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VI. Im Kittchen

Full text: Schwere Jungen / Hyan, Hans

VI. Im Kittchen.

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Die Gefängnisse — sie sind leider noch immer die ultima ratio der besitzenden und regierenden Klassen — haben in den letzten Jahrzehnten immerhin gründliche Wandlungen erfahren.

Früher benutzte man wohl alte Kasernen oder sonstige Gebäude zu diesem Zwecke, die sich mit ihren langen finsteren Korridoren, den nur durch ein kleines und dann noch dicht vergittertes Fenster schwach erleuchteten Zellen und durch den Mangel an jeder gesundheitlichen Fürsorge für den Gefangenen so wenig wie möglich für den gedachten Zweck eigneten. Diese Gesangenenanstalten boten auch in den meisten Fällen wenig Sicherheit gegen das Ausbrechen geübter und entschlossener Sträflinge. Zu den wenigen Gerätschaften, die sich damals in einer Gefangenenzelle vorfanden, gehörte unter anderem der die Luft verpestende Unrateimer; auch befanden sich in vielen dieser Räume in die Mauer eingelassene Ketten, an die man die Gefangenen schloß, sobald sie sich irgendwie unbotmäßig zeigten. Stock und Eisen, das waren die Zeichen, in denen das Gefängniswesen jahrhundertelang seine traurigen Triumphe feierte.

Eine regelmäßige Arbeit im Sinne der heutigen Gefängnis- und Zuchthausbeschästigungen gab es damals noch nicht. Dagegen wurden die Bedürsuisse der Gefangenen nach Möglichkeit von den Inhaftierten resp. durch ihre Arbeit bestritten. Heute sind in Deutschland zum großen Teil Anstalten erbaut, in denen sich die Gefangenenbehandlung nach einem einheitlichen Plane regelt, wenn dieser auch keineswegs Anspruch erheben darf, einer wirklich rationellen Sozialpolitik zu genügen.

Die Unrateimer haben in den meisten Fällen den Wasserklosetts Platz gemacht, wie auch jede Zelle mehr oder minder ihre eigene Leitung hat. Und während in früherer Zeit durchschnittlich vier bis acht Gefangene in
        
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