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VII. Zum Tode

Full text: Schwere Jungen / Hyan, Hans

VII. 
Zum Tolle 
Am achtundzwanzigsten hatte Friedrich Bewer er¬ 
fahren , daß sein Gnadengesuch abschlägig beschieden 
worden sei — er wartete nun auf die Hinrichtung . . . 
Das heißt, warten ist da eigentlich ein schlechtes 
Wort: Friedrich Bewer, dieser große, breitschultrige, stier¬ 
nackige Mensch, in Ostpreußen geboren, — wo sein Vater 
Holzfäller gewesen war und die Mutter dazu verdient 
hatte, als Soldatenschneppe — stockkatholisch und mit 
einer Intelligenz, die im umgekehrten Verhältnis zu 
seinen enormen Körperkräften stand — dieser Friedrich 
Bewer saß in der weißgrau getünchten Zelle auf dem 
dreibeinigen Schemel und starrte vor sich hin. Dann 
und wann schüttelte er seinen zweiundzwanzigjährigen, 
schwarzborstigen Kopf und stieß brummende Töne aus. 
Und wenn er sich dann erhob nnd näher ans Fenster 
ging, das, übermannshoch und mit schweren Traillen 
vergittert, nur den Blick in den bewölkten Februarhimmel 
freigab, dann glich er so recht einem der starken masurischen 
Bullen, der einen Menschen auf die Homer genommen 
und zu Tode gestoßen hat, und den nun bald der 
Schlächter holen soll.
	        
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