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Full text: Berliner Wald-Zeitung (Rights reserved) Ausgabe 2014,3 (Rights reserved)

Ausgabe 3 | 2014 BERLINER In dieser Ausgabe Seite 3 Waldzustand wird beurteilt WALDZEITUNG Seite 5 Obstbäume gegen Klimawandel Seite 6 Vorgestellt: Revierförsterin in Prenden nem Lehrmeister Oliver Dosse unterstützt, der es bei den Waldarbeitsmeisterschaften zum Deutschen Vizemeister brachte und sogar die Nationalmannschaft trainierte. Auch für die tägliche Arbeit im Wald sind die Erfahrungen aus diesem spannenden Berufswettbewerb von Vorteil. Denn hier werden die Arbeitsabläufe schnell und präzise trainiert. Das schärft die Sinne, unterstützt die Arbeitssicherheit und den Teamgeist und ist nicht zuletzt Ausdruck der Liebe zu einem Beruf in der Natur, für die Ernte des wichtigen Rohstoffs Holz und die Pflege des Waldes. Die Ausbildung zum Forstwirt ist auch bei den Berliner Forsten in vier Ausbildungsrevieren möglich. Naturnahe Berufe im Berliner Wald „Sie leben in Berlin und arbeiten im Wald?“ Mit dieser ungläubigen Frage von auswärtigen Besuchern werden die Mitarbeiter der Berliner Forsten durchaus konfrontiert. In solchen Fällen werden sie nicht müde, folgendes zu erklären: Berlin ist mit 89.200 Hektar die größte Stadt Deutschlands. Sie hat insgesamt 29.000 Hektar Waldfläche im Stadtgebiet, im umliegenden Brandenburg und sogar in Sachsen Anhalt. Deshalb sind auch in der Hauptstadt Berlin Menschen nötig, die den Wald pflegen, bewirtschaften und verwalten, um den Berlinern und ihren Gästen Naturerfahrung und Erholung zu ermöglichen und unserer Stadt gesunde Luft und dauerhaft ein erträgliches Klima zu sichern. Dafür beschäftigt die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 28 Förster und Försterinnen in den Waldrevieren sowie Forstwirte und Forstwirtschaftsmeister für die unmittelbare Waldarbeit. Übergreifend kümmern sich außerdem Förster und Verwaltungsmitarbeiter im Landesforstamt Berlin und in den regionalen Forstämtern Pankow, Grunewald, Tegel und Köpenick um die Verwaltung und Bewirtschaftung des Berliner Waldes und die Öffentlichkeitsarbeit. Fotos: D. Müller Meisterliche Forstwirte Die unmittelbare Arbeit im Wald verrichten die Forstwirte zu jeder Jahreszeit bei Wind und Wetter. Ihre Aufgaben sind Holzeinschlag, Baumpflanzungen, Sichern der Verkehrswege durch die Waldgebiete. Außerdem kümmern sich die Forstwirte um das Anbringen von Wegweiser oder bauen Schutzhütten, Waldspielplätze, Treppen, Trittsicherung und Geländer an Wanderwegen für die Waldbesucher. Eine wichtige Aufgabe bei der Arbeit im Wald ist das Fällen von Bäumen. Dafür gibt es im zweijährigen Turnus deutschlandweit und sogar international Berufswettbewerbe der Forstarbeiter. Ende Mai dieses Jahres war es wieder so weit. 57 Männer und eine Frau kämpften in Kunsterspring und während der Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung auf dem Gelände des Erlebnisparks Paaren im Havelland bei der Berlin-Brandenburger Waldarbeitsmeisterschaft um beste Ergebnisse. Sie verglichen sich in der Königsdisziplin Baumfällen, beim Kettenwechsel an der Motorsäge, im Kombinations- und Präzisionsschnitt (Foto oben) an Baumstämmen und bei der Entastung der gefällten Bäume. Für Berlin machte Josef Kucera das Rennen. Allein vier Mal in Folge wurde der erfahrene Forstwirt Sieger in diesem spannenden Berufswettbewerb. Bei den Brandenburgern holte sich Alexander Genz den Meistertitel und bei den Gästen aus anderen Regionen siegte Thomas Wickert aus Hessen. Begeisterter Nachwuchs Besonderes Augenmerk fiel in diesem Wettbewerb auf die Berufsanfänger in der Waldarbeit in der Altersgruppe unter 24 Jahre, denn geeigneter Nachwuchs wird gebraucht und die Begeisterung der jungen Leute für die Herausforderungen ihres Berufes war regelrecht spürbar. Der 19-jährige Riccardo Gill (Foto unten) holte sich den Meistertitel in seiner Altersklasse. Er ist im 3. Lehrjahr, bei den Brandenburgischen Forsten und wurde beim Training besonders von sei- KURZ & KNAPP 3|2014 BERLINER WALDZEITUNG SEITE 2 Veranstaltungen in den Waldschulen Sa • 5.7.2014 • 15-23 Uhr 2. Waldmuseumsfest Anlass: 100 Jahre Grunewaldvilla, 20 Jahre Ökologisches Jahr, 10 Jahre Waldmuseum 15-18 Uhr Waldfest 19-21 Uhr Abendwanderung 21-23 Uhr Abend im Waldmuseum Waldmuseum mit Waldschule Königsweg 4, 14193 Berlin 81 33 442 Studie zeigt: Deutsche mögen Wildnis Die Deutschen mögen Wildnis, sind für naturnahe Wälder und Flussauen und lehnen Gentechnik in der Natur ab. Das ergab eine Studie zum Naturbewusstsein, die in diesem Frühjahr vorgestellt wurde. Zum Thema Wildnis gibt es damit erstmals bundesweit repräsentative Informationen: Knapp zwei Drittel der Deutschen gefällt Natur umso besser, je wilder sie ist. Das gilt besonders für die Wälder. Eine Zunahme von Wildnis in Deutschland können sich die Befragten in vielen Lebensräumen gut vorstellen, am höchsten ist die Zustimmung zu mehr Wildnis in Wäldern. 