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Full text: Berliner Wald-Zeitung (Rights reserved) Ausgabe 2014,1 (Rights reserved)

Ausgabe 1 | 2014 4570000,000000 5860000,000000 5850000,000000 5840000,000000 4570000 4580000 4590000 4600000 4610000 4620000 5840000,000000 5850000,000000 In dieser Ausgabe Seite 3 Junge Försterin im Revier Grünau Seite 6 Natur des Jahres 2014: Grünspecht obenauf Seite 8 Wintersport im Berliner Forst 5860000,000000 BERLINER WALDZEITUNG 4580000,000000 4590000,000000 4600000,000000 4610000,000000 4620000,000000 4630000,000000 Die Berliner Wälder Schwerpunkte des ökologischen Waldumbaus 4630000 Rolle der Berliner Wälder für die Klimapolitik 5830000,000000 5860000 Es ist Zeit zu handeln, denn die Klimaprognosen für die Zukunft sagen uns einen globalen Temperaturanstieg mit zunehmenden Witterungsextremen voraus. Das hätte gravierende Konsequenzen für Menschen und Volkswirtschaften. Der Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre macht Strategien und Maßnahmen zur Schadensbegrenzung notwendig. Nach dem Kyoto Protokoll 1997 ist es international anerkanntes Ziel, den globalen Anstieg der Durchschnittstemperatur auf höchstens 2° Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Dazu will auch Berlin seinen Beitrag leisten und es wird derzeit das Energiewendegesetz zur Förderung des Klimaschutzes erarbeitet. Es schreibt die Klimaschutzziele für die Minderung des Kohlendioxidausstoßes für die Jahre 2020, 2030 und 2050 fest. Um dieses Gesetz umzusetzen, erarbeitet das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) eine Machbarkeitsstudie. Dabei werden auch konkreten Strategien und Maßnahmen benannt. Besonders der öffentliche Sektor ist gefordert, diese vorbildlich umzusetzen. 5790000,000000 5800000 landeseigene Wälder grenzen im Brandenburgischen Umland an. Dieses 28.500 Hektar große Waldökosystem macht Berlin zum größten kommunalen Waldbesitzer Deutschlands. Das ist von besonderer Bedeutung für die Daseinsvorsoge der Menschen. Neben der Minderung der CO2-Emissionen im Verkehr, Haushalt, Gewerbe, Handel, Konsum und im öffentlichen Sektor ist die Sicherung und Entwicklung der „Kohlenstoffsenken“ in der Natur sehr 5820000,000000 5810000,000000 5800000,000000 Widerstandsfähige Bestände 5790000 Waldgebiete mit geringem Waldumbaupotential Waldgebiete mit geringem Waldumbaupotential Waldgebiete mit hohem Waldumbaupotential Waldgebiete mit hohem Waldumbaupotential 4570000,000000 4580000,000000 4590000,000000 4600000,000000 4610000,000000 5780000,000000 Waldgebiete mit mittlerem Waldumbaupotential Waldgebiete mit mittlerem Waldumbaupotential 5780000 4570000,000000 Berlins Wälder und der Klimaschutz 44 % der Berliner Landesfläche werden von Grün- und Wasserflächen bedeckt. Damit ist Berlin eine der grünsten Metropolen weltweit. Knapp die Hälfte davon wird von Wald gebildet, mit 16.000 Hektar. Diese entsprechen 18,5 % der Fläche Berlins. Weitere 12.500 Hektar wichtig. Sie bieten ein Gegengewicht zu den vom Menschen verursachten CO2-Emissionen. Waldökosysteme binden durch Photosynthese große Mengen des atmosphärischen Kohlenstoffs als Baustoff des Lebens, z.B. in Form von Holz und sonstigen Gewebeteilen, aber auch im Humus des Waldbodens und in den Mooren. Der Wald beeinflusst das urbane Klima an heißen Sommertagen, indem er Kaltluftgebiete entstehen lässt und Berlin setzt strategisch auf eine Stabilität seiner Wälder, welche auf einem 4590000 ganzheit4580000 lichen, natürlichen Waldökosystem gründet. Dazu gehören eine breite standortgerechte Artenmischung heimischer Baumarten und die natürliche Alterszusammensetzung. Damit werden unsere Wälder widerstandsfähiger gegenüber den Anforderungen des Klimawandels. Aus diesem Grund haben die Berliner Forsten bereits vor drei Jahrzehnten mit dem Umbau der historisch bedingten, instabilen Kiefernbestände zu stabilen, naturnahen Mischwäldern begonnen. Dieser Umbau soll vor allem durch Naturverjüngung erfolgen. Dabei wird die Selbstaussaat der Laubbäume unterstützt, indem die Verjüngungsschicht des Waldbodens sorgfältig gepflegt wird. Wo das unmöglich ist, werden Laubbäume ,000000 ,000000 § 5790000,000000 N 4620000,000000 kühle Erholungsräume bietet. Außerdem sichert er als Wasserspeicher die Trinkwasserversorgung Berlins und mindert den Wasserabfluss bei starkem Regen. Daneben sind in der heutigen Klimadiskussion globalere Themenfelder bedeutsam. Dazu gehören die Anpassung der Waldökosysteme an die Folgen des Klimawandels und die Bindung des Treibhausgases CO2 durch den Ersatz von energetisch intensiven Materialien wie Aluminium und Kunststoffen durch Holzprodukte. 5830000 5840000 5820000 5810000 5850000 5800000,000000 5810000,000000 5820000,000000 5830000,000000 Die Berliner Wälder Schwerpunkte des ökologischen Waldumbaus gepflanzt. Dieser Waldumbau 4600000 4610000 ist eine Jahrhundertaufgabe und muss als Daseinsvorsorge für die künftige Generationen noch deutlich forciert werden. Dazu gibt es seit 2012 die „Strategie Stadtlandschaft“ mit dem „Mischwaldprogramm“. Damit werden die waldbaulichen Aktivitäten der Förstereien spürbar unterstützt, um den Berliner Wald in den nächsten Jahrzehnten zu stabilen Mischwäldern zu entwickeln. Die Waldumbaufläche muss nun von derzeit jährlich ca. 100 ha auf die erforderlichen 200 ha verdoppelt werden. ,000000 ,000000 Kohlendioxid binden Durchschnittlich wachsen auf jedem Hektar Berliner Wald jährlich etwa sechs Kubikmeter Holz. Davon werden ca. vier Kubikmeter im Zuge 4620000 4630000 der naturnahen Waldpflege entnommen und vermarktet. Etwa zwei Kubikmeter verbleiben im Ökosystem