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VII. Zum Tode

Full text: Schwere Jungen / Hyan, Hans

VII. Zum Tode.

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So Wartete Friedrich Bewer ...

Die Gedanken kamen und gingen in seinem Kopfe — der wulstige Lippen, kleine schwarzbrennende Augen und mächtige Kiefer hatte — wie Leute, die nach einem Erdbeben ihre Heimat wieder aufsuchen und sich nicht mehr zurechtfinden ...

Seine großen, schwarzbehaarten Fäuste, die so oft die Floßstange in den lehmigen Grund der Weichsel gestoßen hatten, die hart und unempfindlich geworden waren vom Schippen und Karren bei der Kanalarbeit, die hatte man gefesselt. Ohne Not eigentlich, denn seit seiner Jnhaftnahme, bei der er natürlich Widerstand leistete, war er fromm wie ein Lamm. Und die Kette, welche die breiten eisernen Handschellen verband, klirrte bei jeder Bewegung und weckte Friedrich Bewer oft aus dem Schlafe.

Die Bibel lag offen auf dem weißgescheuerten Holztisch. Manchmal sah der zum Tode Verurteilte auch hinein. Der Pfarrer, der in den letzten Tagen mehrmals zu ihm gekommen ttmr, hatte ihm gesagt: in diesem Buch sei einer, der ihm helfen könnte ... Und das nahn: Friedrich Bewer wörtlich, ganz wörtlich! ... Aber sein Geist paßte die Buchstaben nur mühsam aneinander, und wenn auch Worte draus wurden, so blieb doch das Satzgefüge dunkel für ihn, und er bohrte und grub vergeblich in diese rätselhafte Tiefe . . .

Man glaubt ja nicht, wie leicht so ein Kopf, der auf einem Pferdestärken Körper sitzt, müde wird bei der geringsten Anstrengung des Geistes ... Und nachlassen durfte er nicht... Es ist niemand da, der ihm befiehlt, aber er kann nicht anders, als immer weiter arbeiten an dieser fürchterlichen Frage: warum muß ich sterben??

Es ist nicht wahr, Friedrich Bewer fürchtet sich nicht vor dem Sterben selber. Er hat sich damals, als sie den

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