79 Prozent meinen, dass abgestorbene Bäume und Totholz in den Wald gehören. Das Bild vom aufgeräumten Wald lehnen 64 Prozent ab. Nur ein Drittel ist der Meinung, dass ein Wald „ordentlich“ aussehen sollte. Dass sich besondere Wildtiere in Deutschland verbreiten fand folgende Zustimmungswerte bei den Befragten: Biber 67%, Luchs 64%. Wildkatze 63%, Waschbär 48% und der Wolf 44%. Naturbewusstseinsstudie: bfn.de/0309_naturbewusstsein.html Foto: S. Dritter So • 6.7.2014 • 12-15 Uhr Kreativ werden im Schnitzworkshop unter fachkundiger Anleitung Anmeldung: 41 76 37 03 Kosten: 3,50 € Kind • 7 € Erw. 14 € Familie (inkl. Material) Waldschule Teufelssee Müggelheimer Damm 144 12559 Berlin Di • 15.7.2014 • 10.30-14 Uhr Familien bauen Mini Flöße im Forstrevier Nikolassee, die dann in See stechen. Picknick und Handtuch mitbringen! Treffpunkt: S-Bhf. Nikolassee (Ausgang Strandbad Wannsee) Anmeldung: 80 49 51 80 Kosten: 2,50 € Kind • 5 € Erw. 10 € Familie Waldschule Zehlendorf Stahnsdorfer Damm 3 14109 Berlin Mi • 16.7.2014 • 15.30-18 Uhr Eltern schnitzen mit ihren Kindern fachlich gut betreut Gebrauchs- oder Spielsachen ab 7 J. Anmeldung: 336 30 55 Kosten: 2,50 € Kind • 5 € Erw. 10 € Familie Waldschule Spandau Niederneuendorfer Allee 81 13587 Berlin Aktionstag „KunstStoff Holz“ am Jagdschloss Grunewald Am Samstag den 13. und am Sonntag den 14. September jeweils von 11-18 Uhr laden die Berliner Forsten und die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, im Rahmen des Tages des offenen Denkmals, ins Jagdschloss Grunewald ein. Unter den Motto: „KunstStoff Holz“ wird gezeigt, wie umfangreich Holz künstlerisch genutzt wird. Dazu gibt es auf dem aktionsreichen Familienfest viele Beispiele wie bei Holzarbeiten an Werkbänken unter fachkundiger Anleitung, Vorführungen im Instrumentenbau oder Einblicke in die Zimmermannskunst. Die Besucher können beim Bau eines Bogens oder Bummerangs sogar selbst Hand anlegen und ihre Geräte gleich ausprobieren. Zu bewundern gibt es auch Skulpturen, die per Motorsäge gestaltet wurden und Holzkunstwerke in Form rustikaler Tische, Stühle oder Wurzelkugeln und auch der Bootsbau spielt eine Rolle. Imker erklären den Besuchern, was Bienen mit Holz zu tun hadas ehrwürdige Jagdschloss und die Berliner Wälder. Das Berliner Waldhornensemble sorgt für die passende Stimmung und auch für das leibliche Wohl gibt es Produkte aus Wald und Flur. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei. Für den Besuch der Gemäldeausstellung des Jagdschlosses incl. Führung werden 6 €/ermäßigt 5 € erhoben. Jagdschloss Grunewald Hüttenweg 100, 14193 Berlin Tel. 81 33 597 Foto: T. Wiehle Wildkamera filmt Dachs, Schwein und Fuchs Dank einer Schenkung verfügt das Lehrkabinett Teufelssee seit Kurzem über eine Wildkamera. Sie löst anhand von Bewegungen und Wärme selbst aus und liefert Fotos und Videos. So kann das Lehrkabinett den Besuchern neuerdings über einen großen Monitor Filmsequenzen präsentieren. Sie zeigen für die Besucher in den Ausstellungsräumen nächtliche Tieraktivitäten um das Lehrkabinett am Teufelssee herum. Zu sehen sind somit Dachse, Füchse, Wildschweine, ein Steinmarder und ein Waschbär. Besonders beliebt sind die Filmchen bei den Kindern, die das Lehrkabinett besuchen. Lehrkabinett Teufelssee, Müggelheimer Damm 144, 12559 Berlin Tel. 654 13 71, ws-teufelssee@web.de stadtentwicklung.berlin.de/forsten/waldschulen/ lk_teufelssee.shtml ZU RECHT GESAGT: Der Wald ist keine Müllkippe! Der Berliner Wald dient vor allem der Erholung der Hauptstädter und Gäste, umso ärgerlicher, wenn einige Zeitgenossen ihn gedankenlos zur Abfallentsorgung nutzen. Besonders im Hundeauslaufgebiet rund um den Grunewaldsee ist das inzwischen ein Problem. Hundekot wird hier zwar in Tütchen eingesammelt, dann aber im Wald abgelegt. Solche stinkenden Bomben werden leider immer mehr zum Ärgernis. Deshalb die dringende Bitte an Hundebesitzer: Lassen sie ihren Vierbeiner sein Geschäft im Dickicht verrichten oder nehmen Sie seine Hinterlassenschaft auf einem Weg bitte mit in die nächste Mülltonne am Waldrand oder an der Straße. Das gilt auch für Abfälle vom modernen „Picknick“ mit Coffee to go oder anderen Getränken aus der Hand, die leider oft kurzerhand im Wald entsorgt werden. Foto: T. Wiehle ben, kostenfreie Kremserfahrten werden angeboten und viele Informationen rund um Bitte helfen Sie den Berliner Förstern, im Interesse aller, unseren Wald als Erholungsort sauber zu halten! SEITE 3 BERLINER WALDZEITUNG 3|2014 KURZ & KNAPP Wie wird der Waldzustand in Berlin erhoben? Seit 1983 wird in Deutschland und auch europaweit die Gesundheit der Wälder ins Visier genommen und alljährlich ein Waldzustandsbericht erstellt. Auch für den Berliner Wald gibt es diese Erhebung nun schon seit 31 Jahren. Zuständig dafür ist der Leiter des Forstamtes Grunewald, Elmar Kilz. Er hat auch die bundesweiten Kriterien für die Beurteilung ein Stichprobenraster von 1 x 1 km hätte das hergegeben“, erklärt Fachmann Elmar Kilz. An drei Orten im Berliner Wald gibt es auch abgezäunte Messstellen. Hier sind Geräte installiert, die Intensivproben z.B. für den Niederschlag erfassen. Ein solcher Messpunkt ist zum Beispiel am Dahlemer Feld zu finden. Ferngläsern, normierten Darstellungen zum Vergleich und Schreibzeug ausgestattet, die Baumkronen begutachten und den Schadenszustand festhalten. Diese wichtige Bewertung muss im Sommer in kürzester Zeit und mit geschultem Forstpersonal erledigt werden. „Mit der Erhebung des Waldzustandes dokumentieren wir den Klimawandel“, sagt Elmar Kilz: Doch sind die jährlichen Schwankungen so groß, dass eine dauerhafte Klimaveränderung durch eine Bewertung des Zustandes der Baumkrone allein nicht zu beweisen ist. Die Eiche zum Beispiel hat sich nach dem Trockenjahr 2003 noch nicht wieder vollständig erholt. In den 1980er Jahren trug die Waldzustandserhebung mit dazu bei, dass Klimakiller wie Großfeuerungsanlagen und Kohleheizungen und verbleites Benzin nach und nach aus unserem Leben verbannt und Katalysatoren für Autos ein- Veranstaltungen in den Waldschulen Fr • 18.7.2014 • 15.30-18 Uhr Messerscharfer Nachmittag Eltern schnitzen mit Kindern, ab 7 J. Anmeldung: 336 30 55 Kosten: 2,50 € Kind • 5 € Erw. 10 € Familie Waldschule Spandau Niederneuendorfer Allee 81 13587 Berlin Fr • 18.7.2014 