und tragen zur natürlichen Erhöhung des Biomassevorrates und somit der CO2-Bindung bei. Dadurch werden jährlich rund 50.000 Tonnen CO2 nachhaltig festgelegt. Der Altersschwerpunkt der Berliner Wälder liegt, geschichtlich bedingt, derzeit bei 60- bis 100-jährigen Beständen. Für diese relativ junge Lebensphase eines Waldbestandes ist charakteristisch, dass seine Biomasse und somit auch sein Kohlenstoffvorrat kontinuierlich zunehmen. Erst nach vielen Jahrzehnten, wenn ein Wald in seine Altbestandsphase kommt, verringert sich sein Vorratsanstieg, ,000000 ,000000 4630000 Fortsetzung auf Seite 2 KURZ & KNAPP 1|2014 BERLINER WALDZEITUNG SEITE 2 15 Jahre Berliner Waldzeitung Berliner Forsten auf der Grünen Woche Die Berliner Forsten sind auch 2014 auf der weltgrößten Schau für Ernährung und Umwelt vertreten. Sie findet vom 17. bis 26. Januar 2014 in den Messehallen am Funkturm statt. Unter dem Motto „Multitalent Holz“ wird in Halle 4.2. über nachhaltige Wald- und Forstwirtschaft und leistungsfähige Holzverarbeitung informiert. In einer „Holz-Werkstatt“ entstehen während der Messe moderne Bauelemente aus Holz, Zimmerer präsentieren ihr Handwerk. Welche klimaschonenden und CO2senkenden Vorteile das Heizen mit Holz bietet, demonstrieren die Aussteller für Heiztechnik und -material. Bei Multitalent Holz wird gehobelt und gesägt, gedrechselt und geschnitzt, es darf geklettert werden und es gibt fundierte Informationen von Fachleuten. Die Berliner Forsten informieren über die Rolle des Berliner Waldes für den Klimaschutz und 300 Jahre nachhaltige Forstwirtschaft für unsere Stadt. Wagemutige Besucherinnen und Besucher finden eine besondere Herausforderung. Sie können angeseilt einen 10 Meter hohen Kletterbaum erklimmen. Fortsetzung von Seite 1 bis ein stabiler Gleichgewichtszustand erreicht wird. Bis dahin werden die Berliner Wälder als Brücke bei der Bindung der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen fungieren und somit zur Erreichung der CO2Neutralität Berlins beitragen. Im Zuge der naturnahen Waldbewirtschaftung werden dem Markt jährlich 100.000 Kubikmeter Holz zur Verfügung gestellt. Dies entspricht einer CO2-Bindung in Holz von ca. 100.000 Tonnen. Dieses Holz wird je nach Verwendungszweck, z.B. zuerst als Bürotisch, Bodenbelag oder Aktenregal für mehrere Jahrzehnte festgelegt. Anschließend erfolgt seine weitere Verwendung in Holzwerkstoffen, wie z.B. Spanplatten, um danach über Recycling-Papier abschließend zur thermischen Energieerzeugung beizutragen. Diesen Ablauf der Holzverwertung nennen Fachleute auch Kaskadennutzung. Besonders sinnvoll ist auch die Substitution von CO2-intensiven Materialien wie Aluminium, Stahl und Kunststoffen durch Holzprodukte. Dabei ist die bereits beschriebene CO2Bindung noch um ein Vielfaches höher. Wer gut informiert ist, erlebt die Natur und unsere abwechslungsreichen Wälder besonders intensiv und schützt beides. Deswegen geben wir seit 15 Jahren für Sie die Berliner Waldzeitung heraus. In der Waldzeitung erfahren Sie Wissenswertes und Interessantes rund um die Berliner Wälder. Zum Beispiel, dass der Wald eine Grundlage für den Naturschutz und die Lebensqualität der Stadt ist, Holz als wertvollen Rohstoff liefert und sich als Vorbild für europäische Wälder zum zertifizierten Wald gewandelt hat. Bis heute sichert der Dauerwaldvertrag von 1915 wesentliche Teile der Berliner Waldbestände. Wir sind stolz auf diese Tradition, die zu einer gesunden Lebensgrundlage der Stadt beiträgt und Ihnen einen wichtiger Erholungs- und Erkundungsort bewahrt. Unsere Berliner Waldzeitung wird Sie auch weiterhin viermal jährlich informieren und zum Besuch der Berliner Wälder einladen. Michael Müller, Senator für Stadtentwicklung und Umwelt Foto: T. Wiehle Foto: T. Wiehle Geöffnet: täglich 10-18 Uhr verlängerte Öffnungszeiten: Sa 18.1. 10-20 Uhr Fr 24.1.10-20 Uhr Sa 25.1. 10-20 Uhr Preis der Tageskarte 13 € Die Trauben-Eiche Als „sturmfest und erdverwachsen“ wird der Baum des Jahres 2014 bezeichnet. Es ist die Trauben-Eiche. Sie ist ökologisch wichtig, produziert wertvolles Holz, kann uralt werden und vielen Lebewesen wie Pilzen und Insekten Heimat bieten. Die Ergebnisse des jüngsten Waldzustandsberichtes weisen die Eiche leider als Sorgenkind der Forstwirtschaft aus. Nur noch 17 % der Eichen weisen keine Schäden auf. Hauptursache für Baum des Jahres 2014: Foto:G. Gumhold – pixelio.de diesen negativen Trend ist der Einfluss von Insektenfraß durch Schmetterlingsraupen wie den Eichenprozessionsspinner. Die Eiche wurde oft besungen und umdichtet. Sie wurde auf Wappen und Münzen abgebildet und manchmal auch politisch instrumentalisiert: Die Eiche gilt als die Baumart, der die Deutschen am meisten verbunden sind. Aber auch ihre Bedeutung für den Klimawandel gab den Ausschlag für die Wahl der Trauben-Eiche zum 25. Baum des Jahres. Ihre Schwester, die Stiel-Eiche, war 1989 der erste Baum des Jahres. Besserer Waldzustand Mit dem Erhalt, der Pflege und nachhaltigen Entwicklung unserer Wälder erfüllen die Berliner Forsten gesetzliche Aufgaben. Damit kann der Wald auch künftig seine wichtigen Funktionen erfüllen. Dazu gehören der Erhalt der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes, die Trinkwassergewinnung, der Schutz des Bodens, Erhalt der Artenvielfalt und des Bodens, Erholungsfunktion, Schutz des Klimas, Luftreinhaltung und Sicherung des Landschaftsbildes. Der durch die Berliner Forsten eingeschlagene Weg der naturnahen Waldbewirtschaftung zur Entwicklung stabiler Mischwälder stellt einen wichtigen Baustein der Klimastrategie des Landes dar. Die Anstrengungen