit: Mehr als

mabb.de/files/content/document/Foerderung/mabb_Broschue-

digitale Schulbücher. White Paper Serie des D64 – Zentrum

re _OER_in_der_Praxis.pdf

für Digitalen Fortschritt e.V., http://lehrmittelfreiheit.d-64.org/
wp-content/uploads/2012/05/White-Paper-DigitaleLehrmittel-

Ziedorn, F.; Derr, E. & Neumann, J. (2013). Metadaten für

freiheit-D64.pdf

Open Educational Resources (OER). Eine Handreichung für die

Dobusch, L., & Palmetshofer, W. (2013). Offenheit ranken? Der

http://www.pedocs.de/volltexte/2013/8024/pdf/TIB_2013_

digitale Offenheitsindex. Beitrag zum Momentum Kongress

Metadaten_OER.pdf

öffentliche Hand. Technischen Informationsbibliothek (TIB).

2013. http://momentum-kongress.org/cms/uploads/PAPER_Dobusch_ Palmetshofer_Offenheit-ranken-Der-digitale-Offenheitsindex.pdf
Hofmann, B., & Kampl, R. (2011). OER in Universitäten und
Schulen. In: Dobusch et al.(2011): Freiheit vor Ort. München:
Open Source Press.
Kreutzer, T. (2013). Open Educational Ressources (OER),
Open-Content und Urheberrecht. iRights Law. http://www.pedocs.de/volltexte/2013/8008/pdf/Kreutzer_2013_OER_Recht.
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Matthes, E., & Wiater, W. (2012a). Marktanalyse von kostenlos angebotenen Online-Lehrmaterialien. Forschungsprojekt
„Bildungsmedien online“. Abstract I. http://www.bildungsmedien.de/download /presse/pressedownloads/forschungsprojekt-augsburg/forschungsprojekt-augsburg-abstract-i.pdf

38

Die Technologiestiftung Berlin steht für Innovation und Technologieentwicklung
in der Hauptstadtregion. Sie beobachtet neue Forschungstrends und bringt
Strategien zu ihrer erfolgreichen Entwicklung auf den Weg. Sie fördert naturwissenschaftlich-technische Bildung und informiert über wissenschaftliche
sowie technologische Innovationen. Ziel der Arbeit ist die Weiterentwicklung
der Region Berlin-Brandenburg zu einem bedeutenden Wissenschafts- und
Technologiestandort.

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