Abend im Berliner Waldmuseum mit Nachtwanderung, Bewerbung über den Familienpass des JugendKulturService 81 33 442 Waldmuseum mit Waldschule Königsweg 4, 14193 Berlin Begutachtung der Baumkronen riolen und die Schädlinge nicht für die Änderung des Kronenzustandes in Frage kommen, muss der Grund anderswo gesucht werden. Für 2012 war zum Beispiel klar, dass der sehr kalte Winter und die Insekten und Schädlinge, die nach dem Frost fast zeitgleich über die aufkeimenden Blättchen herfielen, die kahlen Stellen an den Bäumen verursacht Fr • 25.7./8.8.2014 • 21 Uhr Nachtwanderung im Grunewald 81 33 442 Waldmuseum mit Waldschule Königsweg 4, 14193 Berlin Do • 14./21.8.2014 • 19-22 Uhr Fledermäuse im Plänterwald Taschenlampenführung, Kurzvortrag, Spiele im Fledermausgarten und Sehen und Hören der fliegenden Kobolde mit Bat-Detektoren, ab 6 J. Anmeldung: 53 00 09 70 Kosten: 2,50 € Kind • 4 € Erw. Waldschule Plänterwald Dammweg 1b, 12437 Berlin Fr • 29.8.2014 • 18.30-21 Uhr Fledermauswanderung durch den Bucher Forst Mit Spielen, Geschichten und „Fledermaus-Detektor“ geht es auf die Suche nach den fliegenden Kobolden, ab 6 J. Anmeldung: 94 11 47 33 Kosten: 2,50 € Kind • 5 € Erw. 10 € Familie Waldschule Bucher Forst Wiltbergstraße 55, 13125 Berlin I M P R E S S U M Die BERLINER WALDZEITUNG wird herausgegeben von der Senatsver­waltung für Stadtentwicklung und Umwelt Redaktion: Berliner Forsten, Landesforstamt Berlin Dahlwitzer Landstraße 4, 12587 Berlin, Tel. 641 93 70, Fax 64 19 37 99 Erscheinungsweise: vierteljährlich Auflagenhöhe: 25.000 Ex. Redaktionelle Betreuung und Layout: Journalisten&GrafikBüro Druck: Berliner Zeitungsdruck DieBERLINER WALDZEITUNG ist erhältlich an den Berliner Forstämtern und Revierförstereien, den bezirklichen Bürgerberatungen und in den meis­ ten umweltpädagogischen Einrichtungen der Stadt. Berliner Forstämter: Forstamt Köpenick Klaus Pogrzeba, Dahlwitzer Landstraße 4, 12587 Berlin, Tel. 64 19 37 71 Forstamt Pankow Romeo Kappel, Blankenfelder Chaussee 7, 13159 Berlin, Tel. 474 98 80 Forstamt Grunewald Elmar Kilz, Koenigsallee 80, 14193 Berlin, Tel. 895 38 10 Forstamt Tegel Karl-Heinz Marx, Ruppiner Chaussee 78, 13503 Berlin, Tel. 436 02 60 Fotos: Elmar Kilz Sichtbare Waldschäden der Waldgesundheit mühevoll mit erarbeitet. Wichtig dafür waren zunächst ganz zufällig ausgewählte Punkte im Wald. Dazu wurde die Fläche Deutschlands, angefangen in Weil am Rhein, mit einem gedachten Raster überzogen, um darin nach dem Zufallsprinzip Stichprobenpunkte zu wählen. Für Berlin ist dieses Raster 2 x 2 km groß. In jedem Sommer waren bisher speziell geschulte Berliner Förster in den Berliner Waldrevieren unterwegs. Sie begutachten in unseren Waldgebieten von 40 Rasterpunkten aus in jede der vier Himmelsrichtungen sechs Bäume, die im Abstand von 25 Metern stehen. Diese dienen der sogenannten SechsBaum-Stichprobe zur Erhebung des Waldzustandes. Die dafür ausgewählten je 24 Bäume erkennt man im Wald an den weißen Zahlen auf ihren Stämmen. Sie wurden an den 40 Stichprobenpunkten jeweils von 1-24 vergeben. „Wir können davon allerdings keine Aussagen zum Waldzustand in den einzelnen Stadtteilen Berlins erwarten. Erst Förster beurteilen die Waldgesundheit Im Juli und August dieses Jahres sind nach einem Ausschreibungsverfahren erstmals geschulte Förster von einem Niedersächsischen Unternehmen mit der Begutachtung der Bäume zur Waldzustandserhebung beauftragt, um die Berliner Förster in der Sommerzeit zu entlasten. Jeweils zu zweit werden sie nach dem bewährten System mit Eichenmehltau geführt wurden. Inzwischen ist das Interesse der Politik am jährlichen Waldzustandsbericht längst nicht mehr so groß wie zu Beginn der Erhebungen. Die Gesundheit der Wälder bleibt einigermaßen stabil oder hat sich sogar leicht erholt. Wann jedoch die kurzzeitigen Veränderungen des Zustands der Wälder tatsächlich mit einem Klimawandel zu tun haben, ist nicht so leicht festzustellen. Erst wenn außergewöhnliche Wetterkap­ haben. Aus solchen Erkenntnissen allein können natürlich noch keine schlüssigen Aussagen zum Klimawandel gemacht werden. Dazu sind langfristige Erhebungen nötig. Deshalb werden auch in diesem Jahr die Ergebnisse der diesjährigen Waldzustandserhebung in Berlin und Brandenburg am Ende dieses Sommers von Fachleuten der Forstlichen Versuchsanstalt Eberswalde zum Waldzustandsbericht 2014 zusammengeführt. Schwarmspinner KURZ & KNAPP 3|2014 BERLINER WALDZEITUNG SEITE 4 Veranstaltungen in den Waldschulen Sa • 30.8.2014 • 14.30-17 Uhr Der Wald wird zum Erlebnisort für Familienspiele um Schiffe, Sauen und Seile, ab 5 J. Anmeldung: 336 30 55 Kosten: 2,50 € Kind • 5 € Erw. 10 € Familie Waldschule Spandau Niederneuendorfer Allee 81 13587 Berlin Sa • 30.8.2014 • 13-18 Uhr Paddeltour zur Waldschule, einem Projekt der Kompaxx e.V. Jugendhilfe, ab 8 J. Anmeldung: 35 59 90 70 oder office@jfe-aalemannufer.de Kosten: 2,50 € Kind • 5 € Erw. 10 € Familie Freizeitstätte Aalemannufer Niederneuendorfer Allee 30 13587 Berlin So • 31.8.2014 • 11-14 Uhr Survival im Wald Was hilft bei einer Wanderung, wenn man im digitalen Zeitalter nicht optimal ausgerüstet ist? Anmeldung: 41 76 37 03 Kosten: 2,50 € Kinder • 5 € Erw. 10 € Familie Waldschule Teufelssee Müggelheimer Damm 144 12559 Berlin Glückliche Kinder beim Erforschen des Waldes Weicher Boden unter den Füßen, Vogelgezwitscher im Ohr, Waldgeruch in der Nase – mit den beiden Rucksack-Waldschulen der Berliner Forsten werden seit März 2014 auch Waldtage ausschließlich draußen angeboten. Wir pirschen auf Wildwechseln vorbei an versteckten Wildschweinsuhlen, entdecken Spuren von Spechten und Eichhörnchen, schlüpfen in die Rollen verschiedener Waldtiere und spielen ihr Verhalten nach. Wir genießen die Stille im mutigen Alleingang durch den Wald und freuen uns ausgelassen beim Rennen, Balancieren, Toben und Bauen. Kein Waldtag gleicht dem anderen, denn jede Kindergruppe, die zu uns kommt ist, einzigartig. Auch der Wald – bestimmt durch Tagesrhythmus und Jahreszeiten – verändert sich ständig. Dieser Wandel spiegelt sich in unseren Waldtagen wieder. sage: „schaut doch mal, wie schön die kleine Raupe aussieht! Habt ihr schon die lustigen Füsse gesehen?