der Forstbehörde zur Waldbewirtschaftung werden, ganz unabhängig vom Eintreten der Klimaprognosen, vielerorts zur Verbesserung des heutigen Waldzustandes beitragen. Malte Münte Der Baum des Jahres 2014 wurde vom Kuratorium „Baum des Jahres“ im Herbst 2013 im Berliner Zoo gekürt. ZU RECHT GESAGT: Eisige Gefahren auf Gewässern Unsere letzten Berliner Winter glänzten durchaus auch mit Eis und Schnee. Auf den Flüssen und Seen entstanden Eisflächen, die bei längeren Frostperioden durchaus stabil und sicher schienen und zum Spazieren und Eislaufen lockten. Die Berliner Polizei allerdings warnt bei jeder Wetterlage eindringlich vor dem Betreten der Eisflächen, denn wer Sie betritt, begibt sich – ihrer Auffassung nach – immer in Lebensgefahr. Eine Freigabe von Eisflächen wird es auch in diesem Winter nicht geben, denn eine Haftung für Eisunfälle kann von den Behörden nicht übernommen werden. Wer dennoch zugefrorene Seen betritt, tut das immer auf eigene Gefahr. Die Berliner Wasserschutzpolizei macht Bürger, die sich auf Berlins Eisflächen wagen, bei labilen Witterungsbedingungen sogar durch Lautsprecheransprache auf die Gefahren aufmerksam und appelliert an ihre Vernunft. Wer solche eindringlichen Wahrungen vor Ort ignoriert und ins Eis einbricht, dem kann ein Rettungseinsatz von Feuerwehr und Polizei durchaus in Rechnung gestellt werden. SEITE 3 BERLINER WALDZEITUNG 1|2014 KURZ & KNAPP Junge Försterin ist in ihrem Traumberuf angekommen Seit August 2013 ist Ulrike Kreplin Revierförsterin in Grünau. Man trifft die junge Frau in der Regattastraße 192 auf dem 4000 Quadratmeter großen Gelände des Forsthofes mit Wohnhaus, Stall, Heuboden und Garage, Arbeits- und Sozialräumen und einem großen Obstgarten. In den letzten Monaten lernte die junge Berlinerin, die in Wendenschloss aufgewachsen ist, zunächst die gut 700 ha Waldfläche kennen, für die sie nun verantwortlich ist. Ihr Revier reicht vom Teltowkanal bis zur Krummen Lanke und Bammelecke, nach Eichwalde und Bohnsdorf und auch die Königsheide in Johannisthal gehört dazu. „Hier ist die ökologische Vielfalt vorherrschend“, sagt Ulrike Kreplin. Sie ist glücklich, im Köpenicker Forst angekommen zu sein, fühlt sich angenommen von Kollegen und Nachbarn und empfindet ihren Beruf heute als „Traumjob“. Dabei reifte ihr Wunsch, Försterin zu werden, eher langsam und zufällig. Foto: T. Wiehle Veranstaltungen der Waldschulen Mi • 15.1.2014 • 9-15 Uhr „Winter im Wald“ Fortbildung für ErzieherInnen Anmeldung: 336 30 55 Kosten: 26 € p. Pers. Waldschule Spandau Niederneuendorfer Allee 81 13587 Berlin So • 26.1.2014 • 11-14 Uhr Der Winter ist die Balzzeit der Greifvögel Ein Falkner zeigt Lebensweise und Jagdverhalten der Beutegreifer Anmeldung: 41 76 37 03 Kosten: 2,50 € Kind • 5 € Erw. 10 € Familie Waldschule Teufelssee Müggelheimer Damm 144 12559 Berlin So • 16.2.2014 • 10.30-13.30 Uhr Auf den Spuren der winteraktiven Tiere Anmeldung: 94 11 47 33 Kosten: 2,50 € Kind • 5 € Erw. 10 € Familie Waldschule Bucher Forst Wiltbergstraße 55, 13125 Berlin So • 16.2.2014 • 14-17 Uhr Förstergeheimnissen im Winterwald auf der Spur und Basteln Anmeldung: 53 00 09 70 Eintritt frei! Materialkosten für Bastelarbeiten Waldschule Plänterwald Dammweg 1b, 12437 Berlin Fr • 21.2.2014 • 17-20 Uhr Familienabendwanderung durch den Düppeler Forst Auf die Pirsch gehen, ab 8 Jahren Anmeldung: 80 49 51 80 Kosten: 2,50 € Kind • 5 € Erw. Waldschule Zehlendorf Treffpunkt: Stahnsdorfer Damm Ecke Potsdamer Chaussee Die BERLINER WALDZEITUNG wird herausgegeben von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Redaktion: Berliner Forsten, Landesforstamt Berlin Dahlwitzer Landstraße 4, 12587 Berlin, Tel. 641 93 70, Fax 64 19 37 99 Erscheinungsweise: vierteljährlich Auflagenhöhe: 25.000 Ex. Redaktionelle Betreuung und Layout: Journalisten&GrafikBüro Druck: Berliner Z eitungsdruck lem Bürgernähe gefragt ist. Doch innerlich hatte sie sich damals schon ein wenig vom Gedanken an ein Berufsleben in ihrer Heimatstadt verabschiedet. Denn die Berliner fristete Anstellung im Forstbezirk Neustadt nördlich der Sächsischen Schweiz. Doch richtig heimisch konnte sie fern von Familie und Freunden nirgends werden. Als die Stelle Der Weg zum Beruf Nach dem Abitur war für Ulrike Kreplin nicht gleich klar, wohin ihre berufliche Entwicklung gehen sollte. Sie liebäugelte zunächst mit einer kreativen Tätigkeit als Maskenbildnerin. Doch dort Fuß zu fassen, war schwierig. Dann eröffnete ihr ein Praktikum bei den Berliner Forsten die Idee, hier eine Ausbildung als Forstwirtin zu machen. Sie genoss die Waldarbeit an frischer Luft, lernte, wie man Bäume fällt und den Wald pflegt. Mit dem Facharbeiterzeugnis reifte nun der Wunsch, Forstwirtschaft zu studieren. Sie wählte dafür die Fachhochschule Eberswalde in der heimatlichen Region. „Das waren dreieinhalb wunderbare Jahre“, sagt die junge Försterin heute rückblickend. Im Praktikum während des Studiums merkte sie: Förster zu sein ist cool. Auch und gerade in einer Stadt wie Berlin, wo neben Waldwirtschaft, Wegesicherungspflicht im Erholungswald und Brennholzverkauf vor al- Forsten konnten lange Zeit keinen Nachwuchs einstellen. So arbeitete Ulrike Kreplin nach dem Studium zunächst fünf Monate bei den Staatsforsten im Baden-Württembergischen Landkreis Heilbronn, engagierte sich sogar als Baumkönigin für die Aktion „Baum des Jahres“, fand kurzzeitige Jobs bei der Waldinventur, und nutzte schließlich die Möglichkeit zu einer Laufbahnausbildung beim Staatsbetrieb Sachsenforst. „Das war die perfekte Vorbereitung auf meinen Einstieg hier in Grünau“, sagt sie lachend: „In eineinhalb