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VII. Zum Tode

Full text: Schwere Jungen / Hyan, Hans

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Großstadt-Dokumente Bd. 28. Schwere Jungen.

In solcher Empfindung bleibt er vor dem roten Plakat an der Litfaßsäule stehen und ist wütend, daß es ihm nicht gelingen will, die schwarzen Buchstaben auf dem zinnoberfarbigen Papier zu vereinigen. Schließlich bittet er einen anderen Müßiggänger. Der liest's ihm vor. Niemand kann aus dieser vagen Beschreibung des Verbrechers einen Verdacht gegen ihn herauslesen. Aber sein eigener, ungelenker Kopf wittert überall Verrat. Und wie er so scheu davonschleicht, wird sein Helfer beim Lesen, dem natürlich die Zunge nach den tausend Mark Belohnung heraushängt, argwöhnisch. Er geht ihm nach, und wie's der Bewer merkt, fängt er an zu rennen.

Der Andere zum nächsten Schutzmann, und „Halt ihm! . .. Halt ihm!" .. .

Drei liegen schon zerschunden auf dem Asphalt, da schmeißt sich ihm ein Droschkenkutscher entgegen. Der fliegt auch hin, hält aber fest! Und von Menschenfäusten bedeckt, die sich in seine armseligen Lumpen, in sein Fleisch, ja in seinen Mund hineinkrallen, nimmt ihn die Polizei in Empfang.

Er leugnet, leugnet alles.

Aber man hat ihn zur selben Stunde in dem Hause gesehen. Er hat ja nicht nur bei der Ermordeten gebettelt. So verwickelt er sich in die tollsten Widersprüche, bleibt aber bei seinem „Ich war's nicht!" Auch wie man ihm den von seinem Beinkleid abgerissenen Knopf zeigt, der in der Küche der armen Frau gefunden wurde. Die Stofffasern unter ihren Nägeln, die Blutflecke an seinen Kleidern — daß man daraus wissenschaftliche Beweise für seine Tat herzuleiten im stände ist, das ist er nicht fähig, zu begreifen . . .

Herr Gott! Er kann ja nicht lesen und schreiben! Das einzige, was er auswendig gelernt hat und weiß,
        
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