“ Das erste mutige Kind streckt zögerlich die Hand aus – zieht sie wieder zurück und schiebt sie vorsichtig wieder nach vorne. „Darf ich auch mal?“ Die leuchtend grüne Raupe wandert auf die Hand des Kindes. „Iiih!“ ist wieder zu hören und dann das erste „Aah!“. Eine Mischung aus Neugierde und Abscheu sehe ich in den Augen der anderen Kinder aufblitzen. „Wer traut sich noch? Ich!- Ich!“ Stolz kichern die Mutigen „Aah – wie das kitzelt!“ „Guck mal – die saugt sich ja fest!“ Nach kurzer Zeit ist das was über Jahre erlernt wurde vergessen. Fast jedes Kind möchte nun mal die Raupe auf die Hand nehmen oder zumindest richtig von ganz nah dran betrachten. Im Wald eröffnen sich neue Möglichkeiten und viele kleine Welten. Die Kinder überwinden Ängste und können sich neuen Herausforderungen stellen: In den Rindenfurchen einer Eiche hat ein Kind mit einer Standlupe ein Spinnennetz mit winzigen „Spinnenbabys“ entdeckt. Drei Kinder liegen bäuchlings auf dem Waldboden und erkunden mit ihren Vergrößerungsgläsern Ameisen und Asseln. Wenn wir die Begeisterung der Kinder spüren können und sie sich mit Neugierde auf Unbekanntes einlassen, sind wir glücklich und denken: Wir haben den schönsten Job der Welt! Weiter geht’s, auf verschlungenen Pfaden an etlichen Plätzstellen der Rehe vorbei. Ist das hier ein echter Wald? Warum sind hier keine Häuser? Darf ich auch mit meiner Familie hier her kommen? Gehört der Wald euch? - Wir werden mit Fragen gelöchert. Fragen die für manche Menschen irritierend klingen, deuten auf ein tatsächliches NICHT-Wissen und NICHT-Kennen des Waldes hin. Erlebnisbericht von vier Waldpädagogen der Berliner Rucksackwaldschulen tens nach dieser Erfahrung wissen alle, dass Bäume nicht sofort umfallen wenn sie sterben, sondern auch nach ihrem Tod ein wichtiger Lebensraum für viele Waldbewohner sind. „Wo sind denn jetzt die ganzen Tiere?“, wollen viele wissen. Als Antwort leite ich das Tarnspiel an, bei dem die Kinder sich wie die Tiere im Wald verstecken müssen. Plötzlich ist es mucksmäuschenstill und von den 30 eben noch aufgeregt rufenden Kindern ist keines zu sehen oder zu hören. Nur hin und wieder vernimmt man ein Knacken im Gebüsch, manchmal begleitet von einem unfreiwilligen Kichern. Wenn alle Kinder gefunden sind, ist meist klar, warum es so schwer ist einen Blick auf Wildschwein, Reh oder Hase zu erhaschen, aber manchmal gibt es – mit ganz viel Glück – auch solche besonderen Momente ... Die Waldpädagogen Svenia, Nadine, Undine und Bastian Szenen aus der Rucksackwaldschule Mistkäfer Eine aufgeregte Kindergruppe kommt schon kurz nach der Ankunft im Wald aus dem Staunen nicht mehr heraus. „Krass, hier sind ja überall Bäume!“ So viele hohe Bäume auf einem Fleck haben viele Kinder noch nie gesehen. „Wie alt sind die denn?“, werde ich gefragt. Schwer zu schätzen, aber ein paar Meter weiter können wir an jungen Kiefern sehen, wie weit diese jedes Jahr nach oben gewachsen sind und so anhand der „Etagen“ ihr Alter bestimmen. „Diese Kiefer ist ja genau so alt wie ich!“ stellt ein Kind begeistert fest. „Und wenn ein Baum alt ist, stirbt er und fällt um“ äußert ein anderes seine Theorie - und schon sind wir mittendrin. Auf spielerische Art und Weise lernen die Kinder ökologische Zusammenhänge im Lebensraum Wald kennen. Mit einem Stethoskop lauschen wir an einem rindenlosen Baum dem Specht beim Klopfen. Spätes- Ein Waldtag lohnt sich zu jeder Jahreszeit! Anmeldungen für Termine ab 25.8.2014 sind hier möglich: Rucksack-Waldschule Eichhörnchen Pankow Svenia Dritter Mobil: 0175 96 20 760 ws-eichhoernchen@web.de Köpenick Nadine Albrecht Mobil: 0174 52 90 872 ws-eichhoernchen@web.de Rucksack-Waldschule Mistkäfer Grunewald und Tegel Undine Abadzic & Bastian Engel Mobil: 0176 56 914 221 waldschule-mistkaefer@ jibw.de Fr • 5.9.2014 • 19-22 Uhr Fledermauswanderung durch den Düppeler Forst, ab 8 J. Anmeldung: 80 49 51 80 Kosten: 2,50 € Kind • 5 € Erw. 10 € Familie Treffpunkt: Stahnsdorfer Damm / Ecke Potsdamer Str. Waldschule Zehlendorf Stahnsdorfer Damm 3, 14109 Berlin Momente in der Rucksackwaldschule Eichhörnchen Die Begegnung mit kleinen Tieren wird so erlebt: Am Anfang überwiegen noch Angst und Ekel – „iihh“ – rufen mehrere Kinder gleichzeitig. Ganz selbstverständlich nehme ich das kleine Tier in die Hand und SEITE 5 BERLINER WALDZEITUNG 3|2014 KURZ & KNAPP Baumpflanzaktion in der Diedersdorfer Heide Im Rahmen der weltweiten Aktion „Plant for te plantet“ haben sich im 16. Mai dieses Jahres 63 interessierte Mädchen und Jungen zwischen 9 und 12 Jahren aus drei Berliner Grundschulen an der St. Alfons Schule in Berlin-Tempelhof zu einer Kinderakademie in Sachen Klimaschutz zusammen gefunden. Im Mittelpunkt der, vom damals 9-jährigen Felix Finkbeiner aus Bayern gegründeten Aktion, steht das Interesse der Kinder, unsere Welt lebenswert zu erhalten und das Klima zu schützen. Dazu können vor allem Bäume beitragen, die nun weltweit von Kindern gepflanzt werden. Für die Aktion der Berliner Kinder und ihre finanzielle Absicherung engagierten sich der Gesamtverband des Deutschen Holzhandels