Jahren fünf Neustarts in je einer anderen Försterei“. Anschließend bekam sie zunächst eine be- eines Revierleiters für Grünau neu zu besetzen war, bewarb sie sich. Die Freude war groß, als sie erfuhr, dass sie sich unter vielen Bewerbern durchsetzen konnte. Gelungener Start In ihrem Studium hat die junge Försterin das fachliche Rüstzeug bekommen. „Sozialkompetenz und Konfliktbewältigung lernt man dort allerdings nicht und auch nicht, flexibel zu reagieren, wenn der geplante Arbeitsablauf mal nicht funktioniert“, schätzt sie ein. Diese Fähigkeiten entwickelt Ulrike Kreplin nun täglich beim Planen und Organisieren der Arbeit im Forstrevier. Sie ist für eine Forstwirtin und drei Forstwirte verantwortlich und damit auch für den Einsatz von zwei Pferdegespannen im gesamten Forstamt Köpenick, denn zwei ihrer Kollegen sind für den Umgang mit Rückepferden im Wald ausgebildet. Bei der Holzernte „rücken“ sie mit den Tieren die gefällten Bäume vorsichtig aus dem Wald, damit Natur und Waldboden rundum möglichst geschont werden. In ihrem Revier entdeckt Ulrike Kreplin noch immer jeden Tag Neues und ist als Försterin auch in der Öffentlichkeit gefragt. Am Dienstagnachmittag widmet sie sich in ihren Sprechzeiten den Wünschen und Problemen der Bürger. Etwa alle zehn Wochen hat sie Bereitschaftsdienst und kann am Wochenende bei Notsituationen im Wald oder bei Wildunfällen zum Einsatz gerufen werden. Der Forsthof Grünau lädt Nachbarn und Gäste traditionell zum Frühlings- und Herbstfest ein. Das will auch Ulrike Kreplin gern beibehalten. Ganz besonders liegt ihr natürlich der Nachwuchs am Herzen. Sie streift gern mit Kitakindern durch die Natur im Forstrevier, antwortet auf Kinderfragen und wird nun das Patenförsterprojekt von Schreberjugend e.V. und den Berliner Forsten unterstützen. Den jüngsten Berlinern Umweltbildung zu vermitteln, ist ihr wichtig. Natürlich freut sie sich auch schon auf Bewerbungen von jungen Leuten für ein Praktikum im Wald, denn dadurch hat sie schließlich ihren Traumberuf gefunden. Revierförsterei Grünau Regattastraße 192 12527 Berlin Telefon/Fax: 674 32 31 ulrike.kreplin@senstadtum. berlin.de Sprechzeiten: Di 14-18 Uhr I M P R E S S U M Die BERLINER WALDZEITUNG ist erhältlich an den Berliner Forstämtern und Revierförstereien, den bezirklichen Bürgerberatungen und in den meisten umweltpädagogischen Einrichtungen der Stadt. Berliner Forstämter: Forstamt Köpenick Klaus Pogrzeba, Dahlwitzer Landstraße 4, 12587 Berlin, Tel. 64 19 37 71 Forstamt Pankow Romeo Kappel, Blankenfelder Chaussee 7, 13159 Berlin, Tel. 474 98 80 Forstamt Grunewald Elmar Kilz, Koenigsallee 80, 14193 Berlin, Tel. 895 38 10 Forstamt Tegel Karl-Heinz Marx, Ruppiner Chaussee 78, 13503 Berlin, Tel. 436 02 60 Text und Foto: Doris Müller KURZ & KNAPP 1|2014 BERLINER WALDZEITUNG SEITE 4 Veranstaltungen der Waldschulen Fr • 21.2.2014 • 18-20 Uhr „Abends im Winterwald“ Spaziergang durch den Spandauer Forst bei Dämmerung und Dunkelheit mit Spurensuche und Tierbeobachtung, ab 8 Jahren Anmeldung: 336 30 55 Kosten: 2,50 € Kind • 5 € Erw. 10 € Familie Waldschule Spandau Niederneuendorfer Allee 81 13587 Berlin So • 23.2.2014 • 10.30-12.30 Uhr Fledermäuse in Berliner Wäldern Dia-Vortrag mit dem Fledermausexperten Ronald Tismer Anmeldung: 41 76 37 03 Kosten: 2,50 € Kind • 5 € Erw. 10 € Familie Waldschule Teufelssee Müggelheimer Damm 144 12559 Berlin Mo • 24.2.2014 • 9-15 Uhr Märchenhafte Waldschule Fortbildung für ErzieherInnen Märchen- und sagenhafte Deutungen von Bäumen, Kräutern und Tieren; Märchen in der Waldpädagogik; Spiel-, Schreib- und Improvisationsübungen ­ Anmeldung: 41 47 48 67 Kosten: 26 € pro Person Waldschule Spandau Niederneuendorfer Allee 81 13587 Berlin So • 9.3.2014 • 14-17 Uhr Waldmärchen im Märchenwald mit Waldrundgang, Geschichten von den Waldbewohnern, Lagerfeuer und Knüppelkuchenbacken Anmeldung: (03 33 97) 292 14 Kosten: 2,50 € Kind • 5 € Erw. 10 € Familie Waldschule Bogensee Platz der Freundschaft 16348 Wandlitz/OT Bogensee EUROPA sucht die Meisterdetektive 2014 Das erfolgreiche Detektivspiel für Grundschulkinder rund um Wald und Natur wird schon zum 6. Mal veranstaltet. Diesmal haben Kinder im 2. und 3. Schuljahr die Möglichkeit, im Unterricht in die Rolle von Detektiven zu schlüpfen. Sie sind aufgefordert, angelehnt an die Kinderbuchhelden „Fünf Freunde“ von Enid Blyton und die bekannter Hörspielhelden aus „TKKG“,  einen spannenden Fall zu lösen! Diesmal gilt es für die Mädchen und Jungen herauszufinden, was im Wald schief läuft, denn immer mehr Tiere wandern ab. Liegt das an den vielen Waldbesuchern? Auch der Schwarzstorch, ein besonders scheuer Waldbewohner, ist gefährdet. Warum reißen die Tiere aus und wovor haben sie Angst? Diese spannenden Fragen müssen nun von jungen Meisterdetektiven beantwortet werden, damit die Wildtiere am Ende in ihrem heimatlichen Wald bleiben können. Solch eine spielerische Schulaktion wird alle zwei Jahre von „Treffpunkt Wald“ und der Sony Music Entertainment Germany GmbH ausgerufen und zieht deutschlandweit jeweils mehrere tausend Schulklassen in ihren Bann. Schließlich wird hier nicht nur relevantes Grundschulwissen vermittelt, sondern die Kinder erleben mit dem Projekt die Natur des Waldes und seiner Bewohner hautnah. Sie erfahren von bedrohten Tieren, lernen, was Naturschutz bedeutet und schulen ihre Fähigkeiten auf neue Weise. Auch Berliner Schulklassen sind eingeladen, sich als Detektive im Wald zu versuchen. LehrerInnen können ihre Klassen bis 30.4.2014 für das Projekt anmelden. Die Berliner Forsten unterstützen diese schöne naturnahe Aktion für Kinder auch