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VI. Im Kittchen

Full text: Schwere Jungen / Hyan, Hans

62	Großstadt-Dokumente	Bd. 28. Schwere Jungen.

gekriegt, der Direktor, den haben die Maden bei lebendigem Leibe uffjefrefsen ..."

Walter oben lachte gedämpft:

„Das gibt's ja nid)!"

„Doch jibt's, an de Wurmkrankheit is er krepiert!"

„Ja," log Karl, „det habe ick ooch jehört. Und is ooch recht so, wir sind doch nich bloß hier zum maltretieren und det se Schindluder mit uns treiben!..

„Wenn ich blos mein Pensum besser fertig kriegte," seufzte der Weinwirt. „Die olle Cigarrenwicklerei is schauderhaft! . . . Was jloobt ihr woll, wie oft ich schon Kostentziehung und Kostschmälerung gehabt habe. weil ich mein Pensum nicht voll hatte . . ."

Die beiden andern schwiegen. Dann sagte Walter:

„Wißt Ihr schon, daß der neue Direktor uns die Schreibhefte und Bleistifte entziehen will?"

„Ach nee!"

„Ja woll, mir hat's heite Abend der Kalfaktor gesagt, morgen früh kommt der Aufseher und holt ab. . . Und die Bücher, die man kriegt, die sind so wie so schon nich zu lesen, lauter fromme Traktätchen ..."

„Ja," sagte Karl, „und mit's Essen, da is et auch man sehre mau; wenn ick so kennte, wie ick wollte, keene zehn Pferde hielten mich hier!"

Die beiden andern lachten. Plötzlich hörte Walter, wie unten die Deckel der Klosetts zuklappten, er selbst schloß den seinen ebenfalls vorsichtig und war mit einem Sprung wieder auf dem Bett, wo er sich rasch zudeckte.

Dann gingen unter ihm Zellentüren, er hörte gedämpfte Stimmen, und am nächsten Tage erfuhr er von dem Kalefaktor, mit dem er sich gut stand, daß Karl und der Weinwirt in andere Zellen verlegt und zu Straf rapport gemeldet waren.
        
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