und die Berliner Forsten. Der Verband sponserte die Ausrichtung der Kinderakademie mit ihren Vorträgen und der Logistik der Veranstaltung am Vormittag sowie die Baumpflanzaktion in der Diedersorfer Heide. Hier legten die Kinder am Nachmittag mit großem Eifer eine Streuobstwiese an. Revierförster Stefan Voigt hatte dafür eine schön gelegene Lichtung ausgesucht. Dort wurden 67 junge Obstbäumchen von den Kindern in die die Erde gepflanzt. Veranstaltungen in den Waldschulen Mo • 8.9.2014 • 9-15 Uhr Märchenhafte Waldschule Eine Fortbildung für ErzieherInnen Anmeldung: 41 47 48 67 Kosten: 26 € pro Person Waldschule Spandau Niederneuendorfer Allee 81 13587 Berlin Sa • 13.9.1014 • 13-16 Uhr „Tag des offenen Dekmals“ im Berliner Waldmuseum mit Herbstwanderung durch den Grunewald und Papier schöpfen, Eintritt frei! 81 33 442 Waldmuseum mit Waldschule Königsweg 4, 14193 Berlin So • 21.9.2014 • 11-14 Uh Waldrallye für Familien mit einem Quiz rund um den Wald Anmeldung: 41 76 37 03 Kosten: 2,50 € Kind • 5 € Erw. 10 € Familie Waldschule Teufelssee Müggelheimer Damm 144 12559 Berlin Fr • 26.9.2014 • 20 Uhr Nachtwanderung im Grunewald 81 33 442 Waldmuseum mit Waldschule Königsweg 4, 14193 Berlin Natürlich waren die Mädchen und Jungen stolz auf das was sie hier für die Natur vollbracht haben. Als am Abend auch ihre Eltern in den Wald kamen, stellten die jungen Klimabotschafter ihnen die Idee der Aktion vor. Sie konn- ten in kleinen Vorträgen für ihre Eltern schon gut dazu argumentieren, wie bedeutsam es für das Klima auf der Erde ist, überall Bäume zu pflanzen, die uns saubere Luft zum Atmen sichern und dazu beitragen, den Klimawandel zu stoppen. Friedrichshagener Waldspielplatz erneuert Bilderbuch vom Spielen im Wald ist für Kinder ganz besonders schön. Hier lockt die Natur zu vielen Entdeckungen und es laden schöne Waldspielplätze zum Klettern und Toben ein. Dafür fühlen sich die Berliner Forsten zuständig. Sie haben ein Auge auf diese Spielplätze mit den fantasievollen hölzernen Spielgeräten, von denen jedes ein Unikat ist. In jedem Sommer wird ein neuer Spielplatz angelegt oder ein bestehender neu gestaltet. Diesmal waren die Forstleute als rund 12-köpfiger Spielplatztrupp mit ihren Werkzeugen in Friedrichshagen aktiv. Der Spielplatz an der Genovevastraße im Märchenviertel wurde im Juni erneuert. Der beliebte kleine Rennwagen und ein Pferdewagen stehen in neuem Glanz im Wald und sagt Frank Mielke. Er ist im Landesforstamt verantwortlich für die Gestaltung und Erhaltung der Waldspielplätze und gibt für Familien gleich Fotos: gd-holz Ameisenjungen im Müggelwald auch weitere hölzerne Spielgeräte wie Kletternetz, Schaukel oder Wippe und eine schöne Sitzgruppe warten jetzt hier auf die Kinder. Dafür wurde vor allem heimisches Holz aus dem Köpenicker Wald verwendet. „Dazu eignet sich das Holz der Robinie, geschälte Eiche und Douglasie am besten“, noch zwei Spielplatztipps der Berliner Forsten: Ideenreiche Plätze im Wald finden Sie zum Beispiel oberhalb der Badestelle Schmöckwitz am Zeuthner See unweit der Straße in Richtung Neu Zittau oder hinter dem Wildgatter in Spandau an der Schönwalder Allee. Ein liebevoll gestaltetes Kinderbuch von Peggy Villwock beschäftigt sich mit fleißigen Ameisen, die im Müggelwald wohnen, dem Waldgebiet unmittelbar um das Lehrkabinett Teufelssee in Köpenick, wo sogar echtes Ameisen in Terrarien beobachtet werden können. Das tat auch die Grafikerin und Illustratorin Peggy Villwork für ihr Bilderbuch vom Ameisenjungen Ämi. Es entstand nach einer Gute-Nacht-Geschichte, die sie ihrem Sohn erzählte: Ämi, ein Ameisenjunge, und sein Freund Ümi leben tief in einer Schonung des Müggelwaldes. Die meiste Zeit des Tages sind sie gemeinsam auf der Suche nach Spaß und Abenteuern. Doch die große Frage in der Geschichte ist: Wie kommen die Ameisen sicher über die Straße? Gern möchte Peggy Villwock viele Kinder für ihre Geschichte begeistern. Vielleicht machen sie sich sogar auf die Suche nach Ämi, entdecken den Müggelwald mit seinen klitzekleinen Tieren und die Ameisen im Lehrkabinett Teufelssee. Das Buch jedenfalls verzaubert durch liebevolle, ganzseitige Illustrationen. Sie wecken die Fantasie der Kinder und nehmen sie mit in die märchenhafte Welt des Müggelwaldes. „Ämi im Müggelwald“ Peggy Villwock Bilderbuch ab 4 Jahre Ende Juni im Handel Fotos: F. Mielke KURZ & KNAPP 3|2014 BERLINER WALDZEITUNG SEITE 6 Veranstaltungen in den Waldschulen Schul- und Projekttage mit den Berliner Waldschulen Große Waldrallye für 5./6. Klassen Start tägl. 9-11.30 Uhr 9.-18.9.2014 Kleine Gruppen bewältigen viele Stationen mit Geschick, Wissen und Fantasie. Anmeldung: ab 22.8. 94 11 47 33 Kosten: 3,50 € pro Schüler/in Waldschule Bucher Forst Wiltbergstraße 55, 13125 Berlin Große Waldrallye für 3./4. Klassen Starts tägl. 8.30-11 Uhr 15.-26.9.2014 Dauer: ca. 3,5 bis 4 Stunden Die Kinder durchlaufen in kleinen Teams eine Waldstrecke und erfüllen an 12 Stationen Aufgaben, die all ihre Sinne fordern. Anmeldung: ab 12.8. 