diesmal wieder vor Ort in den Waldschulen und Förstereien und stellen regionale Preise in Form von Walderlebnissen für Schulklassen bereit. Mitmachen lohnt sich also! Ab 24. Januar 2014 werden kostenlose inhaltsstarke Aktionspakete – inklusive Hörspiel-CD, einem Klassensatz Detektivausweise, Täterkartei und umfangreichem Arbeitsmaterial – verschickt. Einsendeschluss für die Teilnahme am Gewinnspiel ist am 30.5.2014. Anmeldung: www.meister-detektive.de Interessante Naturerlebnisse für Kindergruppen, Familien und alle Naturliebhaber bietet die deutschlandweite Initiative der Forstverwaltungen aller Bundesländer „Treffpunkt WALD“ zu jeder Jahreszeit in ihrem Veranstaltungskalender: www.treffpunktwald.de Spurensuche am Lernort Natur NEU: Naturführer-App „Tierspuren” per Smartphone direkt draußen vor Ort beantworten. Geboten werden Informationen zu wildlebenden Tieren wie Biber, Fischadler, Höckerschwan oder auch dem Kupferstecher. Mit der Naturführer-App „Tierspuren“ wird die Spurensuche zu einer spannenden Schnitzeljagd durch Wald und über Wiesen. Ob Eichhörnchen, Waldmaus oder Habicht – atemberaubende Bilder, detaillierte Illustrationen und spannende Steckbriefe ermöglichen Einblicke in die Natur mit Lerneffekt. Eine BesonWer hat dort sein Ei gelegt? Welches Tier verbirgt sich hinter dieser Feder? Zu wem gehören diese Abdrücke? Wer mit offenen Augen und Ohren durch die Natur geht, kann viel entdecken. Die neue NaturführerApp „Tierspuren“ für das iPhone bietet die Möglichkeit, Entdecktes in der Natur sofort richtigen zuzuordnen. Damit können Erwachsene auch Kinderfragen derheit: Entdeckte Abdrücke lassen sich direkt mit den gesichteten Tierspuren abgleichen. Wer möchte, kann seine Entdeckungen fotografieren, in einem Ordner sammeln und in einem unterhaltsamen Quiz sein Naturwissen testen. Herausgeber der Tierspuren-App ist der GU-Verlag in Zusammenarbeit mit der Initiative „Lernort Natur“ des Deutschen Jagdverbandes, der es sich zur Aufgabe macht, Kindern und Erwachsenen wieder mehr für unsere natürliche Umwelt zu begeistern. Fotos: G U-Verlag/ DJV Foto: fotolia.com SEITE 5 BERLINER WALDZEITUNG 1|2014 KURZ & KNAPP Die Galerie der Nachhaltigkeit im Wald 2013 war das Jubiläumsjahr für „300 Jahre Nachhaltigkeit“. Deshalb wurde im Wald die größte „Galerie der Nachhaltigkeit“ gestaltet. Unter dem Motto „Nachhaltigkeit – mach dir ein Bild davon!“ können Wanderer und Naturfreunde auf eigene Faust versteckte Orte und verdeckte Zusammenhänge im Wald entdecken. Dazu haben Forstleute überall in Deutschland an beliebten Wald- und Wanderwegen große auffällige Holzrahmen in die Landschaft gestellt. Der Blick durch diese „Bilderrahmen“ lenkt die Aufmerksamkeit auf besondere Waldszenen und Details, die sich den Waldbesuchern sonst nicht ohne weiteres erschließen würden. Infotafeln erklären das Bild und erläutern die vielfältigen Leistungen des Waldes und der Försterinnen und Förster, die nicht nur für die Bereitstellung des Rohstoffes Holz Verantwortung übernehmen, son- Veranstaltungen der Waldschulen Sa • 15.3.2014 • 18-20 Uhr Spaziergang durch den Spandauer Forst bei Dämmerung und Dunkelheit; dabei können Spuren verfolgt, Käuze gehört, Füchse gerochen oder Wildschweine beobachtet werden ab 8 Jahren Anmeldung: 336 30 55 Kosten: 2,50 € Kind • 5 € Erw. 10 € Familie Waldschule Spandau Niederneuendorfer Allee 81 13587 Berlin So • 23.3.2014 • 10.30-13.30 Uhr Wanderung durch den erwachenden Frühlingswald, die Spechte beim Wohnungsbau beobachten, Frühlingsgesängen lauschen und selbst als Vogelfamilien auftreten. Anmeldung: 94 11 47 33 Kosten: 2,50 € Kind • 5 € Erw. 10 € Familie Waldschule Bucher Forst Wiltbergstraße 55 13125 Berlin So • 23.3.2014 • 13-17 Uhr Indianerfest rund um den Bogensee mit Totempfahl, Lagerfeuer, Tipi Knüppelbrot und lautem Geheul Anmeldung: (03 33 97) 292 14 Kosten: 2,50 € Kind • 5 € Erw. 10 € Familie Waldschule Bogensee Platz der Freundschaft 16348 Wandlitz/OT Bogensee So • 23.3.2014 • 14-18 Uhr Frühlingsanfang im Plänterwald/Tag des Waldes Familien spüren geheime Botschaften des Waldes auf und suchen einen Frühlingsschatz oder basteln Frühlingsgrüße Kosten: Startgeld für die Schatzsuche 2,50 €/Erw. und 1,50 €/Kind, Materialkosten für Bastelarbeiten Waldschule Plänterwald Dammweg 1b 12437 Berlin Di • 25.3.2014 • 17-19.30 Uhr Ein irrer Duft im Plänterwald Bärlauch liegt in der Luft und wird gesammelt, verarbeitet und verkostet ab 10 Jahren Anmeldung: 53 00 09 70 Kosten: 6 € pro Person inkl. Zutaten Waldschule Plänterwald Dammweg 1b 12437 Berlin Foto: Thorsten Wiehle dern zugleich für den Arten-, Umwelt- und Klimaschutz und für die Erholung und Freizeitmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger zuständig sind. In den Berliner Wäldern ig Nachhalt keit! Wu ss chon…? ten Sie s stehen Nachhaltigkeits-Bilderrahmen zum Beispiel in der Umgebung des Grunewaldturms und im Tegeler Forst. Die Aktion war ein zentraler Bestandteil des facettenreichen Jubiläumsjahres „300 Jahre Nachhaltigkeit“, das an die Prägung des Nachhaltigkeitsbegriffes durch die deutsche Forstwirtschaft – namentlich durch Hans Carl von Carlowitz – im Jahr 1713 erinnert. Besondere Perspektiven Durch die Bilderrahmen erkennt der Besucher etwa eine historische Rückegasse, ein wertvolles Feuchtgebiet oder einen uralten Baumriesen. Aber vor allem kann er auf die Spuren und Zeugnisse einer nachhaltigen Forstwirtschaft blicken: auf Wiederaufforstungen mit standortgerechten und unterschiedlichen Baumarten, auf hochwertiges Saatgut in Baumkronen, auf so genannte „Zukunftsbäume“, deren Wachstum noch jahrzehntelang gefördert