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VII. Zum Tode

Full text: Schwere Jungen / Hyan, Hans

72 Großstadt-Dokumente Bd. 28. Schwere Jungen.

Grat hängend, die schwarzen Fittiche des Riesenvogels um sein Haupt rauschen hört.. . . Und dieser Kampf mit dem Tode. der gerade auf ihn zuschreitet, nimmt kein Ende! In den harten Worten des Gerichtspräsidenten und den Aussagen der Zeugen erklingt sein Brausen. Diesen furchtbaren Feind, der unsichtbar ist und nie ermüdet, kann selbst der starke Ostpreuße nicht bezwingen. Jede Stunde rückt ihn ihm näher. Und die Tage, die anfangs noch wie Fliegen im Winter daher-krochen, rasen jetzt vorbei wie Schnellzüge . . .

Die Verurteilung, die Revision, deren Zurückweisung, Gnadengesuch, dessen Ablehnung, alles scheint eins, scheint das Werk von Stunden, von Minuten zu sein . . .

Friedrich Bewer hat die Empfindung, als hätt' ihn jemand am Halse und reißt ihn, trotz all seines Sträubens, mit überlegener Kraft fort. Manchmal darf er sich noch umsehen. Da taucht der hölzerne Kirchturm in seinem Heimatdorfe an der Weichsel auf. Es ist Sommer, die Sonne scheint wunderschön. . . Und blau ist der Himmel ... Die Frösche quaken am hellen Tage aus den Wiesen. Da hinten beim Dorf sind die Leute, die Marja auch . . . Heu machen . . .

Der Aufseher blickt wie strafend empor: Friedrich Bewer hat laut aufgeseufzt . . .

Zwei Tage später kommt der Gefängnisdirektor und sagt „Morgen früh ..." Er sagt ja noch mehr, aber der Gefangene versteht bloß: „Morgen früh . . ."

Und er weint.

Aber abends die Bratkartoffeln — Bratkartoffeln!! — und das Beefsteak, der Rotwein und die Cigarren, ah, das ist fein! ... Da lächelt der Bewer. Und die Nacht schläft er, schläft fest und traumlos, wie einer, der das beste Gewissen von der Welt hat . . .
        
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