336 30 55 Kosten: 4,50 € pro Kind inkl. Imbiss Waldschule Spandau Niederneuendorfer Allee 81 13587 Berlin Erlebnispädagogik und Teamwork im Wald (zweitägig) ab 6. Klasse, Dauer 4 Stunden In spannenden Abenteuerspielen sind im Team Probleme durch kooperatives Handeln zu lösen. Anmeldung: 80 49 51 80 Kosten: 10 € pro Kind, Montag – Freitag, ganzjährig Waldschule Zehlendorf Stahnsdorfer Damm 3, 14109 Berlin Landart – Kunst im Wald 4 Stunden nach Vereinbarung Vergängliche Kunstwerke aus vielfältigem Naturmaterialien gestalten, die im dann Wald verbleiben. Anmeldung: 94 11 47 33 Kosten: 3 € pro Kind Mo-Fr ganzjährig Waldschule Bucher Forst Wiltbergstraße 55, 13125 Berlin Revier Prenden in guten Händen Glücklich am Ziel ihres lange gehegten Berufswunsches fühlte sich die Försterin Carolin Müller als sie im Januar dieses Jahres das Revier in Prenden im Norden Berlins übernehmen durfte. Hier draußen, rund 40 km nördlich der Stadtgrenze Berlins, betreut sie nun ein Forstrevier das Berlin gehört und lebt auf dem Forstzu respektablen Leistungen, denn sie war sich ganz sicher, dass sie eines Tages Försterin werden will. Der Weg dorthin führte nun über das Fachabitur und ein Studium der Forstwirtschaft an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Dann folgte die wichtige Laufbahnausbildung als Anwärterin für den gehoOle auf der Pirsch. Außerdem lernt sie jeden Tag den Wald, der jetzt in ihrer Verantwortung liegt, genauer kennen. Zunächst erkundete sie die Besonderheiten ihres Reviers und fragte sich dabei auch: Was haben meine Vorgänger hier geleistet, was war ihnen wichtig? Um darüber etwas zu erfahren traf sie Georg Raschke, schaft Lanke. Die Waldschule Bogensee gehört zum Revier und auch die Wälder zwischen Klosterfelde und Sophienstädt, in deren Mitte der Ort Prenden liegt. Wenn die junge Frau im Wald unterwegs ist, genießt sie nebenbei immer auch die Schönheit der märkischen Landschaft. Hier draußen plant sie hof Lanke. Mit ihren 29 Jahren ist sie die jüngste im Kollegenkreis der Berliner Revierförster und nun die dritte Frau im Bunde. Berufswunsch klar anvisiert Als Schülerin der 10. Klasse am Dathe-Gymnasium von Berlin Friedrichshain stand sie mit 16 vor der Aufgabe, sich ein Schülerpraktikum zu organisieren. Ihre Liebe zur Natur und die Begeisterung dafür, bei Wind und Wetter draußen zu sein, bewogen die begeisterte Reiterin dazu, sich bei den Berliner Forsten als Praktikantin zu bewerben. Drei Wochen lang bekam sie Einblicke in die Waldarbeit im Revier Müggelsee am Ortsrand von Rahnsdorf. Dort fing sie gleich so viel Feuer für einen Beruf im Wald, dass sie nun gar nicht mehr das Abitur in den Blick nahm, sondern zunächst eine Lehre als Forstwirtin bei den Berliner Forsten. Sie lernte drei Jahre lang im Revier Eichkamp mitten im Grunewald, paukte Theorie in der Peter-Lenné-Schule in Zehlendorf und brachte es benen Forstdienst, die sie bei den Niedersächsischen Landesforsten absolvierte. Doch in ihrer Heimatstadt Berlin tat sich danach noch keine Stelle als Försterin auf. So startete sie zunächst als Leiterin eines Waldpädagogischen Zentrums im Weserbergland in die Berufspraxis, immer mit dem Ziel im Auge, ein Forstrevier zu übernehmen. Erfahrungen aufgenommen Groß war die Freude als sie, nach einem langen Bewerbungsverfahren, endlich in die heimatliche Region zurückkehren konnte. Sie bekam ein Revier, das außerhalb der Großstadt liegt und alles bietet, was sie sich als Försterin gewünscht hatte. Denn hier draußen spielt, anders als in den Wäldern des Berliner Stadtgebietes, neben der Waldpflege auch die Jagd eine große Rolle. Das sieht sie als unabdingbar in ihrem Beruf und organisiert nun das Jagen im Revier für die ortsansässigen Jäger. Gern ist sie auch selbst mit ihrem Jagdterrier einen erfahrenen Förster. Er war bis zum Jahr 2000 für das Revier Prenden zuständig und ist inzwischen im Ruhestand. Gemeinsam steiften die Forstkollegen nun ein paar Stunden durchs Revier. Die junge Försterin erfuhr, was dem Kollegen im Waldgebiet hier draußen ganz besonders am Herzen liegt. Da ist zum Beispiel eine Obstbaumwiese am Weidehegen nahe Sophienstädt. Georg Raschke hat sie einst anlegen lassen. Hier müssen die Bäume dringend verschnitten und die Zäune repariert werden. Auch die Eichenallee am Waldwanderweg zwischen Pren­ en und Sophienstädt bied ten noch ein trauriges Bild. Er würde sie gern gut gepflegt sehen und gewann den Eindruck, dass seine Anliegen bei der engagierten jungen Försterin endlich in guten Händen sind. Bewahren und gestalten Försterin Carolin Müller findet das Waldgebiet, für das sie nun zuständig ist, wunderschön. Es zieht sich im Norden vom Rand des Bernsteinsees in Ruhlsdorf bis kurz vor die Ort- Foto: N. Albrecht die Arbeit für drei Forstwirte im Revier, markiert zum Beispiel Bäume, die von den Kollegen im Revier gefällt werden sollen. Auf großen Flächen tut das meist der Harvester, eine Holzvollerntemaschine. Den Einsatz dieses Kolosses muss sie gut im Auge behalten, um Schäden am Waldbestand zu vermeiden und einwandfreies Holz verkaufen zu können. Auch dafür ist Carolin Müller zuständig. „Die Vielfalt der Aufgaben im Revier ist durchaus eine Herausforderung für mich, denn hier gibt es sehr viel zu tun“, schätzt die junge Försterin ein. Das Revier war fast drei Jahre nicht fest besetzt, weil rechtliche Streitigkeiten im Wege standen. Nun muss eine Menge aufgearbeitet werden. Das heißt manches Mal vor allem Arbeit im Büro mit vielfältigen Verwaltungsaufgaben. Nach so einem naturfernen Arbeitstag, sucht sie gern Entspannung auf dem Rücken ihres Pferdes, um die sandigen Brandenburger Reitwege in vollen Zügen zu genießen. Doris Müller Foto: C. Müller SEITE 7 BERLINER WALDZEITUNG 3|2014 KURZ & KNAPP Fledermäuse in Berlins Wäldern Die Zahl der Fledermausarten weltweit wird heute auf 1150 geschätzt. Dagegen waren es 1996 nur etwa 900 Arten. Dieser Zuwachs ist darauf zurückzuführen, dass neue Arten gefunden werden und sich vorhandene in zwei neue aufspalten, da die Artmerkmale kritischer betrachtet werden. Das trifft in Deutschland auf die Zwergfledermaus (neue Art: Mückenfledermaus) und die Kleine Bartfledermaus (neue Art: Nymphenfledermaus) zu. In Deutschland werden heute 24 Arten gezählt, wogegen es 1996 nur 21 