werden wird, oder auf das von Förstern und Waldbesitzern geschützte Totholz, also abgestorbene Bäume, die unzähligen Organismen Lebensraum bieten. Viel Spaß im Wald auf den Spuren der Nachhaltigkeit! Sie wollen Ihre Zuku nft mitgestalten? Sie haben 2013 Ihr Pr üfungsstück im Handwerk angefer tigt? Dann zeigen Sie uns, war um Ihre Arbeit einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leistet und bewerben Sie sich für den Nachhaltigkeitspreis der deutschen Forstwirtschaft Im Jubiläumsjahr „300 Jahre Nachhaltigkeit“ veranstaltete die deutsche Forstwirtschaft drei Wettbewerbe, die dazu anregen sollen, sich mit einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft in ökologischen, ökonomischen, sozialen oder kulturellen Lebensbereichen auseinanderzusetzen. Damit wurden die besten Abschlussarbeiten an Hochschulen, die nachhaltigsten Prüfungsstücke im Handwerk und besondere Ideen für Apps - Anwendungssoftware für Mobilgeräte - die einen entsprechenden Lebensstil unterstützen, gesucht. Am 6. und 7. Februar 2014 werden im sächsischen Freiberg die Preise an junge Leute mit nachhaltigen Projekten verliehen. Forstwirtschaft 2013 1. Preis 1.500 4 2. Preis 1.000 4 3. Preis 500 4 Nachhaltigkeitspreis der deu tschen Einsendeschluss : 31. Oktober 2013 Prämierung von Prüfungsst ücken ! Info und Anmeldung über www.wettbewerbe.f orstw irtschaft-in -deutschla nd.de KURZ & KNAPP 1|2013 BERLINER WALDZEITUNG SEITE 6 Veranstaltungen der Waldschulen Do • 27.3.2014 • 10-14 Uhr Girlsday – Frauen im Forst Girls-Day Berufe für Frauen im Wald mit der Revierförsterei Dreilinden. In freier Natur werden forstliche Berufsbilder, das Freiwillige Ökologische Jahr, die Arbeit einer Waldschule, Baumfällung oder der Einsatz von „Rückepferden“ vorgestellt, für junge Frauen und Mädchen, ab der 5. Klasse Anmeldung: 80 49 51 80 Keine Kosten! Waldschule Zehlendorf Stahnsdorfer Damm 3, 14109 Berlin Sa • 29.3.2014 • 19.30-22 Uhr Sonne, Mond und Sterne – neben bekannten Sternbildern kann das Frühlingsdreieck und der Jupiter gesehen werden. Die Veranstaltung findet nur bei klarem Himmel statt ab 7 Jahren Anmeldung: 336 30 55 Kosten: 2,50 € Kind • 5 € Erw. 10 € Familie Waldschule Spandau Niederneuendorfer Allee 81 13587 Berlin So • 30.3.2014 • 10-13 Uhr Wildtiere in der Stadt Der Grünspecht kann gut lachen Der farbenprächtige Grünspecht wurde vom NABU und seinem bayerischer Partner, dem Landesbund für Vogelschutz zum „Vogel des Jahres 2014“ gekürt. Mit der rote Kappe und seiner schwarze Augenmaske erwarb er sich den Spitznamen „Zorro“. Noch bekannter ist er wegen seines markanten Ausrufs, der dem grellen Klang des Lachens ähnelt. Deshalb wird der Grünspecht auch gern „Lachvogel“ genannt. Trotz der markanten Merkmale ist er in der Natur nicht so leicht zu entdecken. Doch er gehört zu den verbreiteten Vogelarten, ist sehr anpassungsfähig und erobert auch immer mehr die Städte und Dörfer. Vor diesem Hintergrund steigt sogar ren lichte Wälder mit hohlen Bäumen, Streuobstwiesen und Grünland. Auch eine natürliche Zuwanderung des Vogels kann durch kalte Winter wieder gestoppt werden. Der Grünspecht baut gern Nisthöhlen in alten Bäumen und braucht Grünland, wo es für ihn Ameisen als Futter gibt. Mit seinem Schnabel und der bis zu zehn Zentimeter langen klebrigen Zunge kann er diese Leckerbissen vom Boden oder aus den Bäumen holen. Er ist nach dem Buntspecht und vor dem Schwarzspecht die zweithäufigste Spechtart Deutschlands und ein echter Europäer. Fast überall ist er hier zu finden. Nur in Irland, Teilen Skandinaviens und Russlands hat er sich nicht angesiedelt. Vogel des Jahres 2014 Foto: NABU, Kühn; oben R. Rössner sein Bestand. Es gibt derzeit deutschlandweit über 42.000 Brutpaare. Damit hat sich ihre Zahl in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt. Doch die- se positive Entwicklung kann leicht wieder kippen, denn leider verschwinden zunehmend die natürlichen Lebensräume des Grünspechtes. Dazu gehö- Arzneipflanze des Jahres 2014 Der Spitzwegerich ist vom „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg zur „Arzneipflanze des Jahres 2014“ ernannt worden. Man findet ihn auch in Berlins Wäldern an Wegrändern und in trockenen Wiesen. Seinen Namen verdankt er den spitz zulaufenden, langen, schmalen, aufrecht stehenden Blättern, die eine Bodenrosette bilden. Die krautige Pflanze kann eine Höhe von 5 bis 50 So • 30.3.2014 • 14 Uhr Wildnistag am Bogensee mit Wanderung durch den Wald Anmeldung: (03 33 97) 2 92 14 Kosten: 2,50 € Kind • 5 € Erw. 10 € Familie Waldschule Bogensee Platz der Freundschaft 16348 Wandlitz/OT Bogensee getrocknet werden. Für Saft aus Spitzwegerich presst man die frischen Blätter aus und für Sirup werden sie zusammen mit den Blüten und Zucker oder Honig gekocht. Was machen Mücken im Winter? In der kalten Jahreszeit verkriechen sich viele Wildtiere. Aber was machen jetzt eigentlich die Quälgeister des Sommers, die uns so gepeinigt haben? Wo sind all die Stechmücken geblieben? Die Männchen erleben den Winter nicht, denn sie sterben schon im Herbst. Männliche Mücken sind ohnehin nicht am „Blutrausch“ beteiligt. Die eigentlichen Plagegeister sind die Weibchen, die Blut für ihren Mücken-Nachwuchs brauchen. Und genau die überleben den Temperatursturz. Es gibt zahlreiche Stechmückengattungen mit den unterschiedlichsten Überwinterungsstrategien. Die meisten Arten überwintern wie die Waldmücken im Eistadium. Bei Hausmücken hingegen kommen befruchtete Weibchen problemlos über die kalte Jahreszeit. So können sie im Frühjahr möglichst frühzeitig ihre Eier legen. Kühle, feuchte und geschützte Stellen im