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VII. Zum Tode

Full text: Schwere Jungen / Hyan, Hans

VII. Zum Tode.

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ist das Ave Maria und das Paternoster. Außerdem hat er in ewig dumpfer Mühe das Floß gestoßen und Erde gekarrt! Die Fuselflasche und ein schmutziger Frauen-körper sind seine Freuden gewesen. Und der Pfarrer, hat man ihn gelehrt, ist im stände, alle Sünden zu vergeben! Man muß nur beichten und bereuen! Das will er ja! Alles, alles will er beichten und bereuen! . . . Aber nur dem Herrn Pfarrer! . . .

Dem hat er's denn auch eingestanden. Und da ist dieses furchtbare Geständnis hineingefallen in das Ohr des Geistlichen, wie in einen bodenlos tiefen Brunnen ... Und der Pfarrer hat ihn absolviert.

Gott hat ihm verziehen. Gott kann verzeihen. Die Menschen kennen nur Rache. „Wer Menschenblut vergießt, dess' Blut soll wieder durch Menschen vergossen

werden!" Friedrich Bewer, dessen Ohr nur das

unverständliche Latein der katholischen Bibel traf, kennt diese Worte nicht. Aber er versteht plötzlich ihren grausamen Widersinn. Jetzt wird ihm klar, daß man nicht morden darf, er nicht, aber der Staat, die Gerechtigkeit auch nicht! ...

Die Gerechtigkeit . . .

Und er leugnet und sagt immer wieder: „Ich war's nicht!" Seine Reue ist mit der Beichte an den Priester erschöpft, und die Träume, in denen die Erschlagene blutig und mit angstverzerrten Zügen da ist, die ärgern den Masuren nur, weil er allmählich begreift, wie viel das Leben Wert ist, das er für so wenig in die Schanze geschlagen hat . . .

Aber den Tod, den Tod durch Henkershand, den begreift er nicht, bis zu seinem Ende. Schon während der Gerichtsverhandlung, von der er nur das wenigste verstand, hat seine schwerfällige Seele sich damit herumgeschlagen, wie der Adlerjäger, der, oben am höchsten
        
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