waren. Im Raum Berlin/Brandenburg sind 19 Arten heimisch. In den Berliner Wäldern sind am häufigsten die Arten Rauhhautfledermaus und Abendsegler anzutreffen. Für die Beobachtung von Fledermäusen eignen sich warme oder laue Sommerabende in der Dämmerung am besten. Da die Abendsegler relativ groß sind und sie häufig über Freiflächen fliegen, sind sie bei der Insektenjagd gut zu beobachten. Die Wahrnehmung von Ultra­ schalllauten ist neben den Fledermäusen auch anderen Säugern möglich. Dazu zählen Delfine, Wale, Elefanten, Hunde, Katzen und Insekten, aber nicht erwachsene Menschen. Dafür können Babys im Mutterleib Ultraschall wahrnehmen. Kinder und Jugendliche haben sich diese Fähigkeit teilweise erhalten, wenn ihr Gehör nicht frühzeitig genötigen zur Arterhaltung ein Sommerquartier mit Wochenstube, Paarungs- und Winterquartiere. Da Fledermäuse Bewohner von Spalten sind, müssen die Quartiere entsprechend ausgestattet sein. Solche Spalten sind entweder in den dort vorhanden (WQ: Stollen, Bunker, Keller, Holzstapel u.a.; SQ: Baumhöhlen, Stammrisse, abgehobene Rinde u.a.) oder sie werden geschaffen mit Hilfe von Hohlblocksteinen, Zweilochsteinen, Nistkästen und anderem geeigneDamit der Jagdflug erfolgreich ist, werden Jagdgebiete benötigt, in denen genügend Insekten gefangen werden können, um reichlich Milch zu produzieren bzw. den relativ hohen Energiebedarf bei den Jagdflügen auszugleichen. Solche Jagdgebiete sind Waldränder, Wildwiesen, Wildäcker, Trockenrasen, Obstgehölze/ Streuobstwiesen, Solitärbäume, Sträucher, Hecken und verschiedene Gewässer. Bedeutsam ist dabei auch das Vorhandensein von FlugstraFoto: E.Grimmberger se Insektenpopulation zu erreichen, werden weite Anflugwege (40 bis 50 km) in Kauf genommen. Weltweit gibt es Fledermäuse, die völlig andere Nahrungsgrundlagen nutzen als die heimischen Fledermäuse. Das Spektrum der Nahrung anderer Arten reicht von Vögeln über Fische zu Fröschen, Nektar, Obst und Blut. Bei der Ernährung durch Blut – bei zwei Arten – wird die Hautoberfläche angeritzt und das austretende Blut abgeleckt. Die Gefahr für die Wirbeltiere bei denen das Blut geleckt wird, Ferienaktionen der Waldschulen Wildnistag Mo-Fr in den Schulferien, für Kinder der 4.-6. Klasse Dauer: 4 Stunden Früher wussten die Menschen, wie man sich im Wald Essen und Trinken verschafft, ich ein Lager baut und Feuer macht. Einen Teil dieses Wissens wird mit den Kindern lebendig gemacht und ausprobiert. Kosten: 3 € pro Kind Anmeldung: 94 11 47 33 Waldschulen Bucher Forst oder Waldschule Zehlendorf 80 49 51 80 Treffpunkt in der jeweiligen Waldschule Waldschul-Försterprüfung für Kindergruppen in den Sommerferien Mo-Fr Dauer: 4 Stunden Nach einem erlebnisreichen Waldtag im Düppeler Forst gibt es eine spielerischen Prüfung zum Wissen über den Berliner Wald und die feierliche Verleihung von WaldschulFörsterausweisen. Anmeldung: 80 49 51 80 Kosten: 3 € pro Kind Waldschule Zehlendorf Stahnsdorfer Damm 3, 14109 Berlin Miniatur-Floßbau im Grunewald für Kindergruppen Dauer: 4 Stunden Nach Materialsammlung im Wald werden mit Fantasie und Geschick flusstaugliche Flöße gebaut, die dann „in See stechen“. Anmeldung: 80 49 51 80 Kosten: 3 € pro Kind Treffpunkt: S-Bhf. Nikolassee (Ausgang Strandbad Wannsee) Borussenstr./Ecke Rosenmeyerweg Waldschule Zehlendorf Stahnsdorfer Damm 3, 14109 Berlin Waldferienwoche im Düppeler Forst 8-11 J. 14.-18.7.2012 • 9.30-15 Uhr Anmeldung: 80 49 518 Kosten: 100 € pro Kind incl. Imbiss Waldschule Zehlendorf Stahnsdorfer Damm 3, 14109 Berlin Foto: Benjamin Nitsche tem Material, das Spalten zwischen 20 und 40 mm aufweist. Bei Winterquartieren muss das artspezifische Mikroklima erhalten werden, was bedeutet, dass keine Zugluft vorhanden sein darf. Wochenstuben sind Quartiere, in denen die weiblichen Fledermäuse ihre Jungtiere gemeinschaftlich großziehen. Fledermäuse sind Säugetiere und ernähren die Jungtiere in den ersten Wochen von Muttermilch. In den ersten Tagen nach der Geburt halten sich Foto: E.Grimmberger schädigt wurde. Somit können Kinder die Ultraschalllaute der Abendsegler möglicherweise auch mit den Ohren wahrnehmen und ein abendlicher Fledermausausflug hält dadurch für sie mehr Sinneseindrücke bereit, als für ihre Eltern. Heimische Fledermäuse be- die Jungtiere im Fell fest bzw. saugen sich an der Brust der Mutter fest und fliegen so bei der Jagd nach Insekten mit. Wenn die Jungtiere zu schwer werden, verbleiben sie im Wochenstubenquartier und werden von einem Weibchen ohne Jungtier (Hortnerin) bewacht. ßen, z.B. Straßen, Radwege, Wasserwege oder entlang von Brunnengalerien und Schneisen zum Jagdgebiet oder zum Winterquartier. Außergewöhnlich an den Fledermäusen ist die Fähigkeit Ultraschall auszusenden und zu empfangen. Diese Fähigkeiten nutzen sie zur Orientierung (Ultraschallbild im Kopf) bzw. zum Fangen der Beutetiere. Heimische Fledermäuse ernähren sich ausschließlich von Insekten, vornehmlich von solchen, die in der Dämmerung fliegen. Fledermäuse haben ein sehr gutes Gespür dafür, wann und wo eine Insektenpopulation auftritt. Das ist deshalb wichtig, weil Massenvermehrungen bestimmter forstlich oder landwirtschaftlich bedeutsamer Insekten nur wenige Tage auftreten und danach für die Fledermäuse nicht mehr erreichbar sind. Um die- Foto: E.Grimmberger besteht in der Übertragung von Krankheiten. Keine einzige Fledermausart saugt Blut, diese Vorstellung ist ein Mythos. Die überlieferte Meinung in der Menschheit, dass die Fledermaus ebenso wie die Frau unrein sei, findet seinen Ausdruck in vielen Darstellungen von Frauen mit Fledermausflügeln. Diesen überlieferten Haltungen wird am besten durch die Einbeziehung der Jugend in die Fledermausschutzarbeit begegnet. Roland Tismer Infos: Internationales Fledermausmuseum Julianenhof Julianenhof 15b 15377 Märkische Höhe/ OT Julianenhof Tel. (033437) 15256 fledermausmuseum@ freenet.de www.fledermausmuseumjulianenhof.de KURZ & KNAPP 3|2014 BERLINER WALDZEITUNG SEITE 8 Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin e.V. Ökologische Bildungs- und Tagungsstätte Teufelsseechaussee 22 14193 Berlin 30 00 05-0 Öffnungszeiten im Sommer: Di bis Fr 9 bis 18 Uhr Sa, So und feiertags 12-18 Uhr Mo geschlossen Infozentrum „Wasserleben“ Eintritt: Erw. 2,50 €, Kinder ab 5 J. 1 € www.oekowerk.de Erholsamer Ausflug ins Ökowerk Mitten im Grunewald unweit der Teufelsseechaussee liegt das grüne Gelände des Ökowerks Berlin. 