Keller, in Höhlen, Viehställen und Häusern bieten ihnen ideale Überlebensbedingungen. Dort verfallen die Insekten in eine Art Kältestarre. Dafür scheiden sie überschüssige Körperflüssigkeit aus. In die verbleibende Flüssigkeit wird ein Zucker eingebaut, der wie ein Frostschutzmittel wirkt. Schafft es eine Mücke jedoch, sich ins Haus einzuschleichen, treibt sie dort ihr Unwesen und sticht die Bewohner! Den ganzen Winter übersteht sie Foto: piclease/J. Holstein allerdings meist nicht. Auch die schon gelegten Mückeneier nehmen bei Frost nur sehr selten Schaden. Sie können im Schlamm eines Gewässerbodens problemlos überwintern, wenn er nicht gefriert. Entscheidend für eine Mückenplage sind die Entwicklungsbedingungen im Frühjahr und Sommer. Lange anhaltende Regenfälle sorgen für ideale Brutstätten der Larven. Wenn dann noch warme Temperaturen hinzukommen, sind die Voraussetzungen für eine neue Mückenplage perfekt. Eva Goris, Deutsche Wildtier Stiftung Foto: Dr. Heike Will Vortrag und eine Filmvorführung mit Diskussion Anmeldung: 41 76 37 03 Kosten: 5 € pro Person Waldschule Teufelssee Müggelheimer Damm 144 12559 Berlin Spitzwegerich stillt den Husten Zentimetern erreichen und die verzweigte Wurzel reicht bis zu 60 cm in den Boden. Spitzwegerich stillt den Hustenreiz und hilft bei Entzündungen der Haut und der Schleimhäute. Besonders der Breit- und der Spitzwegerich werden schon seit Jahrtausenden in der Heilkunde genutzt. Um die Heilkräfte zu entfalten, verwendet man vor allem die Blätter des Spitzwegerichs. Seine zahlreichen Inhaltsstoffe helfen bei Erkältungen, Entzündungen von Mund und Rachenschleimhaut und können die Wundheilung unterstützen. Schleimstoffe lösen reizmildernde Effekte aus. Damit kann der Spitzwegerich den lästigen Hustenreiz mildern. In der Volksmedizin gilt die Pflanze seit langem als ein gutes Mittel zur ersten Wundversorgung und bei Insektenstichen. Zur Herstellung von Teeaufgüssen können die Blätter oder das ganze Kraut gesammelt und SEITE 7 BERLINER WALDZEITUNG 1|2013 KURZ & KNAPP Endlich Lichtblicke am Teufelsberg? Nach Messungen aus dem Jahr 2013 ist der Berg aus Trümmerschutt des Zweiten Weltkrieges mit dem vielsagenden Namen „Teufelsberg“ im Westen Berlins mit 120,1 m die größte Erhebung der Stadt. Auf seinem höchsten Plateau stehen heute Ruinen einer Flugüberwachungs- und Abhörstation der US-amerikanischen Streitkräfte. Zwischen 1991 und 1999 wurde die Anlage noch als Radarstation für die Flugsicherung genutzt. Nach dem Verkauf des 4,7 ha großen Areals Ende der 1990er Jahre scheiterte zunächst eine Bebauung mit Hotel und Luxuswohnungen und auch weitere Nutzungspläne gelangen nicht. Im Frühjahr 2013 hat die Bezirksverordnetenversammlung von Charlottenburg-Wilmersdorf einen runden Tisch einberufen, der seitdem regelmäßig zusammenfindet. Sein Ziel ist es, eine langfristige Lösung für das Teufelsberg-Areal zu finden, das sowohl der Renaturierung als auch der Vermittlung der geschichtlichen Bedeutung des Ortes Rechnung trägt. Letztere reicht vom Rohbau der „Wehrtechnischen Fakultät“ der TH im Nationalsozialismus, über den „Schuttplatz“ für Trümmer des Zweiten Weltkrieges bis zur Abhörstation der Alliierten in der Zeit des Kalten Krieges und den versuchten Projekten nach dem Mauerfall. Der Runde Tisch soll nun prüfen, welche realistischen Entwicklungen möglich sind. Dazu müssen folgende Fragen geklärt werden: Ist ein Rückkauf von Seiten des Senats notwendig? Können finanzierbare entwickelt werden? Wie kann das Teufelsbergplateau gestaltet werden, damit sowohl für das starke öffentliche Interesse als auch für notwendige Integration in das umgebende Landschaftsschutzgebiet gute Ergebnisse erzielt werden? Es bleibt also spannend, wie dieses besondere Trümmerbergplateau der ehemaligen Abhörstation künftig aussehen wird. Zu wünschen ist, dass es endlich wieder öffentlich zugänglich wird. Hier sollten die Berliner und ihre Gäste den fantastischen Ausblick über Stadt- und Havellandschaft ge­nießen dürfen und historische Einblicke bekommen. BUCHTIPP Teufelsberg – eine Wunde in der Naturlandschaft Falsche Birke im Grunewald „gepflanzt“ Der Künstler Julius von Bismarck hat sich mit einem Baum von Menschenhand im Grunewald verewigt. Er „pflanzte“ mit sechs Helfern in der Gegend des Teufelssees einen 8,5 Meter hohen künstlichen Birkenstamm. Was dahintersteckt erfuhr Doris Müller für die Berliner Walzeitung im Gespräch mit ihm: Wie kamen Sie auf die Idee, eine falsche Birke in den Berliner Wald zu stellen? Ich bin an Bäumen als Objekt interessiert. Sie sind spektakuläre statische Meisterwerke und ich wollte herausfinden, wie man den Baum mit anderen Augen angucken kann. Beim Vergleich: Was kann der Mensch und was die Natur, wird der ganze Wald zur Baumausstellung. Warum haben Sie eine Birke nachgebildet? Ich mag Birken. Sie stehen vereinzelt als Zeichen zwischen Kiefern und Laubbäumen im Wald und ihr Farbton hängt von ihrem Standort ab. Ich habe nur den Stamm nachgebildet, denn Blätter und Krone sind zu aufwendig und verändern sich ja in den Jahreszeiten. Welchen Aufwand hatten Sie mit dem Objekt? Ich holte mir eine gefällte Birke ins Atelier, um daraus eine Silikonform für den Stamm herzustellen und ihn dann aus Schaum zu gießen. Hinein kam ein 8,5 Meter hoher Aluminiumkern. Der Baumstamm wurde mit der naturgetreuen Maserung bemalt, in zwei Teilen in den Wald gebracht und dort installiert. Die Kosten der Aktion lagen bei 4000 bis 5000 Euro. Wird der künstliche Baum im Grunewald bald wieder „gefällt“? Er ist dazu gemacht, dass er dort Jahre stehen kann. Sein Aluminiumkern rostet nicht. Wenn er nicht geklaut wird oder eine Wildsau dagegen rennt, kann er noch lange zwischen den echten Bäumen gesucht werden. Einfach ist es nicht, ihn zu finden! Dankeschön für das Gespräch! Der Autor Dr. Hans-Jürgen Mielke zeigt die Entwicklung des Teufelsberges als Wunde in der Naturlandschaft im nördlichen Grunewald. Hier wird genau aufgezeigt und interessant illustriert, wie die Entwicklung des heutigen Teufelsbergareals verlaufen ist. Sie reicht vom „Dauerwaldvertrag“ der einstigen Stadtväter über die Zeit des Nationalsozialismus, die Entstehung des Trümmerberges mit Horchposten in den Osten bis in die Nachwendezeit mit Pleiten und Pannen. Am Ende steht die Frage: Was soll im Interesse des Natur- und Landschaftsschutzes mit dem verwüsteten Areal auf dem Teufelsberg geschehen und wie können solche „Einbrüche“ in Berlins Wälder künftig vermieden werden? Wald und Politik: Die unendliche Geschichte des Berliner Teufelsberges Hans-J. Mielke, Projekt-Verlag, 48 Seiten, 1. Auflage 2011 ISBN 9783862375479 Foto: Julius v. Bismarck Foto: Thorsten Wiehle KURZ & KNAPP 1|2014 BERLINER WALDZEITUNG SEITE 8 Das Büblein auf dem Eise Gefroren hat es heuer noch gar kein festes Eis. Das Büblein steht am Weiher und spricht zu sich ganz leis: „Ich will es einmal wagen, das Eis, es muß doch tragen.“ Wer weiß! Das Büblein stapft und hacket mit seinem Stiefelein. Das Eis auf einmal knacket, und krach! schon bricht‘s hinein. Das Büblein platscht und krabbelt, als wie ein Krebs und zappelt mit Arm und Bein. „O helft, ich muss versinken in lauter Eis und Schnee! O helft, ich muss ertrinken im tiefen, tiefen See!“ Wär‘ nicht ein Mann gekommen der sich ein Herz genommen, o weh! Der packt es bei dem Schopfe und zieht es dann heraus, vom Fuße bis zum Kopfe wie eine Wassermaus. Das Büblein hat getropfet, der Vater hat‘s geklopfet es aus zu Haus. Friedrich Güll (1812-1879) Winterwald genießen – Wildtiere schützen An schönen Wintertagen lohnt sich ein Waldspaziergang an frischer Luft durch die Natur. Dann haben Bäume und Pflanzen ihr Wachstum eingestellt und verharren in eintönigeren Farben. Insekten sind kaum noch unterwegs, lästige Fliegen und Mücken und andere stechende Insekten ärgern uns jetzt auf keinen Fall. Die Natur befindet sich in einer Ruhephase. Wildtiere können sich jetzt nicht so gut im Dickicht und Laub versteckt halten und die Chance, sie zu Gesicht zu bekommen, ist größer als in anderen Jahreszeiten. Auch ihre Spuren sind jetzt eher sichtbar, denn sie werden im Winter nicht von Insekten und Kleintieren verwischt. Besonders reizvoll ist es natürlich, wenn frischer Schnee die Landschaft in Weiß hüllt und die Schneedecke es so- Fotos: Thorsten Wiehle gar erlaubt, die Wintersportgeräte herauszuholen. Dann ziehen begeisterte Langläufer auf ihren schmalen langen Brettern vielerorts ihre Spuren durch den Berliner Forst. Loipen zu ziehen, wie in den Wintersportgebieten, ist in den Berliner Forstrevieren nicht vorgesehen, denn die Schneeverhältnisse sind meist so unbeständig, dass sich der Aufwand nicht lohnen würde. Wichtig ist, dass Langläufer die Waldwege nutzen und nicht quer durch den Bestand laufen, denn Wildtiere leben in dieser Jahreszeit von ihren Nahrungsreserven und dürfen nicht aufgeschreckt werden. Oft flüchten sie dann über nahe Straßen und verursachen schwere Wildunfälle. Auch ihre Flucht auf die dünne Eisdecke eines Sees kann sie das Leben kosten. Das Rodeln ist auf vielen abschüssigen Wegen und kleinen Hügeln im Berliner Forst möglich. Kinder werden gern auf Schlitten gezogen und Familien finden vielerorts passende Rodelstrecken. In den Müggelbergen zwischen Langem See und Müggelsee oder im Grunewald nahe der Havel und am Teufelsberg sind sie sogar ganz beachtlich und bieten durchaus Herausforderung für mutige Schlittenpiloten aller Altersgruppen. Auch hier gilt, nicht wild durch den Waldbestand rodeln, sondern geeignete Weg nutzen und rücksichtsvoll auf Spaziergänger achten. So steht dem Spaß am Wintersport nichts im Wege. Fütterung von Wildtieren im Winter? Auch in Berlin und Umgebung kann es strenge Frostperioden mit Eis und Schnee geben. Doch selbst dann ist es in den Berliner Wäldern und anderen Naturräumen nicht notwendig, Wildtiere zu füttern. Die Tiere sind mit ihren Aktivitäten und Strategien auch an längere Winterperioden angepasst. Einige halten Winterschlaf oder Winterruhe. Die meisten suchen in der kalten Jahreszeit Ruhe, haben sich Reserven angefressen oder Vorräte angelegt und fahren ihren Energiebedarf herunter. Diese natürlichen Überlebensstrategien könnte man mit Fütterungen unter Umständen sogar stören. In Berliner Wäldern verhungern Wildtiere in der Regel nicht. Gut gemeinte private Wildtierfütterungen in der Nähe von Siedlungen sind deshalb ganz und gar nicht im Sinne der Tiere und auch nicht sinnvoll für die Menschen, denn wo zum Beispiel Wildschweine einmal Futter fanden, kehren sie gern auch zu anderen Jahreszeiten zurück und richten oft Schäden an – dann ist es mit der Tierliebe der Anwohnerinnen und Anwohner meist schnell vorbei. Das Füttern der Wildtiere ist also aus gutem Grund auch im Landesjagdgesetz verboten und es droht ein empfindliches Bußgeld. Winteropfer unter Wildtieren gibt es manchmal, wenn Wildschwein, Reh oder Fuchs sich auf die dünne Eisdecke eines der vielen Berliner Seen wagt, einbricht und ertrinkt. Übrigens auch Vögel, die im Berliner Raum überwintern, und unsere Wasservögel, wie Schwäne, Enten und Gänse finden in Berlin auch im Winter noch ihr Futter in der Natur. Foto: Thorsten Wiehle
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