1871 entstand dort ein Wasserwerk für die Trinkwasserversorgung der Villensiedlung Westend in Charlottenburg. Fast 100 Jahre später wurde es 1969 wegen technischer und hygienischer Mängel stillgelegt. Der Abriss der alten Gebäude konnte durch die Proteste engagierter Bürger verhindert werden. Heute wird das ehrwürdige Ensemble vom Ökowerk Berlin genutzt, um den Besuchern Umwelt und Naturschutzprojekte näher zu bringen. Zwei ehemaligen Filterhallen des Wasserwerkes werden für Veranstaltungen genutzt. Die dritte beherbergt die ständige Ausstellung „Wasserleben“. Dort erfahren die Besucher zum Beispiel warum ein Moor uralte Geschichten erzählen kann, welche Wassermenge gebraucht wird, um ein T-Shirt zu produzieren oder wie viel Wassermoleküle in ein Glas passen. Besonders anschaulich wird das Thema Wasser durch die gestaltete Unterwasserwelt eines Sees, wo Fische und Wassertiere zu beobachten sind. Der besondere Garten Empfehlenswert ist es auch, das Gelände rund ums ehemalige Wasserwerk in Ruhe zu durchsteifen. Im Ökowerk wurde ein naturnaher Garten gefördert, der viel Lebensraum Fotos: Andreas Schmidt für die einheimischen Tiere bietet. In seinem Blütengarten finden Pflanzen und bestäubende Insekten ideale Bedingungen für ihr natürliches Wechselspiel und ihre Formenvielfalt. Ein schöner Steingarten birgt Pflanzen die trockene und sonnige Standorte mögen. Hier sind zum Beispiel Trockenrasen oder hochalpine Matten zu entdecken. Sie könnten sich auf herkömmlichen Beeten nicht gegen die Konkurrenz von Stauden und Gräsern durchsetzen. Auch Heilkräuter sind in einem Gartenabschnitt zu finden. Ein Beet hat zum Beispiel Kräuter gegen Husten und Erkältung, zur Steigerung der Abwehrkräfte und Heilung von Wunden. Auf einem anderen gedeihen Heilpflanzen, die Nerven stärken und die Psyche positiv beeinflussen wie Salbei oder Johanniskraut. Auch zur Behandlung von Stoffwechselund Verdauungsbeschwerden finden sich hier die passenden Kräuter und ein Beet mit essbaren Heilpflanzen ist besonders interessant. Wer gesunde Ernährung schätzt, wird vom Biogarten des Ökowerks angezogen sein, denn hier findet man Nutzpflanzen wie Bohnen, Mangold, Pastinaken, Kartoffeln, Kürbisse, Zwiebeln, Salat, Tomaten und auch Erdbeeren. Sie werden, nach alter Tradition eines Bauerngartens, mit Blumen wie Tagetes oder Kapuzinerkresse in ein Beet gepflanzt um Schädlingen zu trotzen. Der Spaziergang übers Gelände des Ökowerks lädt auch zum Verweilen in der Imkerei oder auf eine Streuobstwiese ein. Für Naturfreunde gibt es hier so viel zu entdecken, dass man an einem schönen Sommertag unbedingt genügen Zeit mitbringen sollte. Idyllische Rast im Wirtshaus Moorlake Historisches Wirtshaus Moorlake Matthias Fritz Roeder GmbH Moorlakeweg 6 14109 Berlin-Wannsee Öffnungszeiten: täglich ab 11 Uh 805 5809, Fax 805 2588 info@moorlake.de Foto: Roeder GmbH Am Uferweg zwischen Glienicker Brücke und Pfaueninsel liegt das Wirtshaus Moorlake. Seit über 100 Jahren kehren hier Ausflügler und Wanderer ein. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. ließ 1840 ein Forsthaus und ein Stallgebäude im bayerischen Stil am Ufer der Havel errichten, weil seine Frau aus Bayern stammt. Zunächst besuchten sie das Haus zur Erholung und hielten Jagdgesellschaften hier ab. 1896 verpachten sie das Forsthaus als Gastwirtschaft. Dafür wurden ein Wirtschaftshaus und ein Festsaal ergänzt. Bis heute ist das Haus ein beliebtes Ziel für die Berliner und Potsdamer sowie für Gäste der Region. In einer idyllischen Havelbucht ist die Familie von Matthias Roeder nun schon seit 1982 für ihre Gäste da. Besonders reizvoll ist das Haus in den Sommermonaten mit seinem schönen Biergarten. Die Küche bietet klassische regionale Gerichte und natürlich auch saisonale Leckerbissen. Ein freundliches Team kümmert sich in der Hauptsaison von 11 Uhr vormittags bis in den späten Abend hinein um die Gäste. In der kalten Jahreszeit stehen literarische Abende mit bekannten Autoren, Schauspielern und Kabarettisten auf dem Programm. Es lohnt sich also, den Wanderweg oder das Fahrrad in Richtung Moorlake zu nehmen. „Machen Sie ein paar Stun- den Urlaub am Havelufer abseits vom Alltagsstress in der Großstadt“, rät Gastwirt Matthias Roeder. Gern richtet er mit seinen Mitarbeitern Familien- oder Firmenfeiern aus. Nur wurde es seiner Familie und ihren Mitarbeitern in den letzten Jahren nicht leicht gemacht, so abseits des Großstadtgetümmels am Havelufer zu bestehen. „Seit Jahren wird die Moorlake von keinem BVG Bus mehr angefahren. Und heute wächst der reizvolle Blick vom Uferweg auf die Havel leider mehr und mehr zu“, ärgert sich der Gastwirt. Naturfreunde, Wanderer und Radfahrer sollten dennoch ins historische Gasthaus Moorlake finden. Denn die Einkehr lohnt sich hier zu